Harmonische Höroskope

image_pdfimage_print

F-major_d-minor.svg

Die Bundestagswahl verlangt nach einer humoristischen Aufbereitung. Dazu hilft die d-Moll-Tonleiter, in der sich die Parteien am besten singen lassen. Ja, es geht um die Vertonung der Parteien und ihrer präsumptiven Koalitionen, damit der verzwickten Chose Harmonie abgewonnen werden kann. Weil sich das Ganze auf die Zukunft bezieht, ist auch von artgerechter Horoskopie die Rede, in dem Fall eben von Höroskopie (Bild: WarX, Wikimedia Commons).

Gemeinhin gilt d-Moll als ernste Tonart, das zeigt, wie sehr wissenbloggt die Parteien ernstnimmt. Mit dem angekündigten Humor passt das zusammen, denn Humor ist, wenn man trotzdem singt, auch in d-Moll. Die Tonleiter d – e – f – g – a – b – c – d hat ihre Halbtonschritte zwischen e und f und zwischen b und c. Gleich mal ausprobieren: Wie klingt AfD?

Umgesetzt ist a – f – d der Moll-Dreiklang: die Quinte, die kleine Terz und der Grundton von d-Moll. Soviel Harmonie – wer hätte das gedacht?

Für die weitere Intonisierung werden nun paar Annahmen fällig. Erstmal geht es um die sogenannte Solmisation der Tonstufen. Wie ging das nochmal? War es do – wah – diddy – diddy – dum – diddy – do? Nein, so ähnlich, do – re – mi – fa – so – la – ti – do. Für politische Zwecke wird die Transposition auf d-Moll fällig, d.h. das erste do kann weggelassen werden. Die AfD wird dann zu la – fa – re.

Und eine Koalition AfD / Die Linke? Wenn letzteres auf D L abgekürzt wird, ist wieder der Ton d dabei, und dann kommt l. L gibt's nicht, da heißt es halt kreativ sein. Also wird das la hergenommen, was Die Linke als d – a oder re – la intonisiert. In Koalition mit der AfD singt sich das dann als la – fa – re / re – la. Sehr harmonisch. Ob das eine Erklärung für versteckte Gleichklänge liefert?

Wenn Die Linke re – la ist, sind Die Grünen re – so, mit so für g. Das ist die Quart, also auch hübsch harmonisch. Die Harmonien hören gar nicht auf. Die Kolition Links / Grün klingt dann so: re – la / re – so. Und wenn noch die SPD mittun sollte, was sie ja nicht will, aber wer weiß?

Da werden nochmal ein paar kleine Annahmen fällig. Das S kann klarerweise als es angestimmt werden, als vermindertes e, wenn's auch mal Zwischentöne sein dürfen. Doch was ist mit dem P? In Ermangelung des Kammertons P muss das P interpretiert werden. Bei der Politik spielen Interpretationen eine genausogroße Rolle wie bei der Religion. Da fällt sofort auf, das P ist ein gehobenes D, mithin das d' eine Oktave höher. Das macht die SPD zu es – d' – d oder zu mi – re – re. Während die Oktave natürlich blendet, klingt der Halbtonschritt zum es nicht so schön. Da ist ein leichter Missklang in der rot-rot-grünen Koalition: mi – re – re / re – la / re – so. Und der Missklang geht von der SPD aus, wer sagt's denn.

Bei diesem Stand der Dinge ist die CDU dran. C ist klar, D ist klar, aber was ist mit dem U? Müssen nun die ganzen Tonlieferanten abgeklappert werden? Von da – doo – ron – ron über shubi – dubi und sha – la – la nach wop – bop – a – loo – bop – a – lop – bam – boom? Da gibt's noch was, das heißt ooh – poo – pah – doo, aber hilft das weiter?

Besser ist eine kleine Neuinterpretation, die das U als hochgedrehtes c anschaut, quasi das c' eine Oktave höher. Wenn die SPD ihr D zum P hochheben darf, kann die CDU ihr C ja wohl zum U hochdrehen. Voilà, damit ist die CDU singbar geworden: c – d – c' oder do – re – do. Sekunde, Grundton, Sept. Die Schlagermacher lassen solche Harmonien zurecht aus. Die große Koalition CDU / SPD klingt dann so: do – re – do / mi – re – re. Eigentlich kann sich das keiner lange anhören.

Und die alt/neue Koalition CDU / FDP? Die wird zu do – re – do / fa – re – re. Deutlich harmonischer. Das Problem ist nur das ewige do – re – do. Da fehlt sozusagen ein bissel diddy – diddy, damit die Politik vom ewigen Largo wegkommt zu einem Poco più con brio oder einem Allegro ma non troppo oder gar zu Doppio movimento.

 

Mehr Humor und weitere Links:

Mehr zum Thema:
Dieser Beitrag wurde unter Politik, Satire veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar