Buddhas Lehre I

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Buddhas Lehre – eine Philosophie?

Sobald man über den Buddhismus spricht, steht man vor dem Problem, sich einen der Begriffe Religion, Lehre oder Philosophie auswählen zu müssen. Betrachtet man den Buddhismus als eine Philosophie, so gilt dies nur unter einem gewissen Vorbehalt: Philosophie im Sinne des Wortes, namentlich „Liebe zur Weisheit“, hätte der Buddha selber als eine treffende Bezeichnung erachtet, aber Philosophie im Sinne eines reinen gedanklichen Konstrukts, welches das Weltgeschehen dadurch zu „erklären“ versucht, daß der Philosoph einen rationalen Zusammenhang herstellt und dementsprechend die Welt auf diese oder jene Art beschaffen sein läßt, mal idealistisch, mal materialistisch, mit oder ohne Dialektik, transzendentaler Kritik oder was auch immer, hätte der Buddha entschieden abgelehnt. Das Denken steht somit unter der Kritik seiner Zweckmäßigkeit. Pragmatische Aspekte standen ihm eindeutig im Vordergrund. Aus buddhistischer Sicht stellt sich die Frage, welchen Wert ein welterklärendes Gebilde denn überhaupt haben soll. Gotama Buddhas Stellungnahme zu den zahlreichen (unnötigen) Theorien ist eindeutig:

Da weiß ein […] Weltling nicht, über welche Dinge man nachdenken soll und über welche nicht. […] Unweise denkt man: War ich in früherer Zeit, oder war ich nicht? […] Werde ich künftig sein, oder werde ich künftig nicht sein? […] Oder es steigen ihm Zweifel über die Gegenwart auf, und er denkt: Bin ich denn, oder bin ich nicht? […] Wer so unweise nachdenkt, verfällt auf eine dieser sechs Theorien: […] „Mein Ich ist“ oder „Mein Ich ist nicht“ oder die Theorie „Mit dem Ich erkenne ich das Ich“ oder die Theorie „Mit dem Ich erkenne ich das Nicht-ich“, oder die Theorie „Mit dem Nicht-Ich erkenne ich das Ich“, oder es bildet sich bei ihm folgende Theorie: „Dieses mein Ich ist […] unvergänglich, dauernd, immerwährend“ […]. Dies nennt man Theorien-Gestrüpp, Theorien-Gaukelei, Theorien-Sport, Theorien-Fessel. Mit einer Theorien-Fessel gefesselt kann ein unkundiger Weltling nicht frei werden von Geborenwerden, Altern und Sterben, von Sorge, Jammer […] und Verzweiflung; nicht wird er frei vom Übel, sage ich. [i]

Die Ursache für das „Theorien-Gestrüpp“ drückt der Buddhismus in einem bekannten Gleichnis aus: Ein König habe einmal alle Blindgeborenen aus Sâvatthi zusammenführen lassen und ihnen einen Elefanten gezeigt. Die Blinden betasteten das Tier und sollten dem König daraufhin schildern, wie ein Elefant aussehe. Die einen beschrieben den Kopf, andere die Füße und wieder andere Rüssel und Ohren. Wegen der abweichenden Meinungen darüber, wie denn das Tier letztlich aussehe, gerieten die Blindgeborenen in Streit, und es kam sogar zu Handgreiflichkeiten. Die Streitereien waren nichts anderes als das Ergebnis der eigentlichen Unkenntnis des gesamten Elefanten (Ud VI, 4).

Einst kam ein Brahmane, der zur Lokâyatika-Schule gehörte ¾ einer Richtung, die man als „Sophistik“ bezeichnen kann ¾ zum Buddha und stellte ihm einige Fragen, die ihm der Samaa aus dem Land der Sakiya sofort beantwortete:

– Steht es wohl so, Herr Gotama, daß alles ist?

– Behauptet man „alles ist“, so ist das, Brahmane die erste Sophistik.

– Steht es aber so, Herr Gotama, daß alles nicht ist?

– Behauptet man „alles ist nicht“, so ist das, Brahmane, die zweite Sophistik.

– Steht es wohl so, Herr Gotama, daß alles Einheit ist?

– Behauptet man, „alles ist Einheit“, so ist das Brahmane die dritte Sophistik.

– Steht es aber so, Herr Gotama, daß alles Vielheit ist?

– Behauptet man, „alles ist Vielheit“, so ist das die vierte Sophistik. Diese beiden Enden [daß alles ist oder nicht ist] vermeidend, Brahmane, verkündet in der Mitte der Tathâgata die wahre Lehre:

Aus dem Nichtwissen als Ursache entstehen die Gestaltungen; aus den Gestaltungen als Ursache entsteht das Bewußtsein […]. Auf solche Art kommt die ganze Masse des Leidens zustande. Aus dem restlosen Verschwinden aber und der Aufhebung der Gestaltungen folgt Aufhebung des Bewußtseins [von etwas …] Auf solche Art kommt die Aufhebung der ganzen Masse des Leidens zustande. [ii]

Die Worte Buddhas vermitteln in aller Deutlichkeit, daß der Sinn einer Lehre darin besteht, zu einem nützlichen Ziel zu führen. Die Frage aber nach der allgemeingültigen „Wahrheit“ oder dem eigentlichen Zustand der Welt, dem „Ding an sich“ etc., ist aus dieser Perspektive heraus gänzlich unwesentlich.

Nimm an, ein Mensch sei von einem vergifteten Pfeil getroffen worden, und seine Freunde und Verwandten holten einen tüchtigen Wundarzt, der Verwundete aber sagte: Nicht eher will ich den Pfeil herausziehen lassen, als bis ich weiß, ob der Mensch, der mich verwundet hat, ein Adliger oder ein Brahmane oder ein Bürger […] ist, wie er mit Vor- und Familiennamen heißt, ob er groß oder klein […] ist, aus welchem Dorf oder aus welcher Stadt er stammt, ob er einen Bogen oder eine Armbrust benutzt hat, woraus die Bogensehne bestand, welcher Art der Pfeil ist, ob die Pfeilfedern von einem Geier oder […] einem anderen Vogel stammen, ob die Sehne von einem Rind oder von einem Büffel […] oder einem anderen Tier stammt, wie die Pfeilspitze beschaffen ist. Dieser Mensch würde sterben, bevor er alles dies erfahren hat. […]

Darum, […] lasset das, was ich nicht erklärt habe, unerklärt sein und haltet euch an das, was ich erklärt habe. Nicht erklärt habe ich, ob die Welt ewig oder nicht ewig, begrenzt oder unbegrenzt ist, ob Seele und Leib dasselbe oder Verschiedenes ist, ob ein Vollendeter nach dem Tode lebt oder nicht lebt. Ich habe es deshalb nicht erklärt, weil es nicht zum Heile beiträgt […]. [iii]

„Inwieweit wären wir wohl in unserer Kultur bereit, anzunehmen, daß ein Mann, der den Beruf eines Philosophen ergreift, in den Besitz geheimnisvoller Kräfte gelange?“, hat Heinrich Zimmer einmal gefragt.[iv] Um ehrlich zu sein ¾ gar nicht. Die Gründe hierfür sind einfach zu benennen: Die Philosophie beansprucht, eine Wissenschaft zu sein und daher für die „Forschung“ allgemein nachvollziehbar. Somit wird ein X zu einem Gegenstand, der in einem rationalen Darstellungssystem mittels Theorien dargelegt wird. Dieser Gegenstand wird folglich aus einer gewissen Außenperspektive erfaßt und verarbeitet. Je nach Perspektive haben wir es mit einer bestimmten philosophischen Richtung zu tun. Warum aber der Idealist mittels Denktätigkeit zum Idealismus, der Materialist zum Materialismus und der Pessimist zum Pessimismus gelangt, ist eine Frage, die wesentlich eher eine psychologische ist.

Dabei aber ist die Philosophie heute ein reiner Selbstzweck, denn keine der gegenwärtigen Richtungen universitärer Philosophien verfolgt etwa „Weisheit“ oder einen Heilszweck. Das heißt, daß die Lebensweise und Person eines Philosophen völlig unabhängig ist von seinem Beruf. In der indischen Tradition hingegen sind Theorien nichts anderes als Beiwerk zum Zweck der Erlösung. Somit ist die Lebensweise von der jeweiligen Lehre nicht zu trennen. Dabei spielen die Praktiken, wie wir sie aus dem Yoga oder anderen Meditationsrichtungen kennen, eine entscheidende Rolle. Steht also die Person selbst im Mittelpunkt des Geschehens und greift auf derartige Methoden zurück, so kann man nicht länger von wissenschaftlicher Objektivität im westlichen Sinne sprechen, deren Resultate jedermann zugänglich sind. Die Qualität möglicher Erkenntnisse ist somit nicht zu sehen als ein Allgemeingut.

