Mediensubventionen umbauen: „Zeit“ statt GEZ!

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arrows-539917_1280Bei wissenbloggt wird gern herumgekrittelt, wie es dem selbstgestellten Anspruch von Rationalität & Aufklärung bei Kapitalismus, Migration und Religion zukommt. Dabei kommen auch die Medien ins Visier, die durchaus unterschiedlich abschneiden. Schlechtes Beispiel: GEZ-Nachfolger. Mittleres Beispiel: Süddeutsche Zeitung. Gutes Beispiel: die Zeit  (wb-Links unten).  In diesem Artikel wird nun dafür plädiert, von "schlecht" nach "gut" umzuverteilen (Bild: ZIPNON, pixabay).

Erst einmal ist ein Lob für die Zeit fällig, weil sie ein umfangreiches Leserforum unterhält. Da kommen leicht 1000 Leserkommentare zusammen, die gelesen, sortiert und ggf. auch entfernt werden wollen. Keine andere Redaktion hat ein vergleichbares Angebot. Die Welt macht sich auch die Mühe, dort gibt es aber weniger und (aus Sicht von wb) weniger gute Kommentare (der aktuelle Check am 20.+21.10. liefert nur eine Warteschleife). Die SZ hat eine gute Leserbriefseite, die aber oft nur die redaktionelle Meinung spiegelt und mit interessanten Meinungen eher haushält.

Wer wie der wb-Schreibknecht einige Zeit-Foren durchgelesen hat, der hat Stunden um Stunden in sehr interessanten Meinungswelten gesurft. Weniger erbaulich ist die fetzige Art, wie manche Foristen miteinander ins Gericht gehen. Wenn's hitzig wird, muss die Zeit-Redaktion allerhand Kommentare entfernen. Die Entfernungs-Meldungen häufen sich dann. Dazwischen Nickeligkeiten ("Die Erde ist rund?? Belege bringen!!" – "Das ist nur der unreflektierte Rechts-Mainstream!" – "Sie können anscheinend nicht lesen!" – "Nein, Sie!"). Dabei beharken sich die Foristen gegenseitig mit den pingeligsten Details. Im Fall Israel war die Diskussion sogar dermaßen vergiftet, dass sie ungenießbar wurde. Gemeinsam bei pro und contra war in dem Fall nur eins: Kompromissbereitschaft Null (wb-Links Israel).

Doch zumeist sind die Kommentatoren friedlich gesinnt, wenn auch oft kritisch. Da macht sich gern Ironie und Sarkasmus breit ("Die Forscher bei den '0,28 Nachzüglern pro Immigrant' waren wohl dieselben wie bei den 'hochqualifizierten Immigranten'?"). Humor gilt als Zeichen von Intelligenz (Plädoyer für Humor), und es ist eine Menge Intelligenz, Sachverstand und Scharfblick, was sich da zeigt. Keiner kann sich die vielen Argumente allein ausdenken, die prägnanten Formulierungen, die kenntnisreichen Anmerkungen. Schade, dass diese Goldgrube nicht weiter verbreitet wird.

Die Hürde dafür ist hoch. Auch wenn die Literatur faszinierend ist, kostet sie viel Zeit. Was da gebraucht wird, ist ein treuhänderisch Tätiger, ein emsiger Professor, der das alles liest, der Redundantes aussortiert und das Wichtige und Interessante identifiziert. Beiseite gehört das Hickhack um des Rechthaben willens, bewahrt werden muss das vielfach Gesagte wie auch das Originelle und das besonders Überzeugende. Das Excerpt sollte eine Zeitungsseite umfassen wie die Leserbriefseite bei der SZ, mit Argumenten zum Aufklappen, wie es die Zeit schon anbietet ("weitere 8 Kommentare").

Das würde diesen Schatz für andere zugänglich machen und die Zeit-Arbeit zu jedermanns Nutzen verbreiten. Zwischen solchem Informationsangebot und der massierten Meinungsmassage etwa von der Tagesschau ("Sandmännchen für Erwachsene") liegen Welten. Die Zeit gehört öffentlich unterstützt, wenn sie so erstklassige Informationsarbeit leistet. Andere Finanzierungen werden nicht greifen, wie etwa Zugangs-Zahlsperren. Dann kann's der eine lesen, der andere nicht, und es kommt sowieso nicht viel dabei rum. Von Finanzierung durch Werbung ist gar nicht zu reden, die Reklame ist schon penetrant genug. Also öffentliches Geld, bitte, für die Zeit, die Welt und andere, die solche Dienste leisten.

Öffentliche Knete gibt's in rauhen Mengen.

Wenn der Staat es will, purzeln die Milliarden aus allen Ecken, wie die Migrations-Diskussion klarmachte. Außerdem erheben die GEZ-Nachfahren ("ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice") eine Quasi-Steuer von 8 Mrd. pro Jahr, wobei auch diejenigen zum "Beitragen" genötigt werden, die kein Fernsehgerät besitzen. Damit wird ein Wildwuchs von öffentlich-rechtlichen Angeboten bezahlt, TV, Radio, digital: Eine unbekannte Zahl von Internet-Portalen, 67 Hörfunkprogramme und insgesamt 22 TV-Sender (ARD, ZDF, 9 dritte Fernsehprogramme, 3Sat, Phoenix, Ki.Ka, ZDFneo, ZDFinfo, ZDFmediathek, funk, sonstige Digitalkanäle, Arte zu 50%).

In einer Zeit, wo die Konsumgewohnheiten von der TV-Glotze weg ins Internet abdriften (bei der Jugend überwiegt letzteres bereits), ist es platterdings unangebracht, immer mehr staatliche TV-Sender immer teurer zu alimentieren. Und hunderte von Millionen für Sport- und Showstars auszuwerfen. Und jeden Tag Mordgeschichten zu verbreiten. Und Staatsmittel rauszuhauen, um im Internet zu dilettieren. Das ist übersubventionierung auf der GEZ-Seite, der die Unterfinanzierung auf der Zeit-Seite gegenübersteht.

Deutschland leistet sich die teuerste öffentliche Medienlandschaft der Welt – es sollte besser die beste sein. Das TV wird so exzessiv genutzt (>3 std pro Tag im Schnitt), dass es weniger Förderung bekommen sollte. Stattdessen sollte Lesen gefördert werden, speziell intelligentes. Ein paar kluge Köpfe zu subventionieren, kostet weniger als einen Haufen Alt-Parteibonzen mit überbezahlten Anstalts-Posten auszustatten (die Intendanten kassieren mehr als die Kanzlerin). Und die Medien-Gleichschaltung (wb-Links Berichterstattung) kann ganz leicht durchbrochen werden, wenn Foren kritischer Leser zum öffentlichen Genuss aufbereitet werden.

 

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