Woher kommt er, wohin führt er – der „Glaubenswahn“?

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glaubenswahnKubitza zeigt: Kirchen und Gläubige blenden mit den dunklen Seiten ihres Gottes im Alten Testament auch die Anfänge des religiösen Extremismus aus. … Ein Gott mit fast schon faschistoiden Zügen. Das sagt der Verlag.

Der Kulturwissenschaftler & Journalist Siegfried R. Krebs beschließt seine seine Rezension so: Festgehalten aber werden soll, daß Heinz-Werner Kubitzas Buch nicht nur durch die Kraft seiner Analyse und Argumentation besticht. Es zeichnet sich auch durch die Sprachmächtigkeit des Autors aus, die man nur als bravourös, grandios, phänomenal bezeichnen kann (1.5. bei Freigeist Weimar):

 

Woher kommt er, wohin führt er – der „Glaubenswahn“?

WEIMAR. (fgw) Mit „Der Glaubenswahn“ hat der promovierte Theologe UND Religionskritiker Heinz-Werner Kubitza nun seine im Tectum-Verlag erschienene analytische Trilogie zum Christentum / zur christlichen Kirche abgeschlossen.

Im ersten Band „Der Jesuswahn" ging es um die Frage, wie sich die Christen ihren Gott erschufen und wie durch wissenschaftliche Forschungen eine Weltreligion entzaubert wurde. Im zweiten Band „Der Dogmenwahn" wandte Kubitza sich den Scheinproblemen der Theologie und den Holzwegen einer angemaßten Wissenschaft zu.

Der dritte Band „Der Glaubenswahn" geht auf die Anfänge des religiösen Extremismus ein. Darunter verstehen die meisten Zeitgenossen sicherlich allein den islamischen Extremismus, den Islamismus, den Dschihadismus… Doch, und das weist Kubitza in aller Deutlichkeit nach, die Anfänge jeglichen religiösen Extremismus liegen bereits im sogenannten Alten Testament begründet. Es gab ihn also bereits im antiken Judentum und setzte sich dann in den beiden anderen „Buchreligionen" Christentum und Islam nur fort.

Doch der Glaubenwahn ist nicht allein eine Erscheinung vorkapitalistischer und vordemokratischer Verhältnisse. Er wirkt nach wie vor auch hierzulande und das in fast allen politischen Lagern. Leider auch in der Partei, die sich anmaßend Die LINKE nennt, und die sich immer noch z.B. auf Karl Marx, Friedrich Engels, August Bebel und Wilhelm Liebknecht – ausgesprochenen Freidenkern – beruft.

„Ich glaube zwar nicht an den da oben, aber ich fürchte eine gottlose Gesellschaft", sagte Gregor Gysi vor einiger Zeit in der TV-Sendung „Markus Lanz". Er begründete seine Befürchtung damit, daß die Religionsgemeinschaften die einzigen wären, die in der Lage seien, allgemeingültige moralische Werte aufzustellen. Der langjährige Fraktionsvorsitzende der Bundestagsfraktion seiner Partei erklärte weiter, daß ihm keine andere Instanz einfiele, die ein solches Wertegerüst aufstellen könnte, als die christlichen Kirchen.

 

Zurück in ein neues Mittelter

Da kann man eigentlich nur die vielleicht heilsame Empfehlung aussprechen, Gysi und andere Nachplapperer klerikaler Dogmen / Behauptungen mögen doch mal Kubitzas aktuelles Buch zur Kenntnis nehmen…

Und sei es nur diese Passage auf den Seiten 123/124:

„Solche Texte unverhüllten Hasses und angeberisch vorgetragener Gewaltphantasien, wie sie das Alte Testament leider an vielen Stellen und über viele Kapitel hinweg bestimmen, ändern zwar nichts daran, daß es sich beim Alten Testament um Weltliteratur handelt. Aber es ist eine Form von Literatur, für die man sich schämen muß, weil sie allem widerspricht, was eine moderne und aufgeklärte Gesellschaft anstrebt und vertritt. Jugendgefährdend und für Kinder schlicht nicht geeignet.

Es ist ein sehr zweifelhaftes Verdienst Luthers, daß er die Bibel, die in Renaissance und beginnendem Humanismus schon viel an Autorität verloren hatte, wieder ins religiöse Bewußtsein gezogen und dort mehr verankert hat, als es jemals zuvor der Fall gewesen ist.