Ein Mann namens Sunakhatta hatte einmal die Lehre Buddhas verworfen mit dem Argument, sie sei ein reines Verstandesprodukt. In Vesâli hatte er verkündet:

Der Asket Gotama besitzt nicht den höchsten von Menschen erreichbaren Zustand, den Bereich der völligen Erkenntnis edlen Wissens. Der Asket Gotama predigt eine seinem Denken entsprungene Lehre, die durch seine Überlegung gewonnen ist, die aus seinem Verstande herrührt. Die Lehre, die er eben darum verkündet, führt nicht zur Befreiung von allem Übel bei dem, der nach ihr handelt. [v]

Nicht nur, daß hieraus die in Indien weit verbreitete Ernsthaftigkeit des Anliegens der Einheit zwischen Leben und Lehre hervorgeht, Gotama erklärte daraufhin, daß seine Einsichten und Erkenntnisse sehr wohl keine reinen Verstandesprodukte seien. Man sollte also, wenn man die Grundgedanken der buddhistischen Lehre betrachtet, bedenken, daß wir es nicht mit spekulativen Theorien, sondern vordergründig mit dem Resultat jahrelanger meditativer Praxis zu tun haben. Man kann dem Buddha als westlicher Philosoph glauben oder nicht, man kann diese Eigenheit des Buddhismus etwa mit Freud „erklären“ oder mit Kant wegerklären, aber kompetente Urteile dürften nur von demjenigen zu erwarten sein, der diese Praktiken selbst jahrelang angewandt hat, und dies tun unsere Philosophen und Psychologen nicht. Gotama hatte sich Letzterklärungen, wie wir sie etwa bei Hegel finden, konsequent enthalten, und zwar aus der vernünftigen Einsicht, daß sie nicht möglich sind und zu nichts Verwertbarem führen. So ist kaum eine Gedankenrichtung in dem Maße praktisch und heilsspezifisch ausgelegt wie der Buddhismus.

Werden in der Lehre Buddhas Erklärungen oder Darstellungen metaphysischer Zusammenhänge gegeben, dann jeweils unter dem Aspekt ihrer Zweckdienlichkeit. Die Lehre des Buddha ist somit eher „Liebe zur Weisheit“ als Philosophie, dabei ist sie freilich ebenso perspektivischer Natur wie jede andere Weltanschauung. Der Buddhismus ist eine auf Erlösung angelegte Interpretation des Daseins. Daß sich die Welt auch auf andere Weise interpretieren läßt, ist damit nicht ausgeschlossen.

Die buddhistische Lehre in kurzen Worten

Die Grundgedanken der buddhistischen Weltanschauung lassen sich schon allein aufgrund ihres pragmatischen Charakters in recht wenigen Sätzen, den „Vier Edlen Wahrheiten“, umreißen.

1) Das Leiden: Das Dasein ist als solches mit Leiden verbunden und unterliegt dem Entstehen und Vergehen, daher ist die Endlichkeit notwendiger Bestandteil des Lebens.

2) Die Ursache des Leidens: Das Leben vollzieht sich in einem Kreislauf der Wiedergeburten, die durch das unabänderliche Gesetz des Ausgleichs bestimmt ist. Taten und Tatabsichten bedingen die Daseinsformen ihrer Qualität entsprechend. Sowohl negative als auch positive Handlungen und Absichten fallen auf den Urheber zurück. Ursache für diesen mit Leiden verbundenen Mechanismus des Daseinskreislaufs sind der Lebensdurst und die Affekte des Begehrens und Hassens des Vergänglichen, als Ergebnis der Unwissenheit über den vergänglichen Charakter desjenigen, was eine Person liebt oder haßt. Aus der Unwis­senheit und den Affekten folgt das Haften am Dasein, welches notwendigerweise wieder zu einer Geburt und zu neuem Leiden führt.

3) Die Möglichkeit der Überwindung des Leidens: Die Unwissenheit läßt sich aufheben, die Leidenschaften und der Lebensdurst können überwunden werden, und der Kreislauf der Geburten kann beendet werden, indem die Grundlagen, die zu einer weiteren Geburt führen können, aufgelöstwerden. Die Erlösung ist damit realisiert.

4) Der Pfad zur Erlösung: Der Weg, der zur Erlösung führt, ist der achtteilige Pfad, der die drei Gebiete des Wissen, der Sittlichkeit und der Meditation umfaßt.

Daß wir es hier im wahrsten Sinne des Wortes mit einem „Heilsweg“ oder mit einer Heilmethode zu tun haben, zeigt sich an der Analogie zur damals in Indien verbreiteten Heilmethode der Medizin. Die nämlich diagnostizierte erst die Krankheit, fragte anschließend nach deren Ursache, suchte dann nach der Möglichkeit, die Krankheit zu behandeln, und bediente sich zuletzt des geeigneten Heilmittels.

 

[i] M 2, Schmidt 1961, S. 17.

[ii] S 12, 48, 3-7, nach der Übersetzung Geiger 1925, S. 111 (Hervorhebungen von mir. Der zweite Teil des Textes, Aus dem restlosen . . . ist S 12, 46, 5.).

 

 

 

 

[iii] M 63, Schmidt 1961, S. 193.

 

 

 

 

[iv] Zimmer 1992, S. 69.

 

 

 

 

[v] Jât 94, Dutoit 1908, Jât. Bd. I, S. 395f.

 

 

 

 

 

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56 Antworten auf Buddhas Lehre I

  1. kantomas sagt:

    Auch wenn ich mich eine zeitlang dem Buddhismus sehr nahe gefühlt habe, denke ich, dass sie genauso wie alle anderen Religionen sehr spekulativ und wenig glaubwürdig ist. Ausserdem unterscheidet sich die Art der Normalgläubigen sehr stark von dem, was Buddha gelehrt hat. Sie opfern irgendwelchen Göttern und Geistern und nicht zuletzt Buddha. Bitten um Hilfe, und können manchmal sehr erbarmungslos im Denken gegen Menschen sein, die ein hartes Schicksal zu beklagen haben. Nicht selten hört man dann Aussagen wie, sie sind selber an ihrem Schicksal schuld, weil sie in einem früheren Leben böses getan haben. Das ändert auch nichts daran, dass Buddha solche Urteile abgelehnt und sogar als ein Hindernis und Anhäufen von schlechten Karma gesehen hat.

    Das Ganze nimmt auch teilweise sehr groteske Züge an, wenn irgendwelche Mönche oder sogar der heutige Dalai Lama, in jungen Jahren beim Bau eines Gebäudes, die ganze abgetragene Erde durch einen Sieb laufen liess, um die unschuldigen Würmer vor dem Tod zu retten. Da kann schon mal so ein Bau dreimal so lang dauern, wie sonst.

    Mich hat sowieso nur der praktische Anteil des meditativen interessiert. Wie man mit Hass, Ablehnung und Verlangen im Geiste umgehen kann. Wie man Achtsamkeit üben kann. Ich muss zugeben, dass sie in der Hinsicht einiges bieten kann. Man lernt über sich selber sehr viel. Mich hat es sehr zum Nachdenken gebracht, als ich gesehen habe, was unbewusst sonst so im Geiste abläuft.

    Man sollte also, wenn man die Grundgedanken der buddhistischen Lehre betrachtet, bedenken, daß wir es nicht mit spekulativen Theorien, sondern vordergründig mit dem Resultat jahrelanger meditativer Praxis zu tun haben. 

    Das Problem ist nur, dass auch hier diejenigen, die sich jahrelangen Meditationen gewidmet haben, zum Teil sehr unterschiedliche Standpunkte vertreten, und sich teilweise sogar bekriegen. Also nützt es nicht viel, wenn man jahrelange meditative Praxis hinter sich hat. Das einzige verlässliche dabei scheint mir die höchstmögliche Erfahrung des "Ich bin" zu sein. Noch vor "Ich bin das Alles" oder "Alles ist Nichts". Alles was danach gesagt wird, gehört zum Reich der Spekulationen. Egal ob es um Karma geht oder man das Leben als ein Leiden betrachtet, aus dem es nur einen Ausweg gibt, nämlich das Nirwana. 

    So wie ich das Ganze für mich verstanden habe gibt es nur das "Eine". Keine Wiedergeburt, kein Karma oder sonst irgendein Gesetz. Das "Eine" manifestiert sich in allen Lebensformen und allem was in der Welt erscheint und veranstaltet teilweise ein perverses Spiel mit sich selbst. Ein grosses Kino. Und keiner der grossen Heiligen kann wirklich sagen, wieso das so ist. Alles was danach gesagt wird, ist spekulativ und deswegen scheiden sich auch die Geister, wenn es darum geht das Ganze zu erklären. Es wäre besser, sie würden die Klappe halten oder einfach nur sagen:" Keine Ahnung wieso das so ist" oder besser keine Ahnung wieso ich das so empfinde, wenn ich mich vom Denken und dem Verstand verabschiedet habe. Da scheint etwas zu sein, was ich eigentlich nicht erklären kann. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

  2. ilex sagt:

    Das Denken steht somit unter der Kritik seiner Zweckmäßigkeit. Pragmatische Aspekte standen ihm eindeutig im Vordergrund.

    Was prinzipiell ein sehr erfolgversprechender Ansatz ist. Hat auch Entsprechung in der Regel 1 des Descartes. Man verzichtet auf die letzten Feinheiten, um zu einem Ergebnis zu kommen.

    Dabei aber ist die Philosophie heute ein reiner Selbstzweck, denn keine der gegenwärtigen Richtungen universitärer Philosophien verfolgt etwa „Weisheit“ oder einen Heilszweck.

