Aufklärung über Einwegflaschen: der maximale Dreckeffekt

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plastic-bottles-115069_1280Unser Umgang mit den Einwegflaschen ist ein veritabler Skandal – und das trotz Pfand. Dieses vorweggenommene Fazit gründet nicht nur auf der unheimlichen Zunahme des Plastikmülls (Bild: Hans, pixabay). Schon im vorigen Jahr gab es bedrohliche Szenarien dazu, Umweltverschmutzung: In 35 Jahren mehr Plastik als Fische im Meer (ZEIT ONLINE 19.1.16): Jede Minute gelangt ein Müllwagen voller Plastik in die Ozeane.

Demnach haben Forscher ausgerechnet, dass sich die Menge in den kommenden Jahren vervierfachen könnte, daher das Gleichnis mit mehr Plastik als Fisch. Was wir dagegen tun? Nun, ein großer Teil vom Plastik wird "thermisch verwertet".

So heißt das, wenn man's einfach verbrennt – und das passiert sogar Pfandflaschen. Damit ist man beim Skandal angelangt, denn 70% unserer Flaschen sind Einwegflaschen, und 40% davon werden verbrannt, pardon, thermisch verwertet.

Nicht dass die anderen ins Meer geschmissen werden; offiziell werden die zu Plastik minderer Güte verarbeitet. Und wenn das recycled wird, verbrennt man 40% davon usw. usf.

Auf diese Zustände wies die heute-show vom 31. März 2017 hin, eine Nachrichtensátire mit dem  Moderator, Journalisten, Komiker, Autoren und Synchronsprecher Oliver Welke und seinen kongenialen Partnern. Der Link führt zum Video der Show, und nach 25 min kommt das Einweg-Thema dran: "Ist das Müll, oder kann das weg?" und "Dieser Einweg wird kein leichter sein" und noch ein Kalauer: "Flasch Gordon".

Die dargelegten Fakten sind aber gar nicht lustig. Man kann sie bei der Verbraucherzentrale nachschauen, wo das Problem schon länger aufgezeigt wird unter dem Titel Mehrweg oder Einweg: Verwirrung total (6.6.). Für wissenbloggt werden hier die Eckdaten referiert:

Pfand bedeutet nicht Mehrweg

Entgegen der Meinung von vielen Leuten ist der (oder das) Pfand kein eindeutiges Merkmal für Mehrweg-Verpackungen mehr. Früher war es mal so, heute ist Pfand auch für Einweg-Verpackun­gen möglich. Und das weitet sich aus, Mineralwasser und Erfrischungsgetränke werden laut Verbraucherzentrale zunehmend in Ein­weg-Kunststoff-Fla­schen verkauft.

1991 waren es noch 93% Mehrweg-Flaschen bei Mineralwasser, 2013 nur noch 40%. Mit oder ohne Pfand gibt es inzwischen Glasflaschen, Getränkekartons, Aludosen und Plastikbehälter. Von der Verbraucherzentrale übernimmt wb die Mehrweg-Symbole:

225218AAußer den Logos Blauer Engel und Mehrweg gelten auch die Aufschriften Leihfla­sche, Pfandflasche, Mehrweg, Mehr­weg-Flasche. Solche Flaschen müssen nicht aus Glas sein, es gibt sie auch aus PET (Polyethylenterephthalat). Bis jetzt gibt es noch keine gesetzlich vorgeschriebene Kennzeichnung für Mehrweg-Getränkeverpackungen.

Mehrweg bedeutet immer Pfand

Egal, welches Getränk drin ist, Mehrweg-Flaschen kosten immer Pfand. Die zurückgegebenen Flaschen gehen zum Ab­füller zu­rück, werden dort gespült und neu befüllt. Der Mehrwegpfand ist meistens 15 Cent für eine Glas- oder Kunststoff-Flasche. Bei Bier sind es nur 8 Cent, außer für Spezialflaschen wie Bügel­flaschen, da kann mehr Pfand genommen werden.

Nach lang­jähriger Praxis der meisten Geschäfte nehmen alle auch Pfandflaschen an, die nicht dort gekauft wur­den. Eine Pflicht dazu besteht allerdings nicht, wenn das Geschäft solche Flaschen gar nicht im Angebot hat. Wenn ein Händler nur Einzelflaschen verkauft (z.B. ein Kiosk), braucht er auch nur Einzelflaschen zurückzunehmen. Wenn eine Flasche aus einem Kasten zerbricht, ist das kein Grund, die An­nahme des Kastens zu ver­weigern. Nur der Abzug vom Pfand für die zerbrochene Fla­sche ist gerechtfertigt.

