Roboter und Automaten verdrängen Menschen III

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20170227_wendys_0Der vorige Artikel aus der Reihe zeigte die Abfütterungsautomaten von Mc Donalds (Roboter und Automaten verdrängen Menschen II). Dieser Artikel zeigt den entsprechenden Apparat von Wendy's: ein sogenannter self-ordering kiosk, wie er in 1000 Wendy's-Läden installiert werden soll (Bild: Zero Hedge/Wendy's). Was besagt das, außer dass die Big Macs & Co. vollautomatisiert daherkommen?

Eine aufschlussreiche Visualisierung zeigt den generellen Trend: Visualizing The Shifting Income Distribution Of American Jobs (Zero Hedge 5.2.): In den Bereichen Fast Food und Gesundheitswesen ist es für die US-Amerikaner schwierig, ein Mittelklasse-Einkommen zu erzielen. Viele sind sogar weit unter dem Mittel und verdienen unter 25.000 Dollar pro Jahr. Und genau in diesen Bereichen sind über die Jahre die meisten "neuen Jobs" entstanden, auf die die Obama-Regierung so stolz war. Das macht es schwer für die Gesellschaft, das Ungleichheitsproblem der Einkommen zu lösen.

20170205_income1_0Das erste Bild von Nathan Yau/Zero Hedge zeigt die US-Einkommen nach Jobs von 1960. Vornedran sind Anwälte, Manager, Ärzte und sonstige Schaffende vom Gesundheitswesen. Hinten finden sich Mac-Servierer, Pfleger und Bauern. Das hat sich bis 2014 erheblich geändert, wie das zweite Nathan Yau/Zero-Hedge-Bild zeigt. Der Unterschied in den inflationsbereinigten Darstellungen liegt vor allem bei den Großverdienern mit mehr als 200.000 Dollar pro Jahr. 1960 kamen nur die Anwälte in diesen Bereich, 2014 sind's auch die Techniker, Medienleute, Entertainer und andere. Bloß an den unteren Chargen Mac-Servierer, Pfleger und Bauern ist der Einkommenszuwachs vorbeigegangen.

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Angesichts dessen nimmt sich das Folgende geradezu pervers aus: Minimum Wage Massacre: Wendy's Unleashes 1,000 Robots To Counter Higher Labor Costs (Zero Hedge 27.2.). Hier werden also die neuen Abfütterungsautomaten argumentativ eingeführt, und das Argument sind zu hohe Personalkosten. Natürlich ist das Propaganda gegen Minimallöhne – die richtige Schlagzeile wäre, diese Jobs werden ersetzt, obwohl sie schon superschlecht bezahlt werden.

Der Kapitalismus attackiert, denn egal wie niedrig die Löhne sind, mit Robotern geht's noch billiger. Bei Wendy's trifft diese Welle immerhin 16% aller Läden in den USA, vielleicht rechtfertigt das den reißerischen Titel "Minimaljob-Massaker". Das Massakrieren ist jedenfalls in Gang. Was da alles kommt, zeigt ein weiterer Artikel vom selben Tag:

Boston Dynamics Unveils Its Latest "Nightmare-Inducing" Robot (Zero Hedge 27.2.). Nun also "alptraumeinflößende Roboter". Ein neues Trumm namens Handle (weil er's anpackt) wurde vorgestellt. Die Firma ist für zwei- und vierbeinige Roboter bekannt, und nun hat sie einen zweirädrigen Blechkameraden vorgestellt. Wer das Video anschaut, könnte wirklich Alpträume kriegen, nach dem, was die Maschine alles kann (Video: Boston Dynamics)


Wie dieser RoboHandle über die Hindernisse geht, das hat mit den klobigen Robotern von einst nix mehr zu tun. Fragt sich, welche Hindernisse die Maschine noch alles wegfegt. Man darf getrost davon ausgehen, dass der Automatisierungstrend Deutschland und Europa schnell erfasst. Und Firmen wie Amazon werden auch hierzulande ein paar Tausend solche Maschinen ordern, wie der Artikel hoffnungsvoll anmerkt. Das alles unter dem Etikett der Effizienz, die jede Menge Teilzeitkräfte freisetzt. Das fiktive Bild, was noch draus werden könnte: Bewaffnete RoboHandles sind auf Patrouille rund um den Block und ersetzen die Polizei. Und die schießen bestimmt besser als der Durchschnittspolizist.

