Potentielle Migranten statistisch erfasst

image_pdfimage_print

access-933139_1280Der weltweite Wunsch nach Migration wurde in den Jahren 2007-2009 mit 16% beziffert. 2010-2011 lautete die Zahl 13%, 2013-2016 wollen der Statistik nach 14% der Weltbevölkerung migrieren. Wenn man der Zahl trauen darf, sind das 710 Millionen Menschen, die gerne in ein anderes Land ziehen würden, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten (Bild: geralt, pixabay).

Das besagt der Artikel Number of Potential Migrants Worldwide Tops 700 Million (Gallup 8.6.). Demnach gibt es kaum Rückgänge beim Wunsch nach Migration, aber durchaus Zunahmen. Insgesamt bleibt das Niveau enorm hoch, wie die Gallup-Tabelle zeigt:

gallup1Die aktuelle Gallup-Umfrage erfasste 586.806 Erwachsene in 156 Ländern, die 98% der Weltbevölkerung repräsentieren (Telefonumfragen und persönliche Befragungen). Die vorige Umfrage hatte aus 521.182 Interviews in 154 Ländern bestanden und 93% repräsentiert. Die erste erwähnte Umfrage bestand aus 259.542 Interviews in 135 Ländern. Die war also nicht ganz so repräsentativ, was die 16% erklären mag; alternativ mag die große Rezession als Erkärung dienen.

Gallup sieht die Ursachen des Migrationswunschs in den globalen ökonomischen Verhältnissen, in Konflikten, Hunger, Krankheit und sonstigen Katastropen. Am meisten stieg der Migrationswunsch in den Nicht-EU-Ländern Europas, in Lateinamerika und der Karibik, im Nahen Osten und in Nordafrika. In Afrika südlich der Sahara ist der Wunsch von jeher am höchsten.

Gebietsweise aufgeschlüsselt, findet Gallup 31 Staaten, wo mindestens 30% der interviewten Erwachsenen den Wunsch äußerten, auf Dauer in ein anderes Land zu ziehen. Die Staaten umfassen alle Erdteile außer Asien, Ozeanien und Nordamerika. Dahinter stehen auch Ursachen wie der Syrienkrieg, chronische Arbeitslosigkeit (auch Albanien, Italien), der Ebola-Ausbruch in Sierra Leone:

Gallup2Unter den gewünschten Zielen sind die USA mit weitem Abstand die Nummer 1. Das ist seit dem Beginn der Erfassung vor 10 Jahren unverändert. In die USA wünschen sich 21%, entsprechend 147 Millionen potentielle Migranten. Deutschland liegt jetzt auf Platz 2 mit 6% und 39 Millionen, danach Kanada und Großbritannien mir jeweils über 30 Millionen Wunschkandidaten. Ungefähr 20 Staaten sind Wunschziel für mehr als 2/3 der weltweiten potentiellen Migration.

Deutschland ist dabei am meisten vorgerückt, von 28 Millionen auf 39 Millionen. Diese Zunahme "koinzidiert" in der vorsichtigen Gallup-Ausdrucksweise mit dem Höhepunkt der europäischen Migrantenkrise von 2015-2016, wärend der Kanzlerin Merkel versprach, es gäbe keine Schranke ("no limit") für die Anzahl der Flüchtlinge, die ihr Land (her country) aufnehmen würde.

Demgegenüber verlor Großbritannien an Attraktivität als Wunschziel, weil die Begrenzung der Immigration eine der treibenden Kräfte hinter dem Brexit war. So ging die Zahl von 43 Millionen auf 35 Millionen potentielle Kandidaten zurück. Die Werte sind auf einem Konfidenzniveau von 95% auf +-1% genau:

Gallup3

Gallup erlaubt sich die Spekulation, dass die USA unter Präsident Trump an Attraktivität verlieren könnten, weil dessen Regierung die Zuwanderung verhindern will und den vorhandenen Zuwanderern das Bleiben erschwert. Nach Gallup ist es evident, dass die Einstellung der Regierung zur Attraktivität der Staaten beiträgt. Als Beispiel werden Deutschland (erhöhte Attraktivität durch die Politik) und Großbritannien (verminderte Attraktivität) genannt.

 

Link zu Gallup's Country Data Set details

Link zu Gallup World Poll

Links zu passenden wissenbloggt-Artikeln:

Passend dazu die UN-Statistik mit den tatsächlichen Ausreise- und Aufnahmezahlen insgesamt – auch dort ist das kleine und übervölkerte Deutschland auf Platz 2 der Aufnahmeländer:

chartoftheday_7636_which_countries_host_and_send_the_most_migrants_n

Mehr zum Thema:
Dieser Beitrag wurde unter Gesellschaft, Menschenrechte veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar