Italien – Pleitestaat voll Zombiebanken

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zombie-2815482_1280Kommt, setzt euch zu mir, scheint der Zombie auf der Bank zu sagen (Bild: dustinthewind, pixabay). Aber die  Erklärung für die vielen Zombiebanken in Italien ist nicht so einfach. Da spielt die Bankenkrise von 2008 eine Rolle und der fehlende Wille, Pleitebanken zu sanieren – oder überhaupt zuzugeben, dass es die gibt.

Doch es gibt sie trotz bestandener "Stresstests" in reichlicher Zahl. Im Durchschnitt haben die italienischen Banken faule Kredite in Höhe von 90% des Eigenkapitals, insgesamt über 350 Mrd. Euros. Von knapp 500 Banken haben 114 (andere Zahl 187) faule Kredite im Bereich von über 100% des Eigenkapitals – und das nach mehr als 5 Jahren Rettung und Geldflut von Trichet/Draghi. Liste der Zombie-Spitzenreiter (1. Link unten):

Bank Faul %
Banca di Teramo di Credito Cooperativo 777,2
Cassa di Risparmiento di Cesena 593,5
Unipol Banca 380,3
Banca Atestina di Credito Cooperativo 343,1
Banca di Pistois – Credito Cooperativo 306,5
19 Banken 200,3…268,4
90 Banken 100…200

Obendrein gehört Italien zu den 3 Ländern mit den höchsten Schulden bezogen aufs Bruttosozialprodukt. Klarerweise sind die offiziellen Schuldenzahlen nur ein Teil des Ganzen. Rechnet man bei Griechenland und Italien die versteckten Schulden dazu, aus Target 2 und dem Anfa-Geheimabkommen (5. und 6. und wb-Links unten , werden die Zahlen noch schlechter. Was noch immer vergessen wird, sind die Schulden, die die EU für ihre Mitglieder aufnimmt, zusammen über 0,5 Billionen $, (Staats-Schulden in Billionen $, % auf BIP bezogen, zusätzliche Schulden und % mit +).

Land Schuld % T2 ANFA EU %
Japan 11,590 245
Griechenland 0,338 173 +0,076 +? +39
Italien 2,3 138 +0,513 +0,12 +0,04 +33

Zu den Staatsschulden ist zu sagen, dass die EZB seit 2008 fast alle  italienischen Staatsanleihen gekauft hat (88%), 1 Billion davon zum Negativzins. D.h. Italien wird fürs Schuldenmachen bezahlt. Möglich wurde das, weil die EZB die Qualität der Pfänder, welche die Banken für die Notenbankkredite hinterlegen mussten, auf Schrottniveau gesenkt hat.

Die griechischen Staatsschulden wurden praktisch komplett von den Rettungsschirmen EFSF und ESM aufgekauft.

Man könnte darüber diskutieren, ob die Target-2-Kredite zu den Schulden gehören, oder ob das Geld schon weg ist. Das wird in einem Artikel von Hans-Werner Sinn (2.) schön erklärt (noch eine simple Erklärung in 8.). Was da passiert, wenn die Salden wachsen (Deutschland hat derzeit 878,9 Mrd. Forderungen):

Es liegt laut EZB nicht mehr an der Kapitalflucht (auch wenn andere Quellen das bestreiten, siehe 3.), sondern es ist ein Effekt der QE-Politik. Die Euro-Südländer haben ihre Leistungsbilanzdefizite oft durch Verkäufe ihrer Staatsanleihen an ausländische Investoren finanziert. Wenn die Notenbanken diese Papiere nun im Rahmen des QE-Programms zurückkaufen, gibt es entsprechende Nettoüberweisungen zwischen den Euroländern, von den Südländern weg vor allem nach Deutschland.

Im Extremfall ist die Deutsche Bundesbamk sogar doppelt dran (4.). Wenn die Verkäufer von Euroland-Staatsanleihen außerhalb der Eurozone sitzen, passiert oft folgendes: Die Verkäufer transferieren das Kaufgeld nach Deutschland, um dort Assets einzukaufen. Dann muss die Deutsche Bundesbank auch noch die indirekten Orders kreditieren, die daraus resultieren, und nicht nur die direkten (Rück-)Kauforders der Euro-Südländer.

Sinn nennt das ein gigantisches Umschuldungsprogramm. "Lästige private Gläubiger" werden durch "nette Zentralbanken" anderer Länder ersetzt (nachdem die Gläubiger Zinsen für die Risiken kassiert haben, die nun die Zentralbanken tragen). Dabei werden zinstragende, verbriefte und mit einer Fälligkeit ausgestattete Schulden in eine  Buchschuld beim Eurosystem und damit indirekt bei der Bundesbank verwandelt. Diese Buchschuld kann niemals fällig gestellt werden und bringt nur einen Zins in Höhe des Zentralbankzinses, und der ist Null. Kredite, die keine Zinsen bringen und nicht zurückgezahlt werden, sind aber nichts wert.

