Gender-Ideologie und -Idiotie kritisiert

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Fundamentalkritik ist angebracht, wo etwas völlig danebengeht, und so ein Gebiet ist die Gender-Ideologie. Da geht es nicht um die ultimative Gleichberechtigung, sondern um die Gleichstellung – also nicht um die Chancengleichheit, sondern um die Ergebnisgleichheit. So lautet ein Versuch, das Problem zu benennen; weitere folgen.

Zunächst ein kleiner zeitlicher Abriss. Diese "Gender-Geburtstage" stammen aus Ulrich Kutscheras unten verlinktem Buch Das Gender-Paradoxon:

  1. Vor 150 Jahren Gründung der deutschen Frauenbewegung und erste SexGender-Definition.
  2. Vor 70 Jahren auf UN-Gründungsversammlung Gleichberechtigung von Mann und Frau festgeschrieben.
  3. Vor 60 Jahren Formulierung „Gender-Theorie“: Menschen werden als geschlechtsneutrale Unisex-Wesen geboren und erfahren erst später erzieherische Prägung in männliche bzw. weibliche Richtung.
  4. Vor 50 Jahren zum „Beweis“ der Gender-These Kastration eines eineiigen Zwillingsbruders, und aus dem Säugling wurde ein Mädchen – vor gut 10 Jahren beging der gepeinigte Kastrat Selbstmord.
  5. Vor 30 Jahren der Artikel „Sex and Gender“ mit Begriffsdefinition und Kritik an feministischer Gleichmacher-Ideologie.
  6. Vor 20 Jahren Beschluss der „Gender-Agenda“ = Macht-Gleichstellung von Mann und Frau = „Gender Mainstreaming“ (GM) = verbindliche Leitlinie der rot/grünen Bundesregierung.
  7. Vor 10 Jahren Entdeckung dass genetischer Unterschied Mann-Frau 1,5%.= evolutionär herausgebildete Geschlechter-Verschiedenheit = Basis geschlechtergerechte Tier- bzw. Menschen-Forschung =  Gender-Biomedizin (GB).
  8. Vor 3 Jahren Etablierung GB als neue Wissenschaftsdisziplin entgegen der soziologisch begründeten GM-Ideologie (Moneyismus).

GM ist demnach nicht „Frauenförderung bzw. Gleichberechtigung“, sondern der Glaubenssatz, das Geschlecht des Menschen ist nicht primär biologisch bestimmt, sondern gesellschaftlich-sozial konstruiert und daher form- und wandelbar – eine Sichtweise, die laut Kutschera mit dem biblischen Kreationismus geistesverwandt ist.

Nebenbei dreht es sich auch um den gender gap, den Unterstrich _, der die Lücke zwischen den Geschlechtern symbolisieren soll. Zu Deutsch wird auch gern das Binnen-I verwendet, und die genderisch correcte Schreibweise ist dann SchülerInnen, Schüler_innen, Schüler/innen, Schüler*innen, Schülerinnen und Schüler oder gleich Lernende. Sparsamerweise wird der gap auch so gebraucht Schüler_ – da stört es kaum noch, und es ist dicht am Oldtime-Wort Schülers dran.

Ein aktuelles Beispiel für die Auswüchse liefert der Artikel Parteienkritik (anlässlich der Bundespräsidentenwahl, scharf links 12.2.): Die Mitgliederinnen und Mitglieder des Deutschen Bundestages …

Mitgliederinnen, also wirklich. Das ist komplett idiotisch, und der folgende Essay begründet das – Das missbrauchte Geschlecht (Süddeutsche Zeitung 2.3.): Wie kann man Frauen in der Sprache sichtbarer machen? Muss man sich dafür zum Herren oder zur Herrin über die Grammatik aufschwingen? Mit dem Gendern gehen sprachpolizeiliche Allüren einher.

Der Linguist und Autor Peter Eisenberg spricht nicht nur von Allüren, er demaskiert auch die Fehler und Idiotien, die hinter der genderischen Sprachverhunzung stehen. Bei wissenbloggt gibt's hier ein Kompress davon. Der Ausgangspunkt liegt diesmal 40 Jahre zurück und fällt mit der Abschaffung des Fräuleins zusammen (wenn man's recht bedenkt, war das die Vernichtung einer weltweit renommierten, kostbaren Marke).

Egal drum, zu der Zeit begann das Gendern, und es begann schon damals mit Denkweisen, "die sich als irreführend herausstellen mussten". Der Bäcker wurde durch Bäckerin und Bäcker ersetzt, mit der Vorstellung, Bäckerin sollte die Frauen bezeichnen und Bäcker die Männer dieses Berufsstandes. Es ist aber prinzipiell unzutreffend, dass das Femininum zur Bezeichnung von Frauen dient und das Maskulinum zur Bezeichnung von Männern. Gemäß des deutschen Wortschatzes haben grammatisches und biologisches Geschlecht nämlich wenig miteinander zu tun:

Nach den Wortbildungslehren kommt der Bäcker vom Backen und ist definiert als "Person, welche die vom Verb bezeichnete Tätigkeit ausübt." Vom Mann ist bei diesem Nomen Agentis nicht die Rede; daher bezeichnet das Maskulinum Bäcker ebenso wenig nur Männer wie das Femininum Person nur Frauen bezeichnet. Im Deutschen bezeichnet das Wort Bäckerin ausschließlich Frauen, aber es gibt kein entsprechendes Wort, das ausschließlich Männer bezeichnet. Sprachlich sind die Frauen zweimal und die Männer nur einmal sichtbar.

