Luther, Hassprediger oder Avantgardist? von Frank Sacco

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saco17951957_2028731957354369_2332863065596593172_nUnser Autor Frank Sacco, Doktor der Medizin, weist auf eine mögliche  Vereinnahmung moderner Künstler durch die evangelische Kirche im Rahmen der jetzigen Documenta 14 hin. Ganz offensichtlich war es der Wunsch der Kirche, Luther im Reformationsjahr in einem möglichst positiven Licht darzustellen und die eingeladenen Künstler abzulenken von einer mehr kritischen Sicht auf den Kleriker.

Luther, so Sacco, habe  nicht nur entscheidend auf die Entstehung des nationalsozialistischen Antisemitismus hingewirkt, er versetze noch heute über seine Lehre von der alles entscheidenden, aber doch sehr begrenzten Gnade eines Jesus an einem Jüngsten Tag Kinder in Angst und Schrecken. Damit sei Luthers mittelalterlich geprägte  Auffassung noch in der Jetztzeit für die spätere Entstehung eines Sacco-Syndroms gerade bei Protestanten verantwortlich.

Luther, Hassprediger oder Avantgardist?  von Frank Sacco

Die Avantgarde fiel wieder einmal auf eine Amtskirche herein. Die evangelische Kirche versucht zur jetzigen Documenta in Kassel im Jahr 2017, aus einem erzreaktionären Kleriker einen Vertreter der  Avantgarde zu machen. Hier die Zugänge:

https://lutherstadt-wittenberg.de/luther-2017/luther-und-die-avantgarde

https://r2017.org/programm/luther-und-die-avantgarde/

Nun, wie funktioniert so etwas, denn heute sehen wirklich Aufgeklärte den Kirchenmann doch eher sehr kritisch. In Kassel machte man unübersehbar  in, um und an der Karlskirche Reklame für den „Revolutionär“, der das gerade Gegenteil war. Im künstlerisch der Documenta angeschlossenen  Wittenberg sperrte man dann 66 eingeladene  Avantgarde-Künstler  in 66 winzige Zellen eines ehemaligen Gefängnisses und das unter dem in die Irre führenden Motto: Luther und die Avantgarde.

Doch sperrte man dort nicht vorwiegend den revolutionären Impetus der Anwesenden ein? Denn in Wittenberg fungiert Luther offiziell als „Wegweiser“, als unkonventioneller “Vordenker“ und als Avantgardist avant la lettre. Von ihm sollen neuzeitliche Impulse ausgegangen sein. Auch sei Verlass, so ein Motto der Ausstellung, einzig auf die Heilige Schrift. Man will nicht zugeben, dass das Buch eigentlich auf den Index gehört, weil es  verfassungswidrig ist. So ruft es heute noch zur Tötung aller aktiv Homosexueller auf. Damit ist es verantwortlich für deren religiöse Konflikte und daraus resultierende Suizide. Ungeratene Söhne sind selbstverständlich auf höchsten Gottesbefehl hin zu steinigen. Auch  lässt die Bibel keinen Zweifel daran, dass nur der christliche Glaube vor einer ewigen Hölle bewahre, in der lt. Bergpredigt mit Feuer gefoltert werde.  „Kein Weg führt zum Vater, denn durch mich“, ruft angeblich der angebliche Sohn dieses Vaters. Diesen Glauben hatte auch Luther. Er bildet noch heute die Grundlage für alle christliche Mission, zu der alle Getauften, so auch ich, lt. Missionsbefehl des Jesus der Bibel verpflichtet sind. Diese Grundlage des christlichen Glaubens ist allerdings nach § 240 StGB schwere Nötigung und nach § 241 StGB Bedrohung. Sie  widerspricht der hier grundgesetzlich festgelegten Religionsfreiheit und dem Grundgesetz Art. 1. Helmut Schmidt hält christliche Mission daher für Missbrauch und nimmt die Religionen in die „Verantwortung“. Danke Helmut.

