Zuwandererkriminalität unter der Lupe

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police-2203263_1280Der Bereich zwischen da kommen lauter Gauner und Verbrecher über unsere (immer noch teil-)offenen Grenzen und es sind lauter brave, fleißige, anständige und integrationswillige Menschen wird zur Jahres-Rückblende nochmal beackert.

Grund genug zu einer skeptischen Umschau, was ist realistisch und was nicht?

Bei wissenbloggt wird der Abbau von Vorurteilen in beide Richtungen betrieben (Bild: C_Scott & TheUjulala, pixabay). Einmal mehr glänzt die Zeit in der Rolle des Vorzeigemediums (1. Link unten), während die Welt medioker abschneidet (2.) und Cicero gar nicht so gut (3.).

Die Kriminalstatistik weist seit 2016 "Zuwanderer" getrennt aus, was sofort auf Kritik stieß: Da würden ja gesetzestreue Immigranten in einen Topf mit "Durchreisern" geschmissen, sagt die Welt (2.), und mit ihren Durchreisern liegt sie ziemlich daneben. Bei der Zeit geht es immerhin um "Asylberechtigte, Schutzberechtigte, Asylbewerber, Kontingent- und Bürgerkriegsflüchtlinge sowie Nicht-EU-Ausländer mit einer Duldung oder mit illegalem Aufenthalt", kurz Flüchtlinge und Asylbewerber. Bei Cicero ist derselbe Personenkreis mit Bezug auf die PKA 2016 (6.) "Personen aus Nicht-EU-Staaten mit Aufenthaltsstatus ‚Asylbewerber‘, ‚Duldung‘, ‚Kontingentflüchtling/Bürgerkriegsflüchtling‘ und bei unerlaubtem Aufenthalt", wenn die anerkannten Flüchtlinge dazugerechnet werden, sind die absoluten Zahlen noch größer.

Die Zahlen selber sind in den wb-Artikeln (Link unten PKA) diskutiert, und auch der Zeit-Artikel (1.) liefert eine gute Bewertung, incl. 900 Leserkommentaren. Die Aussage ist, zwar sind die Tatverdächtigen-Zahlen bei Zuwanderern höher als bei Bio-Deutschen (10% Tatverdächtige bei 0,5-2,5% Bevölkerungsanteil), aber wenn man einbezieht, dass sie zum größten Teil junge Männer sind, relativiert sich das.

Das Zitat Viele Flüchtlinge bedeuten nun mal mehr Kriminalität. trifft es nicht. Richtig muss es heißen: Viele junge Männer bedeuten nun mal mehr Kriminalität. Weiterhin muss man differenzieren: Unter den Menschen aus den Kriegsgebieten wie Syrien gibt es weniger Kriminalität als bei denen aus den nordafrikanischen Maghreb-Staaten (Marokko, Algerien, Tunesien) und aus einer Reihe von afrikanischen Staaten südlich der Sahara (Somalia, Nigeria, Eritrea). Zudem sind die meisten Gewaltopfer von Zuwanderern selbst Zuwanderer, oft bedingt durch die Unterbringung.

Die Aussage Zuwanderer sind überproportional kriminell stimmt also nur weil Zuwanderer überproportional jung und männlich sind. So jedenfalls die akzeptierte Interpretation. Wirklich zweifelsfrei ist das allerdings nicht. Erklären die jungen Männer wirklich den Faktor 4…20 (aus 10% bei 0,5-2,5%) von der Kriminalität? Da steht ein statistischer Beleg aus.

Immerhin kann man sagen, dass Ciceros Rede vom "absurden Beschwichtigungstheater" überzogen ist. Die Rede von der "überproportionalen Gewaltkriminalität der Zuwanderer" ist in Ciceros Form irreführend, weil sie nicht von der überproportionalen Gewaltkriminalität der jungen Männer differenziert. Damit entfällt auch die Grundlage für die Behauptung einer "grammatikalischen Schubumkehr", mit der mancher medialer Eiertanz um den euphemistischen Krimi-Sprachgebrauch bezeichnet wird. Z.B. würden die Zahlen nicht deshalb hochgehen, weil Zugewanderte mehr Gesetze brechen, sondern weil sie schneller angezeigt würden und die Polizei das besonders engagiert ermitteln würde.

Dafür gibt's keine Belege. Eher hört man das umgekehrte, dass Zuwanderer mit Sachen durchkommen, für die Einheimische drangekriegt werden. Auch das nicht signifikant belegt. Das alles rechtfertigt nicht die Cicero-Rabulisitk von der "argumentativen Schwundstufe jener Neubelichtung von Realität, die faktisch wirken soll." In der Realität sind die Zahlen so, dass das BKA sagen konnte, Zuwanderer sind nicht krimineller als Deutsche (5.).

Wo allerdings Kritik auszusprechen ist, liefert der Cicero-Artikel sie: Die Sprache soll demnach reingehalten werden von den "Zumutungen der Wirklichkeit". "Flüchtling" und "Einwanderer" würden von interessierter Seite positiv codiert und dürfen nicht in die Nähe negativer Tatbestände gelangen. Wenn man da nicht Kriminalität einsetzt, sondern Arbeitslosigkeit, Integrationsunwillen, Versorgungsmentalität, wird schon eher was draus. Das gibt es nämlich, und die Medien tun sich schwer damit.

