Wahlkampf XVII – Stimmungmache mit/ohne Migrantenbildung

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guy-2557251_1280Hier geht es um die Art, wie mit Fakten Schindluder getrieben wird. Die Datengrundlage gibt keine ganz klaren Aussagen her, aber sie reicht immerhin, um sich damit politisch abzuwatschen. Der Terminus mit/ohne Migrantenbildung soll zweierlei besagen: Es wird eine Stimmungmache mit der Bildung gemacht, und die Aussage ist, die Immigranten seien ohne Bildung (Bild: StockSnap, pixabay).

Genauso wie das Bild ein Fake ist, ist auch das Gewese um die Bildung letztlich nur Fake. Im Einzelnen: Der Zeit-Artikel (1. Link unten) befasst sich damit, "wie die AfD mit falschen Zahlen Vorurteile schürt." Die AfD-Aussage ist, "zwei Drittel aller Flüchtlinge hätten keine Schulausbildung." Doch das ließe sich wissenschaftlich nicht belegen, kritisiert die Zeit.

Dieser Artikel hat über 1000 Leserkommentare hervorgerufen, unter denen sich viele erwähnenswerte Argumente finden. Erst einmal wird die Zeit selber zitiert (2.), "Zwei Drittel können kaum lesen und schreiben." In diesem Artikel von 2015 wird vielen Flüchtlingen eine miserable Schulbildung attestiert. Ein aktueller Focus-Artikel (3.) besagt, "laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) haben 59 Prozent der Geflüchteten vermutlich keine Schulbildung."

Man weiß es nicht

Die Leserkommentare amüsieren sich darüber. Die 2/3-These ließe sich wissenschaftlich nicht belegen, heißt es, und dann versuche die Zeit genau das; etwas wissenschaftlich nicht Belegbares wissenschaftlich zu belegen. Überhaupt, nicht nur die böse AfD nutze Zahlen für eigene Zwecke, die Bundesregierung mache das schon seit vielen Jahren (wb-Links unten Falschmeldungen). Die Bundesregierung mache es aber auf andere Weise – sie verschweigt. Z.B. werden nachziehende Familienangehörige nicht als Flüchtlinge geführt, warum eigentlich nicht?

Das eigentliche Argument, das sich in mehrfacher Form findet, ist aber die Ungewissheit. Wie soll man eine wissenschaftliche Untersuchung führen, wenn die Flüchtlinge sich weder ausweisen, noch ihre Behauptungen belegen können? Die AfD-Behauptungen seien genausowenig auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen wie die Angaben des BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) und der BA (Bundesagentur für Arbeit) (4.).

Ein Leser hat kürzlich eine offizielle Statistik aus einem Sozialministerium gesehen (für den internen Dienstgebrauch), in der die Schulabschlüsse von Flüchtlingen aufgeführt waren. 1/3 hatten demnach einen höheren Schulabschluss, 1/3 keinen Schulabschluss (oder nur wenige Jahre eine Schule besucht) und bei 1/3 gab es keine nähere Angabe. Bei der AfD wird das zu 2/3 ohne Schulabschluss, bei dem Zeit-Artikel wird das zu 2/3 gut Qualifizierten.

Aber selbst diese 2/3-Fakten sind zu hinterfragen. Es seien ja Daten über Menschen, die hier auf Zuruf mit einer neuen Identität ausgestattet wurden. Wenn über Identität, Alter und Herkunft gelogen werde, warum sollte dann ausgerechnet bei der Ausbildung die Wahrheit gesagt werden?

Das führt zu der amüsierten Feststellung, aufgrund der fehlenden Quellenangaben könne wohl nicht ausgeschlossen werden, dass der "gegenwärtige Stand der empirischen Forschung" gleichzusetzen sei mit dem aktuellen Stand der Selbstauskünfte über den Bildungsstand der Flüchtlinge.

Daten sprechen dagegen

Vielleicht doch nicht ganz. Wie schlecht die Schulbildung der Flüchtlinge ist, schreibt die Welt (5.). Die getesteten Achtklässler in Syrien seien etwa auf dem Niveau von Drittklässlern in Deutschland (und die Afrkaner noch schlechter). Während die deutschen Schüler im Durchschnitt einen Wert von 518,8 Punkten erzielten, lagen die Schüler in Syrien nur bei 379,3, gemessen mit dem TIMSS-Test (Trends in International Mathematics and Science Study). In Syrien schaffen demnach 65% der Schüler nicht den Sprung über das, was die OECD als Grundkompetenzen definiert.

Kein Problem, merkt ein anderer Leserkommentar an, im Prinzip wäre es sowieso egal, ob qualifizierte oder unqualifizierte Flüchtlinge ankommen. Ihnen solle Schutz gewährt werden, und wenn die Bedingungen in den Heimatländern es zulassen, sollen sie zurückkehren. Nur hatte die Bundesregierung etwas ganz anderes im Sinn: Nämlich sie dauerhaft in Deutschland anzusiedeln. Deswegen schwärmte man doch regelrecht, es kämen so viele Qualifizierte. Selbstverständlich würden das auch viele Flüchtlinge dann so sehen (und entsprechende Auskünfte geben).

Die Schwärmerei wird belegt mit einem Welt-Artikel von 2015 (6.), "Wirtschaft sieht Flüchtlinge als Fachkräftereservoir." Kommentar dazu: Dies Vorurteil wurde von den Medien 2015 mit dem "hohen Bildungsstatus" der Ankommenden geschürt, welches ebenso faktenfrei war wie das Vorurteil der fehlenden Bildung.

Konfusion der Daten

Bis jetzt zeigt der Schlagabtausch leichte Vorteile für den AfD-Standpunkt. Die schlechte Bildung der Flüchtlinge ist vielleicht nicht wissenschaftlich nachgewiesen, aber es zeigt sich eben doch, dass die Mehrheit der Immigranten von Asien und Afrika nichts weiß und kann, was hier gebraucht wird (während sie zuhause besonders hohe Brauchbarkeit hätten).

Das führt nicht nur zu der Frage, ob die gewollt negative Berichterstattung über die AfD zielführend ist? Denn der Zeit-Artikel ist nicht allein, auch andere Medien wie die Süddeutsche Zeitung können anscheinend keinen Bericht über die AfD verfassen, der auch nur das geringste Maß an Demokratie wagt, indem er missliebig Andersdenkende respektiert.

Dieses Skandalon ist klar aufgedeckt worden, und es geht trotzdem immer weiter damit (wb-Links Berichterstattung). Besonders gravierend ist, wie staatliche Stellen dabei mittun, und das betrifft jetzt nicht nur die Arbeitslosenzahlen (wb-Links gefaked). Die BA gehört allerdings ins Kreuzfeuer; eine Lesermeinung dazu: Aus der BA-Statistik lassen sich aufgrund des recht hohen Anteils von fehlenden Angaben nur bedingt Aussagen zur Bildungsstruktur der Flüchtlinge insgesamt ableiten – wenn das so ist, hätte man sich den ganzen Zeit-Artikel auch sparen können. Einen Artikel zu verfassen, der lediglich die Stimmung in der Bevölkerung aufhellen soll, ist nichts wert.

Genau das aber tun nicht nur Zeit und SZ. Auch die BA mit ihrem Pamphlet zur Fluchtmigration (4.) ist dabei. Wer da reinschaut, wird voll desinformiert. Alle Zahlen sind in diverse Rubriken, Sparten und Kategorien gegliedert, die den Leser zuverlässig daran hindern, einen Überblick zu gewinnen. Es werden verschiedene Begriffe für dasselbe verwendet, man zählt 497.000 oder auch 515.000 "Arbeitssuchende" und 208.000 "Arbeitslose" unter den Flüchtlingen. Die Beschäftigungsquote liegt bei 20% oder auch 11%, die Arbeitslosenquote wird mit 48% angegeben, eine Arbeitssuchendenquote gibt's nicht. Dafür sind omniöse Meldungen zu lesen wie: "Von September 2016 bis August 2017 konnten 636.000 Personen mit einer Staatsangehörigkeit aus den acht nichteuropäischen Asylzugangsländern (Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien) ihre Arbeitslosigkeit beenden."