Da lässt man im Gefängnis einen Industrieroboter die Bibel erneut drucken, wo ich zu ihrer Einstampfung rate. Ai Weiwei „ehrt“ Luther, weil der ja wie auch er zeitweilig inhaftiert gewesen war. Antje Majewski pflanzt einen Apfelbaum. Das ist eine niedliche Verbeugung in Richtung Luther.

Nicht niedlich ist Luther. Er ist  der Vordenker der Nazis und sprach sich bibelkonform und damit „gottkonform“ für eine Vernichtung der Juden aus.  Luthers „Gott“ ist für deren Vernichtung in einem ewigem Feuer. Sie seien angeblich nach Joh. 8,44 „Söhne des Teufels“. Luther tritt für eine solche Vernichtung der Juden schon auf Erden ein. Mit seinem Satz, man solle die Wohnungen der Juden anzünden, ist er der Vater der Reichskristallnacht. Zusätzlich wird Luther zum Mittäter an Auschwitz. Wenn man Juden „auf der Straße treffe“, so stand es als Luther-Zitat in der Die Welt, solle man sie „erschlagen wie Ratten“. Dass die führenden Nazis sich  in den Nürnberger Prozessen auf den „Reformator“  beriefen, nutzte ihnen allerdings nichts. Sie wurden nach 1945 nicht mehr als Avantgarde hofiert. Ihr Zeit war vorbei, wie auch Luthers Zeit als Neuerer längst vorbei sein sollte. Längst habe ich meine Kirche, deren Mitglied ich durch den Taufakt bedauerlicher Weise lebenslang bleibe, gebeten, den Namen Luthers aus ihrem Namen zu streichen. Man sollte eine Täterschaft an Auschwitz doch durchgehend kritisch beurteilen und nicht vermeintlich avantgardetypische  Gesichtspunkte in den Vordergrund des geschichtlichen Rückblickes rücken.

Luthers angeblicher Verdienst war alleinig, hiesige Geldströme, die nach Italien in den Vatikan flossen, in die Taschen der hiesigen Kirchen umzuleiten, damit man hierzulande Kirchen wie die Frauenkirche wieder errichten kann.  Noch immer haben wir den Ablass in der BRD in Form der evangelischen und katholischen Kirchensteuer. Und mit ihr erpressen beide Amtskirchen ihre Gläubigen. Zahle man nicht mehr, so ist das lt. Bibel eine schwere Sünde. Ja die katholische Kirche versperrt ihren Schützlingen nach einem Einstellen ihrer Zahlungen den Zugang zu einer vergebenden Beichte, einem „Sakrament“, das sie vor einer ewigen Hölle retten könnte. Damit steht, so die Kirchen-Reklame, das Höllentor weit für die nicht Zahlungswilligen offen. Denn man macht es ja mit dem Ehemann nicht immer nur zum Kinderzeugen, sondern auch mal nur so. Und sie, diese sexuelle Großsünde im Ehebett, kann man dann nicht mehr beichten. Nach Johannes 20 ist übrigens eine Vergebung durch einen Kirchenmann genauso wirksam wie eine solche durch einen Jesus am Jüngsten Tag. Das haben die Bibelautoren  doch sehr intelligent eingefädelt. Kleriker sind fast wie Gott. Sie sind so gut wie göttlich. Ja jeweils einer maßt es sich auch an, der „Stellvertreter“ dieses Gottes zu sein. Doch das ist ohne die Unterschrift dieses Gottes natürlich sehr fragwürdig, wenn nicht gar eine Anmaßung. Die Kirchensteuer ist analytisch gesehen Angstgeld und kein Liebesgeld. Den Gott der Bibel kann man unmöglich lieb haben. Ich denke da an die Sintflut, Sodom und Gomorrha und die ewige Hölle.

