Studentenarmut in USA, GB und D

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man-937665_1280Es muss ja nicht so kommen wie auf dem Bild von lannyboy89, pixabay, und auch nicht wie auf dem unteren Bild von jdegheest, pixabay. Aber es geht in diese Richtung: Viele Studenten können sich keine menschenwürdige Wohnung mehr leisten. Sogar fürs Essen reicht das Geld oft nicht, und am Ende des Studiums droht eine massive Verschuldung.

In den USA läuft das schon lange unter student loans, Studentenkredite. Als ob die US-Amerikaner nicht schon genug Schulden hätten. Von Staats wegen haben sie 20 Billionen Miese (60.000 $ US-Staatsschulden pro Nase). Persönlich haben sie 13 Billion Schulden (im Schnitt 39.000 $ pro Nase, davon allein 3.000 $ vom Kreditkarten-Überziehen, 1.und 2. Link unten). Und die Studenten stecken noch tiefer in den Miesen, mit sagenhaften 1,3 Billionen Schulden durch Ausbildungskredite (bei 20 Millionen US-Studenten im Schnitt 65.000 $, wb-links unten American Dream).

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Diese neue Zinsknechtschaft der US-Studenten greift um sich. In Großbritannien wird an den Unis auch abkassiert, so dass ebenfalls um die 65.000 $ Studentenschulden pro Nase rauskommen (50.000 £, 3.). Und in Deutschland wird es auch immer schlechter, obwohl hier der Staat die Unis unterhält.

Die Lage wird vor allem von den gut informierenden US-Medien so umschrieben:

  • Immer mehr US-Studenten können nicht zurückzahlen. Nach (4.) konnten 3,6 Millionen US-Amerikaner 2015 ihre Ausbildungskredite nicht zurückzahlen, 2016 waren es 4,2 Millionen Gescheiterte. Dabei sind die Kriterien fürs Scheitern ("default") nicht gerade streng: 270 Tage keine Zahlung für Zins und Tilgung. Ein Drittel bleibt ohne Abschluss, die Hälfte davon kann nicht zahlen (5.).
  • Die Ausbildungskosten explodierten, während die dadurch erreichbaren Gehälter in keiner Weise mitzogen. Die ethische Frage wird aufgeworfen, ob es moralisch vertretbar ist, den Studenten so schwere Lasten aufzupacken ("exposing the student servitude scam" bedeutet "den Knechtschafts-Beschiss der Studenten öffentlich machen", 6.).
  • Schlecht angelegt ist das Geld also auch noch, weil die Studienabschlüsse nicht mehr viel nutzen. Es sei eine Lüge, dass man einen Abschluss braucht. (7..und wb-links unten Rezension). Die Amerikaner glauben nicht mehr so recht dran (8.., 49% gegenüber 47% Skeptikern, vor 4 Jahren war der Unterschied noch 6,5-mal größer).
  • So viele College-Absolventen zum Billiglohn gab's noch nie, lauter Jobs, die gerade ausreichen zum Überleben, aber nicht, um die Studentenkredite zurückzuzahlen (9.). Und 9% der New Yorker Public-School-Studenren sind wohnungslos (10.).
  • Dasselbe Schicksal kann die deutschen Studenten auch treffen, denn sie können die Mieten kaum mehr bezahlen – die Studenten leben am Existenzminimum. Eine Studie der kommerziellen Website Uniplaces besagt, mehr als die Hälfte aller Studenten leben von weniger als 600 Euro monatlich – gegenüber dem allgemeinen Existenzminimum von 735 Euro pro Monat. Eine Umfrage unter rund 1000 Studenten ergab 17% mit weniger als 50 frei verfügbaren Euros nach Bezahlen der Rechnungen. Sie gehören damit  zur ärmsten Bevölkerungsgruppe in Deutschland. (11. und 12.).

Ob die neuen politischen Anstrengungen da was dran ändern? Es soll ja ganz viel Geld ausgegeben werden. Die "Permanente Strukturierte Zusammenarbeit" der EU-Minister vom 13.11. geht Verpflichtungen ein, z.B. wollen sie das Budget regelmäßig erhöhen, "um die vereinbarten Ziele zu erreichen" – verdammt, es ist gar nicht das Bildungsbudget und auch nicht das Budget für Sozialwohnungen. Es geht um das Kriegsbudget, pardon, Verteidigungsbudget. Da wird munter aufgestockt, Militäretats werden erhöht, "substantielle" Beiträge zu künftigen EU-Interventionen müssen geleistet werden.

Wo bleibt die Erhöhung der BAföG-Etats, wo bleiben die substantiellen Beiträge zu künftigen Wohnungsbauoffensiven? 

