Hingerichtet (2)

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Es hat wahrscheinlich niemals in der Geschichte der Menschheit eine Zeit gegeben, in der nicht Menschen Menschen Böses antaten. Im Überlebenskampf der Spezies Mensch muss Verbrechen eine der möglichen Strategien sein, die zum Erfolg führt, sonst gäbe es keine Verbrechen. Keine Zivilisation, keine Kultur und auch keine Religion haben jemals etwas daran ändern können: Verbrechen gab es schon immer und vermutlich wird es immer Verbrechen geben. Gewandelt hat sich die Art und Weise, wie die Gesellschaft auf Verbrechen reagiert.

Ein großer Unterschied zu früher liegt bereits in der heutigen medialen Konfrontation mit dem Verbrechen, die es damals noch nicht in diesem Umfang gab. Grosse Untaten wie die des Massenmörders Hamann wurden auch ehemals schon breit in der Presse ausgewalzt, damit dem Publikum ein heiliger Schauer über den Rücken fuhr. Heute jedoch, im Zeitalter der schnelllebigen Informationsverkaufs tickert es sofort um die ganze Welt, wenn irgendetwas irgendwo passiert und sei es die geringste Nebensächlichkeit.  Pardon, wenn ich es so ausdrücke: selbst wenn ein Waschbär in Kassel furzt und dann ein Eichhörnchen gekillt wird, oder wenn es noch so unsinnige und unwichtige Nachrichten sind. Es wird über alles berichtet und auch mächtig übertrieben.

Wenn dann wirklich furchtbare und grausame Verbrechen geschehen, dann wird dies wochenlang in den Weltmedien aufgebauscht, dass es einen graust.

Wir verfügen heute über ein Informationsspektrum, wie wir es noch nie in unserer Geschichte hatten.

Doch zurück zur Reaktion der Gesellschaft auf kapitale Verbrechen. Was sind das für Menschen, die in den Todestrakten z. B. der USA sitzen? Es stimmt, die meisten haben gemordet oder waren an einem Mord beteiligt. Manche von ihnen haben mehrere Menschen auf dem Gewissen. Man muss auch erwähnen, dass manche Verbrechen so grausam sind, dass man sich zu Recht fragt: Wie soll man so einen Schwerverbrecher überhaupt in der menschlichen Gemeinschaft belassen? Falls so ein Unhold wieder frei kommt, besteht da nicht Rückfall- und Wiederholungsgefahr? Wie kann sich die Gesellschaft am besten nachhaltig vor solchen Unmenschen schützen, ohne selbst unmenschlich zu werden? Ist es inhuman, ihnen das Leben zu nehmen?

Was soll man tun?

Es ist zweifellos ein großer Fortschritt für den  Humanismus, dass die Körperstrafen wie Folter und Züchtigung abgeschafft wurden. An vorderster Front kämpften die Humanisten für Menschlichkeit. Nicht aber die Kirche. Sie stellt lieber die Gefängnispfarrer, die sich um das „Seelenheil“ des Delinquenten kümmern, wenn es zum Galgen geht. Dies zeigt, dass sich Kirche nie vollständig vom Mittelalter gelöst hat.

Einer der wichtigsten Gründe für die Abschaffung der Todesstrafe war nicht nur die mögliche Grausamkeit der Strafe als solche, sondern auch, um die Folgen von Fehlurteilen zu vermeiden.

Es muss erwähnt werden, dass es immer wieder zur Hinrichtung von Unschuldigen kam. Auch nutz(t)en skrupellose Machthaber die Todesstrafe dazu, um unliebsame Gegner auszuschalten. Die Todesstrafe ist also auch ein furchtbares Machtinstrument und Druckmittel, um Angst und Schrecken in der Bevölkerung zu verbreiten. Beispiele gab es in der Vergangenheit und es gibt sie auch heute noch immer wieder.