Der Autor führt aus, wie bei den indoeuropäischen Sprachen das Belebte zum Maskulinum wurde und das Unbelebte zum Neutrum. Dazu kam das Femininum als drittes Genus für Kollektiva und Abstrakta. Das hatte nichts mit dem natürlichen Geschlecht weiblich zu tun. Weiter wird ausgeführt, dass in allen Gruppen von grammatischen Kategorien immer eine als die unmarkierte (d.h. allgemeine) fungiert, und die Aufteilung der Benennungsbereiche ist niemals pari, sondern folgt dem Prinzip Hintergrund (unmarkiert) und Bild (markiert). Im Deutschen steht das Femininum meist fürs Unmarkierte.

Diese "Markiertheitstheorie" sagt laut Eisenberg unzweideutig, dass es Gendergerechtigkeit nicht geben kann, zumindest wenn man sie durch Manipulationen am Genussystem erreichen will. Dazu wäre eine vollkommene Symmetrie im Kategoriengefüge nötig, und die gibt es in natürlichen Sprachen nicht – so weit, so falsch.

In der Folge kam es zu einer ganzen Flut von Bäckersleuten, von denen man früher nichts ahnte. BäckerInnen, Bäcker/innen, Bäcker_innen und Bäcker*innen. Ausspracheregeln für I/_* gab's nicht, und aus dieser Not versucht man eine Tugend zu machen: Die Fixierung auf das Geschriebene bringe die Sprecher ins Grübeln – man sollte sich an solche Formen gewöhnen, ohne aufzuhören überrascht zu sein, so der Autor. Er spricht sogar von "neueren Thesen über den wahren Charakter des Geschlechts", die in _* ihren Ausdruck fänden. Und die maßgebenden Gruppen LGBT (Lesbian, Gay, Bi, Trans) sieht er "inzwischen mindestens bei LSBTTIQ angelangt" (Lesbisch, Schwul, Bisexuell, Transsexuell, Transgender, Intersexuell und Queer).

Die Philosphie des _ spricht von "einem Abgrund der Leere" – zu verwenden, wenn man gar kein Geschlecht mehr will. Der "über allem sich erhebende" * soll die ungefähr 60 Geschlechter überstrahlen. Das ist erheblich mehr als die 3 Genera der deutschen Sprache, die 60 finden keinen Platz in der Grammatik. Sie sind laut Eisenberg Pluralia tantum: substantivische Ausdrücke, die keinen Singular haben. Das wäre also die Bäcker*in als Femininum zur Bezeichnung von Frauen. Die Männer sind dann vermutlich der Bäcker*in. Bleibt die hübsche Frage, was wird aus Bäckerhandwerk, Bäckerlehrling usw.? Bäcker*innenhandwerk, Bäcker*innenauszubildende*r? (Es ist eben krauses Zeug und nicht zuendegedacht, Anmerkung wb.)

Für Eisenberg geht es noch weiter: Für den Grammatiker sei das nur die Spitze des Eisbergs. Bei einer natürlichen Sprache könne keiner überblicken was passiert, wenn man irgendwo ins System reinpfuscht. Damit meint er nicht mal die Rechtschreibreform. Ihm gefallen Substantive wie Lehrende, Lkw-Fahrende, Autobahnbenutzende nicht. Sie richten keinen Schaden an, solange sie nicht die Lehrer, LKW-Fahrer usw. ersetzen, aber er nimmt es halt genau mit den Bildungsfunktionen und ihren semantischen Funktionen.

Beispiele: Schüler, die eine Lehre antreten wollen, sind Auszubildende, aber Lehrlinge sind sie erst mit einem Lehrvertrag. Und ein sterbender Studierender stirbt beim Studieren, während ein sterbender Student auch im Schlaf oder beim Wandern sterben kann. Und ein Geflüchteter kann vor einem Regenguss geflüchtet sein, während ein Flüchtling vor Krieg usw. flieht.

Es gibt also einen inhaltlichen Grund, die Worte Lehrling, Student Flüchtling nicht abzuschaffen. Aber die Gender-Ideologie will sie durch Auszubildende, Studierende, Geflüchtete ersetzen, weil sich das schöner gendern lässt. Der Autor sieht darin Überheblichkeit und Diffamierung.

