Roboter ohne Grenzen – Report 2017 I

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Es ist vielleicht noch etwas zu früh, um einen Jahresreport abzuliefern, aber das Material bordet über. An der Roboterfront tut sich allerhand. Die Roboter mischen überall mit, nur die Berichte über sich selber schreiben sie noch nicht selber. Daher der Impetus, den bisherigen 30-40 wissenbloggt-Roboter-Berichten noch einen hinzuzufügen (Bild: bamenny, pixabay).

Das ganz große Roboterproblem nennt sich Singularität, jener Zeitpunkt, wo die Maschinen ihre eigene Verbesserung per Künstlicher Intelligenz übernehmen und dem technischen Fortschritt den Turbo verpassen. Davon kommt derzeit weniger in den Medien an, die Entwicklung sieht eher nach einer schrittweisen Verschärfng der Situation aus.

Die Probleme sind auch so gravierend genug. Was hier aufgelistet wird, ist vom Thema her alles schon mal drangewesen. Die Vielzahl der Berichte liefert aber neue Hinweise darauf, wo sich die Entwicklungen konzentrieren. Besonders haarsträubend ist die forcierte Entwicklung im militärischen Bereich, aber auch die sozialen und politischen Implikationen stimmen bedenklich.

Im derzeitigen Wahlkampf werden diese Grundprobleme weitgehend ignoriert. Dabei zeichnet sich die Logik ganz deutlich ab:

  • Die einfachen Jobs werden von Robotern übernommen, wobei Jobs mit höheren Ansprüchen entstehen,
  • derzeit werden immer mehr Jobs mit höheren Ansprüchen ersetzt,
  • demnächst kann der Mensch die höheren Ansprüche nicht mehr erfüllen.

Und wer zahlt dann die Steuern, wenn die Menschen massenweise durch Roboter ersetzt werden? Diese Frage wird immer drängender, weil jetzt schon die Jobs billiggemacht und prekär werden. Ein neues globales Prekariat entsteht, zu dem in Deutschland schon 2 Millionen Kinder gehören (die von Hartz IV leben), zahlreiche Menschen im besten Alter gehören dazu, und demnächst eine große Zahl von armen Rentnern.

Der Bundestagswahlkampf befasst sich kaum damit. Es ist, als hinge die Politik immer noch an den alten Legenden, nach denen die Computerisierung und Roboterisierung Unmengen von neuen, hochqualifizierten Jobs schaffen würde. Ein Beispiel ist der Artikel Why Robots Won't Cause Mass Unemployment (Mises Wire 28.2.): "The lamenters don’t seem to understand that increased productivity in one industry frees up resources and laborers for other industries, and, since increased productivity means increased real wages, demand for goods and services will increase as well. "

Das ist die ökonomische Logik von dunnemals, die von der großen Mehrheit nicht länger geteilt wird. Im Weiteren werden die herausgepickten Artikel sachbezogen sortiert aufgeführt und ggf. kommentiert. Der Artikel ist in 2 Teile zergliedert, dieser 1. Teil befasst sich mit Roboterwaffen, Jobverlust und Robotergefühlen:

Roboterwaffen

Der Roboter-Terrorismus ist ja so einfach: Einen Kampfrobot auf Wahnsinn schalten und loslassen, das ist dann sozusagen die Roboter-Tollwut. Angesichts der neuen Cyberwaffen gerät das in den Bereich des Möglichen. Ebenso Zeitbomben wie Roboter-Viren, die solche autonomen bewaffneten Maschinen ausflippen lassen. Mit diesem unerbaulischen Geleitwort geht's zu den ebenso unerbaulichen Meldungen:

The Pentagon’s ‘Terminator Conundrum’: Robots That Could Kill on Their Own (New York Times 25.10.16): The United States has put artificial intelligence at the center of its defense strategy, with weapons that can identify targets and make decisions. Die "Rätselfrage des Terminators" wurde auch mit einem anderen bezeichnenden Titel publiziert: Future warfare, where robots do the killing.