Die beschwichtigende Haltung haben einige Mainstream-Medien tatsächlich lange verfolgt, und die Politik hängt ihr immer noch an. Im Hintergrund das ignorante Merkel-Versprechen, die Kriminalitätsrate würde durch die Immigration nicht steigen. Im selben Zusammenhang ist auch die weiterhin diffuse Aufbereitung der PKA-Zahlen zu kritisieren. Man wünschte sich nicht bloß eine jungmännerneutrale Normierung der Zahlen, denn erst dann hätte man eine Grundlage, auf der die Ausländerkriminalität sachlich diskutiert werden kann. Weiterhin gibt es da keine Zahlen zum Kriminaltourismus aus Osteuropa, keine Zahlen zu den Clans mit ihrem Drogen-, Menschen- und Waffenhandel, mit ihrer Prostitution und Schutzgelderpressung.

Eine Notiz am Rande zur Wahrheitstreue bei der Berichterstattung, abgeleitet aus dem Zeit-Bild (1.) So viele Menschen dieser Altersgruppen stellten 2015 einen Erstantrag auf Asyl. Daraus ergibt sich diese Geschlechtsverteilung, mit Anteil = Anteil der Altersgruppe am Gesamt:

Altersgruppe weiblich Anteil
0-15 45% 26%
16-59 26% 73%
>=60 67% 1%
Erwachsene 26% 74%
alle 31% 100%

In der Diskussion tauchte oft die Frage auf, Sind das alles junge Männer? Wenn man die Hochrechnung der erfassten 440.000 Personen fürs Ganze nimmt, gibt die Tabelle diese Antwort: 31% sind weiblich, und wenn man nur die Erwachsenen anschaut, sind es 26% – 1/4 sind Frauen, 3/4 sind Männer. Die weitverbreitete Zahl von 1/3 Frauen dürfte demnach falsch sein.

 

Medien-Links:

  1. Kriminalität: Wie kriminell sind Flüchtlinge? (Zeit Online 19.4.): Was die Kriminalstatistiken der Bundesländer über die Zunahme von Gewalttaten seit 2015 verraten: Sechs Trendmeldungen zur Zuwanderungskriminalität. (über 900 Leserkommentare, von Ich glaube in der Tat, dass Zuwanderer nicht grundsätzlich krimineller sind als Deutsche bis Die unterschiedlichen Zustände in armen Ländern zeigen sehr deutlich, dass speziell der islamisch-arabische Kulturkreis deutlich mehr zur gewaltsamen Lösung von Konflikten neigt, als andere Weltregionen. Das sei nicht genetisch bedingt, sondern eine Folge von Machokultur, religiösem Eifer, Unterdrückung von Frauen und falschem Stolz auf ethnische und religiöse Zugehörigkeit. Die aggressiven jungen Männer in deutschen Asylheimen seien heimischen Rassisten gedanklich deutlich näher, als man oft wahrhaben will.
  2. Ausländerkriminalität – Die sprachliche Sorglosigkeit des BKA ist ein Skandal (Welt N24 23.4.): Keine Zuwanderer. Es sind Zugereiste, denen es gleichgültig ist, in welchem Land sie ankommen, und die ihr Reiseziel nach Rechtslage oder Sozialleistungen entscheiden.
  3. Absurdes Beschwichtigungstheater (Cicero 26.12.): Kisslers Konter: Zuwanderer sind überproportional kriminell. Das ist traurig und bitter, aber laut neuen Zahlen ein Faktum. Medien sollten es nicht verharmlosen, doch das tun sie.
  4. Bericht des BKA – Zahl der tatverdächtigen Zuwanderer steigt um 52,7 Prozent (Welt N24 23.4.): In dieser Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS), die der “Welt am Sonntag“ schon vorliegt, findet sich ein Kapitel, dass besonderen Konfliktstoff birgt: eine Sonderauswertung der Kriminalität der Zuwanderer.
  5. Bundeskriminalamt: "Zuwanderer sind nicht krimineller als Deutsche" (Zeit Online 8.6.): Zum ersten Mal liegen flächendeckende Zahlen zu Straftaten von Asylbewerbern vor. Sie sollen die Diskussion in Politik und Gesellschaft transparenter machen.
  6. Bericht zur polizeilichen Kriminalstatistik 2016 (PKA 2016, Bundesministerium des Inneren)
  7. Polizeiliche Kriminalstatistik 2015 (PKA 2015, Bundesministerium des Inneren)

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Eine Antwort auf Zuwandererkriminalität unter der Lupe

  1. Saco sagt:

    Wer weiß, er wird mit ziemlicher Sicherheit abgeschoben, wird leicht böse drum – und er wird leichter kriminell werden. Auch Neid kommt auf auf diejenigen, die Asyl bekommen könnten. Aus Neid wird Hass und Gewalt. 

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