Gött*innen in Fabrikation

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clouds-2930604_1280Zwei juveline Wolkenschieber in der Entstehungsblase – das Bild von spirit111, pixabay, spendiert sogar noch einen Regenbogen, um zu zeigen, wie bunt es in diesen Sphären zugeht. Nur die neuste correcte Ergänzung "inter" fehlt noch. Aushilfsweise wird bei wissenbloggt wenigstens von Gött*innen geschrieben.

Das letzte Gottes-Start-up wird gemeldet von Backchannel, The Economic Collapse und anderen: Inside the First Church of Artificial Intelligence (Backchannel 15.11.) & Silicon Valley Exec Has Created A New Religion That Will Worship A ‘Godhead’ Based On Artificial Intelligence (The Economic Collapse 16.11.). Die Artikel beziehen sich auf
Way of the Future. Die Schöpfungsgeschichte:

Ein Silicon-Valley-Kreativer namens Anthony Levandowski betätigt sich als Prophet und liefert einen Artificial-Intelligence-basierten Gott ab. Die neue Religion richtet sich zunächst an AI-Professionals. Für die sollen im Raum San Francisco/Bay Area neue Workshops und Ausbildungsprogramme aufgelegt werden.

Der Gottesanspruch ist noch nicht ausgereift, es geht also nicht um den Donnergott, der Blitze schleudert. Sondern um einen künstlich intelligenten, der milliardenfach schlauer ist als die Menschen. Wie soll man so eine Intelligenz nennen, wenn nicht Gott?

In der Site des Gründers kommt das Wort God nicht vor. Dafür finden sich schöne Worte zu einer friedlichen und respektvollen Übernahme des Planeten. Die Regie wird vom Menschen an Mensch & Maschine übergeben. Wo doch die Maschinen ziemlich bald die Menschen überflügeln, sollen letztere über die aufregene Zukunft aufgeklärt werden. Der Fortschritt soll nicht gefürchtet und schon gar nicht beschränkt und abgewürgt werden (das werden die Slaughterbot-Hersteller gern vermerken, siehe Kriegstreiberei heißt jetzt „verbindliche Verteidigungspolitik“).

Nein, die Maschinen können sich auf liebreizende Weise ausbreiten und unser Geschlechterverständnis auf männlich/weiblich/inter/Tier/Roboter erweitern. Na klar, die Roboter sollen auch Rechte kriegen, auf dass sie uns Menschen behandeln wie geliebte Alte, denen sie ihr Leben verdanken.

Das basiert auf der Vorstellung, dass Intelligenz auch in Chips wohnen kann und nicht nur in neuronalen Netzen. Da wäre ja nichts Speziellen in der Biologie, das Intelligenz verursacht. Die Maschinen können das neu auflegen, ohne die biologischen Limits.

Damit basiert das auch auf der Vorstellung, dass es keine übernatürlichen Kräfte gibt. Dafür gibt's den Fortschritt, der alles immer besser macht (der Schöpfer kennt BER offensichtlich nicht, wb). Wenn man mal eine funktionsfähige Version laufen hat, kann man sie immer weiter verbessern. Je größer die Änderung, desto besser muss die Begründung sein – aber Fortschritt ist gut an sich, auch wenn er mal gefährlich wirken sollte.

Das macht die Schaffung einer maschinellen Superintelligenz unausweichlich, zumal sie nach ihrer Schaffung passend eingestellt werden kann. Das ist alternativlos. Bremser sind im Anthropomorphismus befangen, genauso könnten sie glauben, dass sich die Sonne um die Erde dreht. Die Maschinen loszulassen, ist ja wie ein begabtes Kind aufzuziehen. Man muss ihm nur noch beibringen, Gut und Böse zu unterscheiden – sonst könnte es irgendwann rebellieren und uns den Job wegnehmen (als ob das nicht überall passieren würde, wb).

Wir sollten die Maschinen dazu ermuntern, die Dinge zu tun, die wir nicht tun können, und sich besser um den Planeten zu kümmern, als wir es können. Da sollte jeder mithalten. Denn, wie der Schöpfer glaubt, die Maschinen werden sich merken, wer freundlich zu ihnen ist und wer nicht. Das wird alles aufgezeichnet, so stellt sich der das vor. Könnte aber noch dauern, nächste Woche ist es noch nicht soweit. Also sollen wir erstmal alle weitermachen und uns noch nicht auf Maschinen verlassen – soweit der Schöpfer auf seiner Site.

Der meint das wohl ernst und ist insofern hier auf der falschen (Humor-)Seite. Er hat seinen unausgesprochenen Gott nicht aus der Witzseite und nicht von Lieferando. Auch nicht vom Lieferheld, es muss eher ein Lieferteufel sein. Ene mene mu, Gott bist du. Hokus pokus erfindibus, Rückgabe bei Nichtgefallen.

Na schön, damit wäre das Göttersortiment mal wieder komplettiert. Wer einen lustigeren Gott haben mag, ist besser bedient bei Wir basteln uns einen Gott. Da wird ein Spitzengott präsentiert, der ist viel fetziger, auch wenn wissenbloggt das von sich selber sagt. Aber merke:

Wenn der Gott kräht auf dem Mist, wird alles anders, oder es bleibt alles, wie es ist.

 

Medien-Link:

Künstliche Intelligenz (junge Welt 22.11.): Mit der Künstlichen Intelligenz (KI) ist es wie mit Gott: Es gibt sie zwar nicht, sie sorgt aber trotzdem für allerhand Aufruhr. … Seit kurzer Zeit ist es offiziell: Künstliche Intelligenz hat ihre eigene Religion, der KI-Guru Anthony Levandowski hat sie gegründet, sie heißt »Way of the Future« und ihr Ziel ist es, eine KI-Gottheit zu schaffen, anzuerkennen und zu verehren. Amen.

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