Islamisierung IV

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hijab-2312126_1280In den Artikeln "ISLAMISIERUNG" I und II hat der wissenbloggt-Gründer Frank Berghaus ein Bild der nicht stattfindenden Islamisierung entworfen, dem die aktuellen Fakten davongelaufen sind. Deshalb soll dieser Artikel von Wilfried Müller ein Gegenbild abliefern, mit aktuellen Zahlen und den zugehörigen Extrapolationen (Bild: ree_pilots, pixabay).

Ob der „Islamisierung" damit die Tüdelchen ausgezogen werden, mag der Leser selbst entscheiden. Die Fakten von „ISLAMISIERUNG“ I stammen von Anfang 2015. Sie gehen von 5% Moslemanteil an der deutschen Gesamtbevölkerung aus, mit überwiegend türkischem Migrationshintergrund. Zugleich wird die Geburtenrate der deutsch-türkischen Frauen mit 1.7 angegeben, gegenüber 1.3 bei den sonstigen deutschen Frauen. Diese Daten sind durch die Entwicklung seit 2015 völlig überholt. Hier sollen die neuen Zahlen dargestellt werden und auf dieser Basis eine grobe 10-jährige Prognose unternommen werden. Es geht also weniger um eine andere Einschätzung der politisch-religiösen Islamisierungstrends, sondern vor allem um die demografischen Veränderungen der Bevölkerung.

2015 wanderte mit den 890.000 Immigranten etwa 1% Muslime neu in Deutschland ein. 2016 und 3/4 von 2017 brachten noch einmal eine Zuwanderung von etwa 0,5%. Aktuell sind 6,5% Muslime in Deutschland, davon etwa 3% türkischstämmig. Aktuelle offizielle Zahlen sind nicht zu bekommen, da ist noch von 5% oder 6% die Rede, je nachdem, wo man nachschaut. Zur Geburtenrate gibt es nur eine neue Zahl, nämlich 1,5 Kinder pro Frau bundesweit. Und das geht kaum auf eine Änderung vom Reproduktionsverhalten der deutschstämmigen Frauen zurück, sondern vor allem auf die höhere Gebärfreudigkeit der Immigrantinnen, muslimisch wie christlich.

Selbst man weiter von den Geburtenraten 1,7 gegenüber 1,3 ausgeht, kommt die Langzeitwirkung nicht in "homöopathischen Dosen" daher. Vorausgesetzt, es findet keine Angleichung statt, würde das nach 5 Generationen zu 44% gegenüber 11% führen, also zu einer relativen Vermehrung auf das 4-fache. Beispiele wo sowas schiefging: Kosovo, Serbien, Libanon. Dort vermehrte sich die muslimische Bevölkerung so stark, dass sie die christliche überflügelte. Mit der ersten Wirkung, dass die demokratischen Wahlen ab dann muslimische Politik legitimierten, und mit der zweiten Wirkung Bürgerkrieg.

Die Probleme werden aber schon auf 10-Jahres-Horizont sichtbar. Als realistische Einschätzung darf man von 1% muslimischer Zuwanderung alle 4 Jahre ausgehen. Wenn der Familiennachzug kommt, kommt noch 1% mehr. Das macht 6,5% + 2,5% + 1% = 10% Muslime in 10 Jahren, mit dem Anstieg allein durch die Zuwanderung.

Das ist nicht alles. Man muss ja die Altersverteilung der Bevölkerung in Betracht ziehen. Die Greise sind zu 0% muslimisch, während die Jugend zu 20% muslimisch ist. Eine Daumenpeilung ergibt bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 80 Jahren in einer Dekade:

  • das Sterben vom obersten 1/8 mit 0% Muslimen
  • und das Nachrücken vom untersten 1/8 mit 23% Muslimen

Die 23% schätzen sich so: Bei der muslimischen Jugend ist die Hälfte geschlechtsmäßig gleichverteilt (Türken) und die andere Hälfte zu 2/3 männlich (Flüchtlinge). Die 20% Muslimanteil der Jugend liefern dann etwa 17% Musliminnen mit einer 4/3 höheren Geburtenrate, und das ergibt dann 23%. Durch die Alterung gibt es also eine Zunahme von 1/8 * 23% in 10 Jahren, rund 3%.

Für die grobe Extrapolation auf 10 Jahre kommt also eine Zunahme des Muslimanteils auf 13% raus. Das ist eine Verdoppelung gegenüber jetzt. Die Altersverteilung dürfte dann vorsichtig geschätzt 1/3 Muslime bei der Jugend ergeben. Noch einmal 10 Jahre weitergerechnet, kann der Anteil dann auf mehr als 1/2 steigen.

Das ist spekulativ, weil unbekannt ist, wie es mit dem Zuzug weitergeht, und weil unbekannt ist, wie sich die Muslime geburtenmäßig anpassen. Für die Gegenwart gibt es die Abschätzung, dass 80% der nicht muslimischstämmigen Jugend zu 80% religionsfrei sind und zu 20% christlich. Die 20% der muslimischstämmigen Jugend sind zu 20% religionsfrei und zu 80% muslimisch. Das ergibt

  • 80% * 80% + 20% * 20% = 68% religionsfreie Jugendliche,
  • 80% * 20% = 16% christliche Jugendliche sowie
  • 20% * 80% = 16% muslimische Jugendliche

In 10 Jahren wären die Zahlen bei gleichen Anteilen Religionsfreiheit 60% junge Religionsfreie, 13% junge Christen, 27% junge Muslime. So schlecht muss es aber nicht kommen. Vielleicht wirkt die Vernunft ja weiterhin auf eine Abnahme der Religiosität hin.

Dem steht aber eine starke politische Einheitsbewegung gegenüber, die kaum etwas unversucht lässt, um die Religion zu befördern. Nach der unausgesprochenen Maßgabe, am liebsten christlich, aber lieber muslimisch als gar keine Religion. Wenn's nicht die unausgesprochenermaßen beerdigte Willkommenskultur tut, könnte diese parteiübergreifende Agendasetzung zu enormen Verwerfungen führen.

 

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5 Antworten auf Islamisierung IV

  1. Die Darstellung von Wilfried Müller hat selbst bei Respektierung der Zahlenspielchen einen entscheidenden Schwachpunkt: Er setzt voraus, dass die seit 2015 angekommenden Flüchtlinge deutsche Bürger seien. Die geniessen aber laut Gesetz nur einen vorübergehenden Schutz bis sich die Situation in ihren Heimatländern stabilisiert hat. Dass nicht alle wieder zurückkehren werden ändert nichts an der Tatsache, dass sie – abgesehen von Einzelfällen – wohl keine Einbürgerung erlangen werden.

    Bei der BTW hatten wir 1,8 Millionen Muslime mit unterschiedlichem (meist türkischem) Migrationshintergrund. Und was haben die gewählt? Die 0,x% für BIG oder andere islamisch-politische Gruppierungen zeigen doch eindeutig, dass von denen keinerlei Gefahr für die demokratische Stabilität des Landes ausgeht.

    Und selbst bei den neu angekommenen Muslimen zeigt sich schon deutlich der von fowid dargestellte Trend, dass von den bereits vorher hier lebenden Muslimen knapp 50% so genannte Kulturmuslime sind – wie zB meine Frau. Die gehen nie in die Moschee, beten nie und nehmen allenfalls an den religiös vorgegebenen Feiertagen, die familiär geprägt sind, teil, also ganz ähnlich der grossen Zahl von Kulturchristen in D. Eine "Islamisierung" (und ich behalte die Anführungsstriche bei) ist von denen nicht zu erwarten. Das reflektiert auch eindeutig die Situation in einem nun wirklich islamischen Land wie Tunesien, wo immerhin 73% der Bevölkerung dafür gestimmt haben, dass sich die Reliigion gefälligst aus der Politik herauszuhalten habe.

    Es gibt trotz der beobachtbaren Diaspora-Situation der Muslime in D keinen Grund anzunehmen, dass sich die dort ansässigen Muslime mehrheitlich etwa anders entscheiden würden.

    Das Schreckgespenst "Einführung der Shari'ah" ist also ebenso wahrscheinlich wie die Annahme, dass die PdH 2025 den Kanzler stellen würde.

