Wasser schlägt Wellen

image_pdfimage_print

cleaner-3177074_1280Immer mal wieder sorgt das Wasser für Schlagzeilen. Die prognoszierten großen Wasserkriege sind jedoch noch nicht ausgebrochen, während Verteilungskämpfe ums Wasser schon gang und gebe sind.
Der Klimawandel spielt eine durchaus divergente Rolle dabei. In der Hauptrolle finden sich aber menschengemachte Probleme wie Übervölkerung, Umweltzerstörung und Verschwendung (Bild: cromaconceptovisual, pixabay).

Bei den Links unten werden einige Aspekte der Wasserpolitik beleuchtet. Z.B. hatte Indien 2009 und 2016 große Dürren. Das lag nicht nur am regenarmen Monsun, denn der Großteil des indischen Wasserproblems ist hausgemacht. Die Grundwasserressourcen werden missbraucht und übernutzt. Dazu trägt nicht nur die Übervölkerung bei, sondern auch die Landwirtschaft mit wasserintensiven Feldfrüchten. Der Zeit-Artikel (1.) spricht von einer "Durst-Wirtschaft", die von der Not profitiert.

In eine ähnliche Richtung geht der Zero-Hedge-Artikel (2.), der sich mit Rohstoffpreisen befasst, u.a. auch mit dem Wasserpreis. Weil Wasser als Recht angesehen wird und nicht als Handelsware, werde es verschwendet und nicht recht gewürdigt – Wasser sei die am meisten unterbewertete Ressource der Welt.

Wohin die missbräuchliche Wasserpolitik führen kann, zeigen die nächsten beiden Zero-Hedge-Artikel. Einmal wird gezeigt, wie die Hälfte des kalifornischen Wassers ungenutzt abgeleitet wird (3., da geht es um die kalifornische Dürre 2011-2017). Dann wird mit der kalifornischen Korruption ins Gericht gegangen, die gewaltige Profite aus dem knappen Gut hervorbringt (4., das Bild vom Sate of California & California Water Resources Conrol Board zeigt das Missverhältnis von Haushaltsverbrauch und Bewässerung von einem einzigen Agrarunternehmen).Resnick Water Use_0Aktuelle menschengemachte Wasserprobleme werden aus Südafrika berichtet (5.). Die Free Basic Water Policy subventioniert das Wasser wie vielerorts. Die Infrastruktur ist unterdimensioniert und marode, 36% des Wassers versickern, viel Wasser wird verschwendet. Anders im Westjordanland, da wird das Problem in der extrem ungleichen Verteilung des Wassers auf Israelis und Palästinenser gesehen (6.).

Natürlich besteht die Leistung der Menschen nicht nur in Verschwendung, Missbrauch und Fehlallozierung. Die neuen Meerwasserentsalzungsanlagen funktionieren mit Umkehrosmose, sie pressen das Wasser durch eine Membran, welche die Salzmoleküle zurückhält. Israel kann schon 20% seines Wasserbedarfs so decken (7.).

Die Materialforschung liefert sogar neue Möglichkeiten, mit denen Wasser aus der Wüstenluft gewonnen werden soll (8.). Grundlage ist eine hochporöse metallorganische Gerüststruktur, die wie ein Schwamm funktioniert. Nachts saugt sie Wasser aus der Umgebungsluft auf, lagert es in ihren nanometergroßen Poren und setzt es durch die Wärme des Sonnenlichts wieder frei. Möglicherweise ist das eine Chance, den Kampf ums Wasser zu verhindern, von dem ein SZ-Artikel spricht (9.). Auch da geht es um versickerndes Wasser, um wachsende Bevölkerungen und wachsenden Wasserbedarf.

Als Problemfaktor wird immer wieder der Klimawandel genannt. Dabei hat der durchaus auch positive Effekte, wie der wb-Artikel Klimabefunde unten beschreibt. Ein scinexx-Artikel beschreibt, wie die Sahelzone durch den Klimawandel wieder grün wird (10.) – ein Phänomen, das viele Klimaexperten nicht auf dem Schirm haben.

