Rezension zu „GOTTLOS GLÜCKLICH – warum wir ohne Religion besser dran wären“ von Philipp Möller

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u1_978-3-596-29880-8.60897921Diese Rezension von Dr. Gerfried Pongratz (10/2017) gilt Philipp Möller, dem Diplompädagogen, Bestsellerautor und überzeugten Atheisten. Möller war Pressereferent der »gottlosen« Buskampagne und arbeitet heute für die Giordano-Bruno-Stiftung. Der Verlag zitiert Möller: »Ich möchte zeigen, dass ein Leben ohne Gott für extrem viele Menschen absolut selbstverständlich und wunderschön ist, und ein Gegengewicht bieten zu religiöser Werbung, so wie sie heute – im Verborgenen wie im Öffentlichen – absolut wieder üblich ist.« Provokant, unterhaltsam und unkonventionell trifft Philipp Möller mit seinen Fragen und Thesen einen Nerv. Die Rezension von Gerfried Pongratz:

Philipp Möller: „GOTTLOS GLÜCKLICH – warum wir ohne Religion besser dran wären“

Wer die vorhergehenden Bücher „"Isch geh Schulhof", "Bin isch Freak?“ und „Isch hab Geisterblitz“ von Philipp Möller kennt, weiß, was ihn mit „Gottlos glücklich“ erwartet: Entlang persönlicher Erfahrungen und weiterführender Gedanken eine humorvolle, zuweilen auch bissige Auseinandersetzung mit einem ernsten Thema – hin zu einem Plädoyer für „ein erfülltes Leben ohne Gott!“

Frömmigkeit verbindet sehr, aber Gottlosigkeit noch viel mehr“ meinte Goethe, dem Autor gelingt es auf lockere Weise, diese Aussage unter Beweis zu stellen. Akteure wie Philipp Möller und Organisationen, wie die Giordano-Bruno-Stiftung (gbs), tragen wesentlich dazu bei, dass es zu „gottloser Fröhlichkeit“ (Adolf Holl) kommen kann und der Begriff „gottlos glücklich“ in den allgemeinen Sprachgebrauch Eingang gefunden hat. Möller schildert die Hintergründe und den Ablauf säkularer Kampagnen, die von der gbs durchgeführt wurden, oder im direkten Umfeld der Stiftung entstanden sind. Beginnend mit der viel beachteten “gottlosen“ Buskampagne beschreibt er sein persönliches – von vielen Mitstreitern und der gbs unterstütztes – Bemühen, ungerechtfertigte Kirchenprivilegien und absurde Glaubensdogmen mit den daraus resultierenden Widerständen gegen eine offene Gesellschaft und einen weltanschaulich neutralen Staat aufzuzeigen, bzw. zu bekämpfen.

Knapp 40% aller Deutschen fühlen sich keiner Religion zugehörig und dennoch besitzen die christlichen Religionen (Kirchen) nach wie vor in nahezu allen Bereich des Lebens und Zusammenlebens der – auch konfessionsfreien – Bürgerinnen und Bürger großen Einfluss und bestimmen und beeinflussen – vom Kindergarten bis zum Sterben – die Geschicke vieler Menschen. Obwohl im deutschen Grundgesetz eine Trennung von Kirche und Staat festgelegt ist und von den meisten Politikern die Aussage „Religion ist Privatsache“ bejaht wird, ist Deutschland nach wie vor eine „Kirchenrepublik“ mit vielen Facetten; mehrere Milliarden Euro müssen von den Steuerzahlern – auch von Atheisten – dafür jährlich aufgebracht werden (die Erklärung, wie und warum es dazu gekommen ist, bildet einen interessanten Teil der Ausführungen).

Ich möchte zeigen, dass ein Leben ohne Gott für sehr viele Menschen absolut selbstverständlich und wunderschön ist und auch, dass man nichts für wahr halten sollte, wofür es keine Beweise gibt“ lautet eine der Grundaussagen des Buches, das auch engagierte Kapitel gegen religiöse Indoktrination durch Pflicht-Religionsunterricht sowie gegen Islamismus und Fremdenfeindlichkeit enthält und im Gegensatz dazu für Menschenrechte, Frauen Empowerment, Kinderrechte (gegen Zirkumzision) und die Möglichkeit eines selbstbestimmten Sterbens plädiert. Ob man ohne Glauben an Gott besser dran ist, müsse jeder für sich entscheiden, dass man aber ohne institutionalisierten Glauben, d.h., ohne Religion, besser fährt, steht für Philipp Möller, belegt mit geschichtlichen und zeitnahen Argumenten, fest. Beispielsweise hält er die Grundaussagen der christlichen Morallehre mit einer Unterscheidung zwischen Gut und Böse für gravierend falsch, da ihre Kriterien willkürlich sind und für die Gestaltung eines fairen Miteinander in unserer heutigen pluralen Gesellschaft nicht mehr ausreichen (Homosexualität z.B. ist nach christlicher Moral falsch, ethisch aber vollkommen unproblematisch). Die Alternative bietet ein ethischer Kompass, der in das Selbstbestimmungsrecht des Individuums fällt und fragt, ob eine Handlung fair oder unfair ist, bzw. ob durch sie die Rechte oder Interessen anderer verletzt, oder gewahrt werden.

Ein flott zu lesendes, in manchen Aussagen provokantes, dabei aber auch sehr informatives Buch, das gleichzeitig gut unterhält. Manche Passagen, vor allem zu den persönlichen Erlebnissen, sind etwas langatmig und manche Dialoge in direkter Rede wirken aufgesetzt. Eine deutliche Straffung mancher Textstellen hätte dem Buch gut getan, insgesamt bietet es aber interessante Einblicke in das Denken bekennender Atheisten und deren Ziele, Religionen in allen Lebensbereichen zu privatisieren, den Einfluss der Kirchen zurückzudrängen, Humanismus zu verbreiten, Aufklärung zu betreiben und zum Nachdenken anzuregen (ein wichtiges Element dazu bildet die Forderung, Pflicht–Ethikunterricht landesweit in allen Schulen und Schulstufen einzuführen).

 

Gerfried Pongratz

Philipp Möller: „GOTTLOS GLÜCKLICH – warum wir ohne Religion besser dran wären“, Fischer Taschenbuch, 2017, ISBN 978-3-59629880-8, 320 Seiten.

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