Roboter und Automaten verdrängen Menschen I

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bigmacatmWas sich in kurzer Zeit an Artikeln zum Thema ansammelt, ist enorm. Die Automatisierung, Computerisierung und Roboterisierung kommt im Fokus des Interesses an. Lange genug hat sich das Thema Zeit gelassen, aber nun ist es in den Medien stark vertreten. Besonders die Zeit ist zu loben, die eine ganze Breitseite von Artikeln abgefeuert hat, mehr dazu unten.

Der abgebildete Apparat ist ein Big-Mac-ATM, eine automated teller machine für Big Macs. Bisher kannte man die ATMs nur als Geldausgabeautomaten, teller bedeutet Kassenbeamter.

Anscheinend wird der Begriff nun erweitert auf andere automatische Ausgabestellen. Der Artikel dazu ist ironisch tituliert mit Dear Bernie, Meet the "Big Mac ATM" That Will Replace All Of Your $15 Per Hour Fast Food Workers (ZERO HEDGE 26.1., aus dem Artikel stammt das Big-Mac-ATM-Bild). Der Titel ist eine Spitze gegen Bernie Sanders und seinen Kampf für den 15-Dollar-Mindestlohn. Die Idee ist, Arbeit soll billig bleiben, sonst wird sie durch Big-Mac-Roboter und andere ersetzt.

Aber das hat letztlich nichts mit dem Lohn zu tun. Wenn der Lohn niedrig ist, lohnt sich der Robotereinsatz eben etwas später – aber irgendwann wird auch der letzte Billiglöhner von den passenden Maschinen verdrängt. Diese Vorstellung greift allmählich um sich.

Schon ist die Rede von einer Zwei-Klassen-Gesellschaft nicht nur bei teuren Restaurants und billigen Mac-Maschinen. Automatisierung: Wer leistet sich den Menschen? (ZEIT ONLINE 4.2.): Pflegepersonal, Ärzte und Anwälte aus Fleisch und Blut könnten bald Luxusdienstleister sein. Das digitale Prekariat hingegen müsste sich dann mit Robotern begnügen.

Nach dem Gerätestreicheln kommt nun das Roboterschmusen?

Die automatisierte Kussübertragung gibt's schon, siehe Fernmündliche Nächstenliebe, aber das ist erst der Einstieg. Bald kann sich jeder seinen Traumpartner basteln oder basteln lassen, So baut ihr euch einen bezahlbaren Sex-Roboter (VICE 16.8.16): Mark I ist ein mit Silikonhaut überzogenes 3D Skelett— Scarlett Johansson zum Gruseln ähnlich …

robotiiDas Bild stammt aus dem Video $50,000 humanoid robot built from scratch in Hong Kong (YouTube 1.4.16, kein Aprilscherz). Noch sind die Apparate teuer, aber die Prognose ist, sexy Robots werden Menschen ersetzen. Ganz unten zum Vergleich ein Bild der Schauspielerin (von Elen Nivrae, Wikimedia Commons).

Ins Volle geht ZEIT ONLINE mit seinen Roboterartikeln incl. der Serie Maschinenraum (von wissenbloggt vereinheitlicht und neu zusammengestellt). Die Journalisten der Zeit haben eine ganze Palette von guten Artikeln abgeliefert, ohne das Thema zu erschöpfen. Das sagt einiges aus über den Umfang der kommenden Umwälzungen:

