Roboter und Automaten verdrängen Menschen II

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2017.01.25 - Order Kiosk_0Der erste Teil Roboter und Automaten verdrängen Menschen I zeigte schon den Umfang unserer Automatisierung, Computerisierung und Roboterisierung. Die Auswirkungen zeigen sich überall. Die Zukunft könnte bald überall so aussehen wie auf dem Bild von Zero Hedge/Mc Donalds. Big-Mac-ATMs ersetzen Fast-Food-Verkäufer, und das ist erst der Anfang.

Immer wenn eine Technik ausgereift ist und billiger wird als die entsprechenden (Billig-)Löhne, werden die Billiglöhner von den neuen Maschinen verdrängt. Das passiert nicht nur den Mac-Angestellten und den low-paid barristas in den coffee stores. Der erste Artikel listete mehr als 20 Bereiche auf, in denen die Roboter vordringen, wobei verschiedene Disziplinen der Künstlichen Intelligenz separat gezählt sind. Und hier kommen noch mehr davon:

Bank of America opens branches without employees (REUTERS 7.2.). Die Bank of America eröffnet Filialen, in denen keine Menschen mehr arbeiten. Bisher stehen die ATMs im Vorraum, zusammen mit Apparaten, wo man seine Kontoauszüge drucken kann und Überweisungen vornimmt. Jetzt ist alles nur noch Vorraum, die Bankbeamten im Hauptraum werden abgeschafft. Es gibt wohl noch ein paar davon, mit denen kann man über Videokonferenz kommunizieren.

Wie Reuters berichtet, sind schon 3 solche komplett automatisierten Bankfilialen eröffnet worden (in Minneapolis und Denver). Der Trend zum Schließen der Bankfilialen scheint damit gebrochen zu sein. Stattdessen kommen jetzt kleinere, hochtechnisierte Filialen in Mode, wo z.B. Kredite verkauft werden. Die einfachen Tätigkeiten wie Schecks auszahlen sind ja schon automatisiert, deshalb können die Filialen auf 1/4 der Größe schrumpfen – Computer brauchen kein Klo und keine Kaffeeküche.

Weitere 50-60 solche Filialen sollen im Lauf des kommenden Jahres eröffnet werden, während woanders weitere Filialen der alten Art geschlossen werden. 2016 hat die Bank of America 31 Filialen neu eröffnet und ist damit auf 4.579 Filialen gekommen (2015 waren es noch 4.726, 2010 noch 5.900).

Ein ironischer Titel zu derselben Sache ist Make ATMs Great Again: Bank Of America Opens Branches Without Employees (ZERO HEDGE 7.2.). Das zielt auf den Trump-Spruch make America great again. Es wird  aber nur die ATM-Industrie groß gemacht. Der neuste Trend ist nun mal, das zu machen, was die ganze Verkaufsindustrie tut:

Bezahlte Arbeit komplett abschaffen.

Der Gedankenprozess der Firmen geht so: Kann ich es automatisieren? Wenn nicht, kann ich es outsourcen? Wenn nicht, kann ich es einem unabhängigen Vertragspartner (independent contractor) geben? Einen Menschen einstellen ist die letzte Wahl.

Die Roboter sind billiger als die billigsten heimischen Arbeitskräfte geworden. Und das trotz der Ausbeutung, die den Arbeitskräften unmögliche Arbeitszeiten aufzwingt: Sie müssen jederzeit antanzen, wenn sie gebraucht werden (siehe Rezension „Weapons of Math Destruction“ von Cathy O’Neil).

Dasselbe gilt zunehmend für Arbeitskräfte in den Billigländern. Das deutet ein weiterer Artikel an, Foxconn: Apple-Zulieferer will Mitarbeiter durch Roboter ersetzen (ZEIT ONLINE 3.1.): Foxconn trennt sich in der Fertigung nach und nach von menschlichen Mitarbeitern. Nur in einem Bereich gebe es nach Angaben des Unternehmen noch Umstellungsprobleme.

Mehr noch, nun geraten sogar die Jobs der Beamten ins Visier. Der britische Guardian macht gern Schlagzeilen mit Robots, und er verbreitet die Aussage eines rechtsgerichteten britischen thinktanks, Robots 'could replace 250,000 UK public sector workers' (the Guardian 6.2.): Reform thinktank says sector could be ‘the next Uber’ and staff should embrace the gig economy amid rise in automation.

