Warum Weihnachten erst am 24.12. losgeht

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christmas-1763546_1280Der gnadenlose Humor in diesem Artikel hat eine reale Grundlage, aber die wird erst am Ende verraten.

Bis dahin regiert die fiktive Firma BER-Consult, die für einen ungenannten großen deutschen Flughafen die Generalplanung machte, und die nun fiktiverweise auf die Planung des Weihnachtsereignisses angesetzt ist. Wie BER-Consult sein Know-How und seine Kompetenz einsetzt, das wird hier nachempfunden (Bild: succo, pixabay).

Eigentlich, so die Legende, war Weihnachten für den 1.1. geplant. Das stellte einen Kompromiss aus Wirtschafts- und Kundenwünschen dar. Für die Wirtschaft zählt, dass es sich mit dem Neujahrstag überschneidet, mithin ein Arbeitstag mehr. Für die Kunden zählt die relative Geschenkabstinenz, die von den guten Neujahrsvorsätzen unterstützt wird. Nicht noch ein paar Socken schenken, wo der Weihnachtsmann unter Böllergeknall schon auf Sockenschußweite herangepirscht ist. Aber dann …

… dann übernahm BER-Consult, und alles wurde anders. Eine Firma, die einen Flughafen so erfolgreich consulten kann, müsste doch auch als Weihnachtsconsulter Erfolg haben? Na klar.

Also Planungsziel 1.1.: Bloß dass die Baumsicherungsmaßnahmen bis dahin nicht abgeschlossen werden können. Die ganzen Planungsabschnitte Baum/Lichter/Geschenke müssen durch Ergänzungsanträge erweitert werden, der Planfeststellungsbeschluss wird damit hinfällig, auch durch Kapazitätsausweitung lässt sich der Termin nicht halten.

Dann eben Planungsziel 17.1.: Leider ist das Weihnachtsliedaufkommen nicht in Übereinstimmung mit der Gema zu bringen. Die Lieder-Testphase muss mitten im Probebetrieb abgebrochen werden. Auf zusätzliche Nachtprobebetriebe, Notfallübungen und Massenprobebetriebe wird unzulässigerweise verzichtet. Gesonderte Probebetriebstage für und mit Menschen mit Behinderungen müssen anberaumt werden, Sicherheits- und Notfallsysteme für die Liederversorgung erweisen sich als mangelhaft. Der Termin muss verschoben werden.

Nun Planungsziel 14.2.: Moment, das ist ja der Valentienstag. Aus psychologischen Gründen gibt es Bedenken: Nachher meinen die Kunden, sie kriegen was geschenkt? Schock lass nach, Weihnachten heißt kaufen, kaufen, kaufen. Also weg mit dem Valentinstag. Vorgeschoben wird ein Planungsstopp des Landesamtes für Denkmalpflege, auch wenn die Planungsgenehmigung unter Auflagen doch noch erteilt wird. Zuerst muss ein Planergänzungsbeschluss durchgezogen werden,  der die Kapazitätsreserven für den vorläufigen Ausbauplan nicht überstrapaziert. Das heißt Verschiebung.

Neues Planungsziel 3.3.: Inzwischen wird offen von Missmanagement gesprochen, von Fehlplanungen und Pfusch. Die ersten Drohungen mit einer Verfassungsbeschwerde laufen ein, am besten sollte die Planung neu ausgeschrieben werden. Das Termin-Fiasko wird durch einen Manipulationsverdacht verschärft, der zur Insolvenz einer Co.-Planungsfirma führt. Parlamentarische Anfragen ziehen den Konsensbeschluss in Zweifel, aber die politische Verantwortung übernimmt niemand. Der  Imageschaden ist unerträglich, ein Untersuchungsausschuss soll den Sumpf aus Pleiten und Pannen klären. Die Aufarbeitung des Debakels um die Termin-Pleiten soll endlich ein verlässliches Datum erbringen.

Das ist das Planungsziel 1.4.: Das Verschiebungs-Drama geht in eine Phase der Wirrnis. Der Eröffnungstermin bleibt – nein, doch nicht – doch, doch, er steht völlig ungefährdet. Natürlich nur, bis die Brandschutzbestimmungen für Weihnachtsbäume Einzelnachweise für jede Nadel verlangen. Grundlage ist die Forderung nach konventionellen brennenden Kerzen. Die Antwort sind modernste Feuerlöschsysteme, Entrauchungs- und Brandschutzanlagen. Reicht alles nicht, auch wenn Rauchmelder und Sprinklersysteme vollautomatisch funktionieren. Außerdem findet die Planungskommission heraus: Der 1.4. ist der erste April! Das geht ja nun gar nicht.

Also Planungsziel 1.5.: Der Maifeiertag ist ähnlich wirtschaftsfreundlich wie der Neujahrstag. Die Weihnachtswirtschaft muss ohnehin gefördert werden, seit Lametta out ist und Kugeln auch nicht mehr so richtig in. Und dann noch dieses Nachtsingverbot! Das lässt sich auch durch Nachbesserung beim Schallschutz kaum lösen. Das Konzept der brennenden Kerzen muss jetzt endgültig aufgegeben werden, weil auch die Totalflutung der Szene im Brandfall keine Akzeptanz findet. Die Grundwassergefährdung ist zu groß, es existiert kein Nachnutzungskonzept für diesen Fall, die Test-Szenarien zum Brandschutz machen ein stärkeres Gewässermonitoring erforderlich. Verschiebung, logo.

