Deutschland erringt (inter)sexuelle Führerschaft

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woman-845850_1280Die Gender-Bewegung hat vor Gericht einen weiteren Erfolg erstritten. Das Bundesverfassungsgericht fordert für den Eintrag im Geburtenregister ein drittes Geschlecht – eine unausgegorene und inkonsequente Entscheidung. Denn die Gender*innen zählen längst 60 menschliche Geschlechter (wissenbloggt-Links unten Gender-Kritik, Bild: Comfreak, pixabay).

Die müssen aber alle mit den beiden vorhandenen Personalpronomen er und sie auskommen, es sei denn, die Gendersleut erfinden noch ein paar dazu. Auch sind nur die Artikel der, die, das verfügbar, während man/frau/weißnichwas geschlechtsspezifische Wortendungen in den komischsten Ausprägungen ersannen ("VerbraucherInnen", "Arbeiter_innen", "Krankenschwester/innen", "Mitglieder*innen" und "Einwanderinnen und Einwanderer").

Dabei war die rechtliche Regelung bisher schon ganz ok. Die Namensregelung wurde längst liberalisiert. Seit 2008 wurde den Eltern auf Entscheid vom Bundeverfassungsgericht erlaubt, ihre Kinder nicht mehr eindeutig männlich oder weiblich zu benennen. Uneindeutige Vornamen müssen seitdem nicht mehr durch einen eindeutigen Zweitnamen eingeordnet werden. Geschlechtsneutrale Vornamen wie Kim, Dominique, Jona können jetzt ohne Zusatz vergeben werden.

Falls das nicht Fortschritt genug war, wurde auch der Zwang zur Kategorisierung aufgehoben. Die Standesbeamten müssen Neugeborene nicht mehr entweder als männlich oder als weiblich eintragen. Seit 2013 dürfen sie diesen Eintrag offen lassen.

Die Rede ist nun von Verletzungen des allgemeinen Persönlichkeitsrechts und des Diskriminierungsverbots, wenn dieser Geschlechtseintrag offen bleibt. Davon kann man sich z.B. in einem Artikel der SZ überzeugen (1. Link unten). Dass die Sache nur Promillebruchteile der Bevölkerung betrifft, zeigen weitere Artikel (2.-4). Dort finden sich auch die Antworten zu den wichtigsten Fragen betreffs der 60 Varianten von Intersexualität. 

Das Bestreben, es allen recht zu machen, mag löblich sein. Aber macht es auch einen Sinn? Es wird doch hoffentlich nicht der Einstieg in neuen Wortwahnsinn sein, der alles und jedes mit Correctness besudelt? Er, sie, ser, eie usw. 60-fach? Welcher Ausländer soll so eine Sprache noch lernen?

Es ist ja auch nicht so, dass nun 3 Geschlechter an den Start gehen, wo gerannt oder gefußballert wird. Zu überlegen wäre, ob darin das richtige Kriterium steckt? Wenn sie kein Fußballteam von ihrer Sorte zusammenkriegen, dann gibt's auch keine spezielle Bezeichnung für sie?

Solche sportliche Argumentation wird wahrscheinlich nicht ankommen, denn die Protagonist*innen haben keinen Sportsgeist. Kein Fairplay, kein Pfiff bei Foulspiel, keine Rote Karte. Mit ihn*innen erringt Deutschland nicht bloß die (inter)sexuelle Führerschaft, sondern die correcte Führerschaft. Und das hat durchaus einen Anruch an die incorrecte Führerschaft von 1933, wie das bei autoritativer Führerschaft eben so ist.

Noch ein anderes Element kommt hier zum Tragen, das ein wortgewaltiger Artikel namens Kisslers Konter so beschreibt: In weiten Teilen der Öffentlichkeit fehlt es am Unterscheidungsvermögen. Nebensächlichkeiten verdrängen Zukunftsfragen, Randphänomene echte Probleme (5.). Mit dem Hype um Intersexualität und andere Banalitäten gehe die Aufklärung verloren, urteilt der Cicero-Ressortleiter Kissler.

Er spricht vom "Regiment der Nebensachen". Dann hebt er ab auf die wirklich wichtigen Dinge, die er allesamt mit Schmäh überzieht. Den "ollen Gassenhauer vom Steuervermeidungsehrgeiz der Reichen", die zu "Texten des Widerstands aufgeblasenen Anti-Trump-Polemiken", die "täglichen Titelseitenmeldungen von der globalen Klimakatastrophe", die (Jamaika-)"Provinzialisierung Deutschlands im Werden", die (MeToo-)"Entschuldigungsspektakel und Reuetremoli". Das ganze Spektakel ausgebreitet für die "vorurteilsfreudige, aburteilungsbedürftige, widerspruchsentwöhnte Mehrheitsöffentlichkeit", wo der "Skandal zur Grundwährung unseres Miteinanderredens" wurde. Die "zentralen Probleme" werden demnach nicht mehr erkannt, es bräuchte Aufklärung.

Zeit, dass sich was dreht, meint Kissler, und viele werden ihm da zustimmen.

 

Medien-Links:

  1. Urteil zur Intersexualität – Bundesverfassungsgericht fordert drittes Geschlecht im Geburtenregister (Süddeutsche Zeitung 8.11.): Das Bundesverfassungsgericht fordert ein drittes Geschlecht für den Eintrag im Geburtenregister, es verweist auf das im Grundgesetz geschützte Persönlichkeitsrecht. Ein intersexueller Mensch war zuvor mit seiner Klage auf Änderung seines Geschlechts auf "inter" oder "divers" vor sämtlichen Instanzen gescheitert. Der Gesetzgeber muss bis Ende 2018 eine Neuregelung schaffen.
  2. Was heißt Intersexualität? (stern 8.11.): Das Bundesverfassungsgericht hat ein drittes Geschlecht für den Eintrag im Geburtenregister gefordert. Der stern beantwortet häufig gestellte Fragen zum Zwischengeschlecht.
  3. Das dritte Geschlecht – Was bedeutet Intersexualität? (Spiegel Online 8.11.): Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden, dass im Geburtenregister künftig ein dritter Geschlechtseintrag für intersexuelle Menschen möglich sein muss. Doch was ist Intersexualität eigentlich?
  4. Drittes Geschlecht – Weder Männlein noch Weiblein (Cicero 9.11.): Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden, dass es neben dem männlichen und dem weiblichen Geschlecht einen dritten Geschlechtseintrag für Intersexuelle geben soll. Doch was bedeutet „intersexuell“ eigentlich?
  5. Drittes Geschlecht – Das Regiment der Nebensachen (Cicero 9.11., Kisslers Konter): In weiten Teilen der Öffentlichkeit fehlt es am Unterscheidungsvermögen. Nebensächlichkeiten verdrängen Zukunftsfragen, Randphänomene echte Probleme.

Links von wb dazu:

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