Philosophie: Marys Zimmer revisited

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Marys Zimmer ist ein philosophisches Gedankenexperiment von Frank Cameron Jackson (1982, Bilder: Perlinator, pixabay). Hier bei wissenbloggt wird Mary durch den Stummfilm-Star Mary Pickford visualisiert.

Es geht nämlich ums Visualisieren.

Das Gedankenexperiment besteht darin, Mary in einem schwarzweißen Raum mit einem schwarzweißen Fernsehmonitor einzusperren (Bild oben). Mary ist eine brillante Wissenschaftlerin, die sich auf die Neurophysiologie des Sehens spezialisiert und sich alle verfügbaren physikalischen Informationen über das Sehen aneignet. Sie weiß was passiert, wenn wir reife Tomaten oder den Himmel sehen. Sie weiß was passiert, wenn wir   Begriffe wie 'rot‘ ‚'blau‘ usw. benutzen. Sie entdeckt auch, welche vom Himmel ausgehenden Wellenlängen-Kombinationen die Netzhaut stimulieren und wie das mithilfe des Zentralnervensystems eine Lautäußerung hervorruft (Zusammenziehen der Stimmbänder, Ausstoßen von Luft aus der Lunge), so dass der Satz "Der Himmel ist blau" ertönt.

mary-pickford-1963149_1280Mary weiß alles darüber – doch was wird passieren, wenn sie aus ihrem schwarzweißen Raum herausgelassen wird? (Bild rechts) Oder wenn man ihr einen Farbfernseher gibt? Wird Mary etwas lernen oder nicht?

Gemäß Jackson ist es offensichtlich, dass Mary etwas Neues über die Welt und unser visuelles Erleben lernen wird. Das hat nach Jackson philosophische Konsequenzen.

Dann sei die Erkenntnis unausweichlich, dass ihr vorheriges Wissen unvollständig war. Dabei besaß Mary alle physikalischen Informationen. Somit gebe es mehr, als nur diese zu besitzen.

Das habe die Konsequenz, dass der Physikalismus falsch sein muss, nach dem alles Existente, auch das Geistige, rein physisch sei. Dann müsse man die Existenz von Qualia annehmen, von subjektiven, qualitativen Eigenschaften von Erlebnissen. Zudem beweise es, dass der Epiphänomenalismus wahr sei, nach dem mentale Zustände durch physikalische Zustände verursacht werdern, diese aber umgekehrt keinen kausalen Einfluss auf die physikalische Welt ausüben.

Von letzterem kam Jackson später ab, und zwar deshalb, weil Mary "Wow" sagt, wenn sie das erste Mal Rot (oder Blau) sieht. Das wäre nämlich doch eine physikalische Reaktion auf das Mentale, und das widerspricht dem Epiphänomenalismus. Im Jargon der Philosophen kursiert dieser Standpunkt als "'There must be a reply‘ reply".

Später schlägt Jackson eine andere Lösung vor, dass nämlich nur unter falschen Annahmen über Sinneswahrnehmungen folge, dass Mary neues Wissen erwirbt. Die korrekte Theorie sei ein Repräsentationalismus, nach dem bewusstes Erleben nichts anderes als ein Modus von neuronalen Repräsentation sei. Weitere Diskussionen kann man sich bei Marys Raum (wiki) oder Mary's Room (The Daily Omnivore) zu Gemüte führen.

guitar-1695255_1280Hier soll aber die Meinung vertreten werden, dass sich das Problem anders kleinkriegen lässt. Als Grundlage des Experiments dient ja eine Sicht, bei der Marys Hirn als Black Box funktioniert. Sobald man einen Blick ins Getriebe riskiert und die zerebrale Informationsverarbeitung einkalkuliert, gewinnt man eine andere Perspektive für das Experiment:

Da wird quasi die eine Art der Wissensgewinnung gegen die andere ausgespielt. Physikalische Erklärungen gehen ja nur über bestimmte neuronale Kanäle, und da ist Rotsehen nicht dabei. Sobald diese Hirnregionen beansprucht werden – wenn Mary hinaushüpft und was Rotes sieht -, schaffen sie neue Bewusstseinszustände.

Das ist ein Wissensgewinn, logo, aber da folgt nix weiter draus. Z.B. nicht, dass es Qualia geben muss oder dass das Bewusstsein physikalische Zustände verursacht.

 

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2 Antworten auf Philosophie: Marys Zimmer revisited

  1. Saco sagt:

    Das Visualisieren gibts auch bei der Weißen Magie. Man stellt sich vor, an einer bestimmten Stelle unbedingt parken zu können. In der Innenstadt Hamburg. Und tatsächlich: Der Platz ist gerade frei geworden!!

  2. Wilfried Müller sagt:

    Geht Weiße Magie auch für blaue Autos?

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