Moscheen-Kontrolle!?

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angel-1939761_1280Wenn die Falschen was Richtiges sagen, gibt's unweigerlich Probleme. So war's bei der AfD-Forderung nach Abschaffung der Kirchensteuer und bei Trumps TTIP-Ex (wb-Link unten).

Nun ist es so bei der (Un-)Toleranzberatung des Scheichs Nahjan Mubarak Al Nahjan (Bild: Conmongt, pixabay).

Es geht darum, dass im Heimatland des Scheichs, in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Moscheen umfassend kontrolliert werden, um islamistische Anschläge verhindern. Dazu der Artikel Vereinigte Arabische Emirate: Emiratischer Minister fordert bessere Kontrolle deutscher Moscheen (Zeit Online 14.11.). Man habe diesbezüglich immer Hilfe angeboten, sagte der Toleranzminister der VAE. Dass in Deutschland die Moscheen ihre Prediger selbst auswählen dürfen, und dass sie dazu keine Genehmigung brauchen, sei gut gemeint, aber leichtsinnig.

Es müsse wohl erst was passieren – ob das im Zusammenhang mit dem Rakka-Abzug steht, ist nicht angegeben. Da wurde berichtet, dass die IS-Häuptlinge sich mit Ziel Europa abgesetzt haben, Terrormiliz – Rakka-Eroberer ließen offenbar Hunderte IS-Kämpfer fliehen (Hamburger Abendblatt 14.11.): Es war bekannt, dass die Anführer der aus kurdischen und arabischen Einheiten zusammengesetzten SDF vor dem Fall von Rakka einen Deal ausgehandelt hatten mit den IS-Besatzern: Wer als IS-Angehöriger keine Verbrechen begangen habe, dürfe nach einer Prüfung gehen. Die BBC berichtet nun, dass es einen Massen-Exodus gab. (Ein Link dazu und noch einer, beide überlastet.)

Interessant sind wie so oft die Leserkommentare zu dem Zeit-Artikel. Diesmal sind's nur an die 150, nach Zeit-Maßstäben ein Klacks. Eine kurze Einsichtnahme liefert die Einsicht:

Zeit-Kommentare

Das Schlimmste sei, dass Deutschland dermaßen gaga geworden ist, dass es sich nun von den Emiraten zurecht habe belehren lassen müssen. Und die Auszeichnung als größte Flüchtlingsheimstatt der Welt habe auch ihre Nachteile.

Konstruktiv geht's auch, die Gläubigen selbst sollen doch langsam anfangen, den Islamisten und Imamen Hausverbote zu erteilen und sie zur Anzeige bringen.

Einige Foristen befassten sich mit der Diskussion, ob das Grundgesetz die Kontrolle zuließe, oder ob sie wegen der Religionsfreiheit nicht erlaubt sei.

Dabei sei doch schon Kontrolle, werden unsere Moscheen doch unter anderem von der Türkei hervoragend kontrolliert, vom türkischen Geheimdienstes Millî İstihbarat Teşkilâtı, während die arabischen Moscheen unter der Kontrolle des saudischen Geheimdienstes al-Muchabarat al-'Amma as-Sa'udia stehe.

Nicht so ironisch die Aussage, überwacht werde beim heutigen Staat im Wesentlichen die ordentliche Zahlung von Steuern und Abgaben (soweit nicht der Steuerberater besser als der Finanzbeamte ist). Bei allem anderen versage der Staat "in einem zunehmend bedrückenden Ausmaß." Jüngstes Beispiel seien die offensichtlich weit überzogenen Hoffnungen über die Güte der so dringend hier Aufzunehmenden.

Nicht nur einmal kam der Verdacht, in Deutschland werde wesentlich konservativer und "rückständiger" gepredigt, als in der Heimat. Was wenn der europäische Islam am Ende viel radikaler sei als der in den arabischen Ländern, weil die Radikalen unter dem Schutz unserer  Religionsfreiheit ungestört ihre Thesen verkünden dürfen?

Dazu der Hinweis, die DITIB unterstehe der AKP, die unterstehe wiederum Erdogan, und der wurde 1999 in der Türkei zu einer 10-monatigen Freiheitsstrafe verurteilt wegen antidemokratischer und islamistischer Hetze. Darauf ein bissel Kulturpessimismus: Irgendwie scheine die Lehre, welche die Deutschen aus ihrer Geschichte gezogen haben, eher zu sein, dass alle Vertreter einer Religion immer gut sind und nicht kritisch beleuchtet werden dürfen, als die, genau hinzuhören, was Politiker früher mal so an radikalen Dingen von sich gegen haben.

Und ganz ironisch: Was wüssten die Araber schon über den Islam, was die Deutschen nicht viel besser wissen, kennen und beurteilen können?

Predigten gescannt

Erwähnt wird ein Report, der nachschaute, was in deutschen Moscheen so gepredigt wurde. Die Bilanz sei verheerend. Hetze und Fundamentalismus war die Regel, nicht die Ausnahme. Dazu der Link Predigten in deutschen Moscheen – Immer entlang der roten Linie (Deutschlandfunk Kultur 27.3., das bezieht sich auf ein Buch von Constantin Schreiber, Inside Islam. Was in Deutschlands Moscheen gepredigt wird).

