Menschen mit implantiertem Chip: „Get chipped!“

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snack-1555516_1280Anders als es das Bild von Freeimages9, pixabay, vermuten lässt, geht es hier nicht ums Einwerfen von ein paar potato chips. Es geht um Computerchips von der Größe eines Reiskorns, und die werden den Menschen implantiert (in die Hand zwischen Daumen und Zeigefinger).

Get chipped heißt, ein "body hacker" kommt mit einer Spritze und piekst da rein. Ein Druck, ein Klick, kein Blut, keine Schreie, und das Reiskorn flutscht unter die Haut, wo es im Verborgenen seine Wirkung entfalten kann.

Diese Wirkung ist die gleiche wie bei Chip-Karten, Schlüsseln oder Kreditkarten, die Türen oder Zahlschranken öffnen, Drucker aktivieren oder Getränke am Automaten bezahlen. Das berichtet James Brooks in Cyborgs at work: employees getting implanted with microchips (Associated Press 3.4.). Der Name Cyborg oder Zombie für die gechippten Menschen klingt vielleicht etwas hart, aber er setzt die Sache ins rechte Licht. Das ist keine Schreckensvision mehr, nein, die Technik hat's zu einer fast alltäglichen Operation gemacht.

Jedenfalls im schwedischen Startup-Zantrum Epicenter, über das Associated Press berichtet. Dort sind 100 Firmen mit 2000 Angestellten versammelt, und 150 haben den Chip schon drin. Inzwischen gibt's Parties für die Neugechippten, so populär ist die Sache.

Das wurde auch schon woanders gemacht, z.B. als "virtuelles Halsband" bei Haustieren oder zur Auslieferungsverfolgung. Eine Firma in Belgien tut's, und vereinzelte andere auch. Als Beinahe-Massenbewegung ist es neu, so der Bericht. Schließlich sind die Chips unter der Haut sehr praktisch. Tür öffnen? Einfach nur mit der gechippten Hand wedeln.

Allerdings stellen sich einige Fragen zur Sicherheit und zum Datenschutz. Das gechippte Individuum ist bestens verfolgbar, seine Arbeitszeiten sind im Detail überprüfbar, genauso wie sein Konsumverhalten. Und der Chip kann nicht schnell mal weggeegt werden wie ein Smartphone. Das weckt denn doch Zweifel.

Doch wo ist das Problem, wenn alle möglichen Leute ihren Körper durch Implantate oder Piercings modifizieren, sei es als Herzschrittmacher, oder um als Horrorgestalt durchs Leben zu gehen? Was macht dann ein kleiner kommunikationsfähiger Chip noch aus?

Die Implantate nutzen die Nahfeld-Kommunikation genauso wie kontaktlose Kreditkarten und Zahlkarten. Ein Lesegerät in der Nähe sendet Daten und fragt welche vom Implantat ab, ohne dass das Implantat selber Daten aufnimmt.

Natürlich ist so ein System anfällig für Hacker. Die könnten dem Chip die Informationen entlocken, ohne dass der Benutzer etwas davon merkt. Und das sind sensiblere Daten als beim Smartphone, denn in zukünftigen Versionen können Gesundheitsdaten dabei sein, genauso wie die Möglichkeit, das ganze Hin und Her der Person zu verfolgen – bis zu der Frage, wie oft sie die Toilette aufsucht.

"Are you chipped?" Wer die Frage bejaht, sieht sich Missbrauchsmöglichkeiten ausgesetzt. Viele machen nur mit, weil sie technikverliebt sind und beim neusten Trend dabeisein wollen. Wer ein science-fiction-mäßiges Leben anstrebt, ist da richtig.

So wird man ein Teil der Zukunft, wie es eine Befragte formuliert. Ein Kommentator ist da skeptischer: Wir erlauben Firmen und Regierungen schon mehr Kontrolle über unser Leben, als wir sollten. Das Chip-Implantat bedeutet, freiwillig die letzte Unabhängigkeit aufzugeben, und das ist mehr, als ich will. Für mich ist der Chip dasselbe wie Sklavenketten für die Sklaven. Welche schändlichen Ideen werden als nächstes kommen?

Wenn wissenbloggt da eine Vermutung riskieren soll: Das geht zusammen mit der Totalüberwachung, und wenn die nicht über Gesichtserkennung funktioniert, dann eben mit Chip-Implantat. Die Beschlussfassung dafür ist nur ein paar Terroranschläge weit entfernt.


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2 Antworten auf Menschen mit implantiertem Chip: „Get chipped!“

  1. klafuenf sagt:

    Na ja, bei max 50 mm Reichweite und auffällig großen Antennen, die gleichzeitig Kreditkarten beschädigen können und Magnestreifen löschen, ist die Gefahr gering. Und andere, reichweitenstarke Technologie funktioniert nicht im Körper.

  2. Wilfried Müller sagt:

    Ein guter Hinweis, klafuenf, aber wenn alle Türen das Implantat checken, ist doch allerhand Überwachung möglich. Nach meiner Erfahrung mit Chipkarten beim Skifahren sind es auch mehr als 50mm.

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