Nun Planungsziel 6.6.: Die juristische Aufarbeitung kommt nicht nach. Rechtswidrige Beihilfen werden nachgewiesen, Planungseckpunkte wurden vorsätzlich unter falschen Voraussetzungen gesetzt. Der Rücktritt des Untersuchungsausschuss kann das Vertragsverletzungsverfahren nicht verhindern, eine Kommission rügt das Agieren des Bundes, das Planroutenfestsetzungsverfahren enthält Abwägungsmangel, und in den Akten sind Ermittlungsdefizite geschönt. Man spricht von Zeitlimittäuschung, der Eröffnungstermin wackelt wieder, es muss ein neuer her.

Das ist das Planungsziel 21.8.: Auwei, wieder nicht aufgepasst. Es ist Sauregurkenzeit, es ist Sommerloch. Bloß das nicht, da haben sie nix anderes zum drüber schreiben, da wird der Weihnachtstermin zum Politikum. Außerdem gibt's jetzt Manipulationsvorwürfe zur Umweltverträglichkeitsprüfung, es gibt Rücktritte, Entlassungen und vorgezogene Ruhestände der Planer, der Chef wirft  überraschend das Handtuch. Das Krisentreffen wird verschoben, weil die Absingprozesse am Weihnachtsbaum nicht in den vorgeschriebenen Belastungsstufen durchführbar sind. Die Verträglichkeit mit dem EU-Lärmschutzsymposium ist durch falsche Berechnungen bei den Ruhezeiten nicht gegeben, betriebsbedingte Auswirkungen auf den Verkehrswertermittlungsleitfaden sind zu befürchten – Verschiebung!

Weiter geht's mit Planungsziel 31.9.: Auwei nochmal, den 31.9. gibt's gar nicht! Da müssen die russischen Fake-Schleudern reingepfuscht haben. Jetzt kommt nicht der 32.9., nein, es kommt der nächste Monat dran.

Daher Planungsziel 8.10.: Jetzt gibt's auch Computerprobleme, und für die eklatanten  Brandschutzprobleme muss das Kühlsystem nachgerüstet werden. Das Planungsmanagement wird als komplett unfähig tituliert, man fordert den sofortigen Planungsstopp. Neuerliche Widersprüche werden erhoben, neue Verzögerungen treten ein, neue Änderungen des Nutzungskonzeptes verursachen Chaos in der Planung. Neue Rettungspake scheitern am Korruptionsverdacht bezüglich des Sonderausschusses zu Brand- und Lärmschutz, Anfragen bleiben ohne endgültigen Bescheid. Hochbrisante Akten werden in Müllcontainern entdeckt, wonach Planungsaufträge in Millionenhöhe ohne Ausschreibung und unkontrolliert vergeben wurden. Eine Ermittlergruppe aus Juristen und Korruptionsbekämpfern bestätigt, ein Ende des Desasters sei nicht in Sicht – Open End für Kosten und Termine. Aussage: "Wir werden fertiger und fertiger." Nächste Schiebung!

Nun Planungsziel 11.11.: Helau, bald ist es soweit! Nein isses nicht, denn die außerordentliche Betriebsversammlung diagnosziert das Projekt schon jetzt als Sanierungsfall. Es sei weiter von der Fertigstellung entfernt als bislang bekannt, es herrschen nur noch Lug und Trug, der nächste Flop folgt sogleich – Schiebung.

Dann Planungsziel 1.12.: Das neue Terminband wird im Dezember beraten, es gibt mehr als 50.000 Pläne für das Fest, nur keinen Termin. Ein Jahr des Krisenmanagements wurde verschenkt; die Frage Nachlässigkeit oder Naivität? wird mit Ja beantwortet, aber Selbstkritik der Jasager findet nicht statt. Für die Fortsetzung des Projekts und die Beseitigung von Planungsmängeln werden weitere Mittel freigegeben. Obgleich es wohl noch teurer wird als bislang angenommen, gestattet die Genehmigungsbehörde die Planungsfortsetzung per Blankoscheck. Die angeforderten Unterlagen zu Kosten, Liquidität, Planfortschritt und Terminen liegen trotzdem noch nicht vor. Der Untersuchungsausschuss bemängelt außerdem die Abkehr von Klimaschutzzielen und die Überschreitung von Luftschadstoffgrenzwerten auch ohne brennende Kerzen. Der nächste Termin wird "mit Puffer gerechnet".

Schließlich also Planungsziel 24.12.: Da kann man nur hoffen, dass der Puffer nicht verpufft. Wenn das Weihnachtsfest keinen festen Termin hat, ist es kein Fest mehr.
 

Zusammenphantasiert von Wilfried Müller. Mehr Humor

Die verwendeten Begriffe zur Planung basieren großteils auf der Chronik des Flughafen Berlin Brandenburg BER (BERtrug.de). Der Start war am 5.9.2006. Soweit nachvollziehbar ergibt die Liste der angepeilten Termine im Fall BER ein richtiges Fertigstellungsorakel:

  1. 6/2012
  2. 30.10.2011
  3. 3.6.2012
  4. 27.10.2013
  5. frühestens 2014
  6. Ende 2014
  7. möglich erst 2016
  8. 2017 oder 2019
  9. frühestens Mitte 2017
  10. vielleicht 18.11.2017
  11. 2. Halbjahr 2017 bis 2019
  12. Herbst 2020

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