Ärgernis #MeToo: Missbrauch der Missbrauchten

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metoo-2859980_1280Bei wissenbloggt wurde schon Beschwerde geführt, dass der MeToo-Hype mit zweierlei Maß misst, weil er vergleichsweise lächerliche Luxusprobleme breitwalzt und die fundamentalen sexistischen Übergriffe totschweigt – der wissenbloggt-Artikel heißt Ärgernis übercorrecte Medienberichte. (Bild: surdumihail, pixabay).

In Deutschland leben Hunderttausende von reaktionären muslimischen Männern, die ihre fundamentalistischen Einstellungen direkt aus Afrika und Asien mitbrachten, oder die von Radio Erdogan indoktriniert wurden. Die Wirkung ist alltägliche Erniedrigung für Hunderttausende von Frauen und Mädchen hier in Deutschland – und die deutsche MeToo-Bewegung beliebt das komplett zu ignorieren.

Im Grunde reicht das, um zumindest den deutschen Zweig der Anti-Sexismus-Bewegung zu diskreditieren. Erschwerdend kommt noch hinzu, dass die Bewegung insgesamt einen Anruch hat. Seit die New York Times ein paar Artikel dazu veröffentlichte, weiß man, dass es um sehr viel Geld geht, um Schweigegeld:

  • A Long-Delayed Reckoning of the Cost of Silence on Abuse (NYT 22.10.): The report in The New York Times this weekend that Mr. O’Reilly paid $32 million in a single settlement with the former Fox News analyst Lis Wiehl in January brings to $45 million the amount that has been paid to six women who accused him of harassment.
  • Payoffs That Buy an Accuser’s Silence (NYT Letters 26.10.): Andrea Mackris, a Fox News producer who settled a harassment claim for $9 million, agreed to a statement that Bill O’Reilly was guilty of “no wrongdoing whatsoever.” (Das stammt aus einem Leserbrief.)
  • Statement by Mark Fabiani on Behalf of Bill O'Reilly Relating to the New York Times Smear Piece (Bill O'Reilly 21.10.): Here are the facts: after the Chairman of Fox News Roger Ailes was fired in July 2016, dozens of women accused scores of male employees of Fox News of harassment – including the current co-president of Fox News Jack Abernathy. 21st Century Fox settled almost all these cases, paying out close to $100 million dollars. Six months after Mr. Ailes left the company, Fox News Corporation signed Bill O'Reilly to a record breaking new contract after the company had analyzed and considered all allegations against him.
  • Sexuelle Übergriffe: Einer nach dem andern (Frankfurter Allgemeine zeitung 24.10.): In mindestens sechs Fällen habe O’Reilly Schweigegelder bezahlt, berichtet die „Times“ und nennt die unerhörte Summe von 32 Millionen Dollar. Bis dato war bekannt gewesen, dass der Moderator und der Sender Fox News seit 2004 insgesamt dreizehn Millionen Dollar an fünf ehemalige Mitarbeiterinnen gezahlt hatten, die im Gegenzug davon absahen, Klage zu erheben.

Was hier passiert, ist, Leute öffentlich an den Pranger zu stellen, oder sie mit der Androhung dessen zu erpressen. MeToo ist ein mächtiges Propagandainstrument, um Druck auf Schweigegeld-Zahlungen zu machen. Gewisse Damen lassen sich das Statement abkaufen, "der ist völlig unschuldig" (guilty of “no wrongdoing whatsoever”). Je bekannter MeToo ist, desto mehr Geld ist rauszuholen. Die Missbrauchten, die sich mit MeToo solidarisieren, können so zum Zweck des Geldscheffelns missbraucht werden.

Hinterher dann das selbstrechtfertigende Argument: Niemand zahlt 32 Mio. ohne Grund. Damit gibt er seine Verfehlung zu — oder ist er nur mit der Androhung einer Schlammschlacht erpresst worden?

Weil das alles über nichtöffentliche Vergleiche läuft, weiß man es nicht. Das Argument müsste doch eher sein, eine Belästigung ("harassment") wird wohl kaum Millionen wert sein, aber eine Erpressung mit Rufschädigung sehr wohl.

Wo ist eigentlich die Unschuldsvermutung geblieben? Ansonsten wird doch immer von mutmaßlichen Tätern und vermeintlichen Taten geredet. Hier wird international so getan, als könne man von erwiesenen Tatsachen ausgehen. Was dabei rumkommt, ist "der O'Reilly / Weinstein / Abernathy / Sonstwer ist ein sexistisches Schwein, bei mir war's auch so".

Die New York Times hat sowieso ihre Reputation ruiniert, weil sie in Sachen Trump-Bashing eine Verschwörungstheorie verbreitet, nach der Trump von Russland gesteuert wäre, eine Schlammschlacht ohne Beweise. Wo nun mit der Androhung einer sexistischen Schlammschlacht Kasse gemacht wird, lässt sich die NYT wieder vor den Karren spannen.

Ebenso die Leitmedien hierzulande. Man findet dort weder Kritik an der Unausgewogenheit von MeToo, noch daran, dass damit das Geschäft von cleveren Ausbeuterinnen betrieben wird. Nicht mal der Hashtag #MeToo ist originär; der wurde von jemand anders geklaut (Meet the woman who coined 'Me Too' 10 years ago — to help women of color, Chicago Tribune 19.10.).

So sehr der Sexismus zu verurteilen ist – MeToo ist ein echtes Ärgernis.

 

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