    Zumindest soll sie erklären – was ihr aber auch nur sehr unvollkommen gelingt.

    1) Das Leiden: Das Dasein ist als solches mit Leiden verbunden und unterliegt dem Entstehen und Vergehen, daher ist die Endlichkeit notwendiger Bestandteil des Lebens.

    Nun – das ist nicht allein buddhistische Lebenserfahrung. Bei uns haben sich die Denker dann mit dem Theodizee-Problem abgekaspert oder die Götterdämmerung erfunden oder nach Wegen eines Leben nach dem Tode gesucht, statt einfach diese Tatsache zu akzeptieren.

    2) Die Ursache des Leidens: Das Leben vollzieht sich in einem Kreislauf der Wiedergeburten, die durch das unabänderliche Gesetz des Ausgleichs bestimmt ist. Taten und Tatabsichten bedingen die Daseinsformen ihrer Qualität entsprechend. Sowohl negative als auch positive Handlungen und Absichten fallen auf den Urheber zurück. Ursache für diesen mit Leiden verbundenen Mechanismus des Daseinskreislaufs sind der Lebensdurst und die Affekte des Begehrens und Hassens des Vergänglichen, als Ergebnis der Unwissenheit über den vergänglichen Charakter desjenigen, was eine Person liebt oder haßt. Aus der Unwis­senheit und den Affekten folgt das Haften am Dasein, welches notwendigerweise wieder zu einer Geburt und zu neuem Leiden führt.

    Hier beginnt "notwendigerweise" das ganz klar esoterisch-spekulative. Die Ursache des Leidens liegt in der Struktur unserer Lebenswelt, die offensichtlich weder gut geplant noch gerecht ist. Karma ist die vergebliche Sehnsicht nach Gerechtigkeit. Das Haften am Dasein ist vergeblich, aber viele versuchen es dennoch. Vielleicht sogar noch mehr, wenn man weiß, dass man nur diese eine Chance hat. Denn die gedanklichen Grundlagen einer Wiedergeburt sind sehr sehr sehr spekulativ – um es freundlich zu sagen. Spekulativer als die Existenz von Materie.

    3) Die Möglichkeit der Überwindung des Leidens: Die Unwissenheit läßt sich aufheben, die Leidenschaften und der Lebensdurst können überwunden werden, und der Kreislauf der Geburten kann beendet werden, indem die Grundlagen, die zu einer weiteren Geburt führen können, aufgelöstwerden. Die Erlösung ist damit realisiert.

    Als Nicht-Buddhist kann man das viel einfacher haben.

    4) Der Pfad zur Erlösung: Der Weg, der zur Erlösung führt, ist der achtteilige Pfad, der die drei Gebiete des Wissen, der Sittlichkeit und der Meditation umfaßt.

    Dies ist jetzt das praktische Handwerkszeug zu einem theoretischen Weg, den ich als völlig unrealistisch betrachte – wiewohl sicher manche Komponenten dieser Praktiken nicht schaden können und viele Menschen zu mehr Disziplin, Stetigkeit, Gleichmut und Würde führen können.

  3. ilex sagt:

    nochmals: die Leidenschaften und der Lebensdurst können überwunden werden,

    Dabei komme ich ganz gefährlich einem sehr defensiven Punkt nahe. Unabhängig davon, dass gewisse Zähmungen der Leidenschaften (jetzt nicht unbedingt sexuell gemeint) durchaus zu einem friedlichem Zusammenleben von Menschen beitragen bringt doch das verstärkte übertriebene Verinnerlichen dieser Zähmung nur dem Vorteile, der dies nicht tut – und wenn eine Gesellschaft insgesamt Leidenschaft und Lebensdurst überwunden hat, wird sie auch nicht mehr leiden können, weil ihre Nachbarn sie schon längst überfallen, versklavt oder getötet haben.

  4. Firithfenion sagt:

    Das schöne am Buddhismus ist eben das man ihn eher als philosophische Lehre denn als Religion ansehen kann. Das enttäuschende am Christentum und auch Islam ist der Mangel an philosophischen Konzepten. Die Grundidee ist erstaunlich banal und einfallslos: "Es gibt einen Gott und der muss angebetet werden". Wesentlich mehr braucht und soll man auch gar nicht wissen. Warum ist die Welt so wie sie ist? Weil der liebe Herrgott das so gewollt hat! Für Hohlköpfe mag so eine Religion ausreichend sein, aber wer sich dem spirituellen nähert, um neue Erkenntnisse zu gewinnen, der wird vom Christentum und Islam sehr schnell enttäuscht sein.

    Im Grunde vergleiche ich die spirituelle Suche der Menschheit oft mit der Sonde V-ger aus dem ersten Star Trek Spielfilm. Sie hat das Universum durchforscht und kennt alle mechanistischen Gesetzmässigkeiten und Daten. Dennoch fühlt sie eine Leere in sich die sie antreibt, das Universum weiter zu durchsuchen, auf der Suche nach ihrem geheimnisvollen Schöpfer und aus der Erkenntnis heraus das alles was sie weiss, noch nicht wirklich ALLES sein kann, sondern das es "da draussen" noch etwas anderes geben muss.

    Die einzige etwas unrealistische Annahme in diesem Film ist der zeitliche Rahmen. Star Trek spielt etwa im Jahre 2500. Im Film wird angenommen das eine der Voyager-Sonden ein Planetensystem erreichte und dort auf eine Zivilistion von Maschinenwesen traf, die die Sonde als eine äusserst primitive, aber ihnen selbst ähnliche Existenzform wahrnahmen. Deshalb helfen sie Voyager bei ihrem Auftrag Informationen zu sammeln und befreien sie von ihren technischen Beschränkungen indem sie ihr die Möglichkeit geben, praktisch unbegrenzt Informationen aufzunehmen und ihre eigene Existenzform dadurch zu erweitern. Astronomisch gesehen sind 500 Jahre jedoch ein Pappenstiel. Die beiden 1977 gestarteten Voyager Sonden werden aber mindestens 40.000 Jahre benötigen, bevor sie auf ein anderes Sternsystem treffen.

  5. tutnix sagt:

    Gut, Buddhismus ist kein Monotheismus. Aber das menschliche Leben ist in ihm ausgerichtet auf die Nichtexistenz. Das finde ich hochgradig defätistisch.

    Leiden, Leiden und nochmal Leiden. Das erklärt natürlich wieso sich der Buddhist nicht einfach die erlösende Kugel geben kann. Falsch ist aber seine Interpretation, dass es sich beim Materialismus bzw. Physikismus im Grunde ebenfalls um eine Art Depression handele. Es gibt nämlich auch Materialisten, die ihr Leben als etwas Positives betrachten. Zumindest einer.

  6. ilex (E. Ahrens) sagt:

    # 5 – Tutnix = Zumindest einer.

    Mindestens 2

  7. tutnix sagt:

    Ich glaub´ meine Kinder auch. Mit letzter Gewissheit genau kann ich das natürlich nicht sagen, weil ich im Subjektivismus verhaftet bin und meine Kinder streng genommen nur impermanete Ereignisse sind.

    Ne Spass beseite, das imateriell und doch reale Bewußtsein betrachte ich als nicht denknotwendiges Sahnehäubchen der Natur, Evolution. Nun mit diesem exrtavagantem Ding ausgestattet, sich ausgerechnet an der Natur zu vergehen und alles an ihr zunichte zu machen, halte ich für extrem undankbar. Undankbar sich selbst gegenüber, der Natur ist das gleichgültig, die kennt keine Qualia.

  8. Ein Teil von jener Kraft sagt:

    Die Worte Buddhas vermitteln in aller Deutlichkeit, daß der Sinn einer Lehre darin besteht, zu einem nützlichen Ziel zu führen.  

    Oder wie der gute alte Karl Marx schon sagte: "Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert. Es kömmt aber darauf an, sie zu verändern."

    der Kreislauf der Geburten kann beendet werden, indem die Grundlagen, die zu einer weiteren Geburt führen können, aufgelöst werden. 

    Das ist wohl der Punkt der mir am B. ewig unbegreiflich sein wird. Ziel ist, alles zu tun, NICHT wiedergeboren zu werden, diesen ewigen Kreislauf zu beenden und ins Nichts zu verschwinden. Also was mich betrifft, ich mach gern noch ein paar Runden, den Buddhismus hebe ich mir für ein späteres Leben auf. Ich wolte damit nichts gegen die Wiedergeburt als solches gesagt haben, im Grunde ist das ein auf Nachhaltigkeit und Recycling aufgebautes System (während der Islam mit seinem Luxusparadies ein Rentensystem aufgebaut hat was irgendwann kollabieren muss). Wenn es beim buddhistischen Kult prinzipiell darum ginge, die Wiedergeburt anzustreben könnte ich die Attraktivität dieses Kultes nachvollziehen. Ok, wenn ich das richtig verstanden habe kann man die Intensität des buddhistischen Kultes genau so dosieren dass man als Mensch wiedergeboren wird, also sich weder höherqualifiziert noch ins Tierreich absteigt. Denn letzteres sollte man schon vermeiden, ein Tier als Instinkt-getriebenes Wesen kann wohl nicht bewusst die Wiedergeburt als Mensch anstreben, also sich vom Tier wieder zum Menschen zu qualifizieren wird schwierig. Und dann gibt es wohl noch die Variante Bodhisattva, das sind die die sich eigentlich höher qualifiziert haben (und bei ihrem Tod auch jederzeit eine Wild Card für den Aufstieg benutzen können)  aber dennoch freiwillig auf niedrigerem Niveau bleiben (Mensch oder gar Tier) um andere Wesen zu erlösen. Zumindest habe ich das so verstanden.

  9. Argutus rerum existimator sagt:

    #8 Ein Teil von jener Kraft am 22. Juni 2011 um 11:01

    Ziel ist, alles zu tun, NICHT wiedergeboren zu werden

    Den meisten Europäern mißfällt diese Einstellung, denn sie würden das Verlöschen im Nirvana lieber vermeiden als anstreben.

    Nun ja, das ist Geschmackssache. Etwas anderes aber ist ausgesprochen skurril. Der Buddhismus hat die Wiedergeburt vom Hinduismus übernommen. Der lehrt die Existenz einer Seele (atman), die dem Mechanismus der Wiedergeburten (samsara) unterliegt. Der Buddhismus aber kennt keine Seele und leugnet ihre Existenz ausdrücklich (Anatta-Lehre). Was aber wird dann wiedergeboren?

    Die Antwort lautet: das Karma wird wiedergeboren. Der Mensch, der später einmal die Früchte meiner guten Taten genießen kann oder für meine bösen Taten leiden muß, ist (anders als im Hinduismus) mit mir nicht identisch. Vielmehr handelt es sich um einen anderen, den sogenannten "karmischen Erben".

    Mit abendländischen Gerechtigkeits-Vorstellungen ist das völlig inkompatibel.

  10. Ein Teil von jener Kraft sagt:

    #1kantomas am 22. Juni 2011 um 01:35

    Das Ganze nimmt auch teilweise sehr groteske Züge an, wenn irgendwelche Mönche oder sogar der heutige Dalai Lama, in jungen Jahren beim Bau eines Gebäudes, die ganze abgetragene Erde durch einen Sieb laufen liess, um die unschuldigen Würmer vor dem Tod zu retten.  

    Nicht nur grotesk. Buddhistische Herrscher hatten in der Vergangenheit kein Problem damit dass als Folge des Verzichts auf gewisse landwirtschaftliche Praktiken ganze Dörfer verhungerten, Hauptsache die Würmer leiden nicht. 

  11. Argutus rerum existimator sagt:

    #10 Ein Teil von jener Kraft am 22. Juni 2011 um 11:13

    Hauptsache die Würmer leiden nicht

    Wer so denkt, sollte nie ein Feuer anzünden, denn die Zahl der dabei getöteten Bakterien ist ungeheuer groß.

  12. ilex (E. Ahrens) sagt:

    # 8 – Einteilvonjenerkraft = Ich wolte damit nichts gegen die Wiedergeburt als solches gesagt haben, im Grunde ist das ein auf Nachhaltigkeit und Recycling aufgebautes System

    ;-)

    # 9 – Argutus rerum existimator = das Karma wird wiedergeboren. Der Mensch, der später einmal die Früchte meiner guten Taten genießen kann oder für meine bösen Taten leiden muß, ist (anders als im Hinduismus) mit mir nicht identisch. Vielmehr handelt es sich um einen anderen, den sogenannten "karmischen Erben".

    So reden wir hier genau genommen nicht von individueller Seele und deren Wanderung, sondern von einer Teilmenge des "Gesamtleidens", die irgendjemand abtragen muss. Irgendwen trifft es und er hat diese Teillast des Weltleidens auf sich zu nehmen.

    Ist ja fast wie bei Jesus, der das Gesamtkarma von Gottes Schöpfung auf sich nahm und an dessen Tragelast derjenige partizipieren kann, der an diese Konstruktion glaubt. Erhebt sich die interessante religionsgeschichtliche Frage der buddhistischen Einflüsse auf die Gnosis und Paulus. Rein "technisch" wären solche Einflüsse von der Zeitlage her schon mal möglich und auch die Kommunikation ist ja sein mindestens Alexander d. Gr. theoretisch gegeben.

  13. Argutus rerum existimator sagt:

    #12 ilex (E. Ahrens) am 22. Juni 2011 um 11:59

    Erhebt sich die interessante religionsgeschichtliche Frage der buddhistischen Einflüsse auf die Gnosis und Paulus.

    Das wäre nicht nur möglich, sondern ich habe von dieser Hypothese auch schon gelesen.

  14. Rechtspopulist sagt:

    #9Argutus rerum existimator am 22. Juni 2011 um 11:12

    "Etwas anderes aber ist ausgesprochen skurril. Der Buddhismus hat die Wiedergeburt vom Hinduismus übernommen. Der lehrt die Existenz einer Seele (atman), die dem Mechanismus der Wiedergeburten (samsara) unterliegt. Der Buddhismus aber kennt keine Seele und leugnet ihre Existenz ausdrücklich (Anatta-Lehre). Was aber wird dann wiedergeboren?"
     
    Vorab: Den Text habe ich seinerzeit in den 90ern geschrieben. Vieles würde ich heute sicher auch signifikant anders darstellen …
    Der buddhismus hat mit seiner "Anatta- oder an-Antman-Theorie natürlich genau das Problem, das man sich fragt: Wenn gotma also das nirwana realisiert hat, dabei aber kein Subjekt der Erkenntnis existiert, WER oder was hat's denn dann realisiert?
     
    Soweit ich allerdings noch die Quelltexte kenne, ging es ursprünglich nicht darum, ein Subjekti zu widerlegen oder zu leugnen, sondern die art der Fragestellung "Was ist das Ich" führte eher zur dem Knozept, dass das Ich niemals Gegenstand der phänomenal gegebenen Welt sein kann. Dazu gibt es ja diese Fragestelungen: Sind sie Augen das Ich? – nein. Sind die Hände das Ich? – nein. Usw. usw. usw.
     
    Konsequenterweise müsste man also sagen: Das eigentliche Problem ist die Unmöglichkeit, das Subjekti zur mittelbaren Erkenntnisgegenstand zu machen. Die Idee, die hinter deiser Frage steht, ist, dass man den Anhängern damit vermitteln will, nicht irgendetwas "anzuhaften", das impermanent ist.
    Dass die Buddhisten damit natürlich dem Buddhismus selbst "anhaften" ist dabei dann etwas unfreiwillige Komik. :-)
     
    Samsara ist für den Buddhismus nicht allein der Prozess irgendwelcher Wiedergeburten – Samsara ist das gesamte Weltwerden, der Lauf der dinge, die Evolution, wie man es auch nennen mag und just diesem Treiben steht das Nirwana gegenüber. Das ist aber auch nur ein negativer Terminus, der im positiven Sinne darüber nichts aussagt.
     
    Der Hinduismus vertritt diverse Positionen, die reichen vom Materialismus bis hin zum Monotheismus. Das war schon zur Buddha-Zeit so. Gemäß Vedanta allerdings sind das Brahman und der Atma identisch – und wer diese Identität realisiert hat, das berümte "Tat Twam Asi" oder "Aham Brahman Asmi" – der ist damit auch "erlöst".
    Atman ist gem. Vedanta bzw. Upanischaden keine Individualseele. In christlichen Termini ist das sozusagen der "Gott im Menschen" – wobei der Begriff "Gott" hier schräg ist, da das Christentum damit das Sein ebenso versteht wie eine individuelle Person als Schöpfer.
     
    Der Begriff "Seelenwanderung" passt nicht, da der Buddhismus wie auch die entsprechenden Hinduschulen dabei sehr deutlich unterscheiden zwischen Personen, deren Seele – Im Sinne ihrer Gefühlswert -, dem Intellekt, dann dem "höheren Selbst" usw.
    Die haben dazu ja eine komplette okkulte Anatomie.
    dieses "höhere Selbst" wiederum gilt als die Quelle dafür, dass z.B. ein Sportler die Entscheidung trifft, sich dem Sport zu widmen, dass Leute gewisse Begabungen haben, andere nicht etc.
    Aus einer solchen Perspektive sind Personen jeweils Projektionen jeweiliger Induviduen in die Sphäre materieller Erscheinung. Man würde aus deiser sicht argumentieren, dass sich Personen ja schon innerhalb einer Lebensspanne völlig wandeln können.
    Man stelle sich vor, das tolle Mädel, in das man mit 18 verleibt war, trifft man nach 50 Jahren wieder und hat plötzlich eine unansehnliche depressive Alkoholikerin vor sich. Das ist schon eine drastische Veränderung.
     
    In der Lebenspraxis haben diese Konzepte in Gestalt einer öffentlich vertretenen Religion/Philosophie sehr unangenehme Nebeneffekte zu Lasten das Sozialverhaltens.
    Inder benehmen sich untereinander mitunter auf eine Weise, dass man sich nur an den kopf langen kann.
    Auch ein Buddhismus lässt sich pervertieren. Der hängt am seidenen Faden des Mitgefühls, nimmt das heraus, hat man wohl die übelsten Formen von Nihilismus überhaupt vor sich …
     
    Was den Buddhismus angeht, so sind m.E. zig Mönche einfach nur Faulenzer und Dummköpfe, denen nicht besseres eingefallen ist als zu "entsagen", weil's halt zu mehr nicht reicht. Mir persönlich sind die religiösen Hampeleien der Tibeter auf die Nerven gegangen.
    Grundsätzlich sehe ich nicht ein, warum man das sein auf "Leiden" reduzieren sollte, auch wenn der buddhistische Leidensbegriff sicher ein umfassenderer ist als es das deutsche Wort "Leiden" hergibt, so ist dieses halt trotzdem nur ein Teilspekt eines Gesamtgefüges.
     
