„Treffen sich zwei Moleküle im Labor“ von Martin Moder. Rezension von Gerfried Pongratz

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9783711000934-553x800Noch eine Rezension, die Dr. Gerfried Pongratz wissenbloggt dankenswerterweise zur Verfügung  stellt. Der Verlag lobt das Buch ebenso wie Pongratz: Sie fragen sich, was Fruchtfliegen mit Bier zu tun haben und wie man in einem Reagenzglas ein Schnitzel züchtet? Martin Moder stellt die entscheidenden Fragen zu Biologie und Genetik und beantwortet sie sogar. Humorvoll und verständlich beschreibt der Molekularbiologe, wie man wissenschaftlich korrekt kuschelt, furchteinflößende Hühner züchtet und warum sich Anti-Aging Fanatiker mit jemandem zusammennähen lassen sollten. Selten war es so unterhaltsam, etwas Spannendes zu lernen! Mit praktisch-biologischen Tipps, um wissenschaftlich korrekt durch den Alltag zu kommen.

Martin Moder: „Treffen sich zwei Moleküle im Labor“

Biologie ist cool und Genetik war noch nie so spannend wie heute“ – diesen letzten Satz des Buches gilt es zu beweisen, was dem Autor mühelos gelingt. Humorvoll, spritzig, zuweilen auch flapsig-deftig, immer aber kenntnisreich und spannend, führt der 28jährige Molekularbiologe Martin Moder zu interessanten, oftmals auch überraschenden Einsichten in verschiedene Wissensgebiete der Molekularbiologie und Genetik, erklärt Rätselhaftes und beantwortet wichtige Fragen zur biologischen Zukunft des Menschen. Bereits 2014 stellte er als erster Sience-Slam-Europameister seine Fähigkeit unter Beweis, Wissenschaft jugendlich locker und gut verständlich zu präsentieren; im vorliegenden Buch gelingt es ihm abermals hervorragend, auch komplizierte Sachverhalte anschaulich und geistreich zu erläutern.

Dem roten Faden „je mehr wir von der Welt begreifen, desto grandioser erscheint sie uns“ folgend, gliedern sich die Ausführungen in 6 Haupt- und zahlreiche Unterkapitel. Beginnend bei den „Basics“ der Biologie (Übergang von unbelebter zu belebter Materie, Chemie/Biologie, Urzellen, RNA, Proteinsynthese, Informationsspeicherung, DNA, Gene usw.), führen die Themen zur Sexualität als Motor des Lebens, zu Forschungsansätzen mit Tiermodellen, zu Erkenntnissen der Hirnforschung, zur Biologie des Alltags und zu „Was die Zukunft bringt“. Jedes Kapitel kann für sich allein gelesen werden, ein ausführliches Literaturverzeichnis bietet ergänzende Hinweise.

Aus der Vielzahl der behandelten Themen eine kleine Auswahl:

  • Sexualität/ Fortpflanzung: „Ökologisches“ Verhüten und Schwangerschaftstests in der Antike, Pornografie wissenschaftlich erklärt, Single durch Genmutation, Imprinting verhindert Jungfrauenzeugung, Embryos reparieren Gewebszellen der Mutter, wissenschaftlich kuscheln, Homosexualität etc.
  • „Die winzigen Helden der Molekularbiologie“: Ohne Modellorganismen gäbe es keine wissenschaftliche Forschung und moderne Medizin. Fruchtfliegen sind die bestuntersuchten Organismen der Welt; ihre Erbinformationen (60% identisch zu menschlichen) sind voll entschlüsselt, sie tragen z.B. ein Gen für Hirntumor, das auch der Mensch besitzt und an dem intensiv geforscht werden kann. An Zebrafischen wird u.a. das Nervenwachstum studiert sowie Denken visualisiert, an Fadenwürmern werden Gehirnsimulationen erprobt usw.
  • „Wenn der Körper Faxen macht“: „Menschen können außer Denken nichts wirklich gut, das Gehirn macht sie aber zu den anpassungsfähigsten Tieren der Welt“. An Hirnverletzungen, oder anderen Abweichungen vom Normalzustand (z.B. an Split-Brain-Patienten) werden tiefe Einsichten in das äußerst komplexe, aktive Netzwerk Gehirn gewonnen; z.B., dass jede Person, die wir kennen, durch ein einzelnes Neuron („Großmutterzelle“) gekennzeichnet ist. Verschiedene Syndrome (z.B. Capgras- und Eigenbrauer-Syndrom) sowie der Schmidt-Stichschmerz-Index erweitern das Verständnis, Parasitenmanipulationen von Wirtstieren (auch Menschen) durch z.B. Toxoplasmen können das Fürchten lehren.
  • Das Kapitel „Wissenschaftlich durch den Tag“ demonstriert humorvoll an zahlreichen Beispielen die Aufgabe der Biologie, zu verstehen, wie Lebewesen funktionieren; alltägliche Lebensvorgänge (z.B. Schlaf, Arbeit, Produktivität, Freizeit, Einfluss von Milben, Moskitos, Brevibakterien usw.) werden durch die Brille des Biologen betrachtet.
  • „Was die Zukunft bringt“ vermittelt äußerst spannende Erkenntnisse zu den derzeit stattfindenden rasanten Umbrüchen in der Molekularbiologie, die die Welt in den nächsten Jahren voraussichtlich gravierend verändern werden. Als Stichworte seien u.a. Genom-Editing, CRISPR/CAS9 (wird sehr gut erklärt), Anti-Aging (Telomerenforschung, Blutplasmaverjüngungen etc.), Kryobiologie, Vitrifizierung und Synapsenkonservierung genannt; der Begriff Epigenetik wird erläutert und zahlreiche weitere (z.T sehr heitere) Betrachtungen, z.B. zur Erzeugung von Zellkultur-Fleisch oder zu einer eventuell möglichen Wiedererweckung von Mammuts, runden die Ausführungen ab.

Fazit: Sehr empfehlenswerte – auch unterhaltende – Lektüre für Leser (Laien und Fortgeschrittene), die an den spannenden Entwicklungen in Biologie und Genetik wissensmäßig teilhaben möchten.

 

Dr. Gerfried Pongratz

Martin Moder: „Treffen sich zwei Moleküle im Labor“ © 2016, ecowin Verlag Salzburg, ISBN 978-3-7110-0093-4, € 24

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