Wer die BA-Schreibe kennt, der weiß, das heißt lange nicht, dass die einen Job gefunden haben. Die wurden bloß aus einem Zählfenster in ein anderes umgeschichtet, genauso wie viele Arbeitslose nicht in Hartz IV erscheinen, weil sie in "Maßnahmen" gesteckt werden. Was die BAMF mit ihren Zahlen kann (wb-Links Integrationsbetrug), das kann die BA auch. Es ist, als ob die Leute bei BAMF und BA nicht wüssten, wie man aus den Datenbergen die interessanten Informationen herausdestilliert

Aber das wissen die natürlich, sie tun's mit Absicht nicht. Es ist politisch nicht gewollt. Das erlaubt Medien & Politk ein von Fakten unbehelligtes AfD-Bashing. Zugleich erlaubt es der AfD, den Unwissenheitsspielraum für ihre Zwecke auszunutzen. Stimmungmache ist das richtige Wort dafür. Seriöse Information ist was anderes.

Was mehrere Leserkommentare besagten (und einige der vielen gelöschten Kommentare wohl auch): Ich will keine weitere Wirtschaftsimmigration, deshalb wähle ich AfD. Solange das mit Hilfe vor Ort verbunden wird, ist das ein Standpunkt, den anständige Menschen vertreten können. Die Stimmungmache will aber diesen Standpunkt ohne Diskussion diffamieren und verunmöglichen. Dabei kommt die FDP dieser Haltung inzwischen recht nahe. Die CDU tut zumindest so, aber solange Kanzlerin Merkel regiert, kann man sich bei der CDU auf nichts verlassen. So wird die AfD stark gemacht.

 

Links zu den Medien:

  1. Wie die AfD mit falschen Zahlen Vorurteile schürt (ZEIT ONLINE 18.9.): Zwei Drittel aller Flüchtlinge hätten keine Schulausbildung, behauptet die AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel. Das lässt sich wissenschaftlich nicht belegen.
  2. "Zwei Drittel können kaum lesen und schreiben" (ZEIT ONLINE 13.12.15): Viele Flüchtlinge haben eine miserable Schulbildung, nur zehn Prozent sind Akademiker. Das hat der Bildungsökonom Ludger Wößmann herausgefunden.
  3. Zahl arbeitsuchender Flüchtlinge ohne Schulabschluss ist höher als bisher bekannt (Focus Online 22.8.): Die Anzahl der arbeitssuchenden Flüchtlinge ohne Schulabschluss ist höher als bisher angegeben. Laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) haben 59 Prozent der Geflüchteten vermutlich keine Schulbildung.
  4. Fluchtmigration (Bundesagentur für Arbeit 8/17). Ein paar Zahlen aus der Datenflut: 2015 kamen 890.000 Flüchtlinge, 2016 kamen 321.000. Derzeit sind 497.000 "arbeitssuchend", die  Beschäftigungsquote unter den Flüchtlingen liegt bei 20% (woanders sind 11% angegeben). Die Arbeitslosenquote wird trotzdem nur mit 48% angegeben. Dabei werden 515.000 Arbeitssuchende und 208.000 Arbeitslose unter den Flüchtlingen gezählt, sowie 872.000 Leistungsberechtigte. Omniös die Meldung: "Von September 2016 bis August 2017 konnten 636.000 Personen mit einer Staatsangehörigkeit aus den acht nichteuropäischen Asylzugangsländern (Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien) ihre Arbeitslosigkeit beenden."
  5. So schlecht ist die Schulbildung von Flüchtlingen wirklich (WELT N24 30.12.15): Während die deutschen Schüler im Durchschnitt einen Wert von 518,8 Punkten erzielten, lagen die Schüler in Syrien nur bei 379,3. Der Unterschied von 139,5 Punkten lässt sich auch in Schuljahren ausdrücken. … Das bedeute, dass die getesteten Achtklässler in Syrien etwa auf dem Niveau von Drittklässlern in Deutschland seien.
  6. Wirtschaft sieht Flüchtlinge als Fachkräftereservoir (WELT N24 9.4.15): Deutschland gelte aufgrund seiner jahrzehntelang betriebenen Abschottungspolitik international noch immer nicht als ein Land, das Zuwanderer willkommen heiße. … "Wer gegen Flüchtlinge demonstriert, gefährdet seine Rente.“

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