    Das Lohnende an der Beschäftigung mit Weltbildern wie dem Buddhismus ist der Gedanke der Perspektivität. Wie etwas in Erscheinung tritt, ist stets von Perspektiven abhängig. Und das gilt auch für den Buddhismus selbst: Wer nämlich gar kein Erlösungsbedürfnis hat, an dem reden Erlösungslehren vorbei.
    Die Meditationspraktiken sind – wenn man sie mit Begabung hinbekommt – dahingehend interessant, als dass sie Erfahrungen ermöglichen, die es sonst nicht gäbe. Wie man deise dann interpretiert, steht auf einem anderen Blatt.
     
    Der Buddhismus ist vor allem dahingehend interessant, dass er eine Ehtik aufzeigt, die ohne gott auskommt, dabei aber dennoch metaphysisch begründet ist. Argumentativ heißt das gegenüber dem monotheismus, dass man den Gott nämlich auch fallen lassen kann, ohne dabei in der Sinnlosigkeit zu enden, wie sie der Monotheist auffasst.
     
    Ich denke auch, dass der Buddhismus zwar als Weltbild interessant ist, aber er entspricht nicht der europäischen Mentalität.

  15. Rechtspopulist sagt:

    #12ilex (E. Ahrens) am 22. Juni 2011 um 11:59

    "Erhebt sich die interessante religionsgeschichtliche Frage der buddhistischen Einflüsse auf die Gnosis und Paulus. Rein "technisch" wären solche Einflüsse von der Zeitlage her schon mal möglich und auch die Kommunikation ist ja sein mindestens Alexander d. Gr. theoretisch gegeben."
     
    Dazu habe ich einiges verfasst – aber ich bin mit dem Manuskript noch nicht durch …
    Ich sehe da weniger einen Einfluss auf Paulus als auf diejenigen, die die Evangelien verursacht habe. Es gibt ja x Jesus-Zitate, die regelrecht buddhistisch anmuten.
    Zudem hatten die Gnostiker diverse Konzepte im Kopf, die sich nicht nur gegen Jahwe richteten, den sie für einen falschen oder "bösen" Gott hielten, sondern sie hatten diverse Überzeugungen, die zu gewissen platonischen oder sogar indischen Schulen kompatibel waren.
     
    Man muss sich doch mal überlegen, dass z.B. der gesamte Auferstehungsmythos gar nicht zum Judentum passt. Im Judentum gibt's überhaupt kein Konzept einer "Erlösung durch Auferstehung" – womit man sowas meinte wie das "Brahma aham asmi" als spirituelle Auferstehung – aber nicht im Sinne eines historischen Ereignisses, wo dann jemand wieder aus irgendeinem Grab rausgekrabbelt kommt …
    der Auferstehungsgedanke existiert im Mithras-Kult, von wo man sich wohl dieses gesamte element hergeholt hat, um es einem Jesus anzudichten. Daher auch das schräge Ritual zum "letzten Abendmahl", bei dem in Wahrheit wohl damals jeder Jude fassungslos davongerannt wäre.
     
    Gnostisch betrachtet war ausgerechnet Jahwe wohl genau der Schöpfer oder "Demiurg" jener Welt, aus der sich die Gnostiker zu erlösen suchten. Das aber ist auch so eine fragwürdige Sache, denn "Jahwe" war letztlich ein Stammesgott, den man überhaupt erstmal zum Weltenschöpfer hinbasteln musste. Und wenn man z.B. die Kabbala liest, sieht man, dass er dort genau diese Rolle nicht spielt, weil die Kabalisten wussten, dass das so nicht passt. Sie haben dann ganz oben an ihrem Baum das "Ain Sof" gepflanzt – die Endlosigkeit bzw. Ewigkeit. Da hätten sie auch Brahman oder Nirwana hinsetzen können. Aber ein persönlicher Schöpfer passt nicht. Der ist und bleibt abwegig.

  16. Rechtspopulist sagt:

    #10Ein Teil von jener Kraft am 22. Juni 2011 um 11:13

     
    "Nicht nur grotesk. Buddhistische Herrscher hatten in der Vergangenheit kein Problem damit dass als Folge des Verzichts auf gewisse landwirtschaftliche Praktiken ganze Dörfer verhungerten, Hauptsache die Würmer leiden nicht."
     
    Ich habe irgendwann mal irgendwo gelesen, dass bei den Mongolen gewisse Mönche gerne damit prahlten, was sie doch so für enorme okkulte Fähigkeiten haben. Das hat man dann ernst genommen und denen gesagt. "Prima, Jungs! Dafür bezahlen wir euch ja auch, wenn eurer Zauber aber in die Hose geht, machen wir euch platt …" :-)
     
    Sowei ich mich noch auskenne haben auch die Tibeter sich in allerlei Machtpolitik verstrickt, ganze unliebsame Schulen ausgerottet usw. usw. In der Welt eines Dalei Lama ist nicht alles Gold, was glänzt. Und ich denke, irgendwelche sexuellen Übergrife, die man unseren kath. Pfaffen öfter mal anlastet, gibt's dort nicht minder.

  17. pinetop sagt:

    Eine Bekannte von mir hat einen fetten Buddha als Figur im Garten. Wahrscheinlich fühlt sie sich nur vom Euro-Buddhismus mit Wellness-Faktor 10 angezogen.

  18. ilex (E. Ahrens) sagt:

    Klar steht auch bei uns ein 30-cm-Buddha im Garten – mit den Händen im Schoß. Wenn Tag des offenen Gartens ist und Leute kommen, ihn zu besichtigen, dann legen viele ein paar Euro-Münzen in seine Handflächen, ohne dass irgendeiner sagte, dass das zu tun wäre. Ja, ich bereichere mich schamlos an dem esoterischen Mitgefühl mitteleuropäischer Frauen. So Buddha-Handflächen wirken offenbar auffordernd.  ;-)

  19. Azrail sagt:

    Repo Du Schlachtroß bei den Gautamas :rofl: Naja, die Frisur zur Mönchskleidung hättest Du ja. Aber Spaß beiseite.

    Die Lehre des Sidharta Gautama Buddha ist  im eigentlichen Sinne eine Lebensphilosophie, die schon sehr weltfremd ist und was die meisten exaltierten Eso-Tanten nicht wissen, auch frauenfeindlich.
    Manchmal nimmt diese Lehre schon groteske Züge an, wie Kantomas schon in seinem Posting beschrieben hatte. Hauptsache die Würmer bleiben am Leben und wenn schon ganze Dörfer dafür verhungern müssen: Absoluter Käse wenn Du mich fragst. Auch sehr abgehoben und fern der Realität.

    Zum Beispiel, wenn ich an die gelesenen Bücher vom Dalai Lama denke, dann bin ich mir sicher, dass  das Wenigste in den Alltag bei uns passt. Absolut abgehoben.
    Wenn z. B. drinn steht, so ungefähr wie: Ein Feind setzt dir sehr zu, versuche ihn zu verstehen und begegne ihm mit Liebe. Tja, was soll ich dazu sagen. Das ist derselbe Käse und Schwachsinn: Wenn dir jemand auf die Backe schlägt, dann halte die Andere auch hin. Was für ein Irrsinn :kotz:

    Es ist ganz exotisch und nett, wenn ich einen wirklich fetten und lustigen Buddha in meiner Wohnung oder im Garten aufstelle, so als Zierde. Aber die Lehre selber ist zum großen Teil gewöhnungsbedürftig.
    Ich bin aber kein Gegner von Yoga oder der traditionellen pflanzlichen Medizin, die dort seit Jahrtausenden Anwendung findet. Das kann man, um Himmels Willen, nicht mit dem Brimborium der Homöopathie vergleichen.
    Manche von den Buddhis treiben aber ihre Sache ganz schön an die Spitze, z. B. die Jains, die auch eine Form des Buddhismus praktizieren. Die laufen meistens nackt mit einem Wedel in Hand herum und kehren die ganze Zeit vor sich den Boden. Der Zweck ist, dass ja kein Lebewesen getötet wird. Auch die Erhährung ist witzig. Sie dürfen kein Gemüse essen, was unterhalb der Erde wächst.

    Naja, nicht alles ist Gold was glänzt und im Buddhismus genauso. :ohno:

    OMMMMMMMMMMMMMM   Oh mane padme hum AUMMMMMMMMMMMMM

    NADA BRAHMA  >>>>> Die Welt ist Klang OMMMMMMM   REPO    OMMMMMM :haha:

  20. Azrail sagt:

    OM  NAMAHA  SHIVA REPO-GAUTAMA :grin: :bee:

    Vergess nicht Repo, dass auch die Hindus die Buddhisten als ihresgleichen betrachten.

