Ex-Papst Benedikt warnt den Klerus vor dem Bewirken eines Sacco-Syndroms von Frank Sacco

image_pdfimage_print
sacoBloody 101
 
Joseph Ratzinger, vormals Kardinal und Erzbischof von München und Freising, vormals Past Benedikt XVI, wurde in Marktl am Inn geboren. In seiner Kardinalszeit 1996 schrieb er das Buch Salz der Erde. Unser Autor Frank Sacco, Doktor der Medizin, sieht sich zu einem gesalzenen Kommentar veranlasst.
 
Auch beim geistlichen Ex-Oberhaupt diagnosziert Sacco die einschlägigen Symptome der übergriffigen Kleriker. Da gehören Höllendrohungen zum gängigen Repertoire, um dickhäutigen Gläubigen Feuer unterm, äh, zu machen (Bilder: Sacco).
 

Ex-Papst Benedikt warnt den Klerus vor dem Bewirken eines Sacco-Syndroms  von Frank Sacco

Der Ex-Papst outet sich in seinem Buch „Salz der Erde“. Geistliche müssten „auch drohen können“. Sie müssten „Drohgebärden“ einnehmen können. Wir fragen uns, womit Kleriker Kindern drohen? Die Antwort gibt uns Bischof Nikolaus Schneider, der Ex-Chef der EKD: Man droht nicht mit einem Handyverbot, man droht mit dem jenseitigen Gericht Jesu und den sich daraus ergebenen jenseitigen Strafen.  Mit dem „ewigen Feuer“ Jesu. Die Botschaft Jesu von seiner Feuer-Hölle sei eine „verstörende Botschaft“, so der Chef der Evangelischen Kirchen in seinem Buch. In der Tat. Diese Botschaft kann krank machen.

Und der Ex-Kardinal aus dem Marktl  am Inn? Geistliche  müssten auch mal „draufschlagen“, so die Weisung des Ex-Papstes im Buch.  Auf die „Dickhäuter“. Die die Botschaft des Christentums nicht leben. Denn wenn ein Geistlicher ein Kind schlägt, ist es fürs Kind, als wenn Gott es  schlägt. In der Gerichts-Botschaft Jesu liege ein „beunruhigendes Element“. Die Botschaft  macht gewisse Kinder also unruhig. Sie produziert Kinder mit ADS. Mit eccclesiogener ADS. Der Ex-Papst ist sich da eins mit seinem  protestantischen „Freund“ Bischof N. Schneider. Die Ökumene dient lediglich zu einer nochmaligen Radikalisierung beider Amtskirchen. Damit erhofft man sich, seinen verfassungswidrigen und strafbaren Fundamentalismus, hier die Androhung ewiger Folter, in Beton gießen zu können.

Doch der Ex-Papst macht auf eine sehr große Gefahr aufmerksam: Er beschreibt die Möglichkeit der raschen Entwicklung eines kirchenbedingten Sacco-Syndroms. Er beschreibt die Krankheit, der ich einen Namen geben musste, weil sie keinen hatte. Es gebe „empfindsame, schon fast kranke Seelen, die man „schnell in die Angst“ vor der Hölle „hinabstößt“. Aus beinahe-kranken Kindern macht man dann als Kirche so  richtig Kranke, Sacco-Kranke. Das sieht der Heilige Vater, wie er sich heute nennen lässt, als eine große Gefahr an. Die Fast-Kranken müssten rasch „aus der Furchtzone herausgeholt werden“. Denen müsse man viel über die Gnade erzählen. Denn der Richter Jesus kann ja durchaus auch gnädig sein und nicht in die Hölle schicken. Ja, das wurde uns gelehrt.  Er sei denen gegenüber gnädig, die ihn lieben. Die nicht wider den Heiligen Geist gesündigt haben, wie das Kind Sonja, das sich in der Kirchenbank stieß und deshalb fluchte. Und dem man nicht vergab. In keiner Beichte. Sonja zog sich eine ecclesiogene Schizophrenie zu.