Wäre es nicht besser gewesen, diese 'Heilige Schrift', in der sich derart viel Unheiliges findet, langsam im öffentlichen Bewußtsein sterben zu lassen? Hat unsere Welt nicht bessere Texte und vor allem bessere Vorbilder verdient?

Vielleicht hätten sich Renaissance und Humanismus organisch auf die Aufklärung zubewegt; gute Ansätze waren ja vorhanden. Stattdessen hat wieder so ein angemaßter Prophet (diesmal aus Wittenberg) mit religiösen Phantasien, und ebenfalls nicht frei von neurotischen Zügen, die gesellschaftliche Entwicklung in ein neues Mittelalter zurückgerissen und eine zweite Scholastik mit rechthaberischen Theologen begründet, nun auf mehrere konfessionelle Seiten verteilt. (…) Luthers Suche nach einem 'gerechten Gott' war ohnehin bloß die Suche nach einem Gespenst – auch wenn er schließlich meinte, es gefunden zu haben."

Und wenn man Kubitzas Feststellung weiterdenkt, so kann man durchaus zur Ansicht kommen, daß wir in Europa, insbesondere in Bundesdeutschland, seit 1990 geistig wiederum in ein neues Mittelalter zurückgerissen werden sollen. Auch mit Hilfe, bewußt oder unbewußt, von Politikern wie Gysi & Co.

 

Die Bibel gelesen oder nicht gelesen? – Das ist DIE Frage!

Warum nun hat Kubitza dieses Buch geschrieben? Darauf geht er dezidiert in seinem Vorwort ein, das hier etwas ausführlicher referiert werden soll.

Er beginnt so: „Viele Christen haben irgendwann in ihrem Leben eine fromme Idee: Es wäre doch schön, die Bibel einmal von Anfang bis Ende durchzulesen. Immerhin ist es für sie doch das 'Wort Gottes'. (…) Wo ein vom Neuen Testament herkommendes friedliches (meist auch kitschiges) Gottesbild bei Christen vorherrscht, wirkt es irritierend, daß das Alte Testament so wenig geeignet ist, die religiöse Wellness zu erzeugen, die der Gläubige von seinen heiligen Schriften doch erwartet. So mancher fromme Vorsatz, das 'Wort Gottes' einmal komplett zu lesen, scheitert da schon nach kurzer Zeit nicht nur an sperrigen Geschichten (…) Warum so viele Kriege? Warum so viel Blut? Wie soll man das verstehen? In den Predigten der Kirchen war davon doch kaum die Rede? (…)

Kirchen und Christentum leben davon, daß geschätzt 80 bis 90 Prozent der biblischen Texte faktisch ignoriert und nur ein kleiner Teil und ausgewählte Stellen, ja oft nur einzelne Verse rezipiert werden. (…)

„…dieser Gott Jahwe vereinigt in sich ein derart hohes Maß an negativen Eigenschaften, Verhaltensweisen, niederen Instinkten und primitiven Rechtsphantasien, daß er für eine moderne und freiheitliche Gesellschaft, ja auch für eine sich (inzwischen) als modern und tolerant verstehende christliche Religion einfach nicht mehr zu verwenden ist. (Er wird daher zurechtgedeutet und uminterpretiert; 'im Lichte des Neuen Testaments neu gesehen')… (…)

…immer noch hält sich unter Gläubigen, ja sogar in Teilen der säkularen Gesellschaft hartnäckig die Meinung, das Alte Testament und sein Gott verträten eine werthafte bzw. wertvolle Ethik und seien deshalb wichtig und bewahrenswert. (…) In über 2000 Jahre alten Texten soll sich eine Ethik spiegeln, die auch für unsere heutige Zeit vorbildlich und wertvoll ist. (…) Und dieser fremde und unangenehme Gott hat uns heute, hat selbst seinen christlichen Gläubigen eigentlich nichts mehr zu sagen. Dennoch beharren Kirche und Gläubige hartnäckig auf der ethischen Relevanz auch des alttestamentlichen Gottes, und fromme Christen werden nicht müde, dazu aufzufordern, das eigene Leben und gleich die ganze Gesellschaft an biblischen Grundsätzen auszurichten…" (S. 9 – 12)

Hinzuzufügen wäre, daß diese biblischen Grundsätze von Menschen in einer archaischen Hirtengesellschaft bzw. in antiker Sklavenhaltergesellschaft aufgestellt worden sind. Und nichts bringt dies deutlicher zum Ausdruck als das sogenannte Zehnte Gebot:

„Du sollst nicht nach dem Haus deines Nächsten verlangen. Du sollst nicht nach der Frau deines Nächsten verlangen, nach seinem Sklaven oder seiner Sklavin, seinem Rind oder seinem Esel oder nach irgendetwas, das deinem Nächsten gehört."