    Bestimmt fühlst Du Dich jetzt als der "wiedergeborene Buddha" :haha:

    Wahr nur Spaß :love:

  21. Saejerlaenner sagt:

    Wenn ich entscheiden müsste zwischen Islam und Buddhismus, wäre die Wahl heutzutage wohl klar. Aber wie mans auch dreht und wendet: Jede dieser Lehren (weltweit) ist auf ihre Art der Ansicht, sie hätte als einzige die Wahrheit und Weisheit mit der Suppenkelle gefressen. Das ist ein gewichtiger Punkt, der mich an der ganzen Show stört.

  22. Azrail sagt:

    17 pinetop am 22. Juni 2011 um 13:41

    Eine Bekannte von mir hat einen fetten Buddha als Figur im Garten. Wahrscheinlich fühlt sie sich nur vom Euro-Buddhismus mit Wellness-Faktor 10 angezogen.

    Dies ist ein Phänomen, dass man schon seit der Hippiezeit immer wieder beobachten kann. Alles zieht diese Eso-Tanten an und wenn es noch so abstrus teilweise ist.
    Ein Pärchen aus unserem Freundeskreis, hatte jahrelang in Indien bei "Sri Blablabla Bhaghwan" gelebt und zwar in seinem SChrein in Poona. Sie praktizierten dort TM also die transzendentale Meditation und wurden zuguterletzt noch Sanyassins mit allem Drum und Dran.
    Wie sie nach Deutschland erleuchtet wieder zurückkamen :haha: , gab es nur eines: Den Guru. Der Guru hat dies gesagt und der Guru hat das gesagt. So ging es den ganzen Tag. Auch die Ernährung war voll Guru-mäßig :kotz:

    Jetzt, nach Jahren der vergeblichen Erleuchtungsvorgaben und Übungen, sind sie ganz frustriert. Keine Erleuchtung, bestimmt auch kein Nirwana, die sogenannten tantrischen Zusatzübungen haben auch nicht den sexuellen Erfolg gebracht. Im Gegenteil, bei einer dieser Übungen zog sich unser Freund einen Sehnenriss zu. Man sollte das Kamasutra in Leichtform auch nicht unterschätzen.
    Diese sogenannten Schreine sind übrigens nur was für doofen Europäer und Amis, für was anderes nicht. Die Einheimischen schauen das ganze Schauspiel mit großer Belustigung. Läßt sich doch manche Rupie, durch durchgeknallte Europäer und Amis, sehr leicht verdienen.
    Manche dieser Vögel in den Dörfern, mach sich sogar einen Spaß und ernennt sich selbst zum Guru und sucht Plätze auf, wo sich sehr viele Touristen tummeln. Dann geben die sich als Gurus aus und finden tatsächlich immer wieder sehr viele Dumme die ihnen folgen.

    Die übliche Frage war z. B. in Poona: Wer ist denn dein Guru? :haha:

    Man sollte dies mit der versteckten Kamera filmen, so nach dem Motto: Verstehen sie Spaß. :ohno:

  23. Azrail sagt:

    #9 Argutus rerum existimator  :love:

    Nun ja, das ist Geschmackssache. Etwas anderes aber ist ausgesprochen skurril. Der Buddhismus hat die Wiedergeburt vom Hinduismus übernommen. Der lehrt die Existenz einer Seele (atman), die dem Mechanismus der Wiedergeburten (samsara) unterliegt. Der Buddhismus aber kennt keine Seele und leugnet ihre Existenz ausdrücklich (Anatta-Lehre). Was aber wird dann wiedergeboren?

    Die Antwort lautet: das Karma wird wiedergeboren. Der Mensch, der später einmal die Früchte meiner guten Taten genießen kann oder für meine bösen Taten leiden muß, ist (anders als im Hinduismus) mit mir nicht identisch. Vielmehr handelt es sich um einen anderen, den sogenannten "karmischen Erben".

    Mit abendländischen Gerechtigkeits-Vorstellungen ist das völlig inkompatibel.

    Dann frage ich mich, lieber Argutus. Was soll dann das Ganze mit der sogenannten Reinkarnation?
    Idas ist doch auch wieder so eine ERfindung des Hokus-Pokus-Zirkels. :ohno:

  24. Argutus rerum existimator sagt:

    #23 Azrail am 22. Juni 2011 um 16:48

    Was soll dann das Ganze mit der sogenannten Reinkarnation? Idas ist doch auch wieder so eine Erfindung des Hokus-Pokus-Zirkels.

    Das ist eine sehr alte Vorstellung, deren Anfänge sich im Dunkel der Geschichte verlieren. Für Indien und alles von indischem Denken Beeinflußte hat sie große kulturhistorische Bedeutung.

    Ob es Reinkarnation tatsächlich in der Natur gibt, ist eine Frage, die wir derzeit nicht beantworten können.

  25. Azrail sagt:

    #24 Argutus rerum existimator  :D

    Ich weiß, dass dies schon eine sehr alte Geschichte ist mit dieser Wiedergeburt. Woher sie kommt, ist ein Rätsel.

    Aber Du hast Recht, keiner kann dies mit der Reinkarnation sicher beantworten. Es gibt auch keine sicheren Beweise.

    Vielleicht hat dies mehr mit der Erkenntnis eines Rupert Sheldrake zu tun, von den sogenannten morphogenetischen Feldern, da denke ich, kommen wir der Wahrheit schon näher.

  26. Saejerlaenner sagt:

    #24 Argutus rerum existimator am 22. Juni 2011 um 17:17

    Ob es Reinkarnation tatsächlich in der Natur gibt, ist eine Frage, die wir derzeit nicht beantworten können.

    Nichts von dem, was in den übernatürlichen Bereich gehört, lässt sich beweisen. Das betrifft sämtliche mir bekannten Religionen (und für die, die ich nicht kenne, triffts mit Sicherheit auch zu). Nur Spekulation und – entschuldigung für die Formulierung – Hirnwichs. Trotzdem meinen sie alle, sie hätten recht. Wir wissen bis zu einem gewissen Grad, wie die Welt funktioniert, aber nicht warum. Und das wird auch keine Socke jemals rausfinden. Wozu auch? Ist doch wurscht. Ansonsten viel Spaß demjenigen, der einen neuen Blog eröffnen will mit dem Namen "Glaubenbloggt":

  27. Azrail sagt:

    #26 Saejerlaenner :D

    Ansonsten viel Spaß demjenigen, der einen neuen Blog eröffnen will mit dem Namen "Glaubenbloggt":

    Diesen Blog haben wird doch schon und zwar in zweifacher Ausführung:
    Regina mortuarium und Pro Inkontinent :haha:

  28. Argutus rerum existimator sagt:

    #26 Saejerlaenner am 22. Juni 2011 um 17:38

    Nichts von dem, was in den übernatürlichen Bereich gehört …

    Obwohl man diesen Ausdruck häufig liest, muß ich gestehen, daß ich mit dem Begriff "übernatürlich" nichts Sinnvolles anfangen kann.

    Manche Dinge gibt es in der Natur. Die sind natürlich. Andere gibt es nicht, aber diese anderen Dinge sind dann nicht "übernatürlich", sondern die sind überhaupt nicht.

  29. Saejerlaenner sagt:

    #27 Azrail am 22. Juni 2011 um 17:43 :grin:

    Was sich bei PI tummelt, vor allem bei den Kommentatoren, ist m.E. eher ziemlich unchristlich. Höchstens kirchlich politisch, wenn überhaupt. Außerdem haben die noch einen Frank Furter und einen Eckart Kiwitt.

    Bei QQ kann man sich mittlerweile z.T. ganz gute Musik anhören. Das war zwar sicher nicht im Sinne des Erfinders, aber was solls? In der Not frißt der Teufel eben Fliegen :mrgreen:

  30. Bad Religion sagt:

    Hat Buddhas Lehre eigendlich auch was mit den ganzen "vielen" Indischen Göttern zu tun ?

  31. Saejerlaenner sagt:

    #28 Argutus rerum existimator am 22. Juni 2011 um 17:58

    Nichts von dem, was in den übernatürlichen Bereich gehört …

    Tut mir leid, mir ist auf die Schnelle nichts besseres eingefallen. Gott, Allah, Jahwe, Reinkarnation, Karma, Manitou, Thor, Jupiter und Ulysses, zur Not auch noch Rübezahl: Nicht beweisbar, daher irrelevant. Für den suchenden Geist je nach Veranlagung mehr oder minder attraktiv, aber grundsätzlich an den Haaren herbeigezogen.

  32. Saejerlaenner sagt:

    #30 Bad Religion am 22. Juni 2011 um 17:59

    Keine Ahnung, hierzulande muß ich mich nur mit den hiesigen Ubiquisten herumschlagen :mrgreen:

  33. Saejerlaenner sagt:

    Um da ganze nochmal, wenn auch sehr unvollständig und auf jugendliche Weise, hier nochmal wiedergebenzulassen, muß ich mal wieder youtube bemühen

    http://www.youtube.com/watch?v=Wdbr2ClUFH8

  34. Rechtspopulist sagt:

    #20Azrail am 22. Juni 2011 um 16:08

    "Vergess nicht Repo, dass auch die Hindus die Buddhisten als ihresgleichen betrachten."
     
