Profite ohne Skrupel

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shakedown-1340048_1280Wenn's um skrupellose Finanzgeschäfte diesseits und jenseits vom Rand der Legalität geht, sind Hedgefonds immer dabei. So war es bei den Cum-Ex-Betrügereien, so war es bei der Jonglage mit den Kredit-Ausfallversicherungen (CDS). Dabei suchten die Spekulanten gezielt unsichere Kredite anderer Marktteilnehmer und wetteten mit CDS auf den Ausfall dieser Kredite. Sprangen mehrere auf den Zug auf, stieg der Ausfall-Druck, denn das schreckt von Geschäftsbeziehungen mit dem Opfer ab. Der Betrag der CDS übersteigt das Kreditvolumen gern vielfach, das gibt bei Zahlungsausfällen enorme Schäden (Bild: Perlinator, pixabay).

Aber diese Schäden übersetzen sich in Profite für Hedgefonds und andere kongeniale Spekulanten von Wall Street und London City. – Nicht ganz so gesellschaftsschädigend sind andere Strategien, bei denen nur die Vertragspartner abkassiert werden. Sowas passiert z.B. bei Firmenübernahmen, wo spezialisierte Hedgefonds als Trittbrettfahrer einsteigen. Blitzschnell kaufen sie eine Sperrminorität von 25,1% und erwerben damit das Recht, sich bei allen Änderungen querzulegen, denn die brauchen 75% Zustimmung der Aktionäre. Die Hedgefonds erwerben das Firmen-Viertel nur aus Ergpressungsgründen, um den 75%-Eignern über "Beherrschungsverträge" und "Gewinnabführungsverträge" Geld abzupressen. Das Fachwort dafür heißt Merger Arbitrage.

Aktuell kommt eine andere skrupellose Methode auf, die eine perfekte Ergänzung zu jedem Immo-Crash darstellt. Aus dem Artikel Wall Street Is Europe’s Landlord. And Tenants Are Fighting Back (New York Times 10.12.16): Die Wall-Street wird zum Vermieter von Europa.

Das Schema ist wieder, die Hedgefoonds und andere Wall-Street-Firmen wie Goldman Sachs, Cerberus Capital Management, Lone Star Funds, Blackstone Group usw. profitieren enorm vom Unglück anderer. Ein zusätzliches Highlight ist die Steuerbefreiung, die gewisse europäische Staaten den Abzockern bieten. Das rundet den Profit nochmal auf. In dem Artikel wird die Frage gestellt, welchen Beitrag diese Firmen für die Allgemeinheit leisten? Die unausgesprochende Antwort ist, sie richten nur Schaden an, um ihre eigenen Profite zu maximieren.

Betroffen sind Irland und Spanien, beides Länder mit einer geplatzten Immobilienblase. Im Zuge dieser Crashs verloren die Immoblilien drastisch an Wert. Das war das Signal für Firmenkonstrukte z.B. mit dem Namen "Cerberus Dutch Promontoria" oder "Cerberus Irish Promontoria", billige Immos en gros aufzukaufen. Sobald die Immos dann Geld abwarfen, wurden die Gewinne nach Irland verschoben. Dazu leiht der eine Firmenzweig dem anderen Zweig teures Geld, gegen dessen Zinsen die Gewinne aufgerechnet werden dürfen. Derselbe Dreh funktioniert auch mit Patenten, für die eine Niederlassung der anderen hohe Gebühren in Rechnung stellt. Am Ende fallen die Gewinne immer da an, wo sie am niedrigsten besteuert werden (von wb bereinigt).

Aus den Verlusten der Immo-Crash-Geschädigten erwachsen die Gewinne der weltweiten Zockerbuden. Gegen diese Firmen formiert sich nun der Protest der Abgezockten. Das sind nämlich die Häuserbauer, deren Finanzierung platzte, und die nun als abzahlende Mieter in ihren Immos sitzen. Diese Leute haben jetzt einen Profitmaximierer als Vermieter, und der geht mit maximalen Mieterhöhungen vor. Besonderer Ärger entsteht dadurch, dass die Immos den Häuslebauern nicht zum Kauf angeboten wurden. Zu den Schleuderpreisen, die Goldman Sachs & Co. zahlten – bis zu 70% Rabatt -, hätten viele selber zugegriffen. Das war nur ein Bruchteil von dem, was sie investieren mussten, und an dem sie noch abzahlen.

Sie durften aber nicht zugreifen, und nun ist die Wall Street laut NYT der größte neue Vermieter in Europa. Insgesamt wurden 80% von allen betroffenen Immos von den Abzockern aufgekauft, für 223 Mrd. Euros. Sicherlich war das Geld dringend gebraucht, um den Staatshaushalt auszugleichen und die Bilanzen der Immo-Banken zu klären. Darauf weisen die Investoren gern hin.

Das nutzt aber den betroffenen Hausbesitzern nichts. Wenn sie nicht mehr zahlen können, werden sie in Verträge mit schärferen Bedingungen gedrängt, am liebsten möchte man sie ganz aus ihren Häusern raushaben (leere Häuser sind profitabler zu verkaufen). Der Räumungsdruck hat schon zu vielen Hausbesetzungen geführt, z.B. in Barcelona, und zu Protesten in ganz Spanien, in New York und vorm irischen Parlament. Nach vielen Jahren der Gnadenlosigkeit und Härte scheint sich die Politik doch langsam für die Belange der betroffenen Mieter und Hausbauer zu interessieren.

Dass man den Abzockern aber irgendwie beikäme, davon ist keine Rede. Das ist alles legal, dass die Hausbauer ihr Geld los sind und trotzdem kein Haus besitzen, und dass die Finanzgeier das Haus für 30% der Kosten kaufen dürfen und nicht mal Steuern auf die Mieten zahlen.

