Rückblick auf Berliner Werbeveranstaltung namens Kirchentag

image_pdfimage_print

volkswagen-logo-2016-700x560Die Kirchen in Deutschland kassieren zusammen 11,5 Mrd. Kirchensteuer. Dazu gibt's noch die positiven Staatsleistungen aus Staatskirchenverträgen und Reichskonkordat, sowie die negativen Staatsleistungen, mit denen Kirchenmitglieder begünstigt werden. Alles zusammen bringt zur Not 20 Mrd. ein. Klar, dass die Kirchen bei diesem geringfügigen Einkommen aufstocken müssen.

So geschehen bei einer Werbeveranstaltung namens Kirchentag in Berlin und Wittenberg.

brandingelement-thumbUrsprünglich sollte bei solchen Veranstaltungen für den jeweiligen Gott geworben werden (in dem Fall ist es der evangelisch-lutherische). Weil aber das Geld nicht reicht, wird auch noch kommerziell geworben – und als Highlight noch ganz anders. Aber das später.

db-logoErstmal eine unvollständige Liste der Kirchentags-Sponsoren, zusammengestellt von der Kirchentags-Seite und rbb: Volkswagen, Bosch, T-Systems, Fernsehlotterie, Europa-Park, dm-drogerie, Sparkassen- und Giroverband, Bank für Kirche und Diakonie, HypoVereinsbank, Deichmann, Airbnb, WINGS-FERNSTUDIUM, SWR, DIE ZEIT, Christ & Welt, taz, chrismon, evangelisch.de, Bibel TV, SCM Bundes-Verlag, SCM Stiftung Christliche Medien, ERF Medien e.V., Jugendmagazin SPIESSER, Sinalco, Kärcher, FlixBus, Florida Eis …neues_kaercher_logo

Der Etat des Kirchentags ist 23 Mio., und der schlüsselt sich so auf: 7,3 Mio. Eintritt, Spenden, Sponsoring, 3,2 Mio. Kirchenzuschüsse, 8,4 Mio. Zuschuss Land Berlin 1 Mio. Zuschuss Land Brandenburg, 2 Mio. Zuschuss Bund, 1 Mio. sonstige Zuschüsse. Etwa die Hälfte wird vom Staat aufgebracht, der sich in guter Gesellschaft mit Top-Marken-Sponsoren befindet.

sinalco-logo

Nicht dass die Dankadresse der Kirchentags-Seite es für nötig hält, den Staat als größten Sponsor überhaupt zu erwähnen. Da ist nur die Rede von "unterschiedlichen Organisationen, Stiftungen und Wirtschaftsunternehmen". Dass das meiste Geld vom Staat kommt, wird nur in kritischen Publikationen erwähnt. Die Kirchentagsseite schweigt sich darüber aus.

Was gleich gar nicht erwähnt wird, ist eine Selbstverständlichkeit, die in religiösen Kreisen stets verschwiegen wird: Der Gott gibt auch nix. Er ist bei den Sponsoren nicht dabei, wird aber dennoch beworben.

angry-151332_1282Deshalb spendiert wb ihm ein Bildnis. Kopf stehen muss der Gott wie alle missliebigen Bildgeber bei wb, weil er nix dazuzahlt und es zulässt, dass die in Berlin überwiegend konfessionslose Bevölkerung für ihn zahlen muss.

Das Argument ist dann immer, der Kirchentag komme ja dem Tourismus zugute – aber das gilt schließlich für jede andere touristische Veranstaltung auch, glücklicherweise ohne Verdummungsfaktor. Und die Kirchentagsbesucher sind sparsame Touristen, weil viele zum Nulltarif in Turnhallen nächtigen.

merkel-2020834_1280Was ist nun also das Highlight, nach dem präsumptiven VW-Ablasshandel und dem kopfstehenden Gott? Das ist die deutsche Bundeskanzlerin, die ebenfalls kopfstehen muss, weil sie die Werbeveranstaltung namens Kirchentag zur privaten Wahlwerbung nutzte. Ein Spektakel, finanziert mit Bundesgeld, und im Fokus der Kameras die Bundeskanzlerin – zusammen mit dem Ex-US-Präsi Obama, der auch der Number-one-Drohnenkiller war und nun den Number-one-Strahlemann gibt.

Selbst der vom Glauben abgefallene SPD-Kandidat Schulz zollte seinen Tribut, was ein Licht darauf wirft, wie wertvoll so eine Werbeveranstaltung ist. Für die kopfstehenden Obama- und Schulz-Bilder fehlt aber der Platz, sonst wären die auch dran.

(Bildquellen: Volkswagen, Deichmann, dm-drogerie markt GmbH + Co.KG, Kärcher, Sinalco, OpenClipart-Vectors / pixabay, saschadoerdelmann / pixabay)

Sonstige Links:

Mehr zum Thema:
Dieser Beitrag wurde unter Gesellschaft, Religion, Wirtschaft veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten auf Rückblick auf Berliner Werbeveranstaltung namens Kirchentag

  1. Wilfried Müller sagt:

    Übernommen von atheisten-info.at (4.6.):

    Blick zurück im Zorn: Kirchentag 2017

    Du verarschst mich!

    Matthias und Philippe vom Ketzerpodcast ärgern sich über die dreisten Behauptungen des Deutschen Evangelischen Kirchentages und seiner Repräsentanten.

    Link zum Originalartikel bei atheisten-info.at

  2. Wilfried Müller sagt:

    Die LINKE fragte nach und bekam als Antwort ein Schreiben vom Sächsischen Staatsministerium (der Link geht zur Leipziger Internet Zeitung). Demnach zahlt der Staat 60% vom Gesamtetat des Kirchentags in Höhe von 5.36 Mio.: 2.25  Mio. vom Freistaat Sachsen, 0.95 Mio. von der Stadt Leipzig, macht zusammen 3.2 Mio. Die 60% sind der bisherige Spitzenwert der Staatsförderung, während der Anteil der Kirche bei einem rekordverdächtigen Minimum von 0.63 Mio. liegt, entsprechend 19%. Es kamen halt weniger Besucher als geplant, sonst hätte die Kirche 20% oder gar 25% geschafft.

    Das passt zu den Zahlen in meinem Kommentar zum Glaubens-Abfall: Weniger Kirchenmitglieder und mehr Staatsgeld. Es fehlt eine Partei, die klare Kante dagegen zeigt. Die LINKE ist es leider nicht, vor lauter Rücksicht auf die 40% Parteimitglieder, die auch Kirchenmitglieder sind.  Im Wahlprogramm steht zwar drin, Die Kirchen sollen ihre Mitgliedsbeiträge selbstständig und selbstverantwortlich erheben, nur gegen verfehlte Staatsfinanzierungen von Kirrchenangelegenheiten steht nix drin.

     

     

Schreibe einen Kommentar