Wenn die Pole eiern …

image_pdfimage_print

Polar_Wander_1965reduced

Ein klein wenig gepflegte Panikmache ist angesagt: Die Pole kehren sich ab und zu um, und zwischendurch wandern sie. Wiki dazu:  Diese Umpolungen („Polsprünge“) geschahen im Mittel etwa alle 250.000 Jahre, zuletzt vor etwa 780.000 Jahren die sogenannte Brunhes-Matuyama-Umkehr (Paläomagnetismus und die Umpolung des Erdmagnetfeldes). Nochmal wiki: Das periodische leichte Taumeln (umgangssprachlich „Eiern“) der Erdachse hat seine Ursache darin, dass die Drehachse und die Hauptträgheitsachse nicht ganz zusammenfallen und der Erdkörper etwas elastisch ist (Polbewegung).

Das Eiern wird schön erklärt in dem Artikel The Earth's Magnetic Field Is Shifting, Poles May Flip: "This Could Get Bad" (Undark 26.1.): The shield that protects the Earth from solar radiation is under attack from within. We can’t prevent it, but we ought to prepare. Das schöne an dem Artikel sind die Bilder von NOAA National Centers for Environmental Information. Aus dem Inhalt:

Schon 1905 wurde der Polwechsel entdeckt, und zwar durch die magnetische Polung innerhalb von Steinen. Hundert Jahre später war bekannt, dass sich die Pole hunderte von Malen umgekehrt haben. Manchmal (zuletzt von 40.000 Jahren) tun sie auch nur so, sie "versuchen", die Pasition zu wechseln, und dann schnappen sie zurück – man nennt es einen Ausflug ("excursion").

Wenn die Pole nächstes Mal umdrehen, wird das schwere Konsequenzen für die elektrische und elektronische Infrastruktur haben. Die Frage ist nur, wann das passiert. Dieser Frage gehen die Geophysiker seit ein paar Jahrzehnten nach. Sie nutzen Satelliten und Mathematik, um einen Blick in die Erde zu erhaschen. Denn der Dipol von Nord- und Südpol wird vom Erdinneren nicht nur erzeugt, sondern auch verändert.

Der Artikel spricht von einem Kampf am Rand des Erdkerns. Herumwabernde Schwaden von flüssigem Eisen und Nickel beziehen Kraft aus dem Dipol und saugen dabei Energie ab. Der Nordpol wandert, ein Zeichen von Turbulenz und Unvorhersagbarkeit. Eine Kabale (anscheinend eine magnetische Turbulenz) hat auf der Südhalbkugel bereits ein Fünftel der Erdoberfläche eingenommen – eine Revolution droht. Die Pole könnten sich umkehren.

Man weiß aber nicht, ob das gerade jetzt in Gang ist. Erkennbar ist nur, dass die Prozesse intensiver werden. Deshalb ist es Zeit, sich auf den Umschwung vorzubereiten. Immerhin schützt uns das Erd-Magnetfeld vor gefährlicher kosmischer und Sonnenstrahlung. Wenn sich die Pole drehen, ist der magnetische Schutzschild geschwächt, möglicherweise bis aus ein Zehntel der normalen Stärke. Das könnte Jahrhunderte anhalten und eine Menge schädliche Strahlung bis zur Erde durchlassen. Schon jetzt sind Satelliten über dem Südatlantik von Strahlung beeinträchtigt worden, die Gefahr ist also real.

Aber noch kommt die gefährliche Strahlung nicht bis zur Erdoberfläche durch. Wenn sich das ändert, könnten Teile der Erde unbewohnbar werden. Partikelströme und kosmische Strahlung könnten durch die kaputte Ozomschicht durchdringen und Mensch, Tier und Pflanze töten. Wie schlimm es werden könnte?

Bisher hat man keine Verbindung zwischen Polwechseln und Massensterben gezogen. Aber die Welt ist empfindlicher geworden, wo jetzt 7,6 Milliarden Menschen zu versorgen sind. Die Atmosphäre hat sich chemisch verändert, die Lebensräume für viele Kreaturen sind beengt. Ein Drittel der Arten ist so gut wie ausgerottet, viele weitere sind bedroht. Dazu noch eine Menge kosmische und ultraviolette Strahlung – das könnte ruinöse Konsequenzen haben.

Die Risiken betreffen nicht nur die Biologie. Auch der Cyberraum ist in Gefahr. Energiereiche Strahlung kann die Chips in den Satelliten zerstören, und das ist dann auch auf der Erdoberfläche möglich. Stromnetze und Transformatoren könnten versagen, Blackouts könnten sich wie fallende Dominosteine um die Welt fortpflanzen.

F_1900_2020reducedDas hätte Folgen: Kein Licht, keine Computer, keine Handys, keine Tankstelle usw. usf. Daran denken die Verantwortlichen aber nicht. Was an Satelliten hochgeschickt wird, ist empfindlich wie zuvor, wegen der Miniaturisierung sogar empfindlicher. Und die Stromnetze werden immer stärker verbunden, was das Dominoprinzip wahrscheinlicher macht. Die kritische Infrastruktur unserer Zivilisation ist verletzlichm und das in einer Zeit, wo die magnetischen Turbulenzen relativ stark sind. Das Erd-Magnetfeld ist unbeherrschbar und seine Änderungen sind unkalkulierbar. Da herrscht Anarchie, es macht mit uns, was es will. Wir sollten vorbereitet sein.

Video Earth's Magnetic Field Is Going To Flip, Here's How We Know
Die NASA sagt, es hat keine schädlichen Effekte für Pflanzen und Tiere 2012: Magnetic Pole Reversal Happens All The (Geologic) Time

Links dazu:

Mehr zum Thema:
Dieser Beitrag wurde unter Wissenschaft veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar