® Unglaublich!

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ghost-1459234_1280Stellen Sie sich eine Welt vor, in der Menschen an Geister glauben. Geister sind reine Phantasieprodukte, die nicht real existieren. Die Menschen erdenken sie in zigtausendfachen Varianten und nennen sie Götter. Meistens glauben sie nur an einen einzigen Gott, und fremde Geister verachten sie mehr oder weniger (Bild: GraphicMama-team, pixabay).

Der eigene Gott ist aber wahr und echt, glauben die davon Befallenen. Er ist das Höchste und zugleich die festeste Basis. Diesem imaginären Gott werfen sie sich zu Füßen, und sie titulieren ihn als Herr: Sie treiben freiwillige Selbstversklavung.

Ihre menschlichen Bedürfnisse sind sie bereit einzuschränken, weil sie der realen Natur weniger trauen als den vermeintlichen Einflüsterungen der Geister. So unterwerfen sie sich perversen Regeln, mystischen Ritualen und masochistischen Selbstverleugnungen. 

Sie glauben an die absurdesten Dinge, an einen Himmel, in dem sie nach dem Tode weiterzuleben wünschen, und an eine Hölle, vor der sie ihren Kindern Furcht einbleuen.

Sie akzeptieren die Mär von Spinnern und Scharlatanen als Propheten oder Apostel, und was diese Betrüger als Schriften hinterlassen, halten sie heilig. Sie bauen ihrem Glauben Häuser, und wo ihnen nach Prunk ist, protzen sie damit: Reliquien, Schreine, Gewänder, Bilder und Altäre.

Sie unterwerfen sich (mehr oder weniger) überkommenen Geboten, sie folgen menschenfeindlichen Regeln. Wenn es sie besonders schlimm erwischt hat, kleiden sie sich mit perversen Verhüllungsgewändern oder albernen Hüten.

Sie legen "Beichte" ab, d.h. sie treiben Selbstbezichtigung mit realen oder eingebildeten Sünden. Sie "beten", d.h. sie sprechen zu niemandem und glauben trotzdem, sie würden Gehör finden.

Menschen, die sonst gar nicht korrupt sind, kanalisieren Geld in die Kassen der Kirchen und schanzen ihnen Vorteile aller Art zu. Normalerweise ehrliche Menschen verteidigen die Vorzugsbehandlung von religiösen Agendasetzern, Maniputateuren und Verdummern.

Und – nicht zu vergessen – viele tun Gutes im Namen der Geister, von denen sie besessen sind. Wie schade um das Engagement, um die Zuwendung, die von minderwertiger Motivation heraus vereinnahmt wird, anstatt sich unmittelbar der Würde und Güte der Menschen zuzuschreiben!

Stellen Sie sich vor, es gäbe eine Welt, die voll ist von solch unglückseligem Geister- und Götterglauben. Eine Welt, in der Menschen dermaßen verdummt sind, dass sie an ein Leben nach dem Tode glauben und womöglich noch eine Höllenfurcht davor haben, sie könnten das vermeintliche Finale im Himmel verpassen.

In genau so einer Welt leben wir.

Unglaublich!

 

(Dieser Artikel wurde am 21.12.16 veröffentlicht und am 9.10.17 upgedated)

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3 Antworten auf ® Unglaublich!

  1. Saco sagt:

    Geisterglaube wird religiös verlangt: Wer nicht an den "Heiligen Geist " glaube, sei für ewig verloren. Glaubt man den Amtskirchen nicht, sei man verloren. Auf ewig. Amen.

    Das ist Erpressung mit Hilfe  der Androhung ewiger Feuerfolter. Kein Kind hält das aus. 

     

  2. Wilfried Müller sagt:

    Erwachsene auch nicht …

  3. Klarsicht sagt:

    Diese Konsequenz machen sich nur nicht alle pastoralen Nachfahren Luthers klar, oder sie wollen sie sich nicht bewusst machen. Denn der aus dem Rechtfertigungsglauben konsequent folgende Glaube an die göttliche Alleinwirksamkeit ist derart brutal und menschenunwürdig, dass die Leute massenweise aus der evangelischen Kirche austräten, wenn er ihnen von ihren Pfarrern bekanntgemacht würde. So wird man auch von den Kanzeln und Altären evangelischer Kirchen her nirgendwo ein Wort darüber vernehmen. Aber die Psyche lutherischer Pfarrer muss diesen Sachverhalt ständig verdrängen. Nicht wenige von ihnen landen ja auch aufgrund nicht gelingender Verdrängung beim Psychotherapeuten oder gar Psychiater. So stellte z. B. schon vor Jahren der evangelische Theologe und Psychotherapeut K. Thomas, bekannt geworden durch seine erfolgreiche Telefon- und Praxisseelsorge an Lebensmüden und Verzweifelten sowie durch sein 'Handbuch der Selbstmordverhütung', fest, dass 12 Prozent seiner Patienten evangelische Pfarrer und ihre Frauen, Religionslehrer, Diakonissen und Theologiestudenten sind, obwohl ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung sich nicht einmal auf 1 Prozent beläuft, dass 40 Prozent seiner Patienten an ekklesiogenen, d. h. an durch die lutherischen Lehren und Erziehungseinflüsse verschuldeten Neurosen leiden.“

    Quelle: Ein monströser Gott:

    https://hpd.de/artikel/monstroeser-gott-13721?nopaging=1

     

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