Migrations-Debatte: Was lockt die Migranten?

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hand-792923__480Die Debatte um die Migration nach Europa kommt wieder in Schwung. Ringsum versuchen  mediale Berichte, das Territorium abzustecken und die Agenda festzulegen. Dieser Artikel wendet sich gegen ideologiegefärbte Ansichten aus den Lagern pro und contra Immigration und weist auf erstaunliche Fehleinschätzungen hin (Bild: geralt, pixabay).

Der weithin vertretene contra-Standpunkt reagiert meistens nur auf die Agendasetzung der pro-Seite. Schließlich sind die Vertreter der Willkommens-Euphorie 2015 vorgeprescht und haben die bisher geltenden Gesetze, CDU-Parteiprogramme und sonstigen Agenden einfach ausgehebelt. Bemerkenswert, wie kritikresistent die pro-Szene ist. Selbst eine wissenschaftliche Studie über die mediale Schieflage wurde flink abgetan, siehe Berichterstattung von Flüchtlingskrise und Willkommenskultur in Mainstreammedien.

Beispielhaft wird ein pro-Artikel vorgeführt, an dem sich die beständige Kultivierung der schiefen Ansichten zeigt, Flüchtlinge – Migration ist Menschenschicksal (Süddeutsche Zeitung 29.8., in der Druckversion Sie kommen sowieso): Migration entsteht, wenn das Gefälle zwischen den Lebensbedingungen in einzelnen Weltgegenden besonders groß ist. Nie waren diese Unterschiede so groß wie jetzt, und nie war deshalb der Sog, der daraus entsteht, so stark – dem Mauern, Wälle oder Zäune entgegenzusetzen ist ein aussichtsloses Unterfangen. … Alle konsumieren und konsumieren, obwohl inzwischen jeder, der es wissen will, auch wissen kann, dass das auf Kosten anderer geschieht. Demnach werden die, die in Libyen festgehalten werden sollen, ihren Weg so oder so finden, "weil die Not ihnen keine Wahl lässt". Sie kommen laut SZ, um ihre Teilhabe an etwas einzufordern, das ihnen "genau genommen auch zusteht".

Hier wird an der Migrations-Legende gestrickt, mit den Behauptungen:

  1. Push-Faktor und Pull-Faktor ist das Wohlstandsgefälle.
  2. Migration lässt sich nicht aufhalten.
  3. Wir leben auf Kosten der Armen.
  4. Das sind alles Flüchtlinge.
  5. Es geschieht aus Not.

An diesem Versuch der Agendasetzung stimmt so gut wie nichts. Deshalb soll es nun unternommen werden, die Behauptungen zu widerlegen. Bei den Punkten 2.-5. sind die Argumente nicht neu, aber die Kernaussage von Punkt 1. ist in dieser Form noch nicht zu lesen gewesen:

  1. Push-Faktor und Pull-Faktor ist nicht das Wohlstandsgefälle. Außer der Armut sind ja Krieg, Übervölkerung, Umweltzerstörung, Unterdrückung, Kleptokratie, Korruption, Staatsversagen und Ausbeutung die Push-Faktoren, die den Emigrationsdruck erzeugen. Vor allem ist der maßgebende Pull-Faktor, der die Immigranten anzieht, nicht das medial miterlebte Wohlergehen bei uns. Denn seit der Sozialismus abgewirtschaftet hat, ist es weltweiter Konsens, das persönliche Eigentum zu respektieren, auch wenn es extrem ungleich verteilt ist (ob das richtig ist, ist eine andere Frage). Wenn dem nicht so wäre, gäbe es keine Superreichen z.B. in Indien. Wenn ein anderer viel hat, heißt das also noch lange nicht, der gibt was ab – und das hat jeder verinnerlicht. In Wirklichkeit ist der Pull-Faktor ein anderer:
                                        Hier gibt's alles umsonst!
    Das ist es, was die Glücksritter aus der halben Welt anzieht.
  2. Migration lässt sich sehr wohl aufhalten. Herkömmlich geschieht das mit Grenzkontrollen, in Zukunft wird es per Gesichtserkennung möglich. Zugangskontrolle ist ein fundamentales Hoheitsrecht der Staaten, das die Politik nicht eigenmächtig aufgeben darf, und die Medien sollten das auch nicht niederschreiben: Sie kommen so oder so – das stimmt nicht. Diese Mär von der Pulverisierung aller Grenzen weckt unerfüllbare Begehrlichkeiten. Sie kommen nur, wenn wir sie lassen, und sie bleiben nur, wenn wir sie bleiben lassen.
  3. Wir leben nicht auf Kosten der Armen. Wir werden selber ausgebeutet. Was wir konsumieren, haben wir uns erarbeitet, was wir besitzen, haben wir uns aufgebaut. Teilhabe für alle einzufordern ist richtig, aber bitte bei den Richtigen: Bei den Ausbeutern, den Abzockern und den sonstigen Vertretern des unverdienten Reichtums, hier und vor Ort.
  4. Die wenigsten sind Flüchtlinge. Selbst die erweiterte Definition, die auch Armutsmigranten den Flüchtlingsstatus zubilligt, trifft auf die meisten nicht zu. Denn es kommen Privilegierte, die sich mit Tausenden von Dollars den Weg erkaufen konnten. Die wirklich Armen können nicht so weit flüchten.
  5. Überwiegend geschieht es nicht aus Not. Dass sie unterwegs in Not geraten, heißt nicht, dass sie aus der Not stammen. Denn wer da kommt und 5000 Kilometer unwirtliche Landschaften durchquert, Durchgangslager, Hotspots und Grenzen passiert, Schlepper, Grenzschützer, Schmuggler, Polizisten, Beamte und Transporteure bezahlt, der ist nicht mittellos, sondern smart, alert und bessergestellt – genau die Person, die vor Ort gebraucht wird.