Mehrweg-Kästen garantieren nicht Mehrweg-Flaschen

Es gibt tatsächlich seit einigen Jahren ein spezielles System, das Einweg-Flaschen (z.B. Mineralwasser) in Mehrwegkästen vertreibt. 225216AMan muss die Kennzeichen auf den Flaschen prüfen. Einweg-Flaschen in Mehrweg-Kästen tragen laut Verbraucherzentrale oft das Symbol PET-Cycle. Dieses Zeichen steht nicht für Mehrweg und Wiederbefüllung, sondern für Einweg und Recycling der Flaschen – mithin für 40% Verbrennung. Wer im Zweifel ist, kann nach der Pfandhöhe der Flaschen fragen. Der Einwegpfand ist nämlich höher als der Mehrwegpfand: 25 Cent.

Allgemeines zu Einweg und Mehrweg

Die Verbraucherzentrale fasst es in die Worte, Mehrweg-Flaschen leben länger. Einweg-Verpackungen können zwar zurückgegeben und recycelt werden, trotzdem wird für jedes Getränk eine neue Verpackung produziert, die nach dem Austrinken zu Abfall wird. Mehrweg-Glasflaschen werden dagegen rund 50-Mal befüllt und bleiben  bis 7 Jahre im Umlauf. Die Kunst­stoff-Flaschen werden 15-Mal befüllt. Wenn die Mehrweg-Flaschen in der Re­gion abgefüllt werden, sind sie aus der Umweltsicht am besten.

Dabei ist es egal, ob Kunststoff- oder Glasfla­sche. Beide haben deutliche Vorteile gegenüber Einwegdosen und -flaschen. Sie verbrauchen auf ihrem "Lebensweg" weni­ger Rohstoffe und Energie und tragen weniger zum Treibhauseffekt bei. Eine kürzere Transportentfernung ist zusätzlich hilfreich für die gute Bilanz für die Mehrwegfla­sche. Einweg-Glasflaschen und Einwegdosen sind die ökologischen Schlusslichter. Von allen Getränkeverpackungen be­lasten sie das Klima am meisten, verbrauchen mehr Energie und verur­sachen mehr Abfall.

"Umweltflops" Einweg und pfandfrei

Einweg-Flaschen oder -Dosen müssen vom Hersteller deutlich lesbar und an gut sichtbaren Stellen als 225217Apfandpflichtig ge­kennzeichnet werden. Auf Einwegpfand-Verpackungen sieht man diese Hinweise: Ein­wegpfand 0,25 €, Pfandfla­sche, PETCYCLE. Oder das Zeichen der Deutschen Pfandsystem GmbH (DPG). Zumeist kennzeichnen die Abfüller Einweg-Verpackungen mit dem DPG-Zeichen und einem EAN-Code (Strichcode). Die Kennzeichnungspflicht gilt nur für Behälter, für die Pfand erhoben wird. Wenn kein Pfand erhoben wird, wie bei den Einweg-Geträn­ke­verpackungen für Säfte, Milch oder Wein, gibt es allenfalls das Recycling-Symbol. Getränkekar­tons sind auch pfandfrei, weil sie als öko­logisch vorteilhaft ange­se­hen werden. Die nicht bepfande­ten Ver­packungen gehören in die gelbe Tonne bzw. den gel­ben Sack bzw. in den Glas­container. Trotzdem nennt sie die Verbraucherzentrale "Umweltflops".

Fazit

Die Einwegverpa­ckungen haben dazu beige­tragen, dass die Mehrweganteile bei den Getränke­verpackungen – insbesondere für Erfri­schungsgetränke und Mineralwasser – stark gesunken sind, sagt die Verbraucherzentrale. Für wb ist das der maximale Dreckeffekt, weil eine Täuschung der Verbraucher inbegriffen ist. Man fühlt sich umweltbewusst, weil man Pfandflaschen nimmt, und kauft trotzdem Einweg. Und trotz der schönen Symbole drauf wird 40% thermisch verwertet.

Ob man die Politiker recyclen könnte, die solches ermöglichen? Sind das Einwegflaschen oder Mehrwegflaschen?

 

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