  2. Wilfried Müller sagt:

    Frank: Die geniessen aber laut Gesetz nur einen vorübergehenden Schutz bis sich die Situation in ihren Heimatländern stabilisiert hat. Genau daran scheiden sich die Geister. Wer glaubt denn, dass sie vorübergehend da sind, wo sie doch alle integriert werden sollen? Wenn sie in Hartz IV oder vergleichbare Sozialhilfe kommen, wenn für sie Wohnungen gebaut werden, werden sie voraussichtlich auch eingebürgert. Wie wäre der Familiennachzug sonst zu erklären? Man sieht hier, wie unkalr die Politik die Situation gelassen hat, noch ein schwerer Vorwurf.

    Was Frank zu den Kulturmuslimen sagt, ist auch meine Meinung. Man muss da unterscheiden, Kulturmuslime und reaktionäre Muslime. Wenn die ersteren mal die Mehrheit haben, ist das nicht schlimmer als jetzt mit den Christen, das können alle aushalten. Das Problem sind die reaktionären Muslime, wie sie a) von den Erdoganoven herangezogen werden sollen, durch Indoktrinierung in Koranschulen und Medien, und wie sie b) bei den Flüchtlingen dabeisind, wieviele weiß man nicht, die Merkel-Doktrin sah keine Fragen danach vor. Von beiden geht derzeit eine Radikalisierung aus, da sehe ich eine echte Bedrohung, zumal der Mainstream das immer noch ignoriert.

    Insofern bin ich nicht so optimistisch wie Frank, zumal es immer wieder alarmistische Umfragen gibt, nach denen 50% der europäischen Muslime die Sharia gut finden. Auch ist mir die Situation in Tunesien nicht ganz geheuer; in Arabien sind starke Mächte am Intrigieren, die Saudis, wenn ich jetzt mal in Verschwörungstheorie machen darf.

     

  3. Die Sprach- und Integrationskurse dienen einzig dem Zweck, sie für die Dauer ihres Aufenthalts diese Gesellschaft verstehen zu lernen und spätar zurück in der Heimat mit den Deutschkenntnissen bessere Chancen zu haben. Sie sind keinesfalls ein Beleg dafür, dass man alle hier behalten will.

    Die Umfragen zur Wertigkeit der Shari'ah muss man auch richtig einordnen können. Das ist ja nun einmal kein kodifizierter Gesetzestext – wie manche glauben – sondern eine mehr oder weniger lose Sammlung von Verhaltensregeln. Da steht zum Beispiel auch drin, wie man "richtig" zu beten hat und wie man den Zaket richtig anwendet. Wir neigen dazu, immer diese Körperstrafen zum Masstab zu machen. Das ist auch für die weit überwiegende Mehrzahl der Moslems nicht akzeptabel. Also bitte Vorsicht mit solchen pauscheln Vorurteilen. Das sagt über die Einordnung in demokratische Verhältnisse nicht sonderlich viel aus.

    Ich bin in diesem Punkt absolut realistisch.

  4. Wilfried Müller sagt:

    Wie die Sharia sich auswirkt, sieht man ja im Iran und in Saudi-Arabien. Mein Eindruck ist, in den Gottesstaaten kann es kein freiheitsliebender Mensch aushalten, und ich hab beides kennengelernt.

    Ich bin ja dafür, dass es mit der Integration so ist, wie Du sagst, nur glauben kann ich es nicht. Das Willkommens-Dogma sagt doch was anderes, nämlich dass alle Welt herkommen kann, dass wir eh ein Einwanderungsland sind, dass man Grenzen sowieso nicht zumachen kann, und dass wir die Arbeitskräfte brauchen. Das ist in den Sphären der Bundestagsparteien und Leitmedien jahrelang vorgebetet worden, und Andersdenkende wurden jahrelang verunglimpft.

    Es gab und gibt immer noch keinen gesellschaftlichen Diskurs und keine demokratische Willensbildung dazu, alles ist unklar, und was die Merkel-Regierung tun wird, ist völlig ungewiss. Das ist mein Realismus.

  5. Es spricht ja nichts dagegen, dass wir in einigen Punkten diametral entgegengesetzte Meinungen haben. Die Zukunft wird es weisen.

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