Die contra-Sicht:

Zuhause sind sie sehr brauchbar, aber wenn sie hierher kanalisiert werden, erreichen die Immigranten aus Asien und Afrika den Gipfel ihrer Unbrauchbarkeit. Die meisten sind Leute, die nichts wissen und können, was hier gebraucht wird; deshalb ist die Legende stillschweigend begraben worden, sie könnten hier zu Hunderttausenden qualifiziert arbeiten.

Das wissen sie natürlich selber, und trotzdem nehmen sie es in Kauf, in einem kalten Land als Underdogs zu leben. Dafür haben sie guten Grund, nämlich Hier gibt's alles umsonst! Für jeden, der es nach Deutschland (oder Schweden usw.) schafft, gibt's eine lebenslange Rundumversorgung geschenkt, Ernährung, Kleidung, Behausung, Gesundheitsfürsorge, Rente, alles umsonst, bis hin zu Anwälten, die für jeden das Maximum rausklagen.

Das sind eine Menge Rechte und keinerlei Pflichten. Es gibt keine Pflicht zur Arbeit, geschweige denn zur Abzahlung der verursachten Kosten. Irgendwelche Pflichten zur Anpassung gibt's auch nicht, jeder kann so rückständig, reaktionär und rassistisch sein wie er mag, so viele Kinder kriegen wie er will, und sie im Geist des Mittelalters aufziehen. Er kann sich unserer Gesellschaft verweigern und nur seiner Familie, seinem Clan, seiner eingebildeten rassistischen und sexistischen Überlegenheit leben und an der muslimischen Übernahme Europas arbeiten. Er darf uns für gottlose Libertins halten und trotzdem unser Geld nehmen und unsere Errungenschaften nutzen, bis er sich die gleiche religiös kontaminierte, insuffiziente Umgebung geschaffen hat, vor der er zuhause getürmt ist.

Was er bekommt, sind im vorherrschenden Hartz-IV-Fall über die Jahre hinweg – ggf. multipliziert mit Familiennachzug – Geschenke im Wert von Hunderttausenden von Euros. Kein Wunder, dass solche Aussichten viele Menschen zu Glücksrittern machen, zu Abenteurern, die sich blind auf ihr Glück verlassen. Daher auch die zielstrebige Reise nicht irgendwohin, wo leichter Sicherheit zu finden ist, sondern quer übers Meer nach Deutschland, Schweden usw.

Solche "Flüchtlings"-Hilfe ist ungerecht, überteuert, ineffizient, problemeschaffend. Anstatt eine selbstausgewählte Migranten-Elite bei uns maximal zu beglücken, sollte den bedürftigen Menschen vor Ort geholfen werden. Dort ist Hilfe zur Selbsthilfe möglich, weil sie sich mit unserer Hilfe selber was aufbauen können.

Die pro-Sicht:

Die Immigranten sind fast alle integrationsbereit und lernwillig. Bald werden sie qualifizierte Arbeiten übernehmen können und einen Beitrag zu den öffentlichen Kassen leisten. Im Lauf der Jahre werden sie eine positive Bilanz erreichen und uns mehr einbringen, als sie kosten. Sie werden unserer Wirtschaft Auftrieb geben und unser Leben bunter machen, ohne unsere Kultur zu zerstören.

Die auffallende Kriminalität wird sich geben, wenn die jungen Männer reifen, und die nachfolgenden Generationen werden nicht mehr kriminell auffallen. Dafür wird das Geld, was sie nach Hause schicken, auch in der Ferne einen Aufschwung erzeugen. Wir sind verpflichtet, den Menschen aus aller Welt zu helfen, und letztlich helfen die dann uns. Also was wollt ihr eigentlich?

Die realistische Sicht:

Es gibt beides. Die Integrationswilligen sind zahlreich, und die Verweigerer wohl nicht so sehr. Was mit den Integrationswilligen passiert, die durch Automatisierung und Roboterisierung keinen Job finden, bleibt offen. Wie viele von denen wohl zu den Verweigerern umschwenken?

