Weltweite Schuldenorgien

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Das Pumpen ist des Politikers Lust … und des Steuerzahlers Frust. Die Zeiten sind längst vorbei, wo leere Taschen das Zeichen der Habenichtse waren. Heute sind die Taschen mehr als leer (Bild: ActionPlanet, pixabay).

Welt

So um die 20.000 Euros pro Nase betragen die Durchschnittsschulden weltweit. Mitgerechnet sind die Armen, die mit 2 Euros pro Tag leben müssen, und denen niemand so viel Geld leiht. Kein Problem, die Bessergestellten machen Schulden für sie mit. Genauer gesagt, die Politiker, welche die Bessergestellten vertreten.

Im Herbst 2016 ging die Zahl 152 Billionen Schulden durch die Medien. Veröffentlicht hat sie der Internationale Währungsfonds IWF. Auf englisch heißt er IMF, und de Billionen werden zu trillions, abgekürzt tn:

Die Rede ist auch von 199 Billionen statt 152. Jedenfalls ist es der höchste Schuldenstand, den es jemals gab. Er ist mehr als doppelt so hoch wie das Bruttoinlandsprodukt BIP aller Staaten zusammen, das sich auf englisch Gross Domestic Product GDP nennt. GDP bzw. BIP geben den Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen an, die eine Volkswirtschaft innerhalb eines Jahres produziert. Global Gross Debt sind die Weltweiten Schulden (Bild: IMF):

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Kürzlich kochte das Thema wieder hoch, z.B. in dem Artikel $21,714 For Every Man, Woman And Child In The World – This Global Debt Bomb Is Ready To Explode  (Zero Hedge 13.3.). Jetzt hat die Legende also eine Bombe draus gemacht, die jederzeit hochgehen kann. Der Artikel rechnet die Schulden auf die Gesamtzahl der Menschen um und kommt damit auf rund 20.000 Euros pro Nase. Wenn man einbezieht, dass 3 Milliarden von den 7+ Milliarden Menschen in Armut leben, muss man davon ausgehen, dass knapp die Hälfte der Menschen gar nicht in der Lage ist, solche Schulden zu tragen, geschweige denn zurückzuzahlen.

USA

Die Bankenkrise 2008 hat die Schuldenlast nochmal um 20% gesteigert, wie das Bild zeigt. Allein die USA schieben nun Kredite von 65 Billionen Dollar vor sich her, von denen der Staat allein schon 20 Billionen aufgenommen hat. Der andere Superschuldenmacher ist China mit 27 Billionen Dollar Neuverschuldung seit 2007. In derselben Zeit haben die USA und Europa jeweils 12 Billionen aufgehäuft. Weltweit ist man bei einer Schuldenhöhe von bald 300% BIP angelangt; die USA haben schon 300% und China sogar 350%.

Die fetzige Site Zero Hedge schreibt dazu, die zukünftigen Generationen wären damit in die Zinsknechtschaft verkauft, und das beste, was die Politik draus machen kann, sei weitermachen, bis die Blase platzt – was danach kommt, sei unausdenklich. Andere spekulieren gelassener über die Ansteckungsgefahr, etwa der Artikel The World's Debt Is Alarmingly High. But Is It Contagious? (Bloomberg 22.2.): Welcome back to a familiar anxiety: global debt contagion – die alten Sorgen der weltweiten Schuldenkrise tauchen wieder auf. 

Für das US-amerikanische 20-Billionen-Problem mit der Staatsschuld gibt's ein putziges Video von The Money Project, das dem neuen Präsi Trump die obamasche Erblast aufs Auge drückt (von den 20 Billionen US-Schulden sind 30% in Händen von Ausländern, der Rest liegt bei der US-Notenbank, Versicherungsfonds, US-Banken, großen US-Firmen und der Regierung selbst):

Eurozone

Zum Vergleich die Staatsschulden der 19 Mitgliedsländer der Eurozone: Das sind 9,85 Billionen Euros entsprechend 91% BIP und 29.000 Euros Schulden pro Nase (gemäß Schuldenuhren der EU-Mitgliedsstaaten von HaushaltsSteuerung.de 29.10.16).