Demnach könnten 90% der britischen Beamten leicht durch Roboter, Webseiten und "chat bots" ersetzt werden, weil ihre Jobs so durchbürokratisiert sind, dass auch Künstliche Intelligenz sie ausfüllen kann. Ein zynischer Vorschlag, wo die Beamten neue Jobs suchen sollen: In der “sharing economy,” z.B. als Uber-Fahrer – bis die Robots auch diese Jobs übernehmen (siehe ganz unten).

Und was zeigt dieser You-Tube-Link vom 9.2.? Es ist der satirische Angriff auf noch heiligere Gefilde. Sogar Pfarrern würde es demnach an den Kragen gehen, bzw. ans Beffchen: Die katholische Kirche geht mit der Zeit und präsentiert den digitalen Beichtstuhl. Der Algorithmus des Beichtbots analysiert Deine Sünde besser als jeder Priester und schlägt Dir eine personalisierte Buße vor.

Robot01-1347549073529Nun wird wieder ernsthaft auf einen von den Zeit-Artikeln aus Teil I zurückgegriffen, der wiederum zurückgeht auf How Rethink Robotics Built Its New Baxter Robot Worker (IEEE SPECTRUM 18.9.12, von da das Bild): Rodney Brooks's new start-up wants to spark a factory revolution with a low-cost, user-friendly robot. Daraus wurde aktuell Industrieroboter: Frei laufende Maschine (ZEIT ONLINE 12.1.): Neue Produktionsroboter wie Baxter arbeiten Hand in Hand mit Menschen zusammen … und sie haben Schielaugen (wb). Die Zeit liefert Prosa dazu: Hat er ein Problem … ziehen sich seine digitalen Augenbrauen zusammen, so als wolle er fragen: "Was nun?"

Die Augenbewegungen sind ein wichtiges Feature, daran lässt sich erkennen, in welche Richtung der Roboter sich gleich bewegen wird. Nur der Augen wegen werde ein Roboter als Kollege wahrgenommen, schreibt die Zeit. Deshalb kriegt der Roboter oft ein T-Shirt mit dem Firmenlogo angezogen, man gibt ihm einen Namen und sogar einen Mitarbeiterausweis – nur Sozialabgaben zahlt er nicht (wb).

Gegenüber den Typen mit dem Augen-Bildschirm sind andere schlichter, aber trotzdem erwähnenswert. Amazon – Die Roboter kommen (Süddeutsche Zeitung 26.12.16): Der US-Konzern rüstet seine deutschen Logistikzentren um. Roboter sollen dort künftig zwischen den Lagerregalen ihren Dienst tun.

Für die Beschäftigten könnte das nicht nur Vorteile bringen, unkt die SZ ganz richtig. Die Gewerkschaft Verdi kündigte daher weitere Proteste an – und das ist der Knackepunkt: Wo bleiben die Proteste?

Wo bleibt die Forderung nach angemessener Beteiligung der Allgemeinheit an den neuen Errungenschaften?

Protestiert und gelästert wird ja sonst genug. Die Propaganda-Roboter sind unter dem Stichwort Fake News überall en vogue, siehe auch Roboter & Propaganda. Wort-Kämpfe sind natürlich bloß ein Einstieg, denn Chatbots sind ja nur Programme. Roboter zeichnen sich aber dadurch aus, dass sie auch hinlangen können, und das bringt noch eine Umdrehung mehr. Im Extrem ist sogar eine Waffe beteiligt. Die Zeit hat das avisiert mit Autonome Kampfmaschinen: Es gibt keine Regeln für ihren Einsatz.

Der Artikel ist in all den Bemühungen wohl untergegangen, deshalb hier der Verweis auf den passenden wissenbloggt-Artikel Warnung vor autonomen Waffensystemen. Die dazu passenden wb-Drohnen-Artikel müssen hier nicht nochmal aufgewärmt werden. Ein Artikel reicht, ISIS Video Unveils New Weaponized Drone Program (ZERO HEDGE 25.1.): Of course, while this low-level technology may not be incredibly effective on the battlefield just yet, we suspect it's only a matter of time until it's used to target crowded streets in the major metro areas of the U.S. and Western Europe.