Laser Weapons Are HERE! AC-130 Gunships Laser Tests Within insect-1767183_1280-Thor_DeichmannYear (Hedgeaccordingly 3.3.): More than a year since news broke that Air Force Special Operations Command planned to install and test lasers on its fabulously lethal AC-130 gunships, the plan now is to get its top unfunded requirement tested within a year. Also wird die US-Luftwaffe innerhalb eines Jahres Kampflaser testen (Bild: Thor_Deichmann, pixabay)

Da darf die US-Navy nicht zurückstehen: Navy Unveils World's First Active Laser Weapon In Persian Gulf (Zero Hedge 18.7.): "It is more precise than a bullet…" Man versteht dann auch, warum die USA diese vielen Kriege brauchen: Sie müssen Übungsterritorium für ihre neuen Waffen vorhalten.

Die Laser sind nun erwerblich, The Future of Defense: Advanced Laser Weapons Are Now Available (Futurism 3/17): Teams at Lockheed Martin assert that laser weapons that are powerful enough to burst through two-inch steel (and are cheaper than current kinetic weapons) are now available.

Und sie können bald eingesetzt werden, zum Erstaunen des Publikums, "The Technology Is Getting Real" – Laser Weapons Edge Closer To Battlefield Use (Zero Hedge 29.5.): And now Military.com reports, the toy-like drones destroyed during an Army field exercise at Fort Sill, Okla., last month weren't anything special; however, the way they were brought down — zapped out of the sky by lasers mounted on a Stryker armored vehicle — might grab people's attention.

Neue Träger für die Waffen gibt's auch, Meet The Machine-Gun Wielding Robots And 'HyperSubs' Of Modern Warfare (Zero Hedge 28.4.). Das ist eine Art selbstfahrender Panzer, der mit allerlei Waffen bestückt werden kann.

Aber auch der Cyberkrieg wird weiterentwickelt, Obama Ordered Cyberweapons Implanted Into Russia's Infrastructure (Zero Hedge 28.4.): … US intelligence design and implant a series of cyberweapons into Russia’s infrastructure systems. US intelligence, das ist die NSA, die also auch beteiligt ist.

Immerhin gibt es auch Bedenken, zumindest wegen den Killerdrohnen, Moral Corrosion of Drone Warfare (Consortiumnews.com 12.6.): The U.S. government uses drones to eliminate risk to its soldiers and thus domestic opposition to war, but that heightens the moral imperative to challenge the remote-controlled killings, says ex-CIA analyst Ray McGovern.

Nur dass eben auch Stimmungsmache dagegen betrieben wird, denn die Russen könnten ja auch sowas bauen, Elon Musk's Worst Nightmare: Russian AK-47 Maker Builds Fully-Automated "Killer Robot" (Zero Hedge 17.6.): The debate over the role robots will play in the future of warfare is one that is taking place right now as the development of automated lethal technology is truly beginning to take shape. Predator drone style combat machines are just the tip of the iceberg for what is to come down the line of lethal weaponry and some are worried that when robots are calling the shots, things could get a little out of hand.

Und dann geht die Sache auch noch schief, wie bei dem Wachroboter, der in einen Brunnen stürzte, Robot Security Guard "Commits Suicide" In Mall Fountain (Zero Hedge 17.6.): … a robot which "commited suicide" by drowning itself in a public fountain.

Mit einem merkwürdigen Titel kommt ein Warnhinweis, Never mind killer robots – even the good ones are scarily unpredictable (Consortiumnews.com 25.8.): The heads of more than 100 of the world’s top artificial intelligence companies are very alarmed about the development of “killer robots”. In an open letter to the UN, these business leaders – including Tesla’s Elon Musk and the founders of Google’s DeepMind AI firm – warned that autonomous weapon technology could be misused by terrorists and despots or hacked to perform in undesirable ways. Ein einzelner Killerrobot könnte in den falschen Händen sehr gefährlich werden, aber ein unberechenbares System davon? Gar nicht dran denken – so endet der Artikel.

Jobverlust

Für Leute, die trotzdem weiterdenken wollen, kommt jetzt die nicht totzukriegende Debatte um Roboter & Jobs. Eine Facette davon ist die gig economy mit Freelancern statt Festangestellten. Über das Vordringen der fix angeheuerten und ebensofix freigesetzten Arbeitskräfte macht man sich auch Gedanken.

Taylor Review: a high principled report into the gig economy that will fail to deliver (The Conversation 11.6.): … job creation alone is not sufficient to create a “thriving economy and fair society”. Rather, progress is also needed to create “better jobs”. The focus on the quality of work underscores a broader goal to promote “good quality work for all”.

