Von Impersonator zu Avatar III

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Öfter mal was Neues, heißt die Devise im Computerland. Aktuell macht ein Wurm von sich reden, eine sogenannte Erpressungssoftware. Die kriecht in den Computer rein und verschlüsselt ein paar Dateien. Wenn dann nix mehr geht, kommt eine Lösegeldforderung – nicht ohne Grund erklärte die NATO den virtuellen Raum zum Kriegsgebiet.

Nachdem 230,000 Computer in 150 Ländern betroffen sind, ist das Grund genug für die virtuellen Aktivisten von wissenbloggt, eine kleine Konferenz darüber abzuhalten. Strikt unautorisiert wiedergegeben und ganz locker von Impersonator (englisch für Double) zu Avatar (englisch für virtuelle Person):

Impersonator:   Wie heißt dieser Wurm?

Avatar:    Komm, komm, Herr Kollege, das wissen wir doch beide. Wie geht's denn so?

I: Man kann nicht klagen. Heiße Zeit gerade. Und selber?

A: Naja, wenn die Doofen weinen, hat unsereins Grund zum Lachen.

I: Da ist was dran. Ich finde, WannaCry wäre ein echter Partner für uns.

A: Ein Wurm!? Also da sollten wir Avatare die Hände von lassen.

I: Tun wir Impersonatoren ja auch. Wir halten uns bloß an die Bitcoins.

A: So schön war noch kein Ransomware-GAU.

I: Und so ertragreich.

A: Allein schon das Startbild, das ist echt wegweisend.

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I: Das muss man dem Wurm lassen. Ich glaube, wir sollten ihm die Rechte als "Electronic Person" zuerkennen.

A: Na gut, aber nicht als gleichberechtigter Partner. Nachher haben wir die Chatbots auch am Hals, die Troll-Fabriken und die automatischen Like-Farmen …

I: … die Scraper, die Spammer, die NSA …

A: Die NSA? Das ist doch die US-Computer-Spionagezentrale?

I: Ja, aber die haben dieses "Top Secret Arsenal" mit den ganzen Tools, wo man durch die "back door" in alle Computer reinkommt.

A: Das diese Hacker-Truppe geknackt hat? Und wo sie allen das Passwort verraten haben? Wie hießen die noch, Shadow Brokers?

I: Genau, und das Arsenal mit diesen NSA-Tools wurde dann auch für die Cyberattacke von unserem Wurm verwendet.

A: Ach da hat der WannaCry seine Munition her. Clever, sich bei den Ransomware-Viren von der NSA zu bedienen.

I: Die NSA selber kann's nicht gewesen sein, sonst hätten sie mehr als 300 Dollar verlangt.

A: Kann ja noch kommen. Ich verlange 500 Dollar.

I: Ich auch. Kann ja keiner unterscheiden, wohin er zahlen muss. Ich finde, wenn die Systemadministratoren nicht wissen, wie man ein gescheites Backup macht …

A: Backup? Was ist das? So fragen die doch …

I: So welche gibt's. Das sind dann dieselben, die nicht wissen, wie man das geforderte Lösegeld in die Bitcoin-Wallets tut.

A: Sie sagen es, Herr Kollege. Die sind zu doof, um sie zu betrügen.

I: Sonst würden sie sich nicht mit Windows XP und Windows Server 2003 abgeben.

A: Ach, das gibt sich. Windows 10 ist schon in Arbeit. Ich hab ein Sortiment von phishing emails, die kommen da rein.

I: Wie schön. Ich hätte sehr schöne Anti-Antiphishing Software für Android …

A: Tauschen wir?

I: Gern, Herr Kollege.

A: Wenn wir mal nicht mehr huckepack auf dem Wurm reiten …

I: Wenn wir uns selber bei der NSA bedienen? Mit den NSA-Tools? Da bräuchten wir noch eine Verschlüsselungssoftware.

A: Iwo, wozu denn das? Paar Files umbenennen reicht.

I: Gute Idee. Wo der Entschlüsselungsvorgang sowieso nicht so recht klappt …

A: … nachdem die Bitcoins gezahlt sind …

I: Sehr richtig. Also infiltrieren, umbenennen, kassieren.

A: Und zurück Umbenennen, wir wollen ja nicht so sein.

I: Ist auch besser für die nächsten Male.

A: Vollkommen korrekt. War mir eine Freude, mit Ihnen zu konferieren.

I: Schaun wir mal, was die Würmer noch alles möglich machen. Weiterhin frohes Schaffen!

I: Und frohes Kassieren!

Aufgezeichnet von Wilfried Müller

wana_attributeDer abgebildete Screenshot von WannaCry ransomware attack (wiki) zeigt, dass der Beutzer angehalten wird, die Bildrechte der Erpresser zu wahren. Also: Bild von Anarchyte (talk | contribs), Wikimedia Commons.

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