Man weiß das nicht. Man weiß ja nicht mal, wie sich das heute zwischen den Positionen verteilt. Die Leute wurden nicht gefragt – oder wenn doch, dann sagt man uns nicht, was dabei rauskam. Hier ist nicht die Rede von 1000-Leute-Befragungen, sondern von einer gründlichen Erfassung durch das Bamf. Hat das Bamf die Daten? Verschweigt es die Daten mit Absicht?

Bezeichnend ist, dass man solche Verdächtigungen ins Kalkül ziehen muss. Wie manipulativ berichtet wurde, ist inzwischen dokumentiert. Das BAMF-Video für Flüchtlinge ist aktenkundig, dazu nochmal der Link zu Berichterstattung von Flüchtlingskrise und Willkommenskultur in Mainstreammedien.

Selbst die jetzige Berichterstattung kann noch tendenziös und falsch sein, wie man an dem Artikel der SZ sieht. Andere Artikel schreiben was anderes, insofern gibt's jetzt eine größere Bandbreite. Der grenzenlose Willkommens-Hype ist aber noch virulent, nur weicht er jetzt aus auf unausgesprochene Gefühlsmassage in dieser Art:

Wir können und dürfen sie nicht aufhalten. Wir müssen an den zuwandernden Millionen gutmachen, was an den Milliarden gesündigt wurde.

Das ist größenwahnsinnig, das ist pervers, das ist unverantwortlich. Das fördert weltweit Anspruchsdenken statt Leistungsbereitschaft. Das weckt Begehrlichkeiten, die nicht erfüllt werden können, ohne Europa zu zerstören. Das ist schweres Unrecht an denen, die nichts abkriegen. Das übt Druck aus, weiterhin Privilegierte maximal zu beschenken. Das perpetuiert die Einladung an die Glücksritter. In Kombination mit der Öffnung unseres Sozialsystems für Selbsteingeladene ist es diese Wegbereitung, was die Migranten lockt: Hier gibt's alles umsonst! & Alle dürfen herkommen!

 

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Eine Antwort auf Migrations-Debatte: Was lockt die Migranten?

  1. Wilfried Müller sagt:

    Nachdem der Artikel die SZ für ihre betonköpfige Willkommensanbetung kritisiert (siehe auch die unredliche Gefühlsmassage in Je nach Herkunft SZ 31.8., darf nun die Zeit (eingeschränkt) gelobt werden. Die bringt tatsächlich diesen Artikel: Macht Merkel noch Merkels Flüchtlingspolitik? (ZEIT ONLINE 30.8.): 2015 hieß sie Bürgerkriegsopfer willkommen, heute hilft sie Europa bei der Abschottung. Die Kanzlerin zwischen Humanität und Härte.

    Zurecht wird gefragt, wenn humanitäre Aspekte ihre Leitlinie des Handelns in der Flüchtlingspolitik wären, warum werden dann nicht die Menschen mit Transall-Maschinen aus den Lagern in Libyen gerettet? Die Verhältnisse sind dort wesentlich schlimmer, als sie es 2015 in Ungarn waren. Was 2015 humanitär zwingend schien, ist für Merkel anscheinend nicht mehr zwingend.

    Es ist laut Zeit richtig und notwendig, dass Deutschland seine Grenzen kontrollieren kann, und es ist richtig, dass nicht Schlepper bestimmen, wer kommt, sondern das Recht. So zu tun, als gäbe es nur die beiden Möglichkeiten Willkommen oder Abschottung, sei illusionär.

    Doch dann wird trotzdem noch eine Ehrenrettung von Merkels Flüchtlingspolitik versucht; das konzeptlose Wirrwarr wird als vielschichtig, ambivalent, geschmeidig bezeichnet. Außerdem sei Merkels Haltung nicht nur Starrsinn, nicht bloß Rechthaberei, sondern auch politisches Kalkül. Deshalb könne Merkel darauf beharren, dass sie ihren Kurs nie geändert habe (obwohl der Artikel genau das belegt, wb).

    Das geht bis zu Merkels Aussage "Alle wichtigen Entscheidungen des Jahres 2015 würde ich wieder so treffen" – im Klartext, man kann sich bei Merkel auf nichts verlassen (wb).

    Mit viel Mühe habe Merkel ihr Bild der "Flüchtlingskanzlerin" kultiviert, doch das habe sie keinen Moment daran gehindert, weitere Flüchtlinge von Deutschland fernzuhalten. Während sie öffentlich nie von ihrer "Willkommenskultur" abgerückt sei, habe Merkel im stillen viel dafür getan, die Zahl der Immigranten zu senken.

    Die Zeit versteht sich nicht dazu, der Kanzlerin vorzuwerfen, dass sie ihren Kurs geändert hat. Die Lügerei wird beschrieben, aber nicht kritisiert. Schließlich habe Deutschland die Herausforderung der Flüchtlingskrise alles in allem erstaunlich gut gemeistert.

    Noch eine doppelte Kapriole schlägt die Zeit-Sophistik: Man solle der Kanzlerin nicht glauben, wenn sie sagt, es habe sich nichts an ihrer Politik geändert; es lasse sich aber sagen, sie stehe zu ihrem Wort.

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