Deutschland

Das sind aber nur die offiziellen Schulden. Zusätzlich zu den expliziten Schulden gibt es die impliziten Schulden, z.B. aus den Pensionszusagen für die Beamten, durch die sich die deutsche Schuldenlast locker verdreifacht. Das besagt Sozialausgaben – Heimliche Billionenschulden (Süddeutsche Zeitung 19.7.16 mit Zugangssperre): "Der Staat bilanziert wie eine Frittenbude." Das Forschungszentrum Generationenverträge Freiburg spricht von 4 Billionen impliziten Schulden.

Dazu kommt der Infrastrukturverfall, der ebenfalls eine finanzielle Belastung für jeden Bürger darstellt. Und der Ausverkauf der staatlichen Besitztümer wie Sozialwohnungen und nun sogar Autobahnen, siehe Der Ausverkauf der Autobahn (Blätter für deutsche und internationale Politik 3/17).

Damit das Schuldenmachen nicht so auffällt, wird es nicht bilanziert (Pensionszusagen, Infrastrukturverfall) oder umgelogen (Autobahn-Ausverkauf = "Zentralisierung der Autobahnverwaltung“). Oder die Schulden werden sogar ganz offiziell versteckt wie die "Sonderschulden".

Nachzulesen in dem Kommentar Versteckte Ausgaben (Süddeutsche Zeitung 29.4.15): Der Bund macht keine neuen Schulden – warum steigen die Schulden trotzdem? Weil Extra-Haushalte angestiegen sind. Dieses System muss geändert werden.

Das Ganze liest sich wie Fake News aus der Bananenrepublik. Extrahaushalte, Schattenhaushalte, Sondervermögen, bad banks, Mittel, über die nicht im Parlament entschieden wird, sondern verdeckt – und welcher von den Extrahaushalten den Anstieg der Schulden zu verantworten hat, wird nicht ausgewiesen wegen "statistischer Geheimhaltung".

Neu ist das nicht, wie ein alter Artikel zeigt, Sonderschulden – Sonderbares Vermögen (ZEIT ONLINE 22.10.09): Das, was unter den Begriffen Sondervermögen oder auch Schattenhaushalt firmiert, ist besser umschrieben mit Sonderschulden. Oder noch einfacher: neuen Schulden.

Eurozone

Das zieht sich durch die Jahre … Vielleicht sind die Akteure solcher fortgesetzten Betrügerei müde geworden? Denn jetzt ist es eleganter eingerichtet: Schulden sind heute umsonst. Dafür sorgt die EZB mit ihren 60-80 Milliarden Euros pro Monat, die sie in die Staatsfinanzierung pumpt. Aber nein, dies Geld ist nicht gepumpt, sondern geschöpft. Und es sind auch bloß ein paar lumpige Billionen, mit denen es erreicht wurde, den Euro-Zins auf Null zu drücken – im Grunde eine verdecke Vermögenssteuer.

Das erlaubt den Staaten der Eurozone neues Pumpen ohne Zins zu zahlen. Der endlose Euro-Nullzins ist echte double action. Einmal forciert er die Schuldenblase, und als Konkurrenzproblem baut er die Verwerfungen der Nullzins-Finanzen auf. Da darf man gespannt sein, was zuerst den großen Ärger macht, Nullzins oder Schuldenblase.

 

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2 Antworten auf Weltweite Schuldenorgien

  1. Wilfried Müller sagt:

    Ein aktuelle Grafik der Deutschen Bank zeigt, dass die Zentralbanken (ZB) an die 200 Mrd. Dollar pro Monat schöpfen (Fed=US-ZB, ECB=europäische ZB, BoJ=japanische ZB, BoE=britische ZB):

  2. Wilfried Müller sagt:

    Ein Video von DEMONOCRACY.INFO zeigt, wie groß die amerikanische Schuld in 100-Dollar-Scheinen ist. Der Stapel wäre 20.000 km hoch. Die deutsche Schuld in 100-Euro-Scheinen wäre nur 2.000 km hoch … US Debt of $20 Trillion Visualized In Stacks Of Physical Cash (Zero Hedge 24.3.): The faith and value of the US Dollar rests on the Government's ability to repay its debt. $20,000,000,000,000 is a number so large that it is beyond comprehension for most.

     

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