Glaubens-Abfall

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paper-523232_1280Auf deutsch ist das Wort vom Glaubens-Abfall doppeldeutig. In manchen Ländern und bei einer gewissen Religion, die zu Deutschland gehört, heißt der Glaubens-Abfall Apostasie und ist unter Todesstrafe verboten. Was aber in aufgeklärten Zonen passiert, ist die Kompostierung des Glaubens zu einem Glaubens-Abfall, der nicht zu recyclen geht (Bild: geralt, pixabay).

Immer mehr Menschen erkennen die Götter als menschengemachte Konstrukte, als Ausgeburten der menschlichen Phantasie, als Popanz, als Fake, als Verdummungs- und Unterdrückungsinstrumente. Triumphe feiern die Religionen nur noch am A…. der Welt und auf Nebenschauplätzen. Hierzulande beschränkt sich das auf Erfolge beim Geld- und Privilegien-Schürfen:

  • siehe etwa Zuschuss zum Kirchentag – Rechentricks in Gottes Namen (taz 13.3.): Der Senat fördert den Kirchentag üppig und verweist auf millionenschwere Umsätze für die Berliner Wirtschaft. Leider geht die Rechnung nicht auf.
  • und natürlich bei der ecclesiogen-kommerziellen Verwertung des Reformationsjahrs, siehe auch Luther schlägt Darth Vader (Süddeutsche Zeitung 3.4.): Als Spielfigur aus Plastik bricht der Reformator Verkaufsrekorde … der Lutherkitsch siegt.

Auf dem Weg ins Endlager vermögen die Fake-Idole allenfalls noch Staub aufzuwirbeln. Dazu gibt's eine aktuelle Liste von Berichten, die diesmal vorwiegend von Deutschlands südlichen Nachbarn stammen:

  • Schweiz – Das Gespenst des Christentums geht um (Neue Züricher Zeitung 7.4.): Noch knapp zwei Drittel der Schweizer Bevölkerung gehören der römisch-katholischen oder der evangelisch-reformierten Kirche an, fast ein Viertel ist «konfessionslos». Über die Hälfte der Bevölkerung hat ein distanziertes Verhältnis zur Religion. Gemäß der Forschung werde diese Gruppe weiter wachsen. Die Kirchen seien denn auch alarmiert und versuchen seit längerem an der Trendumkehr zu arbeiten. Der Artikel behauptet, offenbar seien nur 2% der Schweizer der Ansicht, dass Gott nicht existiere. Der Atheist sei die Ausnahme, der illusionslos davon überzeugt ist, dass der Tod das endgültige Aus bedeutet, und der selbst in der grössten Krise kein Stossgebet zum Himmel schickt. Zudem sei im Westen ist keine Ideologie in Sicht, die es mit dem Christentum und dem Götterglauben aufnehmen könnte (keine Rede vom Humanismus, Anmerkung wissenbloggt).
  • Schweiz – «Moderne Gesellschaften brauchen keine Religion mehr» (Neue Züricher Zeitung 7.4.): Der Religionssoziologe Jörg Stolz glaubt, dass es Gott dann nicht mehr gibt, wenn niemand mehr glaubt, dass es ihn gibt. Dieser Tag könnte dereinst kommen. (Das ist konform zu der Vorstellung, dass ein Konstrukt nur so lange existiert, wie es gedacht wird, Anmerkung wissenbloggt).
  • Österreich – Überparteiliche Plattform kämpft für Ethikunterricht für alle (derStandard.at 5.4.): Nach 20 Jahren Schulversuch macht sich eine zivilgesellschaftliche Initiative stark für Ethik als Pflichtfach für alle Kinder. Religion sei Privatsache, Schule müsse Wissen vermitteln, nicht missionieren.
  • Deutschland – Studie „Generation What?“ Junge Europäer brauchen keine Religion (Frankfurter Allgemeine Zeitung 5.4.): Ohne Glauben an Gott glücklich sein? Offenbar kein Problem für junge Erwachsene in Europa, zeigt eine Jugendstudie. Die weiteren Ergebnisse dürften religiöse Institutionen ebenfalls beunruhigen. (Die Studie „Generation What?“ ist kein Paper, sondern eine Site, wo man die einzelnen Themen anklicken kann, nur dass der Topos Religion auf der Site fehlt.)
  • Deutschland – Das passiert mit deinem Gehirn, wenn du aufhörst, an Gott zu glauben (VICE Deutschland 3.4.): Immer mehr junge Menschen fühlen sich keiner Religion mehr zugehörig. Dieser Verlust des Glaubens ist ein schleichender Prozess. Demnach führt nur 1% der religiös erzogenen Amerikaner, die nicht mehr an Gott glauben, ihren Glaubens-Abfall auf eine einmalige "Glaubenskrise" zurück. 36% wurden allmählich immer desillusionierter, und weitere 7% gaben an, ihre Ansichten hätten sich weiterentwickelt.
  • Ghana – Afrikanische Atheisten – Gottlos in Ghana (Neue Züricher Zeitung 4.3.): Der religiöse Extremismus äussert sich in Afrika nicht nur islamisch, sondern auch christlich. Freikirchen sind in Ghana allgegenwärtig und oft fanatisch. Eine Gruppe Ungläubiger gibt Gegensteuer.

Man ist voreilig, wenn man alle unter der Rubrik gläubig subsumiert, egal in welchem Land. Es gibt Konfessionslose im Iran und den arabischen Ländern. Unter den nichtdeutschen Jugendlichen aus muslimischen Ländern sind auch 20% Nichtreligiöse (bei den deutschen Jugendlichen sind's 80%). Viele haben den Glauben schon als Abfall erkannt.

religionistheilbar

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