Eine weitere schreckliche Kehrseite Luthers liegt in einer nochmaligen Verschärfung des christlichen Glaubens.  Daher bevölkern  mehr protestantisch erzogene kirchenkranke Patienten unsere geschossenen Psychiatrien als katholisch indoktrinierte. Luther versperrte den Weg zu diversen irdischen Vergebungsritualen als da sind die vergebende katholische Beichte, der Ablass und der Segen Urbi et Orbi. So vertröstet Luther sündige Kinder auf die  Gnade eines Jesus. Auf die müssten sie allerdings bis nach ihrem Tod warten. Und nur wenigen steht lt. Bibel, und das übersetzte Luther ins Deutsche, der Weg zur Gnade Jesu offen. Die allermeisten müssen in ein  rächendes ewiges Feuer, einen „Pfuhl“, der lt. Bibeljesus  den „Verfluchten“ zukommt. So steht es  in Matthäus 25. Ja, der Jesus der Bibel verflucht Andersgläubige. Die Bibel macht hier einen einfachen Handwerker, den historischen Jesus, zu einem Despoten. Dieser wüte laut dem Erzkatholiken Hans-Werner Deppe schlimmer als „Hitler“ in seiner Hölle, so zu lesen in Deppes Buch „Wie wird es in der Hölle sein?“, betanien. Immerhin bewirkte meine Anzeige Deppes wegen Kindesmisshandlung, dass das Buch im Buchhandel  neu nicht mehr käuflich ist. Es gibt es aber noch aus zweiter Hand.

Und was ist mit der evangelischen heutigen „Avantgarde“? Bischof Nikolaus Schneider kündigt in seinem Buch ein „ewiges Feuer Jesu“ für gewisse Sünder an. Auch ihn zeigte ich nach Abmahnungen an. Ich hielt das für meine Christenpflicht. Seine Vorgängerin im Amt des EKD-Vorsitzenden,  Margot Käßmann, schreibt etliche Bücher über ihren Gott und das Christsein. Dabei vermeidet sie es aber, und das ist unchristlich, das Thema Hölle aufzugreifen und es zuende zu diskutieren. Dass Gott in seiner Hölle mit Feuer quälen werde, glaube sie allerdings nicht, so Käßmann  in einem Interview. Das zu äußern ist zu wenig. Und es ist damit zu viel für unsere Kinder, ein Zuviel an Ungewissheit. Die Kirchenleitungen haben die Hölle weiter im festen Programm. Der Stellvertreter Benedikt zu seinen Untertanen: Wer die ewige Hölle leugne, der versündige sich gegen den Heiligen Geist – mit allen Konsequenzen.

So braucht es tatsächlich jetzt mehrere Reformer, die da tätig werden, wo Luther alles nur schlimmer machte. Ich helfe da gerne mit aus. Und ich  bin froh, dass ich hier auf wissenbloggt.de kämpferische Mitstreiter finde. Es ist ein Anfang beim Gang in die wirkliche Moderne, in eine Zeit der religiösen Aufklärung mit einem neuen Gottesbild. Wenn die nach Karl Jaspers größte Angst des Menschen als solche entlarvt und besiegt ist, dann werden auch meine Kollegen von der Psychiatrie wieder mehr Zeit haben für wirkliche Gespräche mit ihren Patienten. Heute füllen sie vorwiegend Rezepte über Neuroleptika und Antidepressiva aus. Und sie erkundigen sich nach deren Nebenwirkungen, die auch dann und wann den Exitus mit einschließen. Das ist dann juristisch eine unnatürliche Todesursache, da der Tod durch eine ärztliche Verordnung eintrat. Besser als die Gabe starker, oft persönlichkeitsumformender Medikamente ist eine Aufklärung über die Ursache psychischer Erkrankungen, wie ich sie über das Sacco-Syndrom seit gut 10 Jahren betreibe.

sdr

(Bilder: Sacco)

Frank Sacco ist Autor von Das Sacco Syndrom und Autor u.a. des Buches "Wenn Glaube krank macht", BoD, 404 Seiten, 12,99 €

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