Polizeiaufgaben werden schon anderswo an die Roboter delegiert. Früher musste noch der Schauspieler Humphrey Bogart bemüht werden, eyeball-309797_1280um zu sagen: "Schau mir in die Augen, Kleines" (gemeint die gar nicht kleine Ingrid Bergmann). Jetzt machen das die Roboter. Das besagt Welcome Aboard… But First US Marshals Will Scan Your Retina (Zero Hedge 26.2.). Ein Bericht vom Flughafen Atlanta zeigt,, wie die abgefertigten Passagiere durch eine zusätzliche Sicherheitskontrolle getrieben wurden. Schwerbewaffnete US-Marshals standen neben einer aufrechten Maschine mit einem glühenden grünen Auge. Jeder Passagier musste sich davorstellen und der Maschine ins Auge schauen. Der Augen-Scanner analysierte die Augen und verglich das Ergebnis mit dem Pass, der auch gescannt wurde (nachempfundenes Bild: Clker-Free-Vector-Images, pixabay)

Dieser Blick in die Zukunft wird vertieft durch einen weiteren Zukunfts-Artikel, der schlicht besagt, in Zukunft besorgen die Roboter auch das Kämpfen im Krieg. Nicht bloß Patrouille um den Block, sondern Kämpfen, Schießen, Granatenschmeißen. Dazu ein Einschub vom 2.3.: Meet 'Silent Hunter' – China's New 'Armored Vehicle Slicing' Laser Gun (Zero Hedge 2.3.). Es geht um eine Laserwaffe von Poly Technologies namens The Silent Hunter. Der Laserbeam soll 50-70 Kilowatt haben und ist damit stärker als das US-Gegenstück auf dem Kriegssschiff USS Ponce. Der Silent Hunter-Laser ist stark genug, um auf Kilometerdistanz leichte Panzerung zu durchdringen.

Weiter mit dem Inhalt des Zukunfts-Artikels How the Coming Wave of Job Automation Will Affect You (Zero Hedge 10.2.). Als Präludium kommt wieder die Klage: "Die Jobs sind nicht mehr das, was sie mal waren." Zwar haben die USA seit 76 Monaten eine Zunahme von Anstellungen, und im Januar kamen wieder beeindruckende 227.000 dazu. Wenn man genauer hinschaut, kommen bloß keine Fulltimejobs mehr dazu. Früher wurden 2-3% pro Jahr neu geschaffen. Seit 2000 sind es weniger als 2%, seit 2008 weniger als 1%. Und seit 2010 gibt's in der Mehrheit Teilzeitjobs. Bei Spitzenfirmen wie Google und Walmart sind inzwischen 20-50% der Angestellten Teilzeitjobber. Davon profitieren sonst nur noch die Sklavenfirmen (“workforce solution” firms), die jährlich 1 Billion Dollars damit machen.

Weil es so schlechte Arbeit gibt, bemühen sich viele nicht mehr um Jobs. Die Jobversorgung ist auf dem tiefsten Stand seit 1978. Fast 12% der Männer zwischen 24 und 64 arbeiten nicht – die Zahl hat sich in 60 Jahren verfünffacht. In den letzten 10 Jahren sind Millionen Jobs wegautomatisiert worden. Nicht nur in der Fertigung steigt die Produktivität, und die Beschäftigung sinkt.

Als Beispiel wird die wertvollste Firma von 1964 genannt, AT&T, die zu heutigem Kurs 267 Milliarden Dollar wert war und 758.611 Menschen beschäftigte. Heute ist Google 370 Mrd. wert und beschäftigt 55.000 Menschen. Viele Arbeitskräfte sind schon von Maschinen ersetzt,  und ihre Zahl scheint nur zu steigen.

