Iranerinnen gegen Kopftuch – und MeToo?!

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Mohammad_Jafar_Montazeri


"Das Kopftuch in der Öffentlichkeit abzunehmen, ist gegen das Gesetz und die islamische Pflicht und daher eine eindeutige Straftat." So wird der iranische Generalstaatsanwalt zitiert (Links unten, Bild: Hamed Malekpour, Wikimedia Commons).

Der Mann muss bei wissenbloggt kopfstehen, denn bloß weil er seinen Muff selber nicht abnimmt, muss er das doch nicht den Frauen vorschreiben? Und eine Straftat aus einer selbstverständlichen persönlichen Freiheit machen?

Es gibt immer wieder iranische Frauen, die sich das nicht bieten lassen wollen. "Sie sind so frei", schrieb die Süddeutsche Zeitung in der gedruckten Version (1., online heißt es anders). Sie gehen auf die Straße, um gegen den Zwang zu protestieren, in der Öffentlichkeit ein Kopftuch zu tragen. Die iranische Staatsanwaltschaft will nun mit Härte gegen die wachsende Zahl der "Anti-Kopftuch-Demonstrantinnen" vorgehen.

Erst Ende 2017 hatten im Iran Zehntausende von Menschen gegen wirtschaftliche Mißstände und die iranische Führung demonstriert. Bei den Demonstrationen waren 21 Menschen bei "Zusammenstößen" mit der Staatsmacht getötet worden und 450 verhaftet. Nun werden die Anti-Kopftuch-Demonstrantinnen verhaftet.

Nach offizieller iranischer Doktrin ist "die Bescheidenheit die Zierde der Frau". Dazu gehört das Gebot zur Kopfbedeckung – und das Regime überwacht alles genau. Noch ist es keine Massenbewegung, aber es gibt schon Iranerinnen, die das Kopftuch abnehmen und es an einem Stock als Fahne schwenken (1.). Die Bilder landen schnell in den sozialen Netzwerken und den Messenger-Gruppen. Das geht auf die soziale Online-Bewegung My Stealthy Freedom zurück: Frauenbilder öffentlich ohne Hijab (2.).

Ende Dezember war eine Frau deshalb festgenommen worden, aber  Tausende von Iranern hatten sich im Internet mit ihr solidarisiert, und sie wurde wieder freigelassen. Doch nun wurden 29 weitere Frauen festgenommen; ihnen drohen hohe Strafen.

Da fragt sich der gender-gestählte Beobachter, wo bleiben denn die Proteste der hiesigen Emanzen? Wo bleibt der Aufschrei von den MeToo-Aktivistinnen? Was machen die Femen dagegen? Wo verstecken sich die Frauenrechtlerinnen?

Diese Anti-Kopftuch-Demos sollte es bei uns auch geben. Dem steht aber die grünlinke Ideologie entgegen, dass es beim Kopftuch (hierzulande) um Selbstbestimmung ginge. Wenn also 14-Jährige Schülerinnen aus Deutschland mit einem Cousin aus dem Clan zwangsverheiratet werden und sie Kopftuch beim Burkini-Baden im Schwimmunterricht in der Schule tragen müssen, dann wäre das Selbstbestimmung? Diese Frage wirft einer der Leserkommentare auf, welche die Zeit (3.) dazu veröffentlicht hat. Ein paar von den 380 Kommentaren sind unten referiert. Dort ist eigentlich alles zu dem Thema gesagt.

 

Medien-Links:

  1. Iranerinnen legen demonstrativ ihr Kopftuch ab (Süddeutsche Zeitung 2.2.): Weil sie Haare in der Öffentlichkeit gezeigt haben, hat die Polizei in Iran mehrere Frauen festgenommen. Die Frauen hatten an einer Protestaktion gegen islamische Kleidervorschriften und Benachteiligung teilgenommen. Die Bilder von der Aktion verbreiten sich im Internet rasant, der Staat befürchtet, dass erneut landesweite Proteste ausbrechen könnten.
  2. My Stealthy Freedom: In Iran women have to cover their hair in public according to the dress rule enforced after the Iranian Revolution in 1979. My Stealthy Freedom is an online social movement where Iranian women share photos of themselves without wearing the hijab.
  3. Iran: "Wer sein Kopftuch abnimmt, ist gegen das Gesetz" (Zeit Online 31.1.): Die Staatsanwaltschaft in Teheran will hart gegen Demonstrantinnen vorgehen, die in der Öffentlichkeit ihr Kopftuch abnehmen. Mittlerweile gab es Festnahmen. Kommentare:
    ○ In Deutschland hat das Kopftuch natürlich eine vollkommen andere Bedeutung als im Nahen Osten und ist hier ein Symbol für Freiheit …
    ○ Das Kopftuch auf die "Unterdrückung der Frau" zu reduzieren ist eine unzulässige Verallgemeinerung. Weder intellektuell noch moralisch redlich.
    ○ Ich schließe mich jederzeit dem Kampf für die Freiheit, ein Kopftuch nicht tragen zu müssen, an. Genau so, wie ich mich jederzeit dem Kampf anschließe, ein Kopftuch tragen zu dürfen. Beides steht für die liberalen Werte,
    ○ Ihr Respekt würde sicher auch denen gehören, die ein Kopftuch tragen würden, wenn es ein Kopftuchverbot gäbe.
    ○ Wir sollten unsere Kopftuchverfechterinnen einfach gegen die iranische Kopftuchverweigerinnen tauschen und schon passt es …
    ○ Das Kopftuch ist ein Zeichen des politischen Islams.
    ○ Dürfen Freiheitsrechte der Allgemeinheit eingeschränkt werden zum Zweck der Verteidigung von Grundrechten? Sie meinen nein, ich meine ja.
    ○ Muslimas sind emanzipierter und selbstbewusster als halbnackte westliche Modells, welche ihren Körper vermarkten.
    ○ In der Öffentlichkeit herrschen die Werte des Grundgesetzes. Deshalb gehören die das Haar verdeckenden und Frauen und Männer diskreditierenden Sittsamkeitsbeweise nicht an Schulen und Universitäten!
    ○ Man muss unterscheiden zwischen den Frauen, die die Verhüllung religiös-politisch diktiert bekommen und denen bei Rebellion der Galgen droht, und den verhüllten Frauen in einer freiheitlichen Gesellschaft.
    ○ Das ist genau der große Fehler. Fragen Sie mal einen Scientologen, ob er freiwillig Scientologe ist? Natürlich sagt er ja. Gehirnwäsche bleibt Gehirnwäsche.
    ○ Im Iran wehren Frauen sich gegen die Unterdrückung, indem sie das Kopftuch demonstrativ abnehmen oder zumindest sehr, sehr locker tragen. In Europa scheint die Entwicklung rückwärts zu verlaufen, und hunderttausende Muslimas wenden sich einer Weltanschauung zu, welche sie wie Menschen zweiter Klasse behandelt.

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