Es kommt häufig zu leidenschaftlichen Diskussionen und Auseinandersetzungen um dieses Thema, dass immer wieder aufflammt und kein Ende findet, solange es die Todesstrafe auf der Welt gibt.

Andererseits muss man auch die Seite des Opfers und seiner Hinterbliebenen betrachten, die auch ein Recht auf Sühne haben. Wie furchtbar ist es z. B. für eine Mutter oder einen Vater, wenn sie entweder eines ihrer Kinder oder ihr einziges Kind verlieren. Der Schmerz ist unerträglich, nicht auszuhalten.

Da war doch dieser spektakuläre Fall der Marianne Bachmeier, dessen kleine achtjährige Tochter ermordet wurde. Der Mörder berichtete grinsend, wohlgemerkt grinsend, dem Richter den Tathergang und lachte dabei auch noch. Dass der Mutter und einigen im Gerichtssaal die Galle überlief, das war sehr wohl verständlich. Das Ende der Geschichte kennen wir alle. Die Mutter erschoss diesen Kerl. Sie genoss große Sympathien in der Bevölkerung. Sie hat es aber niemals verwunden. Frau Bachmeier wurde nach ein paar Jahren vom damaligen Bundespräsidenten von Weizsäcker begnadigt und verließ Deutschland. Nach einiger Zeit erkrankte sie an Krebs und starb daran.

Wenn ich mir unsere Rechtsprechung anschaue, dann muss ich leider auch des Öfteren kotzen. Sorry für diesen Ausdruck. Aber leider ist es so. Man gewinnt den Eindruck, dass weder Gesetzgeber noch Richter in der Lage sind, Gerechtigkeit herbeizuführen. Wenn ein Dieb härter bestraft wird als ein Totschläger oder Vergewaltiger, dann frage ich mich: Habt ihr Richter noch alle Tassen im Schrank?

Oder eine durchgeknallte Sozialpädagogin oder Psycho-Tante macht gemeinsame Sache mit einem gefährlichen Mehrfach-Killer. Noch dazu steht in der Zeitung dann die groß aufgemachte Story, dass sich diese Knall-Charge in den Killermops verliebt hat, weil er so schöne Kuschelaugen hatte und eine soooo schwere Kindheit durchlitt. So frei nach dem Motto: Der Hamster war aufsässig und die Katze war hochschwanger im Sozius Motorrad gefahren. So witzig wie das klingt, ich möchte da nur aufzeigen, dass diese Brüder um keine noch so blöde Ausrede verlegen sind, und diese Psycho-Knaller glauben diesen Leuten jeden Mist.

Außerdem frage ich mich. Was zieht Frauen an solchen Typen an? Ist es der Effekt: Die „Schöne“ und das wilde Biest? Ich weiß es nicht. Bleibt mir ein Rätsel und im Grunde genommen auch egal.

Ich sage mir nur: Gleich und Gleich gesellt sich gern.

Nachtrag:

Die Todesstrafe wurde in der BRD am 20. Januar 1951 abgeschafft und in der ehemaligen DDR am 17. Juli 1987.

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

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11 Antworten auf Hingerichtet (2)

  1. Argutus rerum existimator sagt:

    #49 lobotomium am 14. Juni 2011 um 19:34

    Werden eigentlich Sperren, die ohne Angabe einer Sperrdauer ausgesprochen werden, irgendwann wieder aufgehoben?

    Die werden aufgehoben, sobald der Blog-Betreiber das beschließt. Im konkreten Fall des Urhebers der laufenden Vandalismus-Attacke ist allerdings nicht damit zu rechnen, daß das je geschehen wird.

  2. Dr. Frank Berghaus sagt:

    #74 Argutus rerum existimator am 15. Juni 2011 um 07:47

    Er hat ja auch niemals die Bitte geäussert, entsperrt zu werden.

