Kopftuch: chicer islamischer Dresscode oder Zumutung?

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Alle halbe Jahre wird über das Kopftuch gestritten, und momentan herrscht wieder eine Phase des besonders blühenden Befindlichkeitsbewusstseins.

Das sieht man an der MeToo-Debatte, wo es vordergründig um Sexismus geht und hintenrum um Religionsblindheit & Abzocke (wb-Links unten MeToo, Bild: Alexis, pixabay).

Beim Kopftuch geht es vordergründig um religiös vorgeschriebene Kopfbedeckung und hintenrum um Unterdrückung & Signalverbreitung. Dabei ist es mit den religiösen Vorschriften nicht weit her. Im Koran kommen Kopftuch, Niqab, Burka, Tschador und andere Körperverschleierungen gar nicht vor, sondern nur die Erfordernisse sittsamen und schamhaften, auf Koketterie und unnötige sexuelle Aufreizung der Männer verzichtenden, Betragens (1. Link unten).

Nicht etwa, dass MeToo derlei Erniedrigung anstößig finden würde, bewahre. Zu so etwas kommt von dort kein Pieps. Dabei hat sich z.B. Terre des Femmes gegen das Kopftuch positioniert (wb-Links unten Diskussion). Andere sehen das anders, z.B. das Bundesverfassungsgericht für Lehrer (2.). Für Studenten hat das Gericht nicht geurteilt, und deshalb konnte sich die folgende Farce abspielen.

An der Universität in Würzburg hatte die Politikprofessorin Gisela Müller-Brandeck-Bocquet alle Studenten im Hörsaal aufgefordert, ihre Kopfbedeckungen abzunehmen. Das taten auch alle, bis auf eine 19-Jährige Muslimin, die ihr Kopftuch nicht abnehmen wollte. Auch auf direkte Ansprache der Professorin weigerte sie sich. „Nein“, die Professorin hätte kein Recht, das zu verlangen. 

Die Situation schaukelte sich auf, es wurde argumentiert. Die Uni sei ein säkularer Raum, religiöse Symbole hätten dort nichts zu suchen. Es gab einen Eklat, einige Studenten verließen die Vorlesung, um die junge Muslimin zu unterstützen. Sie selber blieb sitzen.

Der Vorfall wurde unverzüglich verbreitet, nicht nur an der Uni, sondern in ganz Deutschland. Ein Eintrag im Studenten-Netzwerk Jodel heißt „Wenn die Professorin eine Kommilitonin wegen ihres Kopftuchs angreift und der halbe Hörsaal den Raum verlässt“, er bekam über 600 Likes und und über 400 Kommentare.

Angeblich vertreten die Studenten der Uni einheitlich die Meinung, das Verhalten der Professorin sei nicht in Ordnung gewesen. Die Bitte der Professorin, das Kopftuch abzunehmen, greife in die Religionsfreiheit ein, damit sei eine Grenze überschritten worden. Ein Cap auf Aufforderung abzunehmen wäre danach ok, aber nicht ein Kopftuch.

So beschreiben es Artikel aus der Süddeutschen Zeitung (3.). und von der Zeitschrift Focus (4.). Die Professorin habe jede Gelegenheit genutzt, um Studenten zu ermahnen, für Zuspätkommen, Essen oder Trinken im Hörsaal und andere Kleinigkeiten. Gar so einheitlich war die Reaktion auf das autoritäre Auftreten aber nicht. In den Kommentaren des Focus-Artikels äußert ein Kommentator, die Professorin verdiene jede Unterstützung, im 21.Jahrhundert habe eine mittelalterliche Ideologie an unseren Universitäten nichts zu suchen, und  erst recht keine provokativen Symbole davon.

Eine Studentin wird auch damit zitiert, dass sie nicht wisse, wie so etwas wie Kopftuchtragen im 21. Jahrhundert sein kann. Eine andere findet die Aktion dagegen nicht schön, sondern diskriminierend, aber sie lobt die Uni für ihre Klarstellung, dass ein Kopftuch im Unterricht sehr wohl erlaubt sei.