Was da gesagt wird, ist Sprengstoff. Der ISIS ist anscheinend bereit für den Drohnen-Gegenschlag, und die populistische site spekuliert schon über Drohnenattacken in bevölkerten Straßen der USA und Westeuropas. Fehlt nur noch der totale Roboter-Terrorismus: Einen tüchtigen Rob auf Wahnsinn schalten und loslassen – da steckt eine Zeitbombe drin. Wer weiß, ob es nicht auch passende Viren-Attacken mit Chemo-Robs geben kann …

Die Robs können inzwischen fast alles machen, und sie kommen fast überall hin. Das wurde bei wb thematisiert in Roboter übernehmen … Denken & Lenken, und das ufert immer weiter aus. Bei den Zeit-Artikeln ging es um Transportroboter für Pakete und um fahrerlose LKWs. Das gibt's auch für Busse und Autos. Dazu ein paar Artikel mit dem Motto bring mich nach Hause, Olli. Autonomes Fahren – Ein Bus, der keinen Fahrer braucht (SZ 13.12.16) und Selbstfahrende Busse – Rollende Butterdose (SZ 16.12.16, geblockt) und Driverless Shuttles Hit Las Vegas: No Steering Wheels, No Brake Pedals (ZERO HEDGE 14.1.): Electric, driverless shuttles with no steering wheel and no brake pedal are now operating in Las Vegas. Und in Frankreich, Australien, der Schweiz und anderen Ländern …

Wahrscheinlich ließe sich die Liste ellenlang fortsetzen. Hier soll eine weitere Rückblende auf einen Artikel reichen, den die Zeit spendiert hat: Künstliche Intelligenz: Der Roboter hat keine Launen.

Aber Persönlichkeit irgendwie doch? Denn dazu gibt es auch berichtenswerte Aktivitäten. Give robots 'personhood' status, EU committee argues (the Guardian 12.1.): The proposed legal status for robots would be analogous to corporate personhood, which allows firms to take part in legal cases both as the plaintiff and respondent.

Es gibt also Bestrebungen, Robots und Künstliche Intelligenz mit einem rechtlichen Status ähnlich wie Menschen auszustatten. Die “electronic personhood” hat sich ein Kommitee vom EU-Parlament ausgedacht oder zu eigen gemacht, hier der Link auf ihren Draft Report.

Aus der Sicht von wb ist das wieder so ein EU-Schmarrn. Von Persönlichkeitsrechten kann doch erst die Rede sein, wo Persönlichkeiten sind. Grundvoraussetzung dafür ist ein Bewusstsein, und das gibt es bei Robs und KI nicht mal ansatzweise. Wer interessiert ist, kann dazu den wb-Artikel Bewusstsein VI – inneres Modell lesen, wo über notwendige und hinreichende Bedingungen fürs Bewusstsein argumentiert wird.

In dem Artikel wird der Philosoph Thomas Metzinger zitiert, der sich an anderer Stelle auch "post-biotische Ego-Maschinen" vorstellt. Nach Metzinger können diese Robots leiden, sogar darunter, dass sie Bürger zweiter Klasse sind. Sobald sie Bewusstsein entwickeln, würden sie an ihrem Status als Ware leiden.

Wirklich? Programmierte Intelligenz hat doch ein hervorstechendes Feature, das Mensch und Tier abgeht: Man kann an alles dran. Die Wertungen und Gefühle – wenn sie mal welche haben – sind von außen steuerbar. Leiden heißt dann bloß, das Potential X liegt unter 0,3. Es ist kein Problem, so ein Potential aufzubessern.

Ehe sich die Roboterrechtler an die autonomen Kampfmaschinen ranmachen und ihnen womöglich eine Psychotherapie gegen Ladehemmung verschaffen, sollten die Verhältnisse zurechtgerückt werden. Es geht doch darum, dass die Robs für die Menschen arbeiten, und dass man sich um die Menschenrechte kümmert.

Die Roboterumwelt greift ungefragt um sich. Alle sind betroffen. In der Familie wird die menschliche Ansprache durch TV ersetzt. Am Telefon kommen lauter Roboteransagen. Das Internet ist voll mit Fake-Meinungsmachern. Im Supermarkt, in der Bank, im Fast-Food-Laden, überall bedienen Automaten. Irgendwann werden Arbeit und Schule vollcomputerisiert. Zug- und Busfahrer gibt's dann nicht mehr. Die Autos fahren dann von alleine, und irgendwann bestimmen sie nicht bloß, wo's langgeht, sondern wo's hingeht – wo bleibt die gute alte Zeit, Omi?

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