  3. Bah. immer die gleiche Leier mit dem ‚Verwahrungs‘ Gedanken. Und immer auf anderer Leute Kosten…

    Ich gehe jede Wette ein das wenn ich einen ‚Wohltatsknast‘ in Siberien miete und den mit Killern vollstopfe und auf Spenden von besorgten Gutmenschen warte damit ich Essen und Heizen kaufen kann, das meine Haeftlinge innerhalb eines Monats entweder erfroren oder vehungert sind, egal ob ich dort eine Webcam hinstelle die das Elend dokumentiert und bei Greenpeace &Amnesty einen Topbettelslot auf deren HP kriege.

    Fakt ist, das solche Verwahrung Geld kostet das uns bei der Krankenversorgung (etc) fehlt und das deswegen viele Menschen sterben, also, unsere Haeftlinge munter weiter Menschen umbringen, wenn auch bei Proxy und mit Mithilfe von barmherzigen Spinnern die lieber Moerder in Knast durchfuettern als alten, kranken Menschen Krankenschwestern bezahlen damit die im Hospiz oder zu Hause nicht verhungern. Also, gibt es leider immer noch die Todestrafe, nur das sie halt andere Menschen trifft, und das man das dann Geldmangel nennt anstatt Diebstahl zu Gunsten von Kriminellen.

    Und das mit dem Justizirrtum ist schon wahr, allerdings gibt es weniger Justizirrtuemer als zufaellige Morde – und wenn mich schon einer zufaellig umbringt weil ich einfach Pech gehabt habe, ist mir der profesionelle Henker lieber als ein verrueckter Moerder.

  4. Dr. Frank Berghaus sagt:

     #76 Hexe Froschbein am 15. Juni 2011 um 15:39

    Herzlichen Willkommen auf Wissen bloggt. Ich hoffe, dass sich auch froschbeinige Hexen hier wohlfühlen ;-)

  5. Tolkewitzer sagt:

    #73 Markus13

    Ich bin doch immer hier!

    Eigentlich müsste, wenn ich richtig informiert bin, jetzt auch BRD in Gänsefüßchen stehen, da sie faktisch am 17.7.1990 durch die Alliierten mit der Streichung des Artikels 23 a.F. des "Grundgesetzes" juristisch aufgelöst wurde (BGBl. 1990, Teil II, Seite 885, 890 vom 23.09.1990)
    Da die "Bundesrepublik Deutschland" seit dem 18.07.1990 nicht mehr existiert, können wir diesem vermeintlichen Staat ebenfalls nicht angehören. In meinem DPA steht aus diesem Grunde unter Nationalität auch kein Staat, sondern deutsch.

    …aber dies nur am Rande. ;-)

    Der Garten ruft!

  6. Rechtspopulist sagt:

    Nun, es gibt ja diverse Möglichkeiten, die Sache spekulativ zu betrachten.

    Nehmen wir mal einen spirituellen Standpunkt und postulieren einmal die … täätärättääh … Reinkarnation … :-)

    Dann kann man einen Verbrecher wegschließen oder aufhängen – das Problem aber wäre dann immernoch die ätzende Beschaffenheit dieses Inidividiums, das solange es irgendwo existiert, Verbrechen produziert – oder aber diese ist lernfähig.

    So wäre dann vielleicht eine römlische Kreuzigung eine gute Lehre! :-)

    Oder das Verbrennen …

    Andererseits kann man ein gewsses Klientel auch anders einsetzen.

    Ich habe mal geschaut, wer so alles in Texas aufgrund von was zum Tode verurteilt wurde – das sind Leute, angesichts derer Taten meine Urteile wohl unvergleichlich härter ausfielen.

    Erstaunlicherweise werden die ja alle in ihren Todeszellen zu guten Christen – so erfüllt von Liebe, man kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Dumm nur, dass es vorher um die Liebe nicht so doll bestellt war.

    Es gibt jedenfalls weit härtere Maßnahmen als das was heute als Todesstrafen praktiziert wird.