Noch ein kontraintuitiver Aspekt ist das Wassersparen in Deutschland – es ist falsch. Wasser wird mit enormem Aufwand fossiler Energie eingespart, z.B. in Waschmaschinen, die nur ein paar Fingerhüte voll Wasser an die Wäsche tun und dann um so mehr kurbeln. Das Sparen hilft aber weder den Kindern in Afrika noch der Umwelt, es führt bloß zu Rohrverstosmiley-674703_1280pfung (11. und 12.).

Um einen heiteren Abschluss hinzukriegen, sei noch vom Rohen Wasser die Rede. Das "rohe", ungefilterte Wasser soll  gesünder sein als normales Flaschen- oder Leitungswasser und wird zu stolzen Preisen verkauft. Das wäre quasi Mineralwasser light, und es zeigt, dass wirklich fast alles verkaufbar ist (13. und 14., Bild: Alexas_Fotos, pixabay).

Aber halt, die Wissenschaft sagt, es gibt doch Wasser mit Geschmack. Oder besser, die Zunge hat Geschmacksrezeptoren für Wasser (15.). Wenn die Insekten sowas haben und die Amphibien, warum nicht die Säugetiere und die Menschen? Hirnstudien behaupten, der menschliche Kortex reagiere spezifisch auf Wasser. Wassergeschmack als sechster Sinn – tja, wenn das die neue Welle ist …

Medien-Links:

  1. Indien: Wenn der Regen nicht mehr fällt (Zeit Online 9.6.16 mit Sperre): Indiens Dürre ist ein Vorbote neuer Krisen in vielen Schwellenländern. Umgehend hat sich eine "Durst-Wirtschaft" entwickelt – die von der Not profitiert.
  2. Rick Rule: "Water Is The Most Mispriced Commodity In The World" (Zero Hedge 25.2.): Because water is allocated politically. It is believed to be a right, as opposed to a commodity. The consequence of that – as an example, here in the US Southwest, we have taken sources of water, like the Colorado River, and we have allocated approximately 130% of the flow of the river to various claimants. Man möchte also Wasser als Handelsware (commodity) sehen und nicht als Recht.
  3. California Drought Worsens – El Nino 'Gains' Flushed Into The Pacific As Water Storage Runs Dry (Zero Hedge 23.7.16): So, why are California’s reservoirs drying up in spite of a solid rainy season?  The answer lies in the environmental regulations implemented to protect the Delta Smelt, a 5-7cm fish and endangered resident of the California Delta. … In fact, nearly 50% of California’s annual fresh water supply is flushed into the Pacific Ocean each year despite “severe drought” conditions.
  4. How Beverly Hills Billionaires Built A Water Empire In California With Taxpayer Money (Zero Hedge 20.8.16): Es geht um das Agrikultur-Imperium Resnik im Central Valley von Kalifornien, wo die weltgrößten Mandel- und Pistazien-Hersteller sitzen, mit 5 Mrd. $ Jahresumsatz. Dafür wird viel Wasser gebraucht, 450 Mio. Kubikmeter jährlich – das ist mehr als alle kalifornischen Haushalte zusammen. Wie das in einem Staat mit ständiger Dürre funktioniert? Nun, der Steuerzahler hilft dazu. Erstal bekamen die Besitzer das Grundstück umsonst, das Kalifornien für 148 Mio. $ als Wasser-Notreservoir kaufte. Dann durften sie das bewitschaftete kalifornische Wasser für 28 $ pro acre foot (1233 m3) kaufen und verkauften es für 196 $ pro acre foot. Das ist ein doppeltes Geschenk vom Steuerzahler. wenig im Vergleich zu dem 65-Mrd.-$-Projekt Delta Tunnels, bei dem der Artikel auch Schiebung vermutet.
  5. Africa’s Manmade Water Crisis (Project Syndicate 20.2.): The imminent shutdown of Cape Town’s piped water network should serve as a wake-up call for all of Africa to overhaul urban water-management systems. Unfortunately, like Africa’s water resources themselves, Cape Town's crisis seems likely to be wasted.
  6. Bizarr ungleiche Verteilung des Wassers im palästinensischen Westjordanland. Ein lösbares Problem, das absichtlich nicht gelöst wird (NachDenkSeiten 26.8.16). Demnach ist der Dauernotstand bei den Wasserproblemen Palästinas.politisch erzeugt aber lösbar.
  7. Salt Water into Drinking Water: World’s Largest Desalination Plant Up And Running (Futurism 19.5.16): Desalination is a process that is expected to take on more of the world’s ever increasing water demand. In fact, more and more research is going into finding ways to refine the procedure of turning salt water into drinkable water. Die aktuellen Wasserfabriken sind reverse osmosis desalination plants z.B. in Barcelona und in Sorek (Israel). Die israelische Anlage ist so groß, dass sie 20% des israelischen Wasserbedarfs liefert, 627.000 Kubikmeter am Tag bei voller Leistung.
  8. Materialforschung – Wasser aus Wüstenluft (Frankfurter Allgemeine Zeitung 3.5.17): Hoffnung für Regionen mit großer Wasserknappheit: Ein neu entwickeltes Material kann auch aus trockener Luft Trinkwasser gewinnen. Ein deutsches Chemieunternehmen zeigt bereits Interesse.
  9. Kampf ums Wasser – Wie eine globale Krise verhindert werden kann (Süddeutsche Zeitung 22.3.14): Zu viel oder zu wenig, verschmutzt oder verschwendet: Wasser ist an vielen Orten des Globus ein Problem. Dabei könnte es selbst für die wachsende Weltbevölkerung reichen – würden die Menschen nur richtig mit dem Rohstoff umgehen.
  10. Warmes Mittelmeer lässt Sahel ergrünen – Feuchte mediterrane Luft facht den westafrikanischen Monsun an (scinexx 4.7.16): Paradoxer Effekt: Die Erwärmung des Mittelmeers bringt zwar Hitze und Dürren in Südeuropa, doch die Sahelzone profitiert von diesem Klimawandel-Trend. Sie wird regenreicher und grüner. Als Grund dafür wird angegeben, das warme Meer verändere die Luftströmungen und lenke den Monsun in den Sahel. Ob die Sahelzone auch langfristig vom Klimawandel profitiere, hänge daher unerwartet eng vom Mittelmeer ab, so die Forscher im Fachmagazin "Nature Climate Change".
  11. Wasserversorgung: Schluss mit dem Wassersparen! (Zeit Online 29.3.12 mit Sperre): Es hilft weder den Kindern in Afrika noch der Umwelt, führt aber zur Rohrverstopfung.
  12. Wasser sparen? WARUM DIE QUALITÄT DES TRINKWASSERS WICHTIGER IST ALS SEINE MENGE (Leibniz Universität Hannover): Wasser sparen besitzt in Deutschland einen hohen Stellenwert – erstaunlich in einem Land, in dem Wassermangel nur selten ein Problem ist. Trotzdem wird Wasser, eine erneuerbare Ressource, mit enormem Aufwand fossiler Energie eingespart – beispielsweise mit aufwändiger Regenwassernutzung im Haushalt. Die Forschungsstelle Recht,. Ökonomie & Umwelt kommt zu dem Schluss, dass der paradoxe Umgang mit Wasser in Deutschland die Nachhaltigkeit der Wasserversorgung massiv beeinträchtigt.
  13. Rohes Wasser: Esoterik zum Trinken (DocCheck News 19.1.): In den USA ist ein ganz besonderes Produkt neu auf dem Esoterikmarkt: Konsumenten kaufen für horrende Summen „rohes“ Wasser.
  14. Wo rohes Wasser sinnlos waltet (GWUP 27.1.): Der Vollständigkeit halber (und damit wir auch ja keinen Nonsens-Trend verpassen)
  15. Scientists discover a sixth sense on the tongue—for water (Science 30.5.17). Insects and amphibians have water-sensing nerve cells, and there is growing evidence of similar cells in mammals. … A few recent brain scan studies also suggest that a region of human cortex responds specifically to water.

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