Deshalb sind die Target-Buchungen der Bundesbank laut Sinn schon heute weitgehend "Luftnummern, die der Bilanzkosmetik dienen", die ökonomische Wirklichkeit aber nicht mehr widerspiegeln. Er nennt Deutschland daher einen "Kaufladen, in dem man beliebig anschreiben lassen kann, ohne dass der Ladenbesitzer seine Forderungen fällig stellen oder zumindest Zinsen verlangen kann."

Zusätzlich zu diesem Ausverauf zeigt sich hier das Problem der Fehlallozierung von Geld. Wo es keinen Anreiz gibt, die Wettbewerbsfähigkeitt zu verbessern, geht es immer weiter bergab. Nur wenn die Märkte dazu zwingen, wird reformiert. Zwar mahnt die EZB nun Reformen an, aber wen schert das? Während die EZB mahnt, nimmt sie zugleich durch den Anleihenkauf den Reformdruck weg. Sie belohnt das Schuldenmachen des Staats mit Negativzins und erlaubt die "vorsorgliche Rekapitalisierung" der Zombiebanken.

Das Ergebnis ist in Italien zu besichtigen: Das italienische Bankensystem ist pleite und der Staat auch (7.).

 

Medien-Links:

  1. 114 Italian Banks (Roughly 23%) Have NPLs Exceeding Tangible Assets (Zero Hedge 28.11.): It is no coincidence that Target2 imbalances are on the rise as faith in banks collapses. Target2 is a measure of capital flight, despite the ECB's assurances to the contrary. Italy owes creditors (primarily Germany), a record €432.5 Billion that will never be paid back except by an ECB emergency bailout.
  2. „Am Limit“ von Hans-Werner Sinn (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.8.): Ein Aspekt, den das Gericht nicht diskutiert, der aber auch auf absehbare Verluste hinausläuft, liegt in den Target-Salden, die wegen des QE-Programms nun schon wieder seit drei Jahren ansteigen. So lagen die Target-Forderungen der Bundesbank zuletzt bei 857 Milliarden Euro.
  3. Another Look at Capital Flight in Italy and Spain: ECB’s Target2 Explanation is False (Mish Talk 24.9.): The QE program seems to be symmetrical because each central bank repurchases its own government debt in proportion to the size of the country. But it does not have a symmetrical effect, because government debt from southern European countries, where the debt binges and current-account deficits of the past occurred, are mostly repurchased abroad.
  4. “Europe’s Secret Bailout” von Hans-Werner Sinn (Project Syndicate, 28.11.): In the latter case, this often results in triangular transactions, with the sellers transferring the money to Germany or the Netherlands to invest it in fixed-interest securities, companies, or company shares. Thus, the German Bundesbank and the Dutch central bank must credit not only the direct payment orders from Spain, but also the indirect orders resulting from the Banca de España’s repurchases in third countries.
  5. Kommentar – Wie unabhängig ist die EZB noch? (Frankfurter Allgemeine Zeitung 22.12.15):  Wie jetzt bekanntwurde, hat unter Führung der Banca d’Italia und der Banque de France eine Handvoll Notenbanken insgeheim für rund 510 Milliarden Euro Wertpapiere aufgekauft. Bis Ende 2014 haben nationale Notenbanken mehr als 720 Milliarden Euro zusätzliches Geld in die Märkte der Eurozone gepumpt, ohne Politik und Bevölkerung darüber zu informieren.
  6. EZB veröffentlicht disaggregierte Bilanzdaten für das Eurosystem (EZB 27.7.16): Der EZB-Rat hat beschlossen, Daten zum Jahresdurchschnitt der Netto-Finanzanlagen (Net Financial Assets – NFA) der EZB und der nationalen Zentralbanken (NZBen) des Eurosystems zu veröffentlichen. wb: ANFA-Zahlen nach 12/15 sind trotzdem nicht aufzutreiben.
  7. Referendum in Italien – Wir nähern uns dem Ende des Euro (Cicero 1.12.16): Das italienische Bankensystem ist pleite und der Staat auch. Was wirklich verwundert, ist, wie lange die Italiener bereit sind, das Korsett des Euro trotz der negativen Wirkungen zu ertragen. Oftmals hat es damit zu tun, dass sie wissen, dass die eigenen politischen Instanzen noch schlechter sind als die Beamten aus Brüssel.
  8. Italy Target2 Imbalance Hits Record €432.5 Billion As Dwindling Trust In Banks Plunges (Zero Hedge 7.11.): “Spain imports German goods, but no Spanish goods or capital have been acquired by any private party in Germany in return. The only thing that has been ‘acquired’ is an IOU issued by the Spanish commercial bank to the Bank of Spain in return for funding the payment.” … Target2 is a measure of capital flight despite the ECB's assurances to the contrary.

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