Das muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Frauen, Sklaven und Vieh werden auf eine Stufe gestellt als persönliches Eigentum des Mannes. Und – Sklaverei wird als etwas ganz Natürliches und Gottgegebenes hingenommen. Nebenbei, mit dem „Nächsten" ist stets nur ein Mann der eigenen Sippe bzw. Ethnie gemeint. Niemals aber Menschen anderer Ethnien, Völker. Die darf man berauben, vergewaltigen, versklaven, töten. Was auch in der Bibel selbst nachzulesen ist, wenn man diese denn wirklich aufmerksam in Gänze lesen will.

Übrigens, der Rezensent, der zu keiner Zeit christlich oder anderweitig religiös indoktriniert worden ist, hat in seinem Leben die Bibel komplett gelesen. Erstmalig mit etwa zwölf Jahren, dann nochmals mit Anfang Zwanzig. Als 'Wort Gottes' hat er keinen einzigen der Texte empfunden, auch nicht als „historische Abhandlung', sondern nur als eine Mythensammlung unter vielen. Er las ja in dem Zusammenhang u.a. auch die griechischen und germanischen Göttersagen…

 

Streifzug durch das Alte Testament mit Textanalyse

Heinz-Werner Kubitza unternimmt dann in sechs Kapiteln einen detaillierten Streifzug durch das Alte Testament. Er zitiert ausführlich aus den Texten und unterzieht diese einer wissenschaftlich-kritischen Analyse. Die hier ausführlich zu besprechen, würde jedoch den Rahmen einer Rezension sprengen. Es sollen daher nur die Kapitelüberschriften und die Überschriften wichtiger Abschnitte darin genannt werden.

 

Jahwe – Gott des Krieges und der Gewalt

Der Gott Jahwe und seine Morde an Fremdvölkern – Jahwes Gewalt am eigenen Volk – Religiöse Phrasen und ein mordender Gott – Die üble Nachbarschaft frommer Sprüche – Gottes Gnade und Gewaltphantasien

 

Die Gründe für Jahwes Gewalttätigkeit

Die Geschichtsmythen des Alten Testaments – Israel als polytheistische Gesellschaft – Die Jahwe-Allein-Bewegung und der Beginn des religiösen Fanatismus – Warum ist das Alte Testament so gewalttätig? (Die Geschichtsfälschungen der Deuteronomisten. Der Mythos vom Gottesbund. Die Erfindung des Sabbats und des Passahfestes. Die Steigerung der Gewalt bei der Jahwe-Allein-Bewegung) – Göttliche Gewalt als Problem der Theologie (Wie Theologen mit einem gewalttätigen Gott fertigwerden)

 

Die fragwürdigen Eigenschaften Gottes

Der eifersüchtige Gott. Der zornige Gott – Die Mitleidlosigkeit Jahwes. Gottes schwarze Pädagogik (Die Furcht als Haupteigenschaft der Gläubigen. Gehorsam als höchster Wert für servile Gläubige. Gott und die Kollektivschuld. Gott vergiftet die sozialen Beziehungen) – Frauen als minderwertig / als hochmütige Huren – Jahwe als apokalytischer Zerstörergott

 

Die Propheten als religiöse Extremisten

Propheten als Lügner / als Verrückte – Theologische Illusionen

 

Das Alte Testament als fragwürdige Weltliteratur

Jahwes Faible für Details – Erfundene Heilsgeschichten – Gefälschte Zahlen. Kleine Fehler und bewußte Lügen – Gott als Naturwissenschaftler – Gottes weise Gesetze

 

Wertvolles im Alten Testament

Kubitza geht in seiner Textanalyse aber nicht nur auf die unendlich vielen negativen Passagen ein. Als objektiver Betrachter benennt er auch das wirklich wertvolle Schriftgut im Alten Testament: Die Josephsnovelle, das Buch Jona, Ester und die Religionskritik bei Hiob.