Doch seinen Spagat bekommt der Ex-Papst nicht hin. Kein Geistlicher bekommt ihn hin. Benedikt ruft zum „Draufschlagen“ auf. Dieses Draufschlagen, das der Ratzinger-Bruder Georg, und nicht nur der, dann auch so bruder-folgsam an seinen Domspatzen umsetzte, ist per Gesetz verboten. Auch die Aufrufe und Befehle dazu, zur Gewaltanwendung, sind verboten. Auch fehlt Benedikt, dem Heiligen Intellektuellen, sowohl das Herz als auch  die Ausbildung, diejenigen Kinder auszumachen, denen Schläge wirklich helfen, zum liebenden Christentum hin helfen, von der ewigen Hölle weg helfen. Es gibt nämlich Dickhäuter, die wegen einmal empfangener Gewalt erst zu Dickhäutern wurden. Die demnach Opfer sind. Das lehrt man Sozialarbeitern. Der Josef vom Inn hat keine Ausbildung in dieser Art von Psychoanalyse vorzuweisen, wie sie ein Frank Sacco vorzuweisen hat. Ein Großteil seiner Priester hat allenfalls nur eine Schnellausbildung in Sachen Kinderpsychologie absolviert, ggf. mit dem Zusatzfach Exorzismus. Auch für Letzteres führte Ex-Papst Benedikt weltweit Schnellkurse ein.

Die  Amtskirchen müssen nun entsprechend Benedikts Warnungen zwei getrennte Gottesdienste anbieten. Den einen für die empfindlichen Kinder, denen man die Hölle nur vorsichtig beibringen soll, den anderen für die Dickhäuter, die man schlagen muss. Wo man draufschlagen muss. In einem gemeinsamen Gottesdienst kann man beiden Spezies sicherlich nicht gerecht werden. Immerhin gibt es im evangelischen Gesangbuch 100 Kirchenlieder über den Teufel und die Hölle eines Jesus. Und es gibt 150 weitere über die Gnade eines Jesus, die nötig ist, um seiner Hölle zu entgehen. Fazit:  Man muss die Kinder trennen und sie getrennt Unterschiedliches singen lassen. „So du nicht Buße tust, dein Seel und Leib  dort brennen muss“, so etwas ist wohl nur für Benedikts  „Dickhäuter“ ein wirklich hilfreicher Gesang, um in der Sprache des Klerus zu reden. „So wahr ich lebe, spricht Dein Gott“, so lautet übrigens der unverschämte Titel des Liedes.

Doch es gibt bei Geistlichen Ausnahmen. Ich, der ich auch zum Priester geweiht wurde, habe noch nie ein Kind in den Höllenschlund des Sacco-Syndroms geworfen. Im Gegenteil. Ich rede Sacco-Kranken die Hölle in einer EAT aus und identifiziere sie als Kirchenreklame. Als das „Geschäft“ der Kirchen. Es ist auch per Gesetz verboten, Höllenängste zu verbreiten ohne den geringsten Beweis für eine derartige Folterkammer in den Händen zu haben. Dass die Höllensache ein „Geschäft“ ist, sagt uns in einem schwachen Moment Bischof Nikolaus Schneider im Der Spiegel, 43,14. Ich rede die Hölle betroffenen Klienten aus, denn ein Sacco-Syndrom ist in seiner voll entwickelten Form, wenn es wie üblich mit einer schweren Depression einhergeht, im Durchschnitt bedeutend schlimmer als ein Jahr im KZ. Ich weiß von einem Erkrankten, der mit dem Kopf gegen eine Wand rannte, um bewusstlos zu werden. Neuroleptika und Valium schlugen nicht an. Die „Gewissheit“, in eine ewige Hölle zu kommen, richtet innerpsychisch Schreckliches an. Und die Geistlichkeit, allen voran Kardinal Müller von der Inquisition, sprechen von einer „Glaubensgewissheit“. Doch beim Erkrankten ist diese „Gewissheit“ allermeist verdrängt. Man muss sie offen als Trauma in einer EAT  ansprechen.