Ein anderes schönes Beispiel für erfolgreiche Bereicherung steht in Wall Street – Die Geld-zurück-Strategie (ZEIT ONLINE 3.5.15). Vor 2 Jahren boomten die Aktienrückkäufe. Damit kamen die Firmen ums Steuerzahlen drumrum. Statt Gewinne zu machen und zu versteuern, kauften sie ihre eigenen Aktien und hoben so den Aktienkurs an. Natürlich stiegen dann auch die Boni der Manager, wohlgemerkt ohne dass dem irgendwelche zusätzlichen Gewinne gegenüberstünden.

Ganz aktuell sind die Land-Spekulationen. Dazu der Bericht Agrarsubventionen – Gegen die Spekulanten vom Acker (Süddeutsche Zeitung 5.3. mit Zahlsperre): Die EU ringt um eine Reform der milliardenschweren Agrarpolitik. Die Bundesregierung will künftig stärker diejenigen fördern, die den Boden bearbeiten, nicht die, denen er gehört. Ein paar Zahlen: Die 280.000 Bauern in Deutschland bekommen jährlich 6,2 Mrd. Subventionen. In den Jahren 2014-2020 zahlt die EU insgesamt 310 Mrd. für die EU-Agrarpolitik, das sind 40% vom EU-Haushalt.

Klar dass um solche Beträge gerangelt wird. Nicht nur die Staaten untereinander, es geht auch um die Frage, mehr Geld für Landwirte / weniger für Landbesitzer. Denn auch wer sein Land nicht bebaut, sondern bloß verpachtet, kann die die pauschalen 300 Euro pro Hektar EU-Subvention kassieren. Zusätzlich hat die Vermögenspreisinflation die Ackerland-Preise hochgetrieben, in den letzten 10 Jahren z.T aufs Dreifache. Beides zusammen macht den Bodenmarkt lukrativ, und deshalb mischen viele branchenfremde Investoren und Institutionen da mit. Z.B. die RWE als Großgrundbesitzer durch die Begrünung ehemaliger Braunkohleabbaugebiete oder die Rückversicherung Munich Re, und da dürften auch allerlei Hedgefonds dabei sein. – Das Pikante ist, dass die Land-Spekulanten von der EU de facto subventioniert werden.

Was für Beträge die Hedgefonds-Manager dabei allein für sich selber abgreifen, zeigt ein anderer Artikel, For Top 25 Hedge Fund Managers, a Difficult 2014 Still Paid Well (NYT 5.5.15). Die 25 Spitzenverdiener kassierten im Jahr 2014 zusammen 11,62 Mrd. Dollar, und das in einem nicht gerade lukrativen Jahr. Das sind 465 Millionen pro Nase – dagegen sind die deutschen Manager-Spitzengehälter von 10-20 Millionen peanuts.

Es ist höchste Zeit, die Argumente für und wider solche Finanzpraktiken zu diskutieren. Für Hedgefonds und deren Errungenschaften tut das der Artikel Hedgefonds – Die Spieler im Schatten der Banken haben zu viel Macht (SZ 17.2.16, gekürzt): Hedgefonds wandeln Verluste anderer in Gewinne der Eigner um. Theoretisch dienen sie zur Absicherung und praktisch zur Spekulation. Sie nutzen die Unklarheit, durch die schwer zu unterscheiden ist, wann Kursbewegungen auf reale Absicherungsstrategien zurückzuführen sind, und wann bloß Panik geschürt wird, um den Kurs in die erwünschte Richtung zu treiben.

Durch die Spekulation würden sie dazu beitragen, die Schwächen bestimmter Unternehmen oder gar ganzer Länder rechtzeitig aufzudecken und somit ein frühes Gegensteuern erst möglich machen, sagen die Verteidiger der Hedgefonds. … Die fallenden Aktienkurse oder Anleihenkurse setzen ein Unternehmen oder ein Land zeitlich enorm unter Druck, eine schnelle Lösung zu finden, die nicht immer die beste sein muss.

Pro Hedgefonds wird noch argumentiert, sie seien ein Auffangbecken für Risiken, die Banken nicht mehr tragen wollen. So würden sie zur Stabilität des Gesamtsystems beitragen. Dem Finanzsystem würde diese Verschiebung aber nur was nützen, wenn sich Hedgefonds im Pleitefall leichter abwickeln ließen als Banken – doch die Fonds sind groß und vernetzt und besonders intransparent, weil sie so stark durch Kredite finanziert werden. Im Ernstfall bleibt dann wohl unklar, bis wohin die Auswirkungen gehen, und diese Unsicherheit belastet das ganze System. Zwar wurden die Banken seit der Finanzkrise wieder etwas reguliert, aber bei den anderen Teilnehmern vom Finanzmarkt wie den Hedgefonds hat man das unterlassen.

Damit sind nicht die Skrupellosigkeit und der Missbrauch angesprochen, die in diesem Text aufgezeigt werden. Unter "Bankenaufsicht" darf man nur etwas verstehen, das die Banken vor zu großen Risiken bewahren soll. Dass ihre Aktivitäten auf Anstand und Redlichkeit überwacht würden, davon kann keine Rede sein.

Die Ansicht aus dem SZ-Artikel: Anstatt ein umfassendes Regelwerk zu erstellen, wurden Probleme nur von einem in den anderen Bereich verlagert. – Die Ansicht von wissenbloggt: Hedgefonds mitsamt des ganzen unreglierten Schattenbereichs abschaffen.

 

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