 

Resümee zu einem überschätzten Buch

In seinem Nachwort faßt Heinz-Werner Kubitza u.a. so zusammen:

„Die Grundlagen der heutigen Wissenschaft hat bereits die antike Philosophie gelegt. Doch können auch eine antike Religion und ein bestimmter Gott, der in ferner Zeit für sich ein winziges Volk in einem sehr eng gesteckten geographischen Rahmen als zuständig empfand, wirklich einen Beitrag zur Welterkenntnis und eine werthafte Ethik für ein modernes Leben bieten? Berechtigte Zweifel sind angebracht. (…) Was sollen wir abschließend vom alttestamentlichen Gott halten? (…) Daß er wohl kaum als ein 'Gott der Liebe und der Barmherzigkeit' verstanden werden kann, als den ihn die Kirchen vollmundig verkünden. Es verhält sich wohl eher so, daß hier Eigenschaften 'Gottes', die im Neuen Testament eine große Rolle spielen, aus dogmatischen Gründen auf den Gott des Alten Testamentes übertragen worden sind. (…)

Dieser Gott, den die Kirchen allsonntäglich als gut und barmherzig verkünden, wird an vielen Stellen im Alten Testament zum Mörder, ja sogar Massenmörder. Man mag es kaum glauben, doch das Alte Testament berauscht sich immer wieder auf primitive Weise an der großen Zahl von getöteten Feinden. (…) Diesem Gott ist alles Fremde zutiefst verhaßt. Permanent muß für ihn Blut fließen. Es spielt dabei keine Rolle, daß nach Erkenntnissen der Forschung die geschilderten Kriege fast alle erfunden sind, daß es keinen Exodus eines Volkes Israel aus Ägypten, mithin auch keine zehn ägyptischen Plagen, gegeben hat, daß die Wüstenwanderung erfunden ist und auch eine Landnahme mit kriegerischen Eroberungen als eine Fiktion späterer Zeiten zu gelten hat. (…)

[All] diese Hintergründe bleiben dem normalen Bibelleser verborgen. Er vertraut seiner 'Heiligen Schrift' und nimmt das Gelesene eher wörtlich, als daß er es hinterfragt. Und so spielt es auch keine Rolle, daß dieser Gott (wie alle Götter) mit allen seinen negativen Eigenschaften und Kraftsprüchen komplett erfunden ist: Denn die Bibel suggeriert etwas anderes und nimmt die Gläubigen mit auf eine Reise ins religiöse Disneyland. (…) Religiöse Toleranz, ein eigentlich schon alter Wert, den es im Polytheismus vor dem Aufkommen der Jahwe-Allein-Bewegung im Grunde schon gegeben hat, ist für diesen Gott aller Übel Anfang. (…)

Die Christen müssen sich fragen lassen, ob sie ihre Bibel denn gar nicht lesen. Wie können Christen anderen Menschen ernsthaft einreden wollen, auch im Alten Testament handele bereits ein Gott der Liebe und spiegele sich eine werthafte Ethik? Die Gläubigen lassen sich durch einzelne, oft verkitschte positiv klingende Verse bspw. in den Psalmen offenbar so beeindrucken, daß ihnen der Gesamtduktus, die Grundbefindlichkeit dieses merkwürdigen Gottes vollkommen entgeht. (…) Doch beim eigenen Gott sind Gläubige wie mit Blindheit geschlagen. (…) Sie werden zu dem, was ihnen Bibel und Kirchen ohnehin als Ideal vorgegeben haben: zu Schafen, die ihren Hirten folgen. (…)

Alle monotheistische Religion wäre freundlicher, hätte es sie nicht gegeben. So aber wurde die Jahwe-Bewegung mit ihrem exklusiven Monotheismus ein folgenschwerer Pfahl im Fleisch der Religionsgeschichte. Mit gravierenden Auswirkungen für die Welt, die bis heute daran leidet. (…)

Die Schriften des Alten Testamentes [wie auch die des Neuen Testaments; SRK] sind für eine andere Zeit geschrieben. Sie kennen uns nicht und wollen uns deshalb auch nichts sagen. Sie haben ethisch keine Relevanz für uns, auch wenn, das bleibt bei solch umfangreichen Texten nicht aus, zuweilen manches selbst in unserer Zeit noch Gültigkeit hat. (…) Und auch literarisch sind die Bücher des Alten Testaments eher zurückhaltend zu beurteilen. (…) Weltliteratur ist das Alte Testament und ist die Bibel insgesamt wohl sicherlich nur in einem quantitativen, aber nur sehr eingeschränkt in einem qualitativen Sinn. Die Bibel ist das am meisten überschätzte Buch der Weltliteratur." (S. 310-319)

Dem ist inhaltlich nichts hinzuzufügen. Festgehalten aber werden soll, daß Heinz-Werner Kubitzas Buch nicht nur durch die Kraft seiner Analyse und Argumentation besticht. Es zeichnet sich auch durch die Sprachmächtigkeit des Autors aus, die man nur als bravourös, grandios, phänomenal bezeichnen kann. Denn, und das wird immer wieder sichtbar, angesichts der Faktenlage vs. klerikaler Dogmen bleiben bei Zusammenfassungen oft nur Ironie, Sátire, Sarkasmus als zusätzliches Stilmittel.