Auf jeden Fall müssen jetzt all diejenigen verstummen und umdenken, die mir mitteilten, ein Sacco-Syndrom gebe es nicht, wie z. B. Chefarzt Prof. Diefenbacher und seine Kollegen aus Berlin oder Dr. Mayer-Amberg, Niedersachsen. Tilmann Moser hat Recht: Das Sacco-Syndrom gibt es „millionenfach“. Denn nur wenige Kinder sind die vom Ex-Papst beschriebenen „Dickhäuter“. Die allermeisten unserer Kleinen sind empfindlich und sensibel. Sie glauben Klerikern alles. Empfindliche Menschen treffen Geistliche mit der Kirchenreklame Hölle hart – und oft genug sogar tödlich. Der Ex-Papst entlarvt auch die Lebenslüge, den angstbedingten Wahn der etablierten Psychiatrie, die heute auf der einen Seite meint, ecclesiogene Schäden gebe es nicht, auf der anderen Seite aber ihre Sacco-Kranken zum verursachenden Klerus „zur Therapie“ schickt (siehe Die Zeit, 31.3.2010). Auf die „Gefahr negativer Gottesbilder“ weist auch der Mönch Meirad Dufner hin. Er weiß, wovon er spricht. Er arbeitet am Recollectiohaus in Münsterschwarzach und schreibt über die Arbeit dort das Buch „Gottestäter“. Im Recollectiohaus, einer kirchlichen Psychiatrie,  werden zum einen die Priester therapiert, die an einem Sacco-Syndrom erkrankt sind und zum anderen jene „Täter“, die zu sehr „draufgeschlagen“ haben, die ihre kleinen und großen Zuhörer zu sehr krank gemacht haben – eben die „Gottestäter“.

sacoOffenbarung 1 001

Frank Sacco ist Autor von Das Sacco Syndrom und Autor u.a. des Buches "Wenn Glaube krank macht", BoD, 404 Seiten, 12,99 €

Weitere Artikel von Frank Sacco

Mehr zum Thema:
Dieser Beitrag wurde unter Wissenschaft veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten auf Ex-Papst Benedikt warnt den Klerus vor dem Bewirken eines Sacco-Syndroms von Frank Sacco

  1. Saco sagt:

    In unserem Gottesstaat ist Geistlichen wirklich nahezu alles erlaubt. Das Bild unten hat ein moderner "Künstler" gemalt. Solche Bilder verschrecken Kinder besonders. Es ist ein Kunstfehler, unsere Kleinen zwecks "Erlernung der 10 Gebote" in Kirchenhände zu schicken. Dass man nicht töten soll und darf, kann man ihnen auch anders beibringen als mit purer Gewalt. 

     

  2. "Eine Antwort auf Ex-Papst Benedikt warnt den Klerus vor dem Bewirken eines Sacco-Syndroms von Frank Sacco".

    Wieso muss man extra dazusagen, dass das Sacco-Syndrom von Frank Sacco ist? Das ist doch inzwischen hinlänglich bekannt bei denen, die seine Artikel lesen.

  3. Wilfried Müller sagt:

    Leider kann man in der Überschrift den Urhebervermerk "von Frank Sacco" nicht textlich abheben. Sagt mir, wie ich es anders machen soll.

  4. Gedankenstrich – Beitrag von Frank Sacco.

  5. Saco sagt:

    Hab gerade das Buch "Angst und Sein" von Prof. Raymond Batttegay, Basel, gelesen. Es kommt völlig ohne die Angst vor Gott daher. Das Über – Ich sei einfach eine Ablösung der Autorität, die einmal von den Eltern ausging. Das Über-Ich ist das Gewissen. Und es wird Kindern in einer rigiden Form des Gott-Über-Ichs  in Funk und Fernsehen, Medien, Kirche, bei Beerdigungen, in Kirchen, im Kindergarten, im Religionsunterricht, in Schule, in den Kopf geschissen. Dieses Gott-Über-Ich bestraft sogar sündige Triebwünsche. Für die niemand etwas kann. Kinder schon gar nicht. Angst entsteht in der Vorstellung eines jenseitigen Richtens dieser Gedanken und über den Gedanken an eine nachfolgende  Höllenstrafe. Denn die ist feststehendes Dogma. 

    Nach meiner Anzeige in Richtung Erzbischof Becker, Paderborn, wegen Bedrohung von Kindern mit Feuerfolter in einer Hölle, äußerte Bischof Zollitsch, die katholische Kirche wolle in Zukunft die Hölle nicht mehr thematisieren. Das fand ich zunächst in meiner Naivität gut. Es ist aber ein weiterer Kirchentrick. Man redet einfach nicht mehr über dieses göttliche KZ. Man belässt es dabei , dass sie auch so zur Glaubensgewissheit bei Kindern wird. Und das klappt gut.

Schreibe einen Kommentar