Die Forderung nach guter Arbeit für alle findet sich sogar im Bundestagswahlkampf, nur dass der Zusammenhang mit Robotern zumeist ausgelassen wird – das wäre denn doch zuviel Realitätsbezug.

Diesen Bezug findet man in If You Think Your Job Is One That Cannot Be Automated, You're In For A Rude Awakening (Zero Hedge 7.5.): More “intelligent” machines below the scale of a true “A.I.” means a growing number of jobs will be “outsourced” to machines, and they will never be coming back.  Even now, you likely find yourself with less reason to visit the doctor, because you can just go on WebMD and see if there is a simple solution to what ails you. Es geht aber nicht nur um überflüssige Mediziner und Lastwagenfahrer, sondern um die neue Maxime “Humans Need Not Apply” (Menschen brauchen sich nicht zu bewerben). Und: if you think your job is “safe” because “a machine could never do it,” you better think again.

Nun also die lange Litanei von den Robotern, die die Jobs auffressen. How Machines Destroy (And Create) Jobs (Zero Hedge 5.7.): What if machines are better at driving long-haul trucks? What if machines are better servers at McDonald’s? What if robots did your taxes for you? … The point is, try not to be the 21st century version of a “blacksmith”.

Also die US-Jobs werden von Uber und den europäischen Robotern geklaut, Uber And European Robots Are Coming For Your Jobs (Zero Hedge 6.7.): robot-2180137_1280-LolaKnoThat minimum wage you thought was below your value line may start to look pretty good as Americans slowly learn their real value as a plug-and-play employee is approaching $0. On a long enough time line, someone ends up building a robot. As we've reported extensively here at Zero Hedge (Walmart, Google, FoxxConn, KFC,  Starbucks), robotics have been the clear go-to decision when one wishes to abolish those pesky employees always looking for timeoff and the proverbial "fair treatment". Und jetzt noch Uber, denn Uber hat nun Roboter-Sicherheitskräfte für Parkplätze. Der Artikel zeigt eine Demo des eiförmigen Roboters. Dazu auch ein Video Knightscope Security Robots Available NOW! (YouTube, Bild: LolaKno, pixabay).

Nochmal allgemein serviert, "Technology Is Replacing Brains As Well As Brawn" – Challenging The 'Official' Automation Narrative (& Social Order) (Zero Hedge 26.6.): Academics and economists have repeatedly underestimated the impact that immigration and automation would have on the labor market. As data on productivity gains and labor-force participation clearly show, the notion that innovation ultimately creates jobs by allowing workers to focus on higher-level problems is an illusion. Klare Aussage, die Innovation schafft nicht die vielen hochqualifizierten Jobs. Wenn dem so wäre, warum gibt es dann 20 Millionen Männer im besten Alter, die nicht mehr zum US-Arbeitsmarkt gehören? Der Spruch dazu:

Die Kluft ist nicht mehr zwischen den Haves und den Have-nots, sondern zwischen solchen, die dem Computer sagen, was er tun soll, und solchen, denen der Computer sagt, was sie tun sollen.

Nochmal das Thema, mit der Klage, die USA würden bei der Roboterisierung nicht mithalten, Why Foreign Robots Are The Real U.S. Job Killer (Zero Hedge 27.3.): But what is somewhat surprising is how poorly the U.S. is performing versus international competition in the development of advanced manufacturing robotics.  As the Wall Street Journal points out this morning, when it comes to automating a manufacturing floor, buying robotics 'Made in America' isn't even an option. Was die Firmen stark macht, ist demnach japanische und deutsche Fabrikausrüstung. Amerikanische Konkurrenz gebe es nicht (jedenfalls nicht bei den Produktionsrobotern, bei den Killer-Robotern ist das was anderes).

Nochmal das Thema, woanders machen sie es besser, China Is Building An Army Of Robot Workers (Zero Hedge 25.8.): As wages for Chinese workers’ skyrocket, the country’s manufacturers are scrambling to replace humans with machines.