Dem musste sich die Professorin anscheinend fügen. Sie las einen Entschuldigungsbrief an die 19-jährige Muslimin laut vor. Das Publikum füllte den ganzen Hörsaal, nicht nur Studenten, sondern auch Sensationslüsterne. Sie bekamen zu hören, wie die Professorin zu Kreuze kroch und sich für ihre direkte Konfrontation und "Bedrängung" und "Diskriminierung" entschuldigte. Der Focus vermisst trotzdem die "wirkliche Reue" und spürt "Trotz" in der Reaktion der Professorin.

Die Professorin habe ihre wirkliche Aufgabe nicht erfüllt, Toleranz zu lehren, wird eine Studentin zitiert. Das Ganze wird nun hochgespielt zum allgemeinen Thema. Weil es alle Kopftuchträgerinnen der Uni betreffe, sei es ein allgemeines Problem.

In Sachsen-Anhalt kommt man dem Problem anders bei (5.), dort will die Regierung die Vollverschleierung auf eigene Faust aus Schulen verbannen. Von Kopftüchern an der Uni ist aber nicht die Rede.

Auf alle Fälle berührt der Stoff empfindliche Zonen, wie die aufgeregten Reaktionen klar machen. Immerhin ist es nicht so schlimm wie bei MeToo, denn von irgendwelchen Schweigegeldzahlungen in Sachen Kopftuch-Verstöße ist nichts bekannt.

 

Hier ein Text von Klarsicht vom 30. Oktober 2017, in dem er das Kopftuch als Diskriminierung beschreibt:

Diskriminierung von Männern und „Ungläubigen" seitens Muslimas durch deren „Verkleidung".

Die Tatsache, dass es gegenwärtig zu beobachten ist und es auch schon in der näheren Vergangenheit zu beobachten war, dass sich in Deutschland und anderen westlichen Ländern muslimische Mädchen und Frauen (Muslimas) mit zunehmender Tendenz mehr oder weniger vollständig „verhüllen“ (z. B. durch Kopftuch, Burka und Bukini), hat seinen primären Grund sicher darin, dass sie es, religiös motiviert, vermeiden wollen, dass insbesondere ihre männlichen Mitmenschen und sogenannte „Ungläubige“ beiderlei Geschlechts sie in dem äußeren Erscheinungsbild in Augenschein nehmen können, wie es ganz normale und ortsübliche Kleidung möglich machen würde. Als „ungläubig“ gelten Frauen und Männer, die keine Muslime sind und wohl auch Muslimas, die keine „Verhüllung“ tragen, die sie als Muslimas ausweisen würde.

Der Dünkel, der durch die „Verhüllung“ der Muslimas zum Ausdruck gebracht wird, hat seinen Ursprung in dem Glaubenssystem (1), dem die Muslimas regelmäßig schon in frühester Kindheit unterworfen wurden. Dem Glaubenssystem können die Muslimas explizit und implizit entnehmen, dass Muslime / Muslimas im Verhältnis zu sogenannten „Ungläubigen“ beiderlei Geschlechts eine herausgehobene Position inne haben (z. B. Sure 3, Vers 110). Dabei ist es völlig unwichtig, dass in dem Maße, wie sich z. B. Muslimas gegenüber Männern und sogenannten „Ungläubigen“ beiderlei Geschlechts als qualitativ bessere Menschen empfinden und deswegen meinen, sich ihnen gegenüber durch eine „besondere Kleidung“ abgrenzen zu dürfen, sie diese Menschen im gleichen Maße in ihrem Menschsein qualitativ abwerten.

Neben der Diskriminierung durch die Abwertung in ihrem Menschsein werden Männer und sogenannte „Ungläubige“ beiderlei Geschlechts durch die „Verhüllung“ der Muslimas zusätzlich noch auf dreifache Art und Weise objektiv diskriminiert, auch wenn die Diskriminierung möglicherweise subjektiv mehrheitlich nicht von den Betroffenen wahrgenommen wird.

Wer sich einmal sorgfältig nachdenkend den Grund für die „Verhüllung“ der Muslimas durch den Kopf gehen lässt, dem müsste der Grund eigentlich als menschenverachtend, diskriminierend und fast schon als krank erscheinen, wenn er einigermaßen klar und vernünftig nachgedacht haben sollte. Denn wie kann der Grund dafür anders wahrgenommen werden ?

