Goldman Sachs: Spiel mit dem Untergang

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Die Skandalbank Goldman Sachs ist ein Aushängeschild des Kapitalismus', weil sie es verstand, aus dem Niedergang der anderen Profite zu schlagen. Von ihr wurden deutsche Institute wie die IKB ruiniert, indem Goldman ihnen die toxischen Papiere aus der eigenen Fabrikation verkaufte. Goldman zahlte 150 Mio. Strafe an die IKB (und diverse 100 Mio. an andere), was nur einen Bruchteil der Mrd.-Profite ausmachte (Bild: Clker-Free-Vector-Images, pixabay).

Ein aktueller Artikel weist darauf hin, wie Goldman dasselbe Spiel derzeit wieder anleiert. Goldman Is Allowing Its Clients To Bet On The Next Financial Crisis (Zero Hedge 11.10.). Der Autor Tyler Durden ist der Zero-Hedge-Macher persönlich. Er findet harsche Worte, um Goldmans Treiben zu beschreiben:

Vor einer Dekade schäumten die Aktienindizes über, was eine Reihe von übergierigen 30-jährigen Hedge-Fond-Managern dazu trieb, das Anlagegeld ihrer Kunden in ultrariskante Investments zu stecken (AAA-subprimes). Zu gewinnen waren ein paar Extra-Prozentbruchteile im Verhältnis zu Staatsanleihen – gegenüber unbegrenzten Verlustmöglichkeiten. Zu diesem Behufe hatten die smarten Jungs eine Erleuchtung: Sie kreierten neue synthetische Derivate mit einer großen Unwucht zwischen Gewinnchancen und Risiken ("huge convexity, provide little upside versus unlimited downside"). Die wurden an die beschissenstmöglichen Werte geknüpft ("link them to the shittiest assets possible") und gebührenpflichtig an die naivsten, geldgierigsten Idioten verkauft ("sell them to gullible, yield-chasing idiots").

(Dazu gehörte die "dümmste deutsche Bank" IKB im Besitz der KfW unter der Vorstandssprecherin der KfW-Bankengruppe Ingrid Matthäus-Maier. Unter dieser Ex-Politikerin machte die KfW 2007 einen Jahresverlust von 6,2 Mrd. und 2008 von 2,7 Mrd. Als die KfW versehentlich noch 300 Mio. an die insolventen Lehman Brothers überwies, trat Matthäus-Maier "aus gesundheitlichen Gründen" zurück.)

Für die smarten Hedge-Fonds-Manager blieb die andere Seite des Geschäfts: enorme Profite, wenn's crasht. Die besagten Instrumente waren CDOs (beschrieben in Der Bankenkrise zum 10-jährigen Jubiläum – eine erschütternde Analyse und Der Bankenkrise zum 10-jährigen Jubiläum – die zweite erschütternde Analyse). Nachdem Goldman eine Menge davon verkauft hatte, brach das Finanzsystem zusammen und wurde mit dem Multi-Billionen Programm gerettet, von dem sich die Welt immer noch nicht erholt hat.

Und nun die Neuauflage, diesmal mit Wetten auf quasi-insolvente europäische Banken.

Wieder offeriert Goldman seinen Kunden Profitmöglichkeiten am kommenden Crash (wie auch JPMorgan). Das betreffende Derivat ist ein total return swap (TRS, feste gegen variable Zinsen getauscht), der stark gehebelt ist und so ähnlich funktioniert wie ein CDS (credit default swap, Kreditausfallversicherung). Gemeinsame Grundlage sind Schulden. Früher waren's Kreditschulden, jetzt sind's sogenannte additional Tier 1 notes (AT1), die seit dem europäischen Crash von den Banken ausgegeben werden. Diese Papiere wurden ersonnen, um den Steuerzahler gegen staatliche Rettungssubventionen (bailout) zu schützen. Sie können aber auch andersrum als Instrument zum bail in genutzt werden, und sie sind hoch verzinst (4,8%). Das macht sie weltweit attraktiv in Zeiten von Nullzins. Aber sie sind auch hochriskant, weil sie von den Finanzregulatoren gewöhnlich als erste ausgelöscht werden, sobald sich die leiseste Insolvenzrisiko abzeichnet (wie im Juni bei der Banco Popular Espanol).

Mit diesen Derivaten können Investoren bei Goldman und JPM auf hochriskante Bank-Bonds wetten (dafür und dagegen). Andere Banken drängeln sich schon, um bei dem Spaß mitzuhalten; sie eröffnen in den kommenden Wochen Märkte für die TRS. Hier zeigt sich nicht bloß die weltweite Hatz nach Rendite. Auch Investoren greifen zu, die sich absichern wollen, falls die Schuldzinsen fallen – oder falls die Banken wieder crashen. Die TRS bieten Wetten für Leute, die an steigende Profite beim Index glauben (index buyer) und solche, die aufs Sinken setzen (index seller). Der Artikel ergeht sich in einer näheren Diskussion von Vor- und Nachteilen gegenüber CDS, er rundet das mit Grafiken ab und kommt zu dem Schluss, etwas Neues wurde gebraucht – und das sind die TRS von Goldman.

Für Goldman zählt, dass der Markt boomt. Die Bank kann sich über die TRS sehr billig absichern. Und die Spekulanten, die auf Sinken setzen (go short), werden profitieren wie die Banditen ("make out like a bandit"), wenn die AT1-emittierenden Banken, wie z.B. die Deutsche Bank, in eine unerwartete Krise geraten.

Die Deutsche Bank ist bereits auf den TRS-Zug aufgesprungen. Das entbehrt nicht der Ironie, denn der größte Gewinn aus TRS fällt an, wenn die Bank in ein Liquiditätsproblem gerät und ihre AT1 ausgelöscht werden. Werden die Händler der Deutschen Bank nun gegen die Deutsche Bank spekulieren? Wenn sie das tun und Erfolg haben, wird es keine Deutsche Bank mehr geben, welche die Profite kassieren kann …

Wem das pervers vorkommt, der ist in den Niederungen des modernen Bankings nicht zuhause. Banken haben schon mit CDS gegen ihre eigenen Kunden spekuliert, weil die Insolvenz der Kunden dann mehr einbringt als das Kreditgeschäft. Nun ist also wieder die Jagdsaison eröffnet: Die kranken Banken werden gejagt, zuerst in der Eurozone, dann überall.

Nachdem Goldman Sachs sich schon mit der Bilanzfrisur bei der Aufnahme von Griechenland in die Eurozone hervortat, nachdem die Firma weltweit Kunden mit AAA-subprimes reinlegte und dann noch auf deren Konkurs wettete, hat sie sich nun ein schönes neues Betätigungsfeld geschaffen. Da kann sie mit neuen Betrugsmanövern Kunden und Allgemeinheit schädigen – zum Wohle des eigenen Profits.

 

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