Roboter übernehmen … na, alles I

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rob-woman-2898127_1280anaterateGern ist die Rede vom "Schwarzmalen", wenn jemand darauf hinweist, was die Roboter alles können. Wer das tut, dem wird aufgezeigt, was die Roboter alles nicht können – und das ist beim Stand der Dinge noch eine ganze Menge. Außerdem schafft das Arbeitslosmachen doch Jobs, oder wie war das?

2017 war ein Jahr mit großen Erfolgen für die optimierte Übernahme von alten Besitzständen durch neue Wettbewerber, die mit Computerunterstützung Dinge billiger und effizienter regeln – mit weniger Personal, schlechter bezahltem Personal und besser ausgebeutetem Personal (Bild: anaterat, pixabay).

  • Die erste Kategorie sieht man in menschenlosen Produktionshallen, wo Autos hergestellt werden, Bier abgefüllt wird oder Kekse gebacken werden.
  • Die zweite Kategorie wird bei der Postzustellung, in den Schlachthöfen und auf den Baustellen vorangetrieben, wo Leiharbeiter zu Dumpinglöhnen beschäftigt werden.
  • Die dritte Kategorie sind Baristas und Zusteller, die ganz nach Bedarf herbeitelefoniert werden und nicht für ihre stand-by-Zeit bezahlt werden.

rob-android-2065769_1280InoOeUnterm Strich zeigt sich das Ergebnis in steigender Ungleichheit (wb-Links unten). Gemeinhin wird die Politik als Hauptverursacher der Arm-zu-Reich-Vermögensverschiebung angesehen, durch Minder-Besteuerung der Privilegierten, wo der Allgemeinheit immer neue Lasten aufgebürdet werden, durch eine Globalisierung, die Firmen reich und Staaten arm macht. Speziell in den USA und Europa gibt es Reallöhne, die inflationsbereinigt nicht bloß stagnieren, sondern (staats-)schuldenbereinigt sogar sinken. Das hängt in vielerlei Weise mit Robotern und Computern zusammen, etwa über den politisch tolerierten Missbrauch der Börsen per Hochfrequenzhandel und schädlichen Derivaten oder der Subventionierung "systemrelevanter" Pleitebanken und dem "wholesale money market" (Bild: InoOe, pixabay).

robot-1665620_1280TheDigitalArtistMit dieser Einleitung ist der Weg gebahnt zur wb-Auswahl der aktuellen Artikel, die neue Aspekte des Rototwesens beleuchten. Zu den "düsteren Prognosen, die einige Denkfehler aufweisen" der 1. Link unten:

  • Einmal unterschätzen die Schwarzmaler angeblich die Komplexität von vermeintlich einfachen Tätigkeiten,
  • zum zweiten gingen die meisten Unterschätzer gern zur Arbeit, die für sie erfüllend, abwechslungsreich und gut bezahlt sei (Bild: TheDigitalArtist, pixabay).

Für die meisten sei das nicht der Fall, heißt es, und damit sind "einige Denkfehler" schon abgehakt. Ob die Arbeit angenehm ist oder nicht, geht aber am Thema "Roboter nehmen uns die Jobs weg" vorbei. Bleibt bloß das Argument mit der Komplexität. Das ist gültig, aber es verliert mit zunehmenden Computerfähigkeiten an Substanz. Da hält man sich vielleicht doch an die kritisierten Jobkiller-Artikel (2., 3. und 4..).

rob-man-320274_1280DrSJSDie Ablehnung der "Denkfehler"-Denkschule fällt auch leicht, weil falsche Argumente eingebracht werden. Dass die Zahl der Arbeitsplätze in den USA und in der EU steigen, verschleiert bloß, dass die Lohnsumme trotz mehr Arbeit nicht steigt und schuldenbereinigt sogar sinkt. Und der Link zum Problem "Kleider falten" belegt das Gegenteil der behaupteten Schwierigkeiten: die Roboter tun's (5.). (Bild: DrSJS, pixabay).

Bunte Mischung auffälliger Drohnen-Links:

Auf zu neuen Cyberattacken:

Und weitere Auf- und Ausfälligkeiten:

Und ein Artikel auf seiten der Denkfehler-Denkschule:

  • Misunderstanding the Economics of Robotics (of two minds 7.12.17). Zwar vertreten Befürworter des Grundeinkommens die Ersetzung von menschlicher Arbeit durch Roboterarbeit, um die Menschen vom Joch der Arbeit zu befreien. Wenn die Roboter fast alle Arbeit tun, werden sie deren Meinung nach unendlichen Reichtum für alle schaffen. Doch Roboter seien nur kosteneffizient in engen Nischen von Allerweltsaufgaben, bei gleichförmiger Arbeit, die in programmierbare Schritte runtergebrochen werden kann, und in einer kontrollierten Umgebung.

Ganz offensichtlich sind diese Vorstellungen inzwischen überholt, wo doch schon so viel Flexibilität in den Robotern steckt. Die wird ja auch nicht mehr einprogrammiert, sondern die Maschinen lernen inzwischen selber. Mehr zu dem Thema in Roboter übernehmen … na, alles II (ab 9.1.)

 

Weitere Medien-Links:

  1. Künstliche Intelligenz – Hilfe, Roboter nehmen uns die Jobs weg! (Cicero 31.12.17): Roboter und Künstliche Intelligenz werden schon bald einen Großteil unserer Jobs vernichten, heißt es allerorten. Doch die düsteren Prognosen decken sich bisher kaum mit der Realität und weisen einige Denkfehler auf.
  2. THE FUTURE OF EMPLOYMENT: HOW SUSCEPTIBLE ARE JOBS TO COMPUTERISATION? (Frey und Osborne, Oxford Martin Programme 17.9.13)
  3. Übertragung der Studie von Frey/Osborne (2013) auf Deutschland (ZEW 14.4.15)
  4. Where machines could replace humans—and where they can’t (yet) (McKinsey Quarterly 7/16)
  5. This robot can probably fold clothes better than you (mashable 9.1.17, zeigt Videos von Robotern, die Kleider falten)


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