US-Kriegstreiberei hinterfragt

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20170629_warDer Terroranschlag von 9/11 stellt eine Zäsur der amerikanischen Politik dar. Seither bekämpfen die USA den Terror, indem sie intervenieren, destabilisieren, angreifen, Bomben werfen und Killerdrohnen aussenden. Die Bilanz sind 7.000 im Kampf getötete US-Amerikaner und etwa 2 Millionen getötete Iraker, Afghanen, Pakistani, Libyer, Jemeniten, Syrier usw. Zudem gehören noch einige Millionen Flüchtlinge auf das Konto der US-Kriegspolitik.

Das Ganze ist nicht nur für die betroffenen Staaten teuer, und für die Staaten, wo die Vertriebenen hinflüchten, sondern auch für die USA selbst. Die USA haben den größten Militäretat der Welt, etwa soviel wie die Staaten von Platz 2 bis Platz 10 zusammen. Und die Wirkung ist schlechter als Null.

Der Terrorismus nimmt einen rasanten Aufschwung, statt dass er beseitigt wird, und alle Länder, wo die USA interveniert haben, sind gefährlicher und weniger stabil geworden. Selbst die Aufbauhilfen haben komplett versagt, es sind keine stabilen Demokratien rausgekommen, sondern nur unselbständige Regime, die durch externe Unterstützung am Ruder erhalten werden müssen.

Allmählich wird die Kritik auch in den USA lauter. Nicht nur, weil die USA so viele Djihadisten gesponsert haben und sogar Terroristentruppen bewaffneten, wenn die nur die Richtigen bekämpften. Das beschreibt der Artikel How America Armed Terrorists In Syria (ZERO HEDGE 22.6.). Zum ersten Mal wird im US-Kongress Kritik an der US-Politik im syrischen Bürgerkrieg laut. Laut Artikel stärkten die US-Waffenlieferungen letztlich den ISIS. Eine Kongressabgeordnete versucht nun einen "Stop Arming Terrorists Act" durchzubringen, ein Gesetz gegen die Bewaffnung von Terroristen. Die Alarmglocken hätten schon langer Zeit läuten müssen.

Diese Ansicht verbreitet sich jetzt in den kritischen Medien. Ein etwas überzogener Artikel fragt Washington Has Been At War For 16 Years: Why? (Paul Craig Roberts 29.6.). Endlich wird die soziale Not in den USA den exorbitanten Militärausgeben der USA gegenübergestellt. Die enormen sozialen Defizite können nicht behoben werden, weil das Geld in die von den USA angezettelten Kriege geht ("orchestrated wars"). Dessen eingedenk müsste das amerikanische Volk eigentlich unbequeme Fragen stellen, was nutzen diese Kriege eigentlich, und was wird mit diesen enormen Kosten erkauft?

Immerhin sind die USA seit 16 Jahren im Krieg mit Nahost- und nordafrikanischen Staaten, und dafür haben sie Billionen von Dollars ausgegeben. Gleichzeitig können sie sich kein soziales Sicherheitssystem und keine Krankenversorgung für alle leisten, wie sie jedes zivilisierte Land hat.

Irgendwie ist den Amerikanern eingeredet worden, die 20170531_ronpaulorchestrierten  Kriege seien die richtige Entgegnung auf 9/11. Dabei stört nicht mal die Tatsache, dass Irak, Libyen, Syrien, Jemen, Afghanistan und Iran nichts mit 9/11 zu tun hatten. Aber diese Länder haben muslimische Bevölkerungen, und die Bush-Regierung schaffte es mit Hilfe der Medien, die Vorstellung zu verankern, 9/11 und der Islam seien generell verbunden.

In Wirklichkeit werden die Kriege aber aus anderen Gründen geführt, sagt Roberts:

  • für den Profit des militärisch-sicherheitstechnischen Kompexes – Kriege liefern die Rechtfertigung, dort mehr zu investieren,
  • für das neokonservative US-Hegemoniestreben, das der ganzen Welt den Amerikanismus aufdrängen will,
  • und für Israels Wasserbedarf, der aus dem Südlibanon gedeckt werden soll.

Dem muss man so nicht folgen, zumal der Artikel heftig über Staat und Regierung schimpft. Man kann sich dafür an moderate, sachliche Quellen halten, wie den Artikel The Failure of American Leadership (INSIDESOURCES 1.7.). Demnach hat die politische Führung der USA die terroristische Gefahr übertrieben, und dann die falschen Mittel dagegen angewendet. Die Militärinterventionen erwiesen sich als großartig, um missliebige Regierungen loszuwerden, nur versagten sie bei der Bekämpfung der Terror-Organisationen.

Wo immer die USA seit 2001 interveniert haben – per Killerdrohne oder per Militärinvasion – hat es sich zum Schlechteren entwickelt, und dasselbe gilt für die US-Aufbauhilfen. Die harte Wahrheit ist, dass kein von den USA solcherweise "betreutes" Land eine funktionierende Demokratie hat – und dies Versagen wurde auch noch mit astronomischen Kosten erkauft.

Die USA haben ihre Allmachtsansprüche seit dem Kalten Krieg zu oft durchgesetzt und damit Feindseligkeit, Konflikte und Destabilisierung erzeugt – genau das Gegenteil vom Beabsichtigten. Die US-Offiziellen haben ihre politische und Militärmacht überschätzt, die Welt nach ihrem Gusto zu regeln.

Deshalb ist die Strategie der Bush-Regierung mit ihrer Kombination von Militärinterventionen, Regierungsstürzen und Staatsaufbau nicht aufgegangen. Auf kurze Sicht sollten Terroristen gekillt werden, auf mittlere Sicht ihre Organisationen zerstört werden und auf lange Sicht die Politik der Staaten aufs Niederhalten des Terros ausgerichtet werden.

Die Obama-Regierung übernahm diesen Plan trotz seiner Erfolglosigkeit, sie zog Truppen aus dem20170609_banana Irak ab, aber betrieb weiter den Regierungssturz in Libyen, forcierte den Krieg in Afghanisten und weitete den Drohnenkrieg auf 7 Staaten aus. Und die Trump-Regierung forciert nun den Krieg gegen ISIS und al-Qaida. Die Ermächtigung des Militärs geht weiter, statt dass es mal gebremst würde.

Der Autor A. Trevor Thrall bezeichnet die US-Strategie als Fehler. Bedauerlicherweise erkenne Washington nicht seine Limits. Man halte weiter an der Kriegstreiberei fest. Dabei könne amerikanische Führung ("leadership") ein mächtiger Antrieb zum Guten sein, auch wenn die USA weder allmächtig noch fehlerfrei seien. Die USA und die Welt wären besser dran, wenn die USA weniger führten und besser überlegten (" better off if America led less often and more thoughtfully.").

(Die Derivate der US-Flagge stammen wie das Bild unten von Zero Hedge)

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3 Antworten auf US-Kriegstreiberei hinterfragt

  1. Lob für Wilfrieds sachliche Zusammenstellung von kritischen Quellen zu dieser furchtbaren Strategie eines („auserwählten“) Staates, der vorgibt, Demokratie und Menschenrechte zu verbreiten, im eigenen Land aber Folter (natürlich nur „gemäßigte“) und extreme Armut zulässt. Zwei Punkte möchte ich aber noch ergänzen:

    „Der Terroranschlag von 9/11 stellt eine Zäsur der amerikanischen Politik dar. Seither …“

    Die USA hat doch auch vor 9/11 schon unliebsame Staaten mit Krieg und Einmischung überzogen. Seit dem Zweiten Weltkrieg hat die USA in der Region Vorderer Orient und Nordafrika folgende größere Kriege geführt: 1958 und 1983 Libanon, seit 1981 Afghanistan, 1986 Lybien, 1991 Kuweit, 2003 Irak, 2011 Lybien. (Die Kriege gegen Korea, Kuba, Vietnam, Kambodscha usw. usw. waren anderswo, wenn auch teilweise noch grausamer). Der Anschlag 9/11 war also nur eine besonders spektakuläre und grausame terroristische Folge der ständigen US-Aggressionen davor.

    Danach hat sich der rückgekoppelte Teufelskreis von Krieg und Terror allerdings immer noch weiter verstärkt. Das ist leider die normale Folge ungebremster Rückkopplungen.

    „Die USA haben ihre Allmachtsansprüche seit dem Kalten Krieg zu oft durchgesetzt und damit Feindseligkeit, Konflikte und Destabilisierung erzeugt – genau das Gegenteil vom Beabsichtigten.“

    Wer weiß denn, ob es wirklich das „Gegenteil vom Beabsichtigten“ war? Wahrscheinlich nur die US-Regierung und die sie beratenden Think Tanks, sowie im Vorderen Orient wahrscheinlich die Regierung von Isreal. Da dürfte es um mehr als nur Wasser gehen. Im Fall der Ukraine jedenfalls, wo wir bisher knapp an einem Krieg "vor der Haustür" verbeigeschrammt sind, gibt es genügend Indizien für eine beabsichtigte Destabilisierung durch die USA,

  2. Schön, dass auch auf Wissenbloggt die Verschwörungstheorien so recht erblühen. Ich werde mir gleich den Aluhut aufsetzen, dann bin wenigstens ich geschützt :D

  3. Wilfried Müller sagt:

    Lieber Frank, Du kannst Deinen Aluhut wieder absetzen. Wenn Du das für Verschwörungstheorien hälst, solltest Du lieber begründen, wo Du meinst, dass es keine facts sind.

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