Dazu noch ein Link auf eine Predigt, welche die DITIB auf ihrer Homepage veröffentlichte, Der hohe Rang bei Allah: das Märtyrertum (14.3.14). In der Wertung eines Leserkommentars sagt der letzte Abschnitt der Predigt klipp und klar, dass eine Integration weder beabsichtigt noch für richtig gehalten werde. Es gehe um Zusammenhalten, darum, die eigene Religion, Sprache, Kultur und die eigenen heiligen Werte zu leben, das sei der Schlüssel zum Erfolg. Darüber hinaus sei weder islamophob noch islamfeindlich festzustellen, dass die Ausdehnung der Gemeinschaft der Moslems (der Umma) über die ganze Welt das Ziel ist, das Allah seinen Anhängern vorgeschrieben hat.

Ansicht wissenbloggt: Das wird aber nicht so richtig ausgesprochen, man ergeht sich nur in Andeutungen. Untendrunter steht immer Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form ohne schriftliche Genehmigung der DITIB reproduziert, vervielfältigt oder verarbeitet werden. Das Verbot ist eigentlich nicht nötig, weil man beim Formulieren Vorsicht walten ließ. Inhaltlich kann man sowas aber durchaus als Faschismus auffassen. Das ist keine demokratische Einstellung, die sich da äußert.

Nun ist es immer so, dass die Religion zur Sophistik greift, um aus den "heiligen" Texten das herauszustreichen, was ihre Verweser gern verbreiten möchten. Wer noch dazu auf zuckersüße Gottes-Bauchpinselei steht und nichts gegen Verdummungsversuche hat, kann sich die letzten DITIB-Predigten anschauen:

  1. "Rechtschaffene Taten: ‎ Gute Arbeit, richtige Handlung" (DITIB 10.11.). Da geht's um Belohnung für "rechtschaffene Werke", die sind das das "einzig ‎Fortwährende und Ewige". Mit als “as-Salihat”, dem Rechtschaffenen, sei Allahs Wohlwoillen zu erlangen (ohne zu sagen, was da zu tun ist).
  2. "Gehorsam gegenüber Allah und dem Propheten" (DITIB 3.11.). Der absolute Gehorsam gebührt allein Allah, man hat sich im absoluten Sinne dem Propheten hinzugeben (nochmal hardcore).
  3. "Wirtschaftsethik: Aufrichtigkeit im Handel" (DITIB 27.10.). Verdienst muss rechtens (halal) sein, ein Aufruf zur Mitmenschlichkeit (mal nicht so gruselig).
  4. "Der beste Mensch ist der Nützlichste für die Menschen"  (DITIB 20.10.). Wieder die Mitmenschlichkeit (ohne Definition, was das Nützliche ist).
  5. "Familie: Paradies des Menschen auf Erden"  (DITIB 13.10.). Wohlbefinden und Glück in der Familie, Liebe, Respekt und Rücksichtnahme aufeinander sind die wichtigste Voraussetzung für gesellschaftliches Wohlbefinden und Glück (trautes Heim, Glück allein).
  6. "Sich gemeinsam zu Allah hinwenden: ‎Gebet in Gemeinschaft"  (DITIB 6.10.). Wert wird gelegt auf Gemeinschaft und das ‎Verrichten des Gebetes in Gemeinschaft (zusammen dumm sein ist schöner).
  7. "Moscheen und Gebetshäuser"  (DITIB 29.9.). Die Gotteshäuser nicht nur als Orte des Gottesdienstes, sondern als Orte für erzieherische und lehrende Bildungsaktivitäten, für die Friedens- und Toleranzbotschaft unserer Religion (soviel zur Selbsteinschätzung). Zugleich ist die Rede von der islamischen Umma als Gemeinschaft.
  8. "Der Monat Muharram und der Aschura-Tag" (DITIB 22.9.). Da ist viel von Märtyrern die Rede, vom Weg des Rechts, ‎der Wahrheit, Gerechtigkeit, usw (nur wird nicht gesagt, worin dieser Weg besteht).
  9. "Neujahr und Auswanderung (Hidschra)" (DITIB 15.9.). Ein bissel Islam-Geschichte und: Wir befinden uns alle auf dem Weg vom vergänglichen Diesseits zum ewigen Jenseits, der wahren Welt (das könnte von den Christen sein).
  10. "Bildung und ihre Bedeutung im Islam" (DITIB 8.9.). Anstrengung lohnt sich für den Erwerb von Wissen und das Erlernen von Wissenschaften. Die Kinder sollen auf die Uni, aber keineswegs den Koran- und Religionsunterricht in unseren Moscheen und Kursen vernachlässigen. Es gibt die Einheit von Wissen und Glauben (was die Christen auch gern behaupten). Vor unnützem Wissen soll man Zuflucht bei Allah nehmen (was das wohl ist? Aufklärung?)

Man kann das mit Wohlwollen lesen, gerade 3., 4., 7., 9. und 10. Dagegen ist die Nullnummer von 2014 mit dem Märtyrertum ungenießbar, und die Nummern 1., 2. und 8. sind mehr als harmlose ultrakonservative Erbauungstexte. Darin schwingt die unausgesprochene Bedrohung der islamischen Überhahme mit. Man sagt es nicht expressis verbis, aber keiner kann die Sprecher hindern, es klammheimlich zu denken.

Wenn der "erhabene" Allah in seinem "edlen" Koran doch alles mögliche durcheinander schreibt (Sure 2,256: Es gibt keinen Zwang in der Religion, Sure 9,123: Aufruf zum Kampf gegen die Ungläubigen), kann sich jeder gemäß seiner Polarisierung bei Allah bedienen. Und wenn die DITIB-Imame letztlich von den Erdogans motorisiert werden, tja, dann darf man dem Schreiber-Buch die Hetze und den Fundamentalismus wohl abnehmen, auch wenn's bei der DITIB nicht drinsteht. .

 

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