Marilyn Monroe von Frank Sacco

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davDie Hölle spielt eine große Rolle im Leben der Marilyn Monroe, wenn es nach Frank Sacco, Doktor der Medizin, geht. Er überliefert ein Monroe-Zitat: „Jeden Abend musste ich beten, dass ich nicht in die Hölle komme.“ Religiös bedingte Erkrankungen häuften sich in der Monroe-Familie, wie Sacco feststellt. Er analysiert, wie das mit dem Leben der Monroe als Sexsymbol zusammenhängt: Ihr Lebensweg war geprägt von einer Religion, die die Ausbildung eines ausreichenden Selbstbewusstseins nicht hergab (Bilder: Sacco).

Marilyn Monroe von Frank Sacco

Allen die meinen, unsere Moderne sei modern, sei hier über einen uns allen geschätzten Star geschrieben. Der Vater schien nicht bekannt zu sein. Die Mutter war arm und gab das Kind 13 Tage nach der Geburt zu Pflegeeltern. „Meine Mutter hat mich nicht gewollt. Es muss eine Schande für sie gewesen sein, dass ich überhaupt existierte“, so „die“ Monroe später. In der Pflegefamilie gab es religiöse Prinzipien. Das Kind wollte hingegen gern ins Kino. „Wenn die Welt untergeht, und du sitzt im Kino, weißt du, was dann passiert? Du verbrennst mit all den anderen bösen Menschen“, so die Pflegemutter. Monroe: „Jeden Abend musste ich beten, dass ich nicht in die Hölle komme.“ Sie musste versprechen, ihr ganzes Leben keinen Alkohol zu trinken, nicht zu rauchen und nie Gottes Namen zu missbrauchen. Notlügen, Kinderstreiche und Unfolgsamkeit waren Sünden. Das Kind verfiel in Depression als sein Hund Tippi wegen Bellens erschossen wird. Dann nimmt die Mutter sie zurück. Sie ist vom Lebensstil der Mutter „schockiert“ und glaubt, die Mutter müsse in die Hölle. „Ich habe stundenlang um ihr Seelenheil gebetet“, so Monroe.

Gladys, so hieß die Mutter, verfiel in eine Depression. Schon Gladys Vater war am Wahnsinn gestorben, ihre Mutter war manisch-depressiv. Gladys verfiel in einen religiösen Wahn und lief laut betend umher. Sie kam in die Klinik. Religiös bedingte sacoAUT_0881aaErkrankungen häufen sich hier also in dieser Familie. Marilyn Monroe litt unter der Angst, einmal wahnsinnig zu werden. Sie nimmt Tabletten sowie Alkohol und geht zu einer Psychoanalytikerin. Sie möchte in Filmen und in der Realität sie selbst sein, spielt aber immer nur die „Imitation meiner Selbst“, eben diese Marilyn Monroe. Die, die wir kennen, ist sie also gar nicht. Sie wollte anders geliebt werden: „Als Sexsymbol wird man zu einer Sache. Es ist nett… aber man möchte auch um seiner selbst willen akzeptiert werden. Ich hatte immer das Gefühl, ich sei ein Nichts.“ In Kirchen hatte man ihr beigebracht, sie habe Christus durch ihre Sünden ermordet. Ihr Lebensweg war geprägt von einer Religion, die die Ausbildung eines ausreichenden Selbstbewusstseins nicht hergab. Sie fühlte sich fortwährend mangelhaft, schuldig und sündig – und war meist unglücklich. Schade. Dass sie vom Publikum geliebt wurde, kam in ihrem Selbst durch eine kognitive Störung nicht an. Sie fühlte sich nicht o. k.

saco20140624_a191011Welches Kind fühlt sich o.k., dem ernsthaft die Schuld an einem Foltertod angelastet wird? Welches Kind kann mit einem Gott leben, der, so das geltende Dogma, die Terrorakte Sintflut, Sodom und Gomorrha und die Vertreibung aus dem Paradies (wegen eines Apfels!) unternommen haben soll? Kann ein Kind diesen Gott lieben? Nein. Kinder „lieben“ Gott aus Angst. Die Gottesliebe ist „Gottes“ höchstes Gebot. Götter sind Projektionen, so mein Rechtsanwalt. Sie existieren nicht. Sie sind eine Geschäftsidee. Wenn wir Kinder in Kirchen schicken, so wird ihnen dort Gewalt angetan. Seelische Gewalt. Die Resultate landen oft genug in der Psychiatrie. Das lehrte schon Nietzsche.

 

(Quelle u.a. Ruth-Esther Geiger, Marilyn Monroe, rororo / alle Bilder: Sacco)

Frank Sacco ist Autor von Das Sacco Syndrom und Autor u.a. des Buches "Wenn Glaube krank macht", BoD, 404 Seiten, 12,99 €

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