Wodurch ist die jeweilige Diskriminierung gegeben ?

  1. Durch die negative Tatsache, dass sich die Muslimas allein durch die bloße Existenz von Männern und sogenannten „Ungläubigen“ gezwungen sehen müssen, im öffentlichen Raum die „Verhüllung“ tragen zu sollen, von der sie vor ihrem religiösen Glaubenshintergrund meinen, dass es die richtige sei. Die Schuld für das, zu dem sich die Muslimas hier gezwungen sehen, werden sie natürlicherweise auf die Männer und „Ungläubigen“ projizieren!
  2. Durch die negative Tatsache, dass ständig die Möglichkeit vorhanden ist, dass die Muslimas durch ihre „Zwangsverkleidung“ vielfältige, mehr oder minder große Beeinträchtigungen bei ihrer Teilnahme am öffentlichen Leben zu erdulden haben, die bei ihnen z. B. Frust, Unmut oder sogar Feindschaftsgefühle entstehen lassen können. Auch für die negativen Folgen, die für die Muslimas wegen ihrer „Verhüllung“ eintreten können, werden sie natürlicherweise die Schuld auf die Männer und „Ungläubigen“ projizieren!
  3. Durch die negative Tatsache, dass den Männern und sogenannten „Ungläubigen“ deutlich gemacht wird, dass ihre Existenz der Grund für die „Verhüllung“ darstellt, und durch die negative Tatsache, dass es ihnen zugemutet wird, einen derart gegen sie gerichteten, menschenverachtenden Grund ertragen zu müssen. Das alles nur, weil es die Muslimas für sich offensichtlich als partiell schädlich empfinden würden, wenn sie von Männern und sogenannten „Ungläubigen“ in dem äußeren Erscheinungsbild in Augenschein genommen werden könnten, wie es ganz normale und ortsübliche Kleidung möglich machen würde.

Eine Muslima übertreibt maßlos, wenn sie die mögliche Inaugenscheinnahme ihres normalen äußeren Erscheinungsbildes durch Männer und „Ungläubige“ als derart schädlich beurteilt, dass sie sich dadurch veranlasst sieht, sich durch „besondere Kleidung“ (z. B. Kopftuch, Burka und Burkini) in ähnlicher Art und Weise zu schützen, wie man es etwa prophylaktisch gegen Krankheiten, Viren und Bakterien zu tun pflegt. Das Verhalten der Muslimas gegenüber Männern und sogenannten „Ungläubigen“ ist somit klar als abwertend, menschenverachtend und diskriminierend zu be- und verurteilen!

Jede Muslima, die Wert darauf legt, sich in die westliche Gesellschaft, in der sie lebt, zu integrieren, sollte sich bemühen, es nicht als partiell schädlich zu beurteilen, wenn Männer und „Ungläubige“ beiderlei Geschlechts sie in dem äußeren Erscheinungsbild in Augenschein nehmen könnten, wie es normale und ortsüblich Kleidung möglich machen würde. Sie sollte versuchen zu akzeptieren, dass es in westlichen Gesellschaften als völlig harmlos und normal gilt, wenn ihre Mitglieder ihr äußeres Erscheinungsbild wechselseitig in Augenschein nehmen. Aus der Akzeptanz sollte dann der Verzicht der Muslimas auf eine „Verhüllung“ hervorgehen.

Irgendeine zivil- oder strafrechtliche Norm wird gegenüber Männern und sogenannten „Ungläubigen“ beiderlei Geschlechts durch diese Diskriminierungsarten zwar nicht verletzt, aber sie sind signifikant dafür geeignet, z. B. die zwischenmenschlichen Beziehungen nachhaltig zu vergiften, was inzwischen schon mehr oder minder leider geschehen ist.

Im übrigen stigmatisieren sich Muslimas in westlichen Gesellschaften durch ihre „Verhüllung“ selbst, wenn hinter der „Verhüllung“ kein fremder Wille, sondern nur ihr religiöser Glaube steckt.

Wird die „Verhüllung“ aufgrund fremder Intention getragen, so könnte man sich an die „Nazi-Zeit“ erinnern, in welcher es Menschen mit jüdischem Hintergrund in menschenverachtender Weise durch das „Nazi-Regime“ zur Pflicht gemacht wurde, ihre äußere Kleidung mit einem „gelben Sterns“ zu versehen. Sie wurden also gezwungen, sich selbst zu stigmatisieren.