Zu den Spitzenprodukten ("extreme Ausformungen") gehören Wortschöpfungen vom Berliner Koalitionsvertrag wie Berliner*innen, Bürger*innen, Senator*innen, während man/frau sich mit Straftätern und Intensivtätern zufriedengibt statt Straftäter*innen und Intensivtäter*innen. Ebenso steht es um die Gefährder, die nicht Gefährder*innen oder Gefährdende heißen.

Ist das denn keine haarsträubende Diskriminierung!? Und nun sollen nur noch Drucksachen in gegenderter Sprache angeschaut werden dürfen. Eine neue Agenda soll durchgedrückt werden wie damals bei der Rechtschreibreform – schade dass man sich damals nicht besser gewehrt hat (Anmerkung wb). Abschließend schwebt dem Autor vor, dass sich jemand findet, der ein Klagerecht besitzt und den Aufwand nicht scheut – solche sprachpolizeilichen Allüren sollten unterbunden werden.

Bei der Rechtschreibreform hat's aber auch nix genutzt, und die kam mit ebensolchen Idiotien daher. Und wenn man die Falschschreibungen lange genug durchhält – seien sie auch noch so dämlich -, sind's irgendwann Rechtschreibungen. Nun noch ein Blick über den Großen Teich, um zu sehen, was sich noch Schönes tut:

Students Fight Back Against Political Correctness – The Rise Of "Cultural Libertarianism" (Zero Hedge 19.8.16, aus diesem Artikel stammt das Bild von Ben Garrison). Der Artikel beklagt das reaktionäre und kindische Verhalten der US-Studenten mit ihren safe spaces und trigger warnings. Princeton University Kindly Requests You Stop Using "Gender-Binary" Hate Speech Like "Freshman" (Zero Hedge 19.8.16). Dort finden sich don't use/use-Listen, auszugsweise wiedergegeben:

Don't use Use
businessman, businesswoman businessperson, people in business
forefathers anchestors
mailman mail carrier, postal worker
mankind humanity, people
Each participant must present his ID badge at the door. All participants must present their ID badges at the door.
Each employee is expected to turn in his annual disclosure form by the deadline. Employees are expected to turn in the annual disclosure forms by the deadline.

Die "gender-binary"-Sprache soll gemieden werden und durch "gender-inclusive"-Sprache ersetzt werden, also ohne geschlechtsbezogene Worte. Z.B. die Personalpronomen his, her sollen durch den Plural their ersetzt werden oder gleich ganz weggelassen werden.

Der deutsche Vorkämpfer Ulrich Kutschera wurde oben schon erwähnt. Von ihm stammt die Kopplung Gendern – Kreationismus. Damit erregte er Anstoß, wie man hier lesen kann: Evolutionsbiologe – Universität Marburg lädt Genderkritiker aus (idea 24.3.16 mit Zugangssperre). Der kritische Biologe Ulrich Kutschera, wendet sich gegen Kreationisten genauso wie gegen die Genderbewegung. Er hält Anhänger der Genderbewegung für Pseudo-Wissenschaftler, die auf derselben Stufe stehen wie Wünschelrutengänger und Homöopathen. Er tritt gegen die Behauptung an, es gebe nicht nur Mann und Frau, sondern zahlreiche unterschiedliche geschlechtliche Orientierungen. Er unterscheidet Gender-Biomedizin (GB) als echte Wissenschaft vom Gender Mainstreaming (GM) bzw. Genderismus als soziologisch begründete Ideologie bzw. quasi-religiöse Strömung. Die GB-Theorien basieren auf Fakten, während die GM-Sozialkunde vor sich hin theoretisiert. Diese Aussagen gibt's inzwischen als Buch:

Ulrich Kutschera – „Das Gender-Paradoxon“. Ein paar Takte aus dem Inhalt: Vertreter der Gender-Ideologie wollten für alle Schulen und Fächer vorschreiben, dass die Schüler von nun an „gendersensibel“ erzogen werden. Achtklässler (14 Jahre alt) sollten im Biologieunterricht z.B. gefragt werden, ob sie wirklich „heterosexuell seien oder sein wollen“. Ihnen sollte vermittelt werden, dass die „Heteronormalität“, d. h. die Tatsache, dass etwa 95 % aller Männer und Frauen über einen evolutionär verankerten, dem anderen Geschlecht zugewandten „Fortpflanzungstrieb“ verfügen, als konservativ-reaktionäre Weltanschauung zu gelten habe. Weiterhin sollte vermittelt werden, die Vater/Mutter-Kind-Familie sei überholt, während eine homoerotische Neigung als frei wählbarer Life Style propagiert wurde.

Das stammt von besonders dämlichen Genderern aus der Stuttgarter Landesregierung und wurde nach Protesten gecancelled. Aber die Genderer sitzen überall und verbreiten ihre pseudofeministischen Idiotien. Es gibt wirklich Wichtigeres.

 

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Eine Antwort auf Gender-Ideologie und -Idiotie kritisiert

  1. Auf IH ist dazu eine ganz interessante Diskussion entstanden.

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