Wo sind sie hin, die Jobs? Mehrfach zitiert wird die Studie Robots and Jobs: Evidence From US Labor Markets (National Bureau of Economic Research 3/17). Robots Are Slashing U.S. Wages and Worsening Pay Inequality (Bloomberg 28.3.): Robots have a real impact on jobs and wages, new research shows. Und New Study Says Robots Took All Of Detroit's Jobs, Not Mexico (Zero Hedge 28.3.). One additional robot per thousand workers reduces the employment-to-population ratio by 0.18 percentage points to 0.34 percentage points and slashes wages by 0.25 percent to 0.5 percent, based on their analysis. … the authors of the study found that the addition of 1 robot per 1,000 workers results in an 18-35 bps reduction in the employment-to-population ratio and 25-50bps reduction in wages (bps = Basispunkte).

Ein deutscher bzw. Schweizer Artikel dazu, Globalisierung und Beschäftigung – Folgen der vierten industriellen Revolution (Neue Züricher Zeitung 14.1.): Mit ihrer machtvollen Konvergenz von Digital-, Bio- und physischen Technologien stellt die vierte industrielle Revolution die Arbeitsmärkte auf den Kopf. Laut den Wirtschaftsexperten Michael Hicks und Srikant Devaraj sind 86 Prozent des Stellenabbaus in der US-Industrie zwischen 1997 und 2007 auf Produktivitätssteigerungen zurückzuführen, nur 14 Prozent auf den Handel. Demnach wird in immer mehr Berufen Arbeit durch Kapital ersetzt, und die neuen Technologien sind besonders schlechte Jobmotoren. Dazu wird eine Schätzung der Oxford Martin School zitiert, nach der nur 0,5% aller Arbeitnehmer in den USA Branchen angehören, die seit der Jahrtausendwende neu entstanden sind. Und nach einem Bericht der OECD wurde der Rückgang des Lohnanteils am Volkseinkommen zwischen 1990 und 2007 bis zu 80% von neuen Technologien verursacht.

Und nochmal was deutsches, wenn auch von einer Site mit Populismusanruch, Nur 14 Mitarbeiter für die Produktion von 500.000 Tonnen Stahl (Deutsche Wirtschafts Nachrichten 24.6): Ein Stahlwerk in Österreich zeigt, wie gravierend die Veränderungen durch die Technologie in der Industrie sind.

Das scheint der neue Trend zu sein, Factories May Be Coming Back To The U.S., But The Jobs Aren't: McKinsey (Zero Hedge 29.6.): American manufacturing could be poised to rebound as technological disruption shakes up global production chains, but that will offer little relief to displaced factory workers. Denn wenn die Fabriken zurückkommen, dann ohne die meisten Jobs.

Und die Essenz der pessimistischen Sicht, Watch: This is Why Robots are Going to Take Our Jobs…And Takeover the World (Futurism 3/17). Demnach ist es nicht die Frage, ob es passiert, sondern nur die Frage, wann es passiert. Hier der Link zum Futurism-Video Humans Need Not Apply.

Robotergefühle

In dieser Situation verblüfft es, dass es eine Willkommenskultur für Roboter gibt. Ja, man macht sich tatsächlich Gedanken um die Rechte der Roboter. Correctness für alle muss sein, deshalb auch für electronic persons. Robot Intelligence – Robots in Europe May Become “Electronic Persons” (Futurism 23.6.16): The European parliament's committee on legal affairs submitted a draft proposing the taxation of robot employees, asking companies employing them to pay social security for them. The draft also states that all robots smart enough to be considered "electronic persons" must be added to a registry for tracking purposes.

robot-2141095_1280+MonicfloresWeitergehende Gedanken macht man sich zur Moral, ob die wohl prigrammiert werden könne? Robot Intelligence – The Evolution of AI: Can Morality beProgrammed? (Futurism 1.7.): Our artificial intelligence systems are advancing at a remarkable rate, and though it will be some time before we have human-like synthetic intelligence, it makes sense to begin working on programming morality now. Die Rede ist von Forschern der Duke University , die schon dabei sind. Auch wenn es schwierig ist und noch eine Weile dauern wird: so yay! No Terminator-styled apocalypse…at least for the next few years. Der Text endet mit dem Spruch, willkommen zur Morgendämmerung der Computermoral (Bild Monicflores, pixabay).

Der 2. Teil Roboter ohne Grenzen – Report 2017 II kommt am 29.8.

 

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