Kampf gegen Amazons Machtergreifung

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girl-2197992_1280Kaum war der wissenbloggt-Artikel Zeitenwandel im Einzelhandel gepostet, da kehrte sich der Wandel medial schon um. in der Süddeutschen Zeitung vom 19.6. hieß es Nein, die Läden in der Stadt sind nicht todgeweiht (Druckausgabe: "Die Mär von den zwei Welten"). Demnach zeigt Amazon mit dem Kauf von Whole Foods, der weltgrößten Bio-Supermarktkette: Wer heute Händler sein will, muss Online und Offline gleichermaßen beherrschen. Das löst manche Probleme der Ladenbesitzer – und schafft ganz neue.

Laut SZ ist das im Jargon des Silicon Valley "das nächste große Ding", nämlich die Neuerfindung des stationären Einzelhandels. Wo die Geschäfte bisher wegsterben, soll es nun ein Ringen um Marktanteile, Umsatz und Gewinn geben (Bild: claudioscott, pixabay).

Das werden die wenigsten Ladeninhaber zu würdigen wissen. Nachdem sie durch hohe Mieten, durch Konkurrenz von Ramschladen-Ketten und Einkaufszentren auf der grünen Wiese schon schwer leiden, nun auch das noch: Läden der Online-Anbieter vor der Haustür, und nicht bloß Konkurrenz aus der Ferne durch diese Internet-Händler.

Doch als Internet-Händler kann man Amazon kaum noch bezeichnen. Amazons Credo liegt zwischen "die Großen reißen alles an sich" und "the winner takes it all". Schon wird von Allmachtsphantasien gesprochen: Amazon – Die Allmachtsphantasien des Jeff Bezos (Süddeutsche Zeitung 28.6.): Der Amazon-Chef wird sich nicht damit zufrieden geben, der bedeutendste Onlinehändler der Welt zu sein. Sein Ziel ist größer: Das Leben soll ohne Amazon kaum noch möglich sein. Das zeigt sich in den fremden Arealen, wo Amazon räubert:

  • Zukunft des Journalismus – Mit Technologie zu neuer publizistischer Qualität (Süddeutsche Zeitung 26.6.): Der Journalismus wurde schon totgesagt, dabei ist das Internet für ihn auch eine große Chance. … Der Amazon-Gründer Jeff Bezos hat die Washington Post gekauft – auch da das Schema, sich in einem darniederliegenden Markt billig einzukaufen und alles umzukrempeln, um die Konkurrenz mit neuen Methoden aufzumischen.
  •  Amazon Marketing – Leseprobe (Süddeutsche Zeitung 25.6.): Amazon Prime lockt seine Kunden mit digitalen Zeitschriften wie "Stern", "Spiegel" oder "Vogue". Die Ankündigung "kostenlos und unbegrenzt" entpuppt sich bei genauem Hinsehen allerdings als etwas zu großspurig.
  • Fernsehrechte – ZDF will nach Verlust der Champions League auf Amazon zugehen (Süddeutsche Zeitung 25.6.). Amazon gehört inzwischen zu den Pay-TV- und Streaminganbietern und steht in Konkurrenz zu anderen Interessenten wie dem deutschen Fernsehen und der Deutschen Telekom. Amazon hat dem ZDF schon die Fernsehrechte an der Champions League weggekauft.
  • Technik – Musik aus dem Netz: Neun Streaming-Dienste im Überblick (Süddeutsche Zeitung 29.6.): Glaubt man der Musikindustrie, gehört dem Streaming die Zukunft. Immer mehr Dienste bieten Musik zum Abruf über das Internet an. Und auch Amazon Prime Music gehört dazu …
  • Radkuriere – 92 Cent Trinkgeld (Süddeutsche Zeitung 28.6.): Immer mehr Radkuriere liefern in Deutschland Essen aus, einige Fahrer sind unzufrieden mit den Arbeitsbedingungen. Am Mittwoch (28.6.) demonstrierten sie in Berlin für mehr Lohn. Demnach liefern Rewe, Edeka und Amazon bereits Lebensmittel, und auch Uber plant, hierzulande Essen auszufahren.

An sich ist es gut, wenn verkrustete Strukturen aufgebrochen und verbraucherfreundlich umgekrempelt werden. Es gibt aber zwei Gegenindikatoren:

  1. wer da mitarbeitet, wird fast immer prekär beschäftigt
  2. es sind meistens die neu aufgekommenen Großen, die das Geschäft an sich reißen und damit die mittelständischen oder die angestammten Unternehmen verdrängen

Nun schlägt erstmals ein angestammtes Unternehmen gegen die Machtergreifung in seinem Bereich zurück. It Begins: WalMart Warns Truckers It Will No Longer Work With Them If They Move Goods For Amazon (ZERO HEDGE 28.6.). Der Einzelhandelsriese WalMart wehrt sich gegen Amazon: Keine Aufträge mehr für LKW-Fahrer, die Amazon-Güter transportieren.

Wahrscheinlich ist das die nächste Verzweiflungstat von WalMart, nachdem sie dort schon eine andere Idee ausgebrütet hatten: Die Beschäftigten sollten das Ausliefern der Waren auf dem Heimweg übernehmen (siehe auch Zeitenwandel im Einzelhandel). Aber damit ist Amazons Machtergreifung wohl kaum zu stoppen. Es sei denn, der König Kunde wacht auf und fragt sich, ob er wirklich einen Beitrag dazu leisten will, neue Monopole zu schaffen.

 

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