 

Medien-Links:

  1. USA: Private Haushalte sind so hoch verschuldet wie nie (Goldreporter.de 18.5.): Private Haushalte in den USA waren Ende März mit insgesamt 12,73 Billionen US-Dollar verschuldet. Damit überstieg die Verschuldung das bisherige Rekordhoch von 2008.
  2. US Credit Card Debt Rises Above $1 Trillion As Student, Auto Loans Hit All Time High (Zero Hedge 7.11.): Earlier in 2017, using the latest Fed data newspapers and financial media reported that US consumer credit card debt had risen above $1 trillion for the first time since the financial crisis. Ironically, just a few months later the Fed revised its data series sending the revolving credit total back under this "psychological number." … Total consumer credit rose by 6.6% Y/Y, rising to $3.788 trillion as of Sept. 30.
  3. The student finance system needs shaking up – for the sake of poorer students (The Conversation 13.11.): On average the poorest 40% of students owe around £57,000 after three years of study, compared with an average of £43,000 for students from the richest third of families.
  4. Number of Americans defaulting on student loans reaches 4.2 million (World Socialist Web Site 10.4.): A new analysis released this week by the Consumer Federation of America found that the number of Americans in default on their student loans jumped by nearly a fifth in 2016. Rising 17 percent from 3.6 million in 2015, there are now at least 4.2 million Federal Direct Loan borrowers in default. A borrower is put in default when no payment is made in more than 270 days.
  5. About 33% Of Students Drop Out Of College; Here's How Many Go On To Default On Their Student Debt (Zero Hedge 7.11.): Nearly half of college dropouts interviewed by LendEDU admitted they're not currently making payments.
  6. Exposing The Student Servitude Scam (Zero Hedge 4.5.): Many today strongly believe it is morally wrong to indenture students to the degree of liabilities presently required to achieve the education required to become a productive contributor within our modern society. The question we need to demand answers to is why has college costs for students exploded upward, while salaries and job positions for graduates has not?  What is driving the relentless and inexplicable surge in the debt burden for students and their parents?
  7. "Colleges Are Preparing Kids For An Economy That No Longer Exists" As They Continue To Scam Parents And Students (Zero Hedge 3.7.): The disservice in teaching people that education comes only from school has put millions of families in debt. The college bubble – both the 1.2 trillion worth of student loans and the lie that you need a degree – is literally coming apart at the seams.
  8. "The Math Doesn't Work" – Americans Are Losing Faith In College (Zero Hedge 8.9.): … an increase in public skepticism of higher education from just four years ago and highlight a growing divide in opinion falling along gender, educational, regional and partisan lines. They also carry political implications for universities, already under public pressure to rein in their costs and adjust curricula after decades of sharp tuition increases. … 49%, believes earning a four-year degree will lead to a good job and higher lifetime earnings, compared with 47% who don’t, according to the poll of 1,200 people taken Aug. 5-9.
  9. Why A Record Number Of College Grads Are Working Minimum Wage Jobs (Zero Hedge 29.8.16): One very adverse side effect of this trend is that increasingly more low wage employees are those with a college education, in the form of a Bachelor's Degree or higher, as they are unable to leverage their diploma credentials to get a better paying job, while the only ones hiring are those seeking minimum-paid workers. As firms in sectors with low pay levels struggle to attract workers, they attract more educated/skilled workers with higher wages, but certainly not high enough. Today,  23% of workers in low pay sectors have a bachelor’s degree or higher, up from 18% 15 years ago.
  10. 1 In 7 New York City Public-School Students Is Homeless (Zero Hedge 29.8.16):  There are now more than 140,000 homeless public-school students, according to the Atlas of Student Homelessness, an annual study conducted by the Institute for Children, Poverty and Homelessness. At any given time, roughly 9% of NYC public-school students are homeless.
  11. Existenzängste im Studium – Studentenarmut (M94,5 15.3.): Viele Studenten haben gerade mal genug Geld für die Miete oder Lebensmittel. Mehr als die Hälfte lebt unter dem Existenzminimum. … Feiern, in einem Restaurant Essen gehen oder Verreisen ist aber mittlerweile für viele Studenten zum puren Luxus geworden.
  12. "Verdeckte Armut" bei Studenten? Brisante Bafög-Studie im Wahlkampf (Augsburger Allgemeine 31.5.): Nach einer neuen Datenanalyse reicht die staatliche Förderung für Hunderttausende Studenten aber bei weitem nicht. Der Artikel bezieht sich auf den Alternativen BAföG-Bericht (PDF, 543 kB) (DGB-Ju­gend, DGB, GEW, IG Me­tall und ver.​di, 2017) Das BAföG muss drin­gend re­for­miert wer­den.

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