  • Industrieroboter: Frei laufende Maschine (Heike Buchter 12.1.): Neue Produktionsroboter wie Baxter arbeiten Hand in Hand mit Menschen zusammen.
  • Mikroroboter: Ab in den Magen (Christian Heinrich 12.1.): In Stuttgart entstehen in einem Labor ganze Flotten von Mikrorobotern, die kleiner sind als menschliche Zellen.
  • Haushaltsroboter: Einfach zu viel Schmutz (Claas Tatje 12.1.): Nach vier Wochen im Dauereinsatz steht fest: Gegen drei Kleinkinder kommen drei Roboter nicht an.
  • Fußballroboter: Die Jungs aus der untersten Liga (Hanns-Bruno Kammertöns 12.1.): Es gibt sie, die Maschinen, die Fußball spielen können. Zu Besuch bei einer Mannschaft in Bremen.
  • Verkaufsroboter: Paul ist kein D-Zug (Marcus Rohwetter 1.1.): Ein Kaufhaus beschäftigt den ersten Verkäuferroboter. Unser Konsumexperte Marcus Rohwetter hat sich beraten lassen.
  • Transportroboter: Eimer auf Rädern (Stefan Schmitt 1.1.): Tumb in der Anmutung, aber grandios unterschätzt: Die ersten Kurier-Roboter liefern in Hamburg Pakete aus.
  • Chirurgieroboter: Dr. DaVinci, bitte in den OP (Josephina Maier 12.1.): Längst operieren Roboter Menschen. Dabei fühlen sie nichts.
  • Pflegeroboter: "Hallo, wie geht es Ihnen?" (Felix Lill 12.1.): An einer Universität in Japan entwickeln Forscher den automatischen Krankenpfleger.
  • Roboter und Kinder: "Sie können wie Freunde sein" (Uwe Jean Heuser 12.1.): Geht es um Roboter, kann man im Gespräch mit seinem Kind einen Blick in die Zukunft werfen.
  • Schluss mit Stau: Autonom fliegende Drohnen – die Taxis der Zukunft? (Mathias Bölinger und Jens Tönnesmann 18.1.): Ein chinesisches und ein deutsches Unternehmen wollen die Ersten sein, die Taxi-Drohnen in den Himmel bringen. Wer macht das Rennen?
  • Konsum: Unser Autor gegen Verkaufsroboter Paul: Wer ist schneller? (Adrian Lobe 1.1.): Ein Kaufhaus beschäftigt den ersten Verkäuferroboter. Unser Konsumexperte Marcus Rohwetter hat sich beraten lassen.
  • Automatisierung: Wer leistet sich den Menschen?  (Adrian Lobe 4.2.): Pflegepersonal, Ärzte und Anwälte aus Fleisch und Blut könnten bald Luxusdienstleister sein. Das digitale Prekariat hingegen müsste sich dann mit Robotern begnügen.
  • Künstliche Intelligenz: Ein Bot im Weißen Haus (Adrian Lobe 23.1.): Effizienter, transparenter, unbestechlich: Computergestützte Demokratie ist möglich. Könnte man Donald Trump durch eine künstliche Intelligenz ersetzen?
  • Zukunft der Arbeit: Vollautomatischer Kommunismus  (Adrian Lobe 3.1.): An der Automatisierung ließen sich neue Gesellschaftsentwürfe erproben. Künftig könnte der Mensch die Maschinen für sich arbeiten lassen. Ist das eine Utopie?
  • Künstliche Intelligenz: Meinung aus dem Bot  (Adrian Lobe 17.11.16): In sozialen Netzwerken verfassen Roboterprogramme Beiträge und manipulieren den Austausch. Sie geben vor, Menschen zu sein. Haben sie ein Recht auf Redefreiheit?
  • Hiroshi Ishiguro: Androidenliebe (David Hugendick 26.10.): Der Japaner Hiroshi Ishiguro baut Androiden, die dem Menschen verblüffend ähnlich sehen. Von seinen Schöpfungen sollen wir lernen, wer wir wirklich sind.
  • Künstliche Intelligenz: Alle Roboter sind von Geburt an gleich  (Adrian Lobe 14.10.16): Maschinen pflegen Kranke, sind Kollegen, bieten Sex, machen Fehler. Sind sie juristisch eigentlich noch vom Menschen zu unterscheiden? Die Rechtsprechung hat ein Problem.
  • Deep Learning: Wo künstliche Intelligenz den Menschen schon übertrifft (Ulrich Eberl 11.10.16): Bilder erkennen, bestimmte Krankheiten diagnostizieren, Spiele gewinnen: Auf diesen und anderen Gebieten sind neuronale Netze dem menschlichen Gehirn überlegen.
  • Künstliche Intelligenz: Gibt es ein Leben neben der Spur? (Elisabeth Rank 9.10.16): Bald werden auch Lastwagen sich selbst steuern. Kraftfahrer können dann umschulen. Aber wollen sie das?
  • Künstliche Intelligenz: Mein Bot und ich (Andreas Loos 5.10.16): Experiment bei ZEIT ONLINE: Kann man in sieben Tagen eine künstliche Intelligenz erschaffen? Wir haben's versucht.
  • Künstliche Intelligenz: Der Roboter hat keine Launen  (Adrian Lobe 4.10.16): Bei den nächsten Olympischen Spielen sollen Computer die rhythmischen Sportgymnastinnen bewerten, nicht Menschen. Schafft künstliche Intelligenz mehr Gerechtigkeit?

(In Roboter und Automaten verdrängen Menschen II (ab 13.2.) gibt es tatsächlich noch mehr Themen sowie eine kleine Betrachtung zu den Auswirkungen.)
 

Weitere Links:

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