Lächerliche SZ-Artikel: Lidl-Kreuz & Flüchtlingsurteil

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Weil die Artikel in der gedruckten Ausgabe der Süddeutschen Zeitung vom Do auf der Meinungsseite nebeneinanderstehen, werden sie auch gemeinsam abgewatscht. Hier geht es nicht um Fake News mit angeschlossenem Hate Speech, sondern bloß um einen freundschaftlichen Rüffel (Bild: Engin_Akyurt, pixabay).

Lebensmittel

Der erste Artikel heißt in der Druckausgabe Kein Kreuz bei Lidl. Online wird das zu Die vorauseilende Dummheit eines Discounters (SZ 7.9.): Lidl entfernt das Kreuz als christliches Symbol von Verpackungen (die Kuppeln von Kirchen auf Santorin zeigen). Das ist eine gefährliche Verbeugung vor Fundamentalisten.

Wer so in ein Foto eingreift, findet Kommentatorin Monika Maier-Albang, "handelt nun gerade nicht weltanschaulich neutral, er verändert die Realität". Aber das ist so unsinnig wie nur möglich, denn was hat die Veränderung der Realität mit weltanschaulicher Neutralität zu tun? Und ein Abbild der Realität zu ändern, ist was anderes, als die eigentliche Realität zu ändern. Wer die Rechte an dem Bild hat, der darf das Bild ändern wie er mag, solange er damit keine Täuschungsabsicht verfolgt.

Die Kulturjournalistin Maier-Albang sieht die weltanschauliche Neutralität gefährdet; wer so handelt, "der entscheidet sich für eine Realität, in der das Kreuz, das als Symbol der christlichen Religion vielen Menschen wichtig ist, keinen Platz hat". Nun tun das alle Atheisten, nur Lidl tut's nicht, weil eben nicht die Realität geändert wurde, sondern nur das Bild.

Trotzdem ist der Discounter eingeknickt und hat das Kreuz wieder zurückkopiert. Ob Lidl wohl auf die überzogene Begründung abgefahren sind, man biedere sich so bei den Fundamentalisten an? Tenor ist jedenfalls, wir müssen zusammenstehen und Kreuz zeigen. Das tun diverse Christliche; sie kämpften schon um das Kreuz auf dem Berliner Stadtschloss, und sie stellen im öffentlichen Raum real existierende Kreuze auf, wo man sie nicht daran hindert. Ein Beispiel ist im Landkreis München zu bewundern, wo dem Fußgängerverkehr ein öffentlich finanziertes, übermannshohes Kreuz in den Weg gestellt wurde – ohne Kritik von der SZ.

(Eine Mischung aus Unverstand, Belehrungs- & Bekehrungsdrang: Zugrunde lag der verkehrsplanerische Dilettantismus, Fußwege mit rechten und spitzen Winkeln aufeinanderstoßen zu lassen, obwohl jeder Verkehrsplanungs-Anfänger weiß, dass damit abkürzende Trampelpfade provoziert werden. Kaum waren die Pfade da, wurden dem Volkswillen Blumenrabatten in den Weg gepflanzt, auf dass der Bürger längs der obrigkeitlich verfügten Pfade wandele. Die schöne Drangsalierungsgelegenheit wurde noch ausgenutzt zur Reviermarkierung per Kreuz, das dem Bürger nun den Trampelpfad verwehrt und ihn so auf dem rechten Weg hält. Man kann nur hoffen, dass das Kreuz auf dem Rücken der abgebildeten Dame nicht auch solcher Reviermarkierung entsprang.)

Flüchtlingsurteil

Während die Kreuz-Geschichte eher in Richtung Perversion geht, wo das Kreuz doch ein angebetetes Hinrichtungsinstrument darstellt, ist der andere Artikel voll unfreiwilliger Komik. Er heißt Zwei Europas wagen (SZ 6.9.): Der Streit vor dem Europäischen Gerichtshof über die Aufnahme von Migranten zeigt, dass nicht alle Länder in eine einzige EU passen. Der Kontinent muss über Alternativ-Modelle nachdenken.

Der Kommentator Stefan Ulrich liest den Ost-EU-Staaten die Leviten: Pacta sunt servanda – Verträge sind einzuhalten. Dies gelte auch und gerade zwischen den Mitgliedstaaten des vereinten Europa. Das Prinzip der Vertragstreue wirke wie ein Magnet, ohne den die EU-Staaten auseinanderfallen würden – selten so gelacht. Als ob die EU-Staaten sich groß um die Gesetze scheren würden, die sie unterschrieben haben. Der EU-Kern, die Eurozone, ignoriert doch alle Stabilitätsverträge, -versprechen und -übereinkommen.

Zum Wesenskern der EU gehört es aber nach Ulrich, dass sich die Einzelstaaten dem Allgemeinwillen unterordnen – sofern dieser Wille nach den Regeln zustande kommt, auf die sich alle geeinigt haben – noch so ein Lacher. Als ob die EU irgendetwas mit dem Allgemeinwillen im Sinn hätte. Die ganzen Erweiterungen und Vertiefungen sind schließlich am Volkswillen vorbei durchgezogen worden. In Deutschland durfte das Volk weder über Osterweiterung noch über Euro-Einführung noch über Immigranten-Quoten abstimmen, und wo (in anderen Ländern) abgestimmt wurde, gingen die Abstimmungen fast alle verloren. Angesichts dieser Beispiele ist es doch töricht, den Ost-Staaten Vertragstreue abzuverlangen (siehe auch Lächerliche Drohung der EU-Kommission).

Aber eine Regierung, sagt Ulrich, die rechtmäßige Entscheidungen der EU notorisch ignoriert und konterkariert, zertrümmert das Fundament der Union. Sie müsse sich fragen lassen, ob sie noch zum gemeinsamen Europa passt. Tja, wo es nun mal alle EU-Regierungen und zuförderst die Euroland-Regierungen so treiben, ist die Verurteilung von Polen, Ungarn, Slowakei reine Willkür.

 

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Eine Antwort auf Lächerliche SZ-Artikel: Lidl-Kreuz & Flüchtlingsurteil

  1. Wilfried Müller sagt:

    Flüchtlingspolitik – Orbáns europarechtliches Verbrechen muss Folgen haben (SZ 8.9.) – Welche Ausprägungen die Meinungsmache bei der SZ annimmt, zeigt der Kommentar des Ex-Richters Heribert Prantl. Es geht darum, dass das "orbánische Ungarn" dem EU-Gericht den Rechtsgehorsam aufgekündigt hat, und Polen hat sich gleich ganz von der Rechtsstaatlichkeit losgesagt. Prantl schreibt der EU auf, wie sie nun reagieren muss, um den "ex lex"-Zustand zu beenden. Bei all den anderen EU-Rechtsverstößen hat Prantl nicht gemeckert, aber jetzt schäumt er: Es gibt Sünden und Todsünden, Vergehen und Verbrechen. Die Reaktion Viktor Orbáns auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofs zur Flüchtlingsverteilung ist eine Todsünde, ein europarechtliches Verbrechen.

    Was Prantl nicht wahrhaben will, ist die Tatsache, dass die europäischen Gerichte sich erstmal Respekt erarbeiten müssen. Und das ist schwer, wo doch speziell die Euro-Politik durch ihre fortwährende Missachtung der von ihr selbst gemachten Gesetze den Rechtsgehorsam in der EU zerstört hat. Das ist also der Schaden, der aus dem fortdauernden Rechtsbruch entsteht: Keiner nimmt das EU-Recht mehr ernst.

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