Clean Meat statt Veggie

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Viehaltung ist umweltschädlich und nicht nachhaltig, schlecht für die menschliche Gesundheit und schlecht für die Tiere. So steht es auf der Site von Cleanmeat. Statt nun die vegetarische Konsequenz daraus zu ziehen und sich von Gemüse zu ernähren, gibt es einen besseren Weg (Bild: 95839, pixabay).

Erbsen können nämlich zu künstlichem Fleisch veredelt werden. Clean Meat statt Veggie – sauberes Fleisch statt vegetarisch. Darüber lässt sich ein Artikel der SZ aus (1. Link unten). Demnach schmecken und riechen die pflanzlichen Hamburger des Erzeugers Beyond Meat fast genauso wie Fleisch. Sie sehen auch so aus, obwohl sie hauptsächlich aus Erbsenprotein bestehen, und sie bluten sogar Rote-Bete-Saft.

Fleisch auf Gemüsebasis wird längst verkauft. Die nächste Stufe ist Fleisch ohne Gemüse und ohne Tiere. Was da kommt, ist die nächste große wissenschaftliche Revolution. Es werden neue Wege entdeckt, um genug Nahrung für die wachsende Weltbevölkerung zu schaffen. Unsere Vorfahren haben Tiere domestiziert, aber heute werden nur noch die Zellen der Tiere domestiziert. Das Feisch der Zukunft kommt aus dem Reaktor.

Das sind aufrüttelnde Nachrichten für die Tierhaltungs-Industrie. In den USA fürt das schon zu Verwerfungen (1.): US-Farmer laufen Sturm gegen "vegetarisches Fleisch". Sie möchten Herstellern von Laborfleisch und Pflanzenfleisch verbieten, ihr Produkt "Vegetarisches Fleisch" zu nennen. Wenn's nach den Farmern geht, darf nur das Fleisch heißen, was "von Tieren stammt, die auf die traditionelle Art geboren, aufgezogen und geerntet wurden" (man beachte den Euphemismus "ernten" für "schlachten").

Also auch wenn das Fleisch chemisch gleich ist, weil es von den gleichen Zellen produziert wurde, soll es kein "Fleisch" sein. Der Streit um die Benamsung ist brandheiß, weil es das Clean Meat bald zu kaufen gibt. Ob der Namensstreit an der Sache was ändert? Bei der Milch gab's das schon, Soja- und Mandelmilch sollen Soja- und Mandeldrink heißen. Und was Rahm, Sahne, Butter, Käse oder Joghurt im Namen enthält, muss aus gemolkener Milch sein, wie der Europäische Gerichtshof 2017 urteilte.

Vielleicht schafft es die EU ja mit solcher Hilfe, ihre rückwärtsgewandte Viehhaltungs-Subventionierung noch ein paar Jahre durchzuhalten. Aufwachen wird man wohl erst, wenn die sauberen neuen Produkte aus den USA den Markt erobern. Dann könnten die Begriffe "Fleisch" und "Milch" eine realistische Neubewertung erfahren, nämlich als Relikte von Tierschändung und -missbrauch. Und die Viehhalter können ihre Rinder, Schweine, Truthähne, Hühner entsorgen.

Argumentatives Rüstzeug gibt's in einem Buch (2.). Tiere müssen bald nicht mehr in Tierfabriken massenproduziert und geschlachtet werden. Man kann demnächst 100% reines Fleisch aus Zellkulturen kaufen, ohne Flechsen, Adern, Salmonellen oder Anabolika – sauberes Fleisch eben.

Im Moment kostet die Saubereit noch viel Geld, 40 $ pro Gramm. Bald sollen es 10 $ für einen Hamburger-Patty sein. Am Ende dürfte das Retortenfleisch billiger als jedes herkömmliche tierische Fleisch werden, und dabei umwelt- und menschenverträglich.

 

Medien-Links:

  1. Fleischindustrie – Steak aus der Petrischale (Süddeutsche Zeitung 27.2.): US-Farmer laufen Sturm gegen "vegetarisches Fleisch". Die Hersteller sollen ihre pflanzlichen Produkte anders benennen.
  2. Clean Meat (Gallery Books)

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