    So mancher, der irgendwo elend an zig Geräten angeschlossen gaaaaanz langsam verrecken muss, wärend die Erben schon ungeduldig werden, wäre froh, er würde von seinen Qualen durch ein solches Urteil erlöst werden – aber Pech gehabt, ein Verbrechen kann so jemand nicht mehr begehen …

    Das ist ein Aspekt, dann man nicht außer Acht lassen sollte.

  7. Markus13 sagt:

    #78 Tolkewitzer

    Der Garten ruft!

    Das freut mich, ich dachte schon, Du hättest den Kampf gegen den Efeu verloren. :lol:             Ich nutze ihn übrigens, wie in Parks üblich, als Bodendecker, setze aber radikal Rasenmäher und Schere ein, wenn er bedrohlich wird. :wink: 

  8. Rekursion sagt:

    Ich ganz froh bin, in einem Land zu leben, welches die Todesstrafe nicht praktiziert.

    Den Pro-Argumenten kann ich teilweise durchaus folgen. Argutus schreibt etwa, dass von hingerichteten Mördern keine Gefahr mehr ausgeht, und das die Kollateralschäden, d.h., die staatliche Ermordung Unschuldiger, in der Summe seltener sind als Morde durch entlassene bzw. entflohene Häftlinge. Das mag stimmen.

    Ein seltsamerweise wenig erwähntes Pro-Argument kenne ich übrigens aus Serien wie Law & Order: Der gefasste Delinquent wird dort bisweilen von der Staatsanwaltschaft erst dadurch zur Kooperation gebracht, indem die sichere Todesstrafe in eine Freiheitsstrafe umgewandelt wird.

    Dennoch: Ein Staat, der ja mindestens einen Bürger als Henker beauftragen muss, um einen andere Bürger in seinem Auftrag zu töten, handelt … naja, vermessen. Ebenso wenig wie der Mörder sollte auch der Staat nicht über den Tod eines anderen Menschen bestimmen dürfen, sofern keine Notwehr vorliegt oder es Alternativen dazu gibt.

    Und ausserdem: Müsste der Staat nicht logischerweise den Henker für dessen Tötung ebenfalls eliminieren?

    Unrecht mit Unrecht zu bekämpfen mag manchmal sinnvoll sein; hier erscheint es mir aber zu final.

     

  9. Tolkewitzer sagt:

    #80 Markus13

    Ich habe den Efeu durch Wein ersetzt. Weniger aggressiv und die Trauben sind herrlich!  Bindet man ihn rechtzeitig an, wächst er in die gewünschte Richtung.
    Je stärker die Wurzel, umso köstlicher die Früchte.

    :viking:

  10. Azrail sagt:

    #82 Tolkewitzer  :love:

    Lieber Tolki :D

    Grüße Dich. Werde Dir bei Gelegenheit mailen. Werde jetzt die Mondfinsternis betrachten.

    Viel Spaß noch :D

  11. Azrail sagt:

    Nur eine Info am Rande:

    Gestern wurden in den USA 2 Hinrichtungen durchgeführt.
    Einmal in Texas, wie immer in Huntsville und die Andere in Alabama.
    Der Delinquent in Texas wurde exekutiert, weil er einen Mitgefangenen brutal umgebracht hat. Die andere Leuchtrakete wurde exekutiert, weil er eine 70jährige Frau geschlagen, vergewaltigt, umgebracht und dann ausgeraubt hat. Der Kerl war schon deswegen 16 Jahre gesessen und sein Wiederaufnahmeverfahren hat sogar mehr Beweise gegen ihn gebracht. Bei Beiden war eindeutig die Schuld erwiesen. Der eine, wo seinen Mitgefangenen brutal getötet hat, wurde sogar von der Bewachungskamera gefilmt.

    Schlimm sowas. Aber es muss eindeutig die Schuld bewiesen sein.

    Ich selbst, bin schon skeptisch wegen der Todesstrafe. Aber wie gesagt, Kuscheljustiz ist wahrlich keine Option. :???:

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