Eine Studie der University of Oxford kam 2013 zu dem Schluss, dass wahrscheinlich 47% der US-Jobs innerhalb der nächsten 20 Jahre wegautomatisiert werden (keine Aussage über neu entstehende Jobs). Eine Stude von McKinsey besagte 2015, dass die Mehrheit der Jobs in Produktion und Gastronomie mit der vorhandenen Technik wegautomatisiert werden kann.

Nun ja, dieser Artikel zeigt genug Beispiele dafür auf. Natürlich sind nicht nur Produktion und Gastronomie betroffen – es geht von den Roboter-Nachrichtenreportern (robo news reporters, "you didn’t actually think humans write the crap passed off for news these days, did you?") über die Aktienkaufprogramme (robo traders) und Schulungsprogramme (robo advisors) bis zu den selbstfahrenden Fahrzeugen (self-driving cars).

Das Thema wird nochmal aus anderer Sicht beleuchtet: Why President Trump Does Not Tweet About Automation (Zero Hedge 17.2.). Obwohl es in den USA zuwenig hochqualifizierte LKW-Fahrer gibt, ist die Bezahlung seit 5 Jahren nicht raufgegangen. Die LKWs sind nämlich jetzt leichter zu fahren, durch sogenannte “soft-automation”-Features. Dazu gehören Bremsautomatik und Spurhaltungsautomatik. Im Effekt können damit auch weniger qualifizierte Fahrer eingesetzt werden, und die verdienen dann auch weniger. Die Sparte verliert also schon vor der Vollautiomatisierung.

Die wirtschaftliche Logik heißt, wenn die Firmen wettbewerbsfähig bleiben wollen, müssen sie die Produktivität erhöhen, sprich weniger Geld für dieselbe Leistung zahlen. Und der schnellste Weg zur Produktivitätserhöhung ist nun mal Automatisierung. Bloß dass die wegautomatisierten Menschen nicht so leicht was anderes finden. Die 3,5 Millionen US-LKW-Fahrer können nicht so leicht für Ingenieur- oder IT-Jobs umgeschult werden. Darin liegt Amerikas Dilemma, sagt der Artikel, genauso wie das Dilemma vom größten Teil der restlichen Welt:

Die Wirtschaft braucht mehr Produktivitätswachstum, nicht weniger – und zugleich braucht sie viele neue Jobs anstelle derjenigen, die das Produktivitätswachstum abschafft.

Auf Deutschland bezogen, ist das Bild vielleicht noch nicht so schlimm wie in den USA. Aber auch hier gibt es verdeckte Arbeitslosigkeit: Mehr als eine Million Unbeschäftigte ist einfach aus der Arbeitslosenstatistik hinausgerechnet worden. Millionen sind in den Niedriglohnsektor gedrückt worden und in prekäre Arbeitsverhältnisse. Die Behauptung, es gehe Deutschland gut, gilt nicht annähernd für alle Menschen hierzulande. Es gibt viel zu viele Menschen, die keine Arbeit haben oder die in prekären Arbeitsverhältnissen stecken oder bei denen die Arbeit nicht genug bringt, damit sie aus ihren Schulden herauskommen. Und  jene, die Arbeit haben, müssen oft unter großen Stress arbeiten.

Und dann werden die meisten wegautomatisiert.

Ist das dann doch noch eine positive Aussicht, was der Wave of Job Automation-Artikel anführt? Noch sind die Sex-Roboter pfui, aber bald gehören sie zum Haushalt (the idea of sex bots goes from being an “eew” sort of thing to a household appliance). Na dann braucht man sich wenigstens keine Gedanken darüber zu machen, ob Roboter nur eine sachliche Bezeichnung verdienen, oder doch eine männliche bzw. weibliche.

(Bild vom Video $50,000 humanoid robot built from scratch in Hong Kong)

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