 

Siegfried R. Krebs

Heinz-Werner Kubitza: Der Glaubenswahn. Von den Anfängen des religiösen Extremismus im Alten Testament. 344 S. Hardcover. Tectum-Verlag. Marburg 2017. 19,95 Euro. ISBN 978-3-8288-3849-9

Link zum Originalartikel bei Freigeist Weimar

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Eine Antwort auf Woher kommt er, wohin führt er – der „Glaubenswahn“?

  1. Saco sagt:

    Die Sonntagstexte heute gleichen sich allerdings dem Sinn nach langsam der Bibel an. In negativem Sinn.      

    Auch die "Evangelische Zeitung" (Luth. Verlagshaus) vom 27. 3. 16 erschüttert unsere Kinder: In den "lutherischen Kirchen" sei "unwidersprochen gültig", dass Sünder in die "ewige Hölle" und zur ewigen "Strafe" verdammt werden.

    Georg Scharf formuliert im Buch „Frohbotschaft oder Drohbotschaft“ ebenfalls Unglaubliches: Gerade Kleinkindern müsse man darlegen, dass Sünder in der ewigen Hölle "furchtbar leiden werden", denn die Psyche eines solchen Kindes sei "mehr auf den Glauben als auf das Durchschauen angelegt". Kinder seien bezüglich des Höllenglaubens „aufgeschlossener“ als Erwachsene. Auch Scharf platziert die Jetztzeit im Mittelalter: Die Hölle sei nach der „Verkündigung“ Jesu ein „ewiges Feuer“, ja ein tatsächlicher „Feuerofen“ (Seite 69). Kinder, so Scharf, seien ja geradezu darauf angewiesen, in "allen Lebensbereichen" den  "Erwachsenen zu glauben". Das müsse man „ausnutzen“, so der Autor.

    Hier in der Nähe, nahe dem KZ Bergen-Belsen, wird 2015 die Information "Wie wird es in der Hölle sein" an Kinder verteilt (Buch im Betanien-Verlag, Partner Erzbistum Paderborn). Sünder würden in der Hölle froh sein, um jedes "nicht brennende Körperteil!", schreibt der „renommierte Autor“ Hans-Werner Deppe unseren erschrockenen Kindern. „Unter Hitler“ habe es ja noch „Trost“ gegeben. Den werde man jedoch in der Hölle vermissen. Wie werde es sein, „wenn kein Millimeter  des Körpers für keine Sekunde der Ewigkeit vor dem sengenden Schmerz des Feuers verschont“ sein werde, schreibt Deppe mit einem Ausrufungszeichen.  

    Derartige maximale und ernstgemeinte Bedrohung von Kirchenseite wird von nahezu allen Teilen der Gesellschaft inklusive Ärzten und Staatsorganen in aller Regel toleriert – eine Toleranz,  die unsere Kinder in eine kollektive Schädigung führt. Androhung ewiger Folter ist die hauptsächliche Ursache für spätere Depressionen, Süchte, Angstneurosen, Aufmerksamkeitsdefizite und Psychosen aller Art. Deppes Drohungen würden keine "Anhaltspunkte" für das Vorliegen einer verfolgbaren "Straftat" bieten, so das unfassbare Urteil des Oberstaatsanwaltes Ralf Vetter von der Staatsanwaltschaft Detmold, AZ JS 659/15. Vetter ignoriert das Grundgesetz (Würde), §241 StGB (Bedrohung) und den Tod Jesu. Juristisch ist ja dieser Jesus, der da angelblich mit Feuer foltern wird, definitiv tot. Das schreib mir die Staatsanwaltschaft Freiburg i. B..  Die Kirchen drohen daher in eigener Täterschaft mit Folter. Dass mir Mütter berichteten, ihre Kinder würden sich durch die „Geschenke“ "bedroht fühlen", wie es in der Anzeige hieß, nimmt  der Staatsanwalt ungerührt zur Kenntnis.

     

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