    Der ist ja immerhin auch etwas ganz Besonders: eine Inkarnation Vishnus! :carpet:

  35. kantomas sagt:

    #31 Saejerlaenner

    Gott, Allah, Jahwe, Reinkarnation, Karma, Manitou, Thor, Jupiter und Ulysses, zur Not auch noch Rübezahl: Nicht beweisbar, daher irrelevant. Für den suchenden Geist je nach Veranlagung mehr oder minder attraktiv, aber grundsätzlich an den Haaren herbeigezogen.

    Das witzige dabei ist, dass nicht wenige von den Suchenden, nach jahrelanger Suche, genau zu dieser Erkenntnis kommen.

  36. Rechtspopulist sagt:

    #19Azrail am 22. Juni 2011 um 15:50

    "Die Lehre des Sidharta Gautama Buddha ist im eigentlichen Sinne eine Lebensphilosophie, die schon sehr weltfremd ist und was die meisten exaltierten Eso-Tanten nicht wissen, auch frauenfeindlich."
     
    Der Mann war Pasenadis Berater. hätte er dem Kaiser dummes Zeug erzählt, wär er das nicht lange geblieben. So weit überliefert waren seine Ratschläge durchaus nicht weltfremd – auch nicht sein Umgang mit einer Stadtkurtisane und diversen Leuten mit denen er so zu tun hatte.
     
    Mir persönlich wäre deise Bettelmöncherei auch auf den wecker gegangen, aber gemessen am damaligen Umfeld war das eine vergleichsweise gesittete Organisation, die er übrigens mit sattem Elan aufgebaut hat.
    Es ist wirklich interessant gewesen, nachzulesen, was da so alles bei abgelaufen ist. Da muss man schon schmunzeln.
     
    Was die Frauenfeindlichkeit angeht, ist das so eine Sache. Ich habe die Details nicht mehr im Korf, aber er musste schon kräftig belabert werden um nonnen zuzulassen. An sich passte ihn das nicht in den Kram. Gefragt allerdings, ob Freuen denn auf seinerm Wege nicht auch die Erleuchtung erlangen könnten, musste er wohl – ehr unwillig – mit "ja" antworten.
     
    Klar ist natürlich, dass die Situation der Frauen in der indischen Gesellschaft eine andere ist als hierzulande – jedenfalls in traditionellen Familien. Das war vor 2500 Jahren nicht anders.
     
    Ich bin kein Fachmann für Vajrayana, aber soweit ich informiert bin, sind die Tibeter auch nicht gerade Anhänger des Emanzipartionsgedankens. In der Tat haben viele "Westler" völlig idiotische Vorstellungen vom Orient.
     
    Da werden irgendwelche Pfaffen hochgehalten, die man genauso hier auch in der nächsten Kirche vorfinden kann – nur halt nicht in roten Gewändern. Da werden Unsummen für irgendwelche Erleuchtungskurse verbraten, dass man sich nur an den Kopf langen kann.
     
    Indien hat wirklich eine spirituelle Industrie – und Jahr für Jahr fahren da zahllose "Sucher" drauf ab. Man sollte bevor mal nach Indien fährt erstmal gewisse Grndlagen kennen, um dann überhaupt adäquat urteilen zu können.
     
    Andererseits muss ich gestehen, dass mein Jahr in Indien wirklich ein Abenteuer voller verrücker Erlebnisse war. In diesem Land sind Dinge möglich, die in Deutschland nicht gingen und umgekehrt klappen dann Sachen nicht, die bei uns völlig normal sind. 

  37. Rechtspopulist sagt:

    #31Saejerlaenner am 22. Juni 2011 um 18:06

    "Nicht beweisbar, daher irrelevant. Für den suchenden Geist je nach Veranlagung mehr oder minder attraktiv, aber grundsätzlich an den Haaren herbeigezogen."
     
    Was ist ein schwacher Beweis schon gegenüber einer starken Lüge? :bier:
     
    Um ehrlich zu sein sind Beweisbarkeiten … von was auch immer  … und Relavanz zwei völlig unterschiedliche Dinge: Die Zweckmässigkeit zählt!
    Und so lohnen Beweise auch nur dort, wo sie zweckmässig sind, ansonsten ist möglicherweise die Unwahrheit sinnvoller. So verrückt kann das Leben sein.

  38. Rechtspopulist sagt:

    #17pinetop am 22. Juni 2011 um 13:41

    "Eine Bekannte von mir hat einen fetten Buddha als Figur im Garten."
     
    ACHTUNG! Der "Fette", der grinst, ist NICHT Gotama Buddha. Das ist – ich habs wieder mal vergessen – der chinesische Gott des Glücks oder sowas.
     
    Die Budda-Darstellungen sind grundsätzlich schlank.

  39. kantomas sagt:

    Hat Buddhas Lehre eigendlich auch was mit den ganzen "vielen" Indischen Göttern zu tun ?

    Die vielen Götter sind nach Buddha eigentlich unwichtig. Nur interessiert das die wenigsten. Sie beten Götter Dämonen und Geister und schliesslich Buddha selbst an, was er ausdrücklich zu Lebzeiten verurteilt hat. Eigentlich geht es um das "Eine" oder anders um das"Sein". Unabhängig davon, ob man dies als die "eine Seele" oder als der "eine Gott" oder nur als Potenzial  bezeichnet das aus dem Nichts kommt. Es gibt nur das "Eine". Dieses "Eine" erschafft sich eine Welt der Erscheinungen aus welchem Grund auch immer. Könnte natürlich auch an der Langeweile im Nirwana liegen. Jedenfalls weiss das keiner. Egal welche der höchsten Erfahrungen ein meditierender oder Suchender gemacht hat. Die höchste der Erfahrungen meditierender ist die Realisation, dass sich das "Eine" in Allem was erscheint manifestiert und da ist die leblose Materie nicht ausgeschlossen. Mal nennt er sich Klaus, mal Hans oder mal Kantomas. Und das alles zur selben Zeit. Eine Art Illusion oder vielleicht doch mit einem Ziel. Hier gleichen sich fast alle Erfahrungsberichte der angeblichen Erleuchteten.

    Das Problem fängt danach an. Jetzt versuchen sie eine Erklärung zu finden, wieso das so ist und kommen dabei auf die aberwitzigsten Ideen. Der eine bastelt sich einen Gott und der andere Allah. Und nach einem Buddha ist es höchstens eine Art Potenzial. Aus diesem Gott, Allah oder dem Potenzial entstehen weitere verschiedene Konzepte und das Ganze hat nach einer Weile nicht mehr das geringste mit der ursprünglichen Erfahrung zu tun. Den rein theoretisch könnte es sein, dass Gott oder was auch immer, sich einfach ein Spiel ausgedacht hat oder eine Art Simulation, die er selber bevölkert. Und damit das Spiel Spass macht, lässt er sich selber glauben, er wäre Hans Klaus oder Kantomas. Diese Idee ist nicht weniger absurd als die Gottesvorstellungen der Religionen. Alles dies ist spekulativ und keiner wird dieses Geheimnis lüften. Wenn ich mir dieses Spiel ausgedacht hätte, würde ich auch dafür sorgen, dass dieses Geheimnis niemals gelüftet wird. Schliesslich würde ich ein interessantes Spiel wollen. Den mit diesem Geheimnis würde Gott sich sein eignes Spiel verderben. Es wäre nicht mehr echt.

  40. Saejerlaenner sagt:

    #37 Rechtspopulist am 22. Juni 2011 um 18:55

    Das klingt wie mein Geschäftsführer, Zitat: "Eine starke Behauptung ist besser als ein schwacher Beweis:"

    Der Typ ist Politiker (wenn auch nur viertklassiger Provinzpolitiker, ehemaliger Bürgermeister einer 7000-Seelen-Gemeinde).

    Und so lohnen Beweise auch nur dort, wo sie zweckmässig sind, ansonsten ist möglicherweise die Unwahrheit sinnvoller. So verrückt kann das Leben sein.

    Wenn der Glaube an die Unwahrheit zu besseren Ergebnissen führt, als die Kenntnis der Wahrheit, stimme ich zu :mrgreen:

  41. Azrail sagt:

    #36 Rechtspopulist :D

    Repo, Indien ist eine Welt für sich und dort herrschen eigene Gesetze im wahrsten Sinne des Wortes.
    Um auf unser befreundetes schon älteres Pärchen zurückzukommen. Diese Leute haben wirklich Unsummen, also 10 000,- damals noch DM, ausgegeben.
    Sie kauften wirklich kartonweise Bücher und Broschüren von diesem Sri Blabla Baghwahn, man könnte dies auch als Backwaren bezeichnen :haha:, wäre viel nützlicher.
    Ich habe mir ein paar der Bücher angeschaut und auch tlw. gelesen. Eines muss man sagen, Baghwan sprach und schrieb bestes Englisch, der Inhalt aber, war eine Zumutung. Schlimmstes, sorry wenn ich das so sage "mind fuck". Ein Blödsinn sondersgleichen.

    Und für diesen Blödsinn, gaben sie Unsummen aus. Sie waren aber leider nicht die Einzigen. Sonst hätte sich dieser Scharlatan nicht so einen Fuhrpark aus Luxuskarossen leisten können. :ohno: Es war unglaublich.
    Jetzt sind diese Beiden geläutert und somit auch um etliches an Pekuniären erleichtert.