Müssen Muslimas die „Verhüllung“ also aufgrund fremder Intention tragen, dann ist der Sachverhalt vornehmlich ihnen gegenüber als menschlich abwertend, menschenverachtend und diskriminierend zu be- und verurteilen und weniger gegenüber Männern und sogenannten „Ungläubigen“ beiderlei Geschlechts!

„Liebhaber(innen)“ der in Deutschland und in anderen Ländern dominierenden Religionen werden durch den Inhalt von ihnen explizit dazu angestiftet, sich als auserwählt betrachten zu sollen (1). Das führt bei einer mehr oder weniger großen Anzahl der „Liebhaber(innen)“ dazu, scheinbar zwanghaft ihre religiöse „Liebhaberschaft“ äußerlich sichtbar machen zu müssen. Deswegen hat man es bei ihrem äußeren Erscheinungsbild oft mit skurrilen Accessoires, Kleidungsstücken und skurrilem Verhalten zu tun.

Links von Klarsicht:

Medien-Links:

  1. Koranische Basis des Kopftuchs (Deutsche Islam Konferenz). Demnach werden 3  Textpassagen des Korans herangezogen, Sure 24, Vers 31 und Sure 33, Vers 53 und 59. Dabei geht es darum, "den Musliminnen insgesamt die Erfordernisse sittsamen und schamhaften, auf Koketterie und unnötige sexuelle Aufreizung der Männer verzichtenden, Betragens vor Augen" zu führen. Und es "ergibt sich, dass keiner von ihnen (den texten) die Kopfverschleierung explizit vorschreibt." Das muss von zusätzlichen Bestimmungen hergelaitet werden, aus dem Hadīth, der Überlieferung über die Worte und die als vorbildhaft erachteten Handlungsweisen des Propheten.
  2. Ein pauschales Kopftuchverbot für Lehrkräfte in öffentlichen Schulen ist mit der Verfassung nicht vereinbar (Bundesverfassungsgericht, Pressemitteilung Nr. 14/2015 vom 13. März 2015, Beschluss vom 27. Januar 2015, 1 BvR 471/10, 1 BvR 1181/10). Demnach können religiöse Bekundungen von Lehrern nur dann verboten werden, wenn davon eine konkrete Gefahr für den Schulfrieden oder die staatliche Neutralität ausgeht.
  3. Würzburg – Kopftuch-Streit: Professorin entschuldigt sich bei Muslima (Süddeutsche Zeitung 1.11.): Eine Professorin in Würzburg forderte eine muslimische Studentin auf, ihr Kopftuch während der Vorlesung abzunehmen. Religion gehöre nicht in den säkularen Raum einer Universität, so ihr Argument. Nachdem der Vorfall Wellen schlug, hat die Professorin in einer E-Mail an die Studentin und die Fachschaftinitiative um Entschuldigung gebeten, und die Studentin hat die Entschuldigung angenommen.
  4. An Würzburger Uni – Nach dem Kopftuch-Eklat: Professorin entschuldigt sich und reagiert jetzt trotzig (FOCUS-Online 9.11.): An der Universität in Würzburg gibt es seit gut zwei Wochen nur noch ein Gesprächsthema. Nämlich die Kopftuchdebatte.
  5. Integration – Sachsen-Anhalt: Koalition einigt sich auf Burkaverbot an Schulen (Junge Freiheit 7.11.): Sachsen-Anhalts schwarz-rot-grüne Koalition hat sich auf ein Vollverschleierungsverbot in Schulen und an der Wahlurne geeinigt. „Zur Integration gehört für mich: Wir sind eine offene Gesellschaft, hier zeigt man Gesicht.“

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2 Antworten auf Kopftuch: chicer islamischer Dresscode oder Zumutung?

  1. Klarsicht sagt:

    "Ein Kind mit Kopftuch ist Missbrauch":

    https://hpd.de/artikel/kind-kopftuch-missbrauch-14980

    Ja, es wird von Erwachsenen im öffentlichen Raum als „Transportmittel“ eines Aspekts aus einer religiösen Ideologie missbraucht. 

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