American Dream reloaded

image_pdfimage_print

dollar-sign-2028565_1280Ein aktueller Artikel beklagt, wie die Großen Ackerland an sich reißen, Griff nach den Ressourcen – Landgrabbing (junge Welt 9.8.): Konzerne der EU-Staaten sichern sich Zugang zu Ackerflächen weltweit. Spielraum für Kleinbauern verringert sich.

Es geht aber längst nicht mehr bloß um Ackerland. Die Großen reißen alles an sich (Bild: "Gier ist gut", GDJ, pixabay). Das ist das Thema eines anderen aktuellen Artikels, der das Gedankenexperiment zur Erklärung der Niedriglöhne direkt fortsetzt.

Dieser Artikel heißt The new American Dream: rent your home from a hedge fund (SOVEREIGNMAN 15.8.). Wenn man der Aussage folgt, hat der alte American Dream ausgedient, nach dem jeder sein Glück selber schmieden kann und es zu Familie, Eigenheim und Wohlstand bringen kann. Schon der wiki-Link warnt, dass der erreichbare soziale Status eines Menschen in den USA sehr viel stärker von seiner Herkunftsfamilie und deren Klassenzugehörigkeit abhängt, als dies zum Beispiel im heutigen Westeuropa der Fall ist. Als Ursache dieser mangelhaften Chancengleichheit wird die stark gestiegene ökonomische Ungleichheit angeführt.

Was das für Ausprägungen annimmt, macht der Text von Simon Black klar. Vordergründig geht es um den amerikanischen Immobilienmarkt, aber letztlich heißt die Aussage: The big banks and hedge funds pretty much monopolize everything elsedie großen Banken und Hedgefonds monopolisieren so gut wie alles.

Sie besitzen den Aktienmarkt, sie besitzen den Wertpapiermarkt, sie besitzen die ganzen Geschäftsimmobilien. Sie besitzen sogar das Ackerland (und das bald weltweit, s.o.). Und die Abfolge von Fressen und Gefressenwerden geht so:

  • Die Kleinen kaufen ein paar Immobilien zusammen,
  • die mittelgroßen Fonds kaufen die Kleinen auf,
  • und die Großen wie Blackstone schlucken die Mittleren.

Dabei waren die Einfamilienhäuser eine der letzten Bastionen für freie Investitionen des kleinen Manns. Aber das ändert sich jetzt. Der amerikanische Traum ist durch die fehlenden Aufstiegschancen schon schwer beschädigt, und nun löst er sich endgültig auf. Das Geschehen zeigt die kapitalistische Logik in aller Schärfe:

Die Großen können nicht jedes Haus einzeln kaufen, für diese arbeitsintensive Prozedur fehlt ihnen das Personal. Deshalb haben die Kleinen ihre vorübergehende Nische, in der sie vielleicht 10 oder mehr Häuser zusammenkaufen können. Sie zahlen viel mehr Zinsen für das Geld, das sie dafür aufnehmen müssen, als die Mittleren. So können die Mittleren ihnen die Immobilien abkaufen, und für beide bleibt ein Profit. Nach derselben Logik werden dann die Mittleren von den mega players wie Blackstone aufgekauft. Am Ende drücken die Großen mit ihrer Marktmacht alle kleineren Investoren aus dem Markt. Die großen Hausbesitzer sind dann die Vermieter fürs Volk.

Diese Sicht wird durch die Statistik des US Census Bureaus gestützt. In den letzten 10 Jahren wuchs die Zahl der gemieteten Häuser, während die Zahl der Eigenheime fiel. Es trat also genau das Gegenteil von dem ein, was die amerikanische Politik mit großem Aufwand und noch größerem Ungeschick betrieb: Die Politik des Eigenheims für alle, sogar für Leute ohne Besitz und ohne Einkommen (beschrieben in Gedankenexperiment zur Erklärung der Niedriglöhne).

Jetzt haben die US-Amerikaner vor allem Schulden: 1 Billion Schulden im wesentlichen vom Kreditkarten-Überziehen (im Schnitt 3000 $ pro Nase) und sagenhafte 1,3 Billionen Schulden durch Ausbildungskredite (bei 20 Millionen US-Studenten im Schnitt 65.000 $) – ein paar Artikel, um diese neue Zinsknechtschaft der US-Studenten zu illustrieren:

Damit ist erklärt, warum vor allem die jungen US-Amerikaner zu schwer verschuldet sind, um auch nur die Anzahlung für ein Haus zu leisten (dazu gibt's den passenden Artikel Housing Bubble 2.0: Number Of Homebuyers Putting Less Than 10% Down Soars To 7-Year High, Zero Hedge 15.8., es gab also seit 7 Jahren nicht so viele Hauskäufer, die keine 10% Anzahlung leisten konnten).

Dabei ist in dem American-Dream-Artikel noch nicht mal die Rede von den 20 Billionen US-Staatsschulden (60.000 $ pro Nase). Immerhin besagt er, man solle sich nicht von dem Bohei ("hoopla") um die niedrigen Arbeitslosenzahlen täuschen lassen. Die neuen Jobs sind meistens für Kellner und Barkeeper, so dass die Löhne keinen Trend nach oben bekommen. Der Durchschnittsamerikaner verdient kein zusätzliches Geld, er kann nichts sparen. Derweil gehen die Immobilienpreise wieder hoch (nach 8,7 Millionen Zwangsvollstreckungen noch vor ein paar Jahren) wo doch die großen Fonds nun die Häuser verschlingen ("gobble").

Das schafft eine neue Realität in Amerika – vor allem für junge Leute, die das Glück haben, nicht mehr im Hotel Mama zu wohnen. Sie werden nun zunehmend gezwungen, ihr Haus bei Blackstone zu mieten. Noch sind nur 17 Millionen Häuser in der Hand der Vermieter, der Markt ist also noch ausbaufähig. Das veranlasst den Autor Black zu dem Tip, man möge doch selber einsteigen und Häuser aufkaufen. Und dann mit Profit an die mittelgroßen Fonds verkaufen …

Also wer bis zum nächsten bubble-burst mitgobblen mag, der kaufe US-Immos. Wenn's wieder crasht, ist er in guter Gesellschaft mit all denen, die beim vorigen Mal reingefallen sind.

 

Links dazu, 1* Medien und Rest wissenbloggt:

Mehr zum Thema:
Dieser Beitrag wurde unter Wirtschaft veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar