Grenzenlose Ignoranz wird bestraft

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agriculture-1238443_1280Die Grenzenlos-Artikel von wissenbloggt befassen sich mit Imamen, Innovationen, Integration und Immigranten (wb-Links unten). Jetzt kommt ein neuer Artikel dazu, der sich mit der Ignoranz gegenüber Kollateralschäden befasst, am Beispiel der Drogen-Epedemie in Afghanistan und den USA (Bild: Meditations, pixabay).

In den wb-Artikeln zu den Afghanischen Kollateralschäden wird beschrieben, wie Afghanistan durch den Einmarsch der NATO-Truppen zum größten Produzenten und Exporteur von Opium weltweit wurde, mit entsprechender Drogenabhängigkeit in Afghanistan. Doch auch die USA haben ein riesiges Drogenproblem, das sie auf ihre eigene Weise angehen.

  • Einmal durch den War On Drugs, den Krieg gegen die Drogen, der nach landläufiger Meinung nun gescheitert ist (1., 2. und 3. Link unten).
  • Dann durch eine Incarceration industry, eine Gefängnis-Industrie sondergleichen, (wb-Artikel noodle), die millionenfach wegsperrt, was Drogen dealt & transportiert.

Das US-System sperrt 10-mal mehr Menschen ein als das deutsche, speziell ein erheblicher Teil der männlichen schwarzen Bevölkerung sitzt im Gefängnis (2.500 von 100.000 gegenüber 500 bei den Weißen). Der 45-jährige War On Drugs ist zum Krieg gegen Arme geworden, denn er trifft die Leute vom unteren Ende der Vermögensskala. Während die Drogen immer billiger werden und sich immer mehr ausbreiten (der Drogenhandel ist nach 4. eine der Haupteinnahmequellen für die Unterschicht), gibt es drakonische Strafen für minimale Drogen-Vergehen.

Der privatisierte Gefängnismarkt der USA ist ein Riesengeschäft, das 3 Konzerne mit starker Lobby und hohen Wahlkampfspenden beherrschen. Wenn dem nicht so wäre, könnten vielleicht andere Lösungen herangezogen werden – die werden jetzt gebraucht.

Die größten Drogenkartelle sind nämlich nicht mehr das Sinaloa-Kartell in Mexico, das Golf-Kartell in Mexico, Los Zetas in Mexico, das Juarez-Kartell Mexico usw., nein, Afghanistan ist der Hauptexporteur von Heroin und Opium weltweit (an Zahlen werden 85% und 90% Marktanteil genannt).

Jeden Tag sterben über 100 US-Amerikaner an Drogen, 60.000 Unter-50-Jährige im Jahr (5. und 6.), Millionen sind abhängig von Schmerzmitteln und Opiaten (7.). Bei dieser Drogen-Epidemie addieren sich verschiedene Ursachen, die prekäre wirtschaftliche Lage von vielen, mit hohen Schulden und mies bezahlten Jobs, die ubiquitäre Verfügbarkeit von Opioiden, legal als Schmerzmittel Oxycontin oder Heroin, illegal als Heroin und sonstige Drogen.

Das heißt dann Opioidkrise, Medikamenten- oder Drogenabhängigkeit oder gleich neue Pest (8.), und es schafft einen Mangel an unbedröhnten Arbeitsfähigen bis hin zu landesweiten wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Allein von Schmerzmitteln sind 2,7 Mllionen US-Amerikaner abhängig (andere Zahl 3,8 Millionen), insgesamt sind über 20 Millionen drogen- und alkoholabhängig.

Die NATO-geförderte Opiumproduktion aus Afghanistan landet also auch in den USA. Das ist unvermeidlich, wo doch Afghanistan 85% oder 90% weltweit herstellt. So rächt sich der Dilettantismus der Militärpolitik. Die grenzenlose Ignoranz der Kriegstreiber wird bestraft, indem ihr Volk von Drogen durchseucht wird. Nebenbei kostet nicht nur der Kriegseinsatz in Afghanistan zweistellige Milliardenbeträge, sondern auch die Heroinbekämpfung (8 Mrd. über die Jahre).

Es wird schlimmer, denn Afghanistan raffiniert sein Heroin jetzt selber (9.). Das heißt, die Taliban verdienen noch mehr Geld, und das Schmuggeln wird leichter. Das liefert nun den Anlass für die US-Drohnenkiller, die Drogenlaboratorien zu bombardieren (10.).

Also die haben selber mit viel Geld den Drogen aufgeholfen, und wo sich jetzt die Schäden bis nach Hause ausweiten, bomben sie für noch mehr Geld die Labore weg. O Baby Baby balla balla.

 

Medien-Links:

  1. The war on drugs has failed: doctors should lead calls for drug policy reform (British Medical Journal 14.11.16): "But the effectiveness of prohibition laws, colloquially known as the ‘war on drugs,’ must be judged on outcomes,” they write. “And too often the war on drugs plays out as a war on the millions of people who use drugs, and disproportionately on people who are poor or from ethnic minorities and on women.” The authors cite a variety of reasons why the global war on drugs has been a failure.
  2. A Highly Respected Medical Journal Just Declared 'The War On Drugs' An Epic Failure (Zero Hedge 22.11.16): “The war on drugs has failed,” the editors of the peer-reviewed British Medical Journal declared this week, arguing that doctors should lead the global effort to reform drug policy (Folgeartikel zum BMJ-Artikel).
  3. Der unredliche, mörderische und verlorene Krieg gegen die Drogen am Beispiel Lateinamerikas (NachDenkSeiten 9.11.): „War on drugs“ (Krieg gegen die Drogen) – Rückwirkend betrachtet, beschreibt die Kriegserklärung keine rationale Politik, sondern eine Schlacht, die selbst im konservativen Lager als enormer Trugschluss und monumentales Versagen gewertet wird, deren Nebenwirkungen fataler und teurer als die Auswirkungen der illegalen Drogen ausfielen, die er „auszurotten“ sich vornahm.
  4. Inside The Opioid Crisis That You're Not Allowed To See (Zero Hedge 11.9.): It’s unfortunate that drug trade is the most prevalent type of good flowing around low income areas across the United States.
  5. Inside The Opioid Crisis: What The Mainstream Media Won't Let You See (Zero Hedge 11.9.): The epidemic is now killing 100 people every day, fueling a public-health crisis draining the resources of the economy.
  6. Government Policies Helped Create the Opioid Epidemic (NH Journal 8.8.): Opioid overdose is now the leading cause of death for Americans under the age of 50, claiming more than 60,000 lives per year.
  7. Sucht: Zu high zum Arbeiten (Zeit Online 8.8.): Millionen Amerikaner sind abhängig von Schmerzmitteln, auch weil sie den Versprechungen der Pharmaindustrie geglaubt haben. Die wahren Ursachen liegen jedoch viel tiefer.
  8. Drogen sind die neue Pest der USA (Süddeutsche Zeitung 4.8.): Der stark gestiegene Konsum offenbart die tiefe soziale Krise des Landes. Es ist kein Zufall, dass er dort besonders hoch ist, wo viele Leute Trump gewählt haben.
  9. Afghan Taliban Awash in Heroin Cash, a Troubling Turn for War (New York Times 29.10.): That the country has consistently produced about 85 percent of the world’s opium, despite more than $8 billion spent by the United States alone to fight it over the years.
  10. Afghan War Intensifies: US Stealth Fighters Target Narcotics Production Facilities (Zero Hedge 24.11.): 16 years after the Bush administration began military operations in Afghanistan, President Trump has just launched a military campaign of his own using high-tech stealth fighters to bomb drug labs in the country.

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