    Ich sags Dir ganz ehrlich. Selbst wenn ich Millionär wäre, ich würde denen keinen Cent geben. Aus dem einfachen Grund: Verarschen kann ich mich selber.
    Bei den meisten Leutchen, fehlt einfach der kritische Verstand oder das Rückgrat es einzugestehen, dass etwas schief gelaufen ist.

    Aber ein Lob muss ich aussprechen. Der Beitrag ist :clap: :ok:

  42. Saejerlaenner sagt:

    #35 kantomas am 22. Juni 2011 um 18:30

    Forts. zu #40

    #40 bezeiht sich auf ein mehr oder weniger steinzeitliches Kollektiv von Leuten (was aber auch durchaus auf heutige Gesellschaften zutrifft). Für das denkende Individuum kann nur #31 gelten.

  43. Rechtspopulist sagt:

    #41Azrail am 22. Juni 2011 um 19:08

    Was denkst du, wie man in Indien über diesen …Wahn lacht? :haha:

    Der Mann war übrigens Jaina – also nicht Buddhist oder Hindu. Bei dem waren langweilige Zen-kurse recht billig, heißes Tantra-Ficken dann schon deutlich teurer …

    Wer auf sowas reinfällt und sich als "Sannyassin" zu Affen machen wollte/will, hat's sich verdient.

  44. Rechtspopulist sagt:

    #39kantomas am 22. Juni 2011 um 19:02

    "Eigentlich geht es um das "Eine" oder anders um das"Sein". Unabhängig davon, ob man dies als die "eine Seele" oder als der "eine Gott" oder nur als Potenzial bezeichnet das aus dem Nichts kommt."
     
    Das ist aber im Buddhismus nicht so, dort interessiert "das Eine" nicht.
    Die haben eher Begriffe wie "die Leerheit" etc.

  45. Rechtspopulist sagt:

    #41Azrail am 22. Juni 2011 um 19:08

    "Aber ein Lob muss ich aussprechen. Der Beitrag ist :clap::ok:"
     
    Danke für die Blumen! :-)

  46. ilex (E. Ahrens) sagt:

    "Transzendale Meditation" mit Mitteleuropasitz in Winterthur / Schweiz im blau angemaltem Haus in Töss schien mir nach den Erfahrungen mit einer Verwandten, die da einige Jahre verbrachte, eher eine Geldsammelorganisation zu sein. Wenn wir sie besuchten und mal einen Tag "entführten" – was immer auf Ablehnung der Organisation stieß – hatte ich das bekannte Gefühl einer religiösen Klosterorganisation. Hingelockt wurde sie mit dem Versprechen lebenslanger Versorgung, aber als sie ihre Aufgabe als Kontaktfrau (sie sprach mehrer Sprachen) für wohlhabende Gäste nicht mehr ausfüllen konnte, verlor sie ihren Platz im "Kloster" und lebte dann die letzten Jahre in einem deutschen katholischen Altersheim. Da war ich eingentlich in gewisser Weise froh, dass der Geldbetrag, den sie dann von ihrer Schwägerin erbte, dem Land Baden-Württenberg zu ihren Heimkosten zugute kam und nicht den Gurus.

  47. kantomas sagt:

    #44 Rechtspopulist

    Ja! Nur ist es eigentlich egal, wie man das Ganze bezeichnet. Das "Eine" wird mehr im Advaita verwendet soweit ich noch weiss. Auch in Esoterikkreisen und in westlichen Satsangs kommt dieser Begriff sehr oft vor. Die Sufis aus dem islamischen Kulturkreis verwenden es auch. Genauso wie die christlichen Mystiker. Die Buddhisten verwenden mehr Begriffe wie "Leerheit" oder manchmal "Nichts". Im Grunde alles dieselbe Suppe. Da blickt keiner mehr durch. Jeder versucht auf seine Art die gemachte Erfahrung in Worte zu kleiden und sucht nach einer Erklärung. Nur leider haben die Erklärungen wenig mit der ursprünglichen direkten Erfahrung zu tun. Die Frage ist hier auch, wie weit man diesen Erfahrungen glauben kann. DIe Möglichkeit ist nicht ganz abwegig, dass dabei einfach chemische Prozesse im Gehirn ablaufen und den Stoffwechsel im Gehirn durcheinander bringen, wenn das Denken komplett ausgeschaltet wird. Es bleibt was es ist. Eine subjektive Erfahrung. Dort wartet kein Gott auf einen, der alles erklärt. Oder die "Leerheit" entfaltet sich nicht vor einem und zeigt ein Bild wie es so zugeht. Es ist nichts anderes als ein Versuch, die Erfahrung erklärbar zu machen. Dabei kann man sie nicht erklären. Jedes Wort ist überflüssig. Nicht wenige haben danach einfach geschwiegen und uns weitere Religionen erspart. Das waren die wirklich Weisen.

  48. Firithfenion sagt:

    #41 Azrail am 22. Juni 2011 um 19:08
    Aber ein Lob muss ich aussprechen. Der Beitrag ist :clap: :ok:

    Dem Lob schliesse ich mich an!

  49. Firithfenion sagt:

    #24 Argutus rerum existimator am 22. Juni 2011 um 17:17
    Ob es Reinkarnation tatsächlich in der Natur gibt, ist eine Frage, die wir derzeit nicht beantworten können.

    Ein Quantensprung scheint dem, was man Reinkarnation bezeichnet, recht nahe zu kommen. Wenn ich einen Sprung von A nach B mache, dann bin ich Anfangs auf Punkt A und lande dann auf Punkt B. Während des Sprunges bin ich also logischerweise zwischen A und B. Das komische beim Quantensprung (oder -Übergang wie man heutzutage sagt) ist ja, dass Teilchen, z.b. das Schalen-Elektron einen Übergang von einem Orbit zum nächsten macht, aber ohne sich irgendwo "dazwischen" aufzuhalten! Da sein Zustand zwischen den Orbitalen nicht definiert ist, kann es während des Überganges von A nach B niemals dazwischen gewesen sein.

    Ich finde, diesen Vorgang kann man sich gut als eine Form der Reinkarnation vorstellen. Das Elektron "stirbt" gewissermassen auf seinem Level, während gleichzeitig ein identisches Elektron auf einem höheren Level "wiedergeboren" wird. Das wort "identisch" ist dabei eigentlich überflüssig, da Elementarteilchen keine Individuelle Identität besitzen, was ebenfalls gut mit einer Reinkarnationslehre korrespondiert, die ohne individuelle Seelenübertragung des "verstorbenen" zum Wiedergeborenen auskommt.

  50. ilex (E. Ahrens) sagt:

    # 49 – Firithfenion

    Elektronen mit Karma ?  ;-)

  51. tutnix sagt:

    Wird das Karma im Buddhismus ausschließlich von Mensch zu Mensch übertragen?

    Und vielleicht sollte man eher sagen, das Karma und nicht der Mensch wird erlöst. Die individuelle Person ist doch eher zweitrangig wenn das Bewußtsein nicht mit übertragen wird.

  52. ilex (E. Ahrens) sagt:

    # 51 – Tutnix

    Offenbar ist nach dieser Ansicht der Karma ein großer Berg – so wie eine Abraumhalde. Alle müssen mitmachen, diese Schutthalde abzutragen, wenn das Karma nicht an eine individuelle Personen gebunden ist. Das heußt ja, egal was ich tue, das Gesamtkarma ist immer noch da. Da sagt sich doch der skrupellose Mensch: "Dann lass man die anderen mühsam das Karma abtragen". Daher kommt ja auch meine Idee mit dem Gesamtkarmaabtrag durch Jesus.

    Erwas am Karma zu tun lohnt doch nur, wenn es individuell zugemessen wäre. Dann kann ich eben dafür sorgen, dass mein Karma so langsam mal weniger wird.

  53. Azrail sagt:

    #49 Firithfenion &  #50 ilex (E. Ahrens) :D

    Naturwissenschaft befasst sich nicht mit dem Begriff der Seele. Nur die Geisteswissenschaft: Philosophie mit ihren Disziplinen Metaphysik, Ontologie und Erkenntnis-Theorie.

    Soviel zum Begriff "Seele" :bee:

    Ab jetzt nenn ich mich Sri Guru Azrail :rofl: War nur ein kleiner Spaß, muss auch sein. :D

  54. tutnix sagt:

    Unglaublich, und ich als Zwischenwirt des Karmas werde im irdischen leben noch dumm angemacht, weil ich nicht mit an gleichen Strang ziehe und das Karma immer weitere Menschenleben "fordert".

    Ich mach´n neuen Blog gegen die Buddhisierung Europas auf.

  55. Azrail sagt:

    :alarm:

    So, Good N8 und fliehe ih das Reich der Maya/Träume/Illusion :D

    Als Guru braucht man seinen Schönheitschlaf :haha:

    Der neue Blog vom Melonenkater Tutnix sollte: Shake your Buddhi heißen, also schüttel deinen Buddha. So long. :D

  56. Abu Sheitan sagt:

    #Azrail

    "Shake Your Boobies" würde mir noch besser gefallen…

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