USA: Die Ungleichheit steigt weiter

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Viele amerikanische Sites hacken auf der Fed herum, weil sie in der Zinspolitik der US-Notenbank den eigentlichen Grund für den Niedergang der amerikanischen Mittelklasse sehen. Die Fed ist also der Übeltäter, weil sie durch ihre Niedrigzins-Politik die Märkte mit Geld überschwemmt und nicht schnell genug die Zinsen erhöht.

So argumentiert auch die krachlederne Site Zero Hedge: Die Fed-Politik des billigen Geldes hat nicht den versprochenen Wirtschaftserfolg gebracht. Das Gegenteil ist eingetroffen, besagt der neue Artikel Fed Stunner: Top 1% Of Americans Are 70% Wealthier Than The Bottom 90% (Zero Hedge 27.9.). Der Artikel bezieht sich auf die im Dreijahresrhythmus erscheinenden Federal Reserve Bulletins, die aktuell im September 2017 herausgegeben wurden. Das Bild ist von Seite 11 aus diesem Bulletin:

fedshares2013-2016

Die Kurven enthalten Sprengstoff. Sie zeigen, wie das obere Prozent immer mehr vom Gesamtvermögen der USA vereinnahmt. Es liegt jetzt bei 38,6%, genausoviel wie die nächsten 9 Prozent haben. Die unteren 90 Prozent besitzen immer weniger, jetzt nur noch 22,8% vom Gesamtvermögen. Wenn man diesen Betrag =100% setzt, liegen die oberen Einkommen bei 170%; daher die Behauptung, das reichste Prozent ist 70% reicher als die unteren 9/10.

Verkauft wird das ganz anders. Die Fed spricht von "Gewinnen auf breiter Basis bei Einkommen und Vermögen seit 2013". Wenn man genau hinschaut, landeten die Zuwächse aber nur bei den oberen 10 Prozent. Die unteren 90 Prozent haben gar nix gewonnen.

Das Bulletin geht in Einzelheiten, die aus europäischer Sicht nicht so interessant sind. Bei Zero Hedge werden sie detailliert abgehandelt, falls jemand das lesen möchte. Es betrifft schließlich das Kernthema der Site, "die Zerstörung der Mittelklasse", vulgo den noch nie dagewesenen Vermögenstransfer der Unter- und Mittelklasse zu den Reichen.

Die Fed, die mit ihren QE-Billionen dazu beiträgt, schreibt in ihrem Bulletin so ganz nebenbei von der zunehmenden Ungleichheit (auf S. 10 über den abgebildeten Kurven). Gemäß verschiedenen Messmethoden stellt sich demnach heraus, dass die Anteile der Reichen historische Gipfel erreicht haben (seit 1989). So viel Geld wie jetzt haben die Reichen noch nie gemacht. Das zeigt das Bild der Einkommensverteilung von Seite 10 des Bulletins:

fedincome2013-2016Seit 2013 stieg der Einkommensanteil vom oberen Prozent von 20,3% auf 23,8%. Damit kassieren sie fast so viel wie die nächsten 9 Prozent mit ihren 26,5%. Deren Anteil blieb über die Jahre stabil. Von den unteren 9/10 kann man das nicht sagen, die hatten schon über 60%, und nun unter 50%, genau 49,7% – so wenig wie nie (zumindest seit 1989).

All das verdankt sich nach Meinung von Zero Hedge der größten Vermögens-Blase, die 3 QEs mit ihren Geldschwemmen zustandebringen konnten. Immerhin ist es die Fed selber, die von der zunehmenden Ungleichheit spricht, wenn auch ohne Erwähnung von ihrer eigenen Mitwirkung daran.

Zero Hedge sucht nicht nach anderen Ursachen, dafür findet die Site ironische Worte: was für einen erstklassigen Job die Fed da abgeliefert hat ("bang up job"), um die größte Vermögensumverteilung der Geschichte zuwegezubringen. Untermalt wird das mit einer Kurve aus dem 2016 SCF Chartbook (Seite 44):

fedchart2016-Seit der letzten Finanzkrise 2007 haben 80 Prozent der US-amerikanischen Familien Vermögen verloren, nur die oberen 20 Prozent nicht. Die oberste Schicht von 90-100 Prozent hat den größten Teil vereinnahmt (710.000 $). Die zweitoberste Schicht von 80-90 Prozent hat moderat dazugewonnen (65.000 $). Alle niedrigeren Schichten haben verloren (60-80 Prozent: -61.000 $, 40-60 Prozent: -37.000 $, 20-40 Prozent: -27.000 $, 0-20 Prozent: -32.000 $ – die Zahlen stammen aus einer anderen Fed-Statistik).

Deshalb ist Amerika böse, sagt Zero Hedge und unterstellt der Fed gleich dazu, dass sie sich über die zunehmende Links-Rechts-Spaltung freut, die aus der Ungleichheit erwächst. Nämlich aus dem Grund, dass hinter all dem Links-Rechts der eigentliche Übeltäter Fed verschwindet.

Weil die EZB bei uns noch mehr QE treibt, gibt das immerhin zu denken.

 

Ähnliche Ergebnisse bringen:

  • Allianz Global Wealth Report 2017 (Allianz 26.9.): Dennoch bleiben die Vereinigten Staaten eines der Länder mit einer sehr ungleichen Verteilung. Dies zeigt auch der direkte Vergleich zwischen Median- und durchschnittlichem Netto-Geldvermögen pro Kopf: In der globalen Rangliste der reichsten Länder nach Median-Werten ständen die USA nicht auf Platz 1 – wie im Ranking nach Durchschnittswerten –, sondern auf Platz 13.
  • Global Wealth 2017 – Transforming the Client Experience (Boston Consulting Group 6/17):  The Share of Wealth Held by Millionaire Households Will Continue to Increase (auch wenn es nicht überall gleich verläuft).

Links dazu:

 

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