Schnurren Katzen auch, wenn kein Mensch zuhört?

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Bei der site The Conversation geht es diesmal um Konversation im erweiterten Sinn – um das Schnurren der Katzen. Der Artikel heißt Do cats purr when humans aren’t around? (THE CONVERSATION 3.7., Text und Video sind von The Conversation unter Creative Commons licence, übersetzt von wissenbloggt, Bild von acsel, pixabay):

 

Warum schnurren Katzen? Menschen tendieren zu der Meinung, das Schnurren sei ein Zeichen fürs Glücklichsein. Das kann tatsächlich der Fall sein, aber es gibt auch andere Gründe, warum unsere felinen Freunde dieses spezielle Geräusch produzieren.

Schnurren ist ein Verhalten, das sehr früh in der kätzischen Entwicklung einsetzt. Schon beim Säugen schnurren die Kätzchen – das Geräusch wendet sich also nicht nur an die Menschen. Katzenhalter wissen darüber hinaus, dass ihre Zimmertiger mehr können als nur schnurren. Sie haben ein ganzes Repertoire von vokalen Bekundungen, Miauen, Zirpen, Brummen, Fauchen und noch mehr (wie das Video beweist).

Das Schnurren beim Säugen hört sich ganz anders an als das schnurren beim Streicheln. Wenn die Katze hungrig ist, enthält das Schnurren einen hohen Ton mit vergleichbarer Frequenz wie beim Weinen. Das wendet sich an die Katzenmutter genauso wie an den Katzenhalter, und es hat Elemenete vom Schrei eines Neugeborenen. Das beeinflusst den Hormonlage bei weiblichen Säugern aller Art und löst deren Versorgungsverhalten aus.

Wenn eine Katze gestreichelt wird oder sich um den Besitzer wickelt, ist das Schnurren viel einschläfernder und beruhigender. Die akustische Analyse zeigt dann, dass das Schrei-Element fehlt.

Ausgewachsene Katzen schnurren auch beim engen Kontakt mit anderen Katzen, zum Beispiel wenn bei der gegenseitigen Fellpflege. Sie tun's auch beim Spielen mit Gegenständen und beim Fressen, auch wenn sie dabei alleine sind. Meistens wird aber in Gesellschaft geschnurrt, als Bitte um Zuwendung, um Streicheln, um Fressen – es ist ein Zeichen für angenehmes soziales Gefühl.

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(Katzen schnurren oft beim Kuscheln und der gegenseitigen Fellpflege, Bild: luxstorm, pixabay).

Die dunkle Seite

Befremdlicherweise berichten Tiermediziner darüber, dass Katzen auch bei starken Schmerzen und sogar angesichts des Todes schnurren. Das erscheint unlogisch, solange das Schurren als Äußerung des Wohlbehagens gesehen wird. Aber es könnte auch sein, dass die Katze um Hilfe schnurrt.

Und es könnte ein Täuschungsversuch sein, die verletzte oder verletzliche Katze tut so, als ob sie sich wohl befinde. Für kleine Fleischfresser mag es nützlich sein, keine Schwäche zu zeigen. Sonst könnten Freßfeinde daherkommen, um die Katze auf den Speiseplan zu setzen. So könnte das Schnurren sowas sein wie das Pfeifen im Wald, "alles ist ok, mir geht's gut, ich hab keine Angst, wie so denn auch?"

cheetah-2268955_1280(Geparde, Bild: sharonjoy17, pixabay)

Können Großkatzen auch schnurren?

Über dieses Thema wurde lange diskutiert (merkwürdig, wo doch viele Zoo- und Zirkus-Löwenbabys von Menschen gehätschelt werden, wb). Die Ansicht war, wenn Katzen brüllen können wie Löwen und Tiger, dann können sie nicht schnurren. Es gibt aber noch keine Gewissheit darüber, wie es sich wirklich verhält. Anscheinend ist es aber so, dass die Großkatzen als kleine Kätzchen beim Säugen schnurren können. Man vermutet darüber hinaus, dass Geparden auch schnurren können.

Alle Säugetiere haben einen oder mehrere Knochen in der Kehle, genannt das Zungenbein, die Kehlkopf und Zunge unterstützen. Bei Katzenspezies, die brüllen, besteht das Zungenbein nicht gänzlich aus Knochensubstanz, sondern auch aus Knorpel. Die Schnurrkatzen haben dagegen vollständig verknöcherte Zungenbeine. Der Knorpel erlaubt das Brüllen, macht aber das Schnurren nicht unbedingt unmöglich. Deshalb nimmt man an, dass Gepard, Ozelot, Margay, Serval, Luchs und andere Spezies schnurren können. Von Jaguar, Leopard, Löwe und Tiger nimmt man das nicht an – oder sie haben's die ganze Zeit geheim gehalten.

lion-721836_1280(Der Löwe schnurrt hier wahrscheinlich nicht, Bild: sipa, pixabay)

Wie das Schnurren funktioniert

Was da beim Schnurren abläuft, ist ein komplizierter Prozess, der noch nicht ganz verstanden ist. Beteiligt sind die Muskeln vom Kehlkopf und das Zwerchfell. Die werden durch Ausbrüche von Nervenaktivitäten vom Hirn aus aktiviert. Frequenz ist 20-30 Mal pro Sekunde. Es passiert beim Ein- wie beim Ausatmen; daher das gleichmäßige Schnurrgeräusch.

Und die heitere Abschlussbemerkung: Die Katzen beherrschen diese komplexen Dinge alle gleichzeitig, und obendrein können sie derweil noch fressen, die Stuhlbeine zerkratzen und blutige Spuren in Menschenbeine fetzen, ohne unter die Schuhsolen zu geraten. Das lässt einen darüber grübeln, was sie wohl noch alles könnten, wenn sie Greifdaumen hätten …

